Kolumne : Die seltsame Abwesenheit der Spielerfrau

Kolumnist Matthias Kalle stellt eine überraschende Abwesenheit von Spielerfrauen während der Fußball-EM fest. Das stört ihn allerdings wenig, weil er weder für sie noch für echte Kerle etwas übrig hat. Eher interessieren ihn Tätowierungen.

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Autor Matthias Kalle.
Autor Matthias Kalle.Foto: Promo

Ich habe in diesem Sommer bisher erfreulich wenig über die so genannten Spielerfrauen erfahren, das hat mich zunächst irritiert, denn die Spielerfrau ist seit zehn Jahren eigentlich ein großes Thema bei allen Fußballturnieren, ich weiß gar nicht genau, warum eigentlich?

Begann das alles mit der Liebe zwischen David Beckham und Victoria? Als sich die beiden kennen lernten war er, der Fußballer, 22 und sie, die Dingsbums von den Spice Girls, 23. 1997 war das, und im Fußball bedeutete diese Beziehung eine ähnliche Revolution wie die Abschaffung des Liberos. Davor nämlich waren Spielerfrauen eher vom Schlage Bianca Illgner oder Martina Effenberg oder Gaby Schuster: Sie berieten ihre Männer, die sie wahrscheinlich für ein bisschen doof hielten in Vertragsangelegenheiten, sie wollten gerne Managerinnen sein, aber damals gab es ja auch noch nicht den Beruf der Schmuckdesignerin, die Alternativen fehlten, was sollte diese Generation der Spielerfrauen also machen?

Die neue Generation der Spielerfrauen ist irgendwie Model. Oder Moderatorin. Oder modelnde Moderatorin. Oder moderierendes Model. Die Freundin von Mats Hummels war mal Miss FC Bayern München, aber das reicht nicht, das ist nicht genug, da helfen auch keine angeschweißten Haare. Sami Khedira ist mit Lena Gehrke zusammen, die hat die erste Staffel von „Germanys Next Topmodel“ gewonnen und war danach mit einem Sänger zusammen, von dem nicht gerade bekannt war, dass er sich für Frauen interessiert.

Als Lena Gehrke und einige andere Spielerfrauen ihre Männer in Danzig besucht haben, soll das für einigen Unmut gesorgt haben, weil sich die Fotografen hauptsächlich für Lena Gehrke interessiert haben und nicht so sehr für, sagen wir mal, die ehemalige Miss FC Bayern München. Der DFB soll sich dann um dieses Problem gekümmert haben.

Worum kümmert sich die Uefa eigentlich? Hauptsächlich ja um die Fernsehbilder, und im Fernsehen sieht man ganz wenige Spielerfrauen, die Kameras scheinen sich nicht für sie zu interessieren (außer für Shakira, die ist mit dem spanischen Verteidiger Piqué zusammen und saß während eines Vorrundenspiels auf der Tribüne), und das ist vielleicht das Beste, was man über die Uefa im Moment sagen kann: dass sie uns mit Bildern der Spielerfrauen weitestgehend verschont.

Protest ist da eigentlich nur von Waldemar Hartmann zu erwarten – tatsächlich verwundert es, dass er nicht mehr Bilder und Fotos der Spielerfrauen einfordert, denn dass würde Hartmanns Sehnsucht nach „echten Kerlen“ in der Nationalmannschaft zusätzlich befeuern. Diese Sehnsucht übrigens ist mir gänzlich fremd: Ich brauche keine echten Kerle, ich brauche keine Spielerfrauen, ich brauche nicht einmal Waldemar Hartmann – obwohl es mich dann doch interessieren würde, ob Hartmann eigentlich tätowiert ist. Das würde nämlich einiges erklären.

Denn während die Bedeutung der Spielerfrau abnimmt, nimmt die Bedeutung der Tätowierung zu – als Erkennungsmerkmal für den nicht ganz so beschlagenen Fußballer nämlich. Die „Süddeutsche Zeitung“ hat heraus gefunden, dass vor allem Abwehrspieler zu Tätowierungen neigen, allen voran der Däne Daniel Agger. Nun sind Agger und die Dänen ja bereits nach Hause gefahren und die Kollegen der „Süddeutschen“ kombinierten: „Je mehr Zeichnungen am Körper, desto geringer die Chancen.“

Tatsächlich ist es so, dass die Mannschaften mit den meisten Tätowierungen in der Vorrunde ausgeschieden sind: Holland, Schweden, Kroatien, Dänemark. Die beiden großen Favoriten Spanien und Deutschland hingegen können eher wenige tätowierte Spieler aufweisen, Mario Gómez zum Bespiel, der eine deutsche Mutter und einen spanischen Vater hat, lehnt Tätowierungen am eigenen Körper strikt ab. Er ist übrigens seit seiner Schulzeit mit Silvia zusammen, einer Pharmazie-Studentin, die sich dezent im Hintergrund hält.

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