Kolumne : Ein Zwischenruf zur Frauenquote

Die Debatte um die Frauenquote ist eine Symboldebatte. Um wirklich mehr Frauen in Führungspositionen zu bringen, sind ganz andere Maßnahmen nötig.

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Ursula Weidenfeld ist Wirtschaftsjournalistin. Sie war unter anderem Chefredakteurin von "impulse".
Ursula Weidenfeld ist Wirtschaftsjournalistin. Sie war unter anderem Chefredakteurin von "impulse".Foto: Mike Wolff

Brauchen berufstätige Frauen tatsächlich eine gesetzlich vorgeschriebene Beteiligungsquote, um ganz nach oben zu kommen? Die Debatten dieser Woche legen das nahe. EU-Kommissarin Viviane Reding scheiterte zwar vorerst mit ihrer Frauenquote für Aufsichtsräte. Doch im Deutschen Bundestag erfreut sich der rot-grüne Quotengesetzentwurf Beliebtheit, auch in der CDU. Ist die Quote vernünftig? Meinen es die Quotenfreunde wirklich ernst?

Schon bei der ersten Frage sind Zweifel angebracht: Eine Quote ist immer eine Zwangsmaßnahme. Frauen sind heute in der Überzahl bei den Abiturienten, bei den Uniabsolventen, sie machen die besseren Abschlüsse. Kaum eine Frau verlässt sich heute darauf, dass es irgendwann einen Ehemann geben wird, der sie versorgt. Keine Frau steht mehr unter dem gesellschaftlichen Druck zu heiraten, Kinder zu bekommen, sie zu Hause zu erziehen und dafür den Beruf aufzugeben. Diejenigen, die das tun, haben sich für dieses Leben entschieden. Die anderen sind auf dem Weg durch die unteren und mittleren Etagen des Berufslebens. Irgendwann werden sie oben ankommen. Wenn sie dann die Ellenbogen ausfahren und ihren Platz beanspruchen, werden sie ihn vermutlich mit derselben Wahrscheinlichkeit ergattern wie ihre männlichen Kollegen.

Komplizierter ist die Antwort auf die Frage nach der Ernsthaftigkeit der Quotenkämpfer. Die Befürworter argumentieren, dass Frauen ohne die Quote noch jahrzehntelang an die gläserne Decke knallen werden. Das mag stimmen, soweit es sie selbst betrifft. Die heute 45- bis 55-jährigen Akademikerinnen haben vielleicht tatsächlich nur noch diese Chance, sich Spitzenposten zu sichern. Aber die anderen? Wer sie fördern und ihnen gleichzeitig die Energie für den Weg an die Spitze zuführen will, müsste nur das Ehegattensplitting, die Familienmitversicherung in der Krankenkasse und die Minijobs abschaffen. Dann würde der materielle Anreiz wegfallen, einen Ehepartner möglichst wenig verdienen zu lassen.

Die Debatte ist eine Symboldebatte. Splitting und Mitversicherung sind echte Politik. Nur so würde die kritische Masse für einen Frauensturm auf die Chefetagen entstehen. Nur: Das trauen sich nicht einmal die wildesten Quotenbefürworter. Deshalb ist die Frage nach der Ernsthaftigkeit des Frauenprojekts nicht nur berechtigt. Sie ist entscheidend.

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