Kolumne: Einspruch : Der Vermieter sollte den Makler bezahlen

Hamburg möchte den Mietern helfen. In Zukunft sollen die Vermieter den Makler bezahlen. Das ist ein Eingriff in die Vertragsautonomie - aber trotzdem sympathisch.

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Es soll auch gute und hilfreiche Makler geben. Nur, dass sie kaum jemand jemals getroffen hat.
Es soll auch gute und hilfreiche Makler geben. Nur, dass sie kaum jemand jemals getroffen hat.Foto: dpa

Seltsam, so viele Menschen bringt das Internet zusammen, bietet einen Markt für alles und jeden, nur Vermieter und Mieter, die finden hier schwer zueinander, jedenfalls nicht bis zum gültigen Vertragsschluss. Zwischen ihnen stehen früher wie heute Vertreter eines Berufs, für den man weder Ausbildung noch besondere Kenntnisse oder Fähigkeiten benötigt, sondern einzig einen Gewerbeschein. Der Makler ist ein Beruf, der schon am Maßstab seiner Etymologie gemessen freier ist als andere, handelt es sich doch um eine Ableitung aus dem Niederdeutschen „maken“, also schlicht „machen“. Was, ist den Machern überlassen.

Wie es aussieht, wenn die Macher machen, damit hat jeder so seine eigenen Erfahrungen. Es soll sie geben, jene Vertreter ihres Berufs, die sich die Füße wund laufen für Wohnungssuchende, unermüdlich Schlüssel umdrehen, Zimmertüren öffnen und sachkundig Badezimmereigenschaften präsentieren. Aber komisch, man hat sie noch nie getroffen. Verbreitet scheint, jedenfalls in Ballungsgebieten, der andere Typus zu sein, der hier nicht beschrieben gehört, weil die meisten ihn kennen werden. Auch werden sich die meisten bereits über den Verlust der vierstelligen Eurobeträge geärgert haben, die der Macher dafür kassiert hat, dass man zu ihm freundlich war und sich bis auf den Kontostand vor ihm ausgezogen hat. Der Kapitalismus ist toll. Aber in diesen Momenten hasst man ihn.

Mit viel Sympathie ist deshalb ein aktueller Vorstoß aus der teuren Stadt Hamburg zu begleiten, per (Bundes-)Gesetz festzuschreiben, dass derjenige den Makler bezahlt, der ihn beauftragt. Schließlich ist er, der Vermieter, der Nutznießer, er bekommt einen solventen Mieter und dauerhaft Geld. Zudem wäre das mal eine Pflicht in einer Branche, die wenig Pflichten kennt, und in der zum Beispiel die Vorschrift, Vermietung/Verwaltung und Vermittlung rechtlich zu trennen, so oft umgangen wird, dass den Beteiligten davon schon schwindelig sein muss.

Die Immobilienlobby und ihre politischen Agenten wittern einen Eingriff in die Vertragsautonomie und sie haben Recht: Wer den Makler zahlt, Mieter oder Vermieter, regelt der Markt, nicht das Gesetz. Aber ein tragischer Eingriff in die Vertragsfreiheit wäre das nicht, das gesamte Mietrecht ist ein Eingriff in die Vertragsfreiheit. In dessen soziale Struktur könnten die Makler ruhig eingebunden werden; steigende Mietpreise haben ihnen auch steigende Courtagen beschert.

So schön und gerecht das alles wäre, am Ende würden wohl auch hier Wege gefunden, die Vorschriften zu umgehen und die Kosten letztlich doch auf die Mieter abzuwälzen – und sei es, indem sie auf die Miete aufgeschlagen werden. Pragmatischer scheint eine andere Möglichkeit. Bislang ist die Provision per Gesetz auf zwei Monatsmieten begrenzt. Vielleicht ist der Job aber maximal eine wert?

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