Kolumne "Ich habe verstanden" : Ob der Papst Humor hat, weiß ich nicht und ist auch egal

Dass Humor von Mensch zu Mensch verschieden ist, findet unser Kolumnist Matthias Kalle gut so. Über schlechte Witze lässt sich aber nicht diskutieren. Das Papst-Cover der "Titanic" findet er weder lustig noch geschmackvoll.

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Autor Matthias Kalle.
Autor Matthias Kalle.Foto: Promo

Am lustigsten wird es ja immer dann, wenn Menschen sich zu ihrem Humor bekennen. Wenn sie zum Beispiel behaupten, sie hätten davon eine ganze Menge. Oder: Sie seien Freunde des gepflegten, intelligenten Witzes. Sie würden nicht zu denen gehören, die zum Lachen in den Keller gingen. Sie seien sogar in der Lage, über sich selbst lachen zu können, jaja – gewiss, denn schließlich habe Selbstironie ja auch Kraft. Allerdings seien auch die anderen Humordisziplinen Ironie und Satire nicht zu verachten. Und von ihrem Partner verlangen diese Menschen dann natürlich auch nicht Schönheit, Bildung, Reichtum oder sexuelle Neugier, sondern „Humor“, am besten in Kombination mit „Spontanität“. Diese beiden Forderungen, „Humor und Spontanität“ sind das „Pest und Cholera“ in jeder Bekanntschaftsanzeige.

Denn so funktioniert das nicht, so kann das ja gar nicht funktionieren. Ich habe noch nie erlebt, das zwei Menschen durchgängig denselben Humor haben, über dieselben Sachen lachen können. Ich finde das übrigens überhaupt nicht schlimm, im Gegenteil: Ich halte es für eine grauenvolle Vorstellung, wenn ein Paar sich irre spontan von einem Witzchen zum anderen hangelt. Tatsächlich halte ich Humor für eine sehr intime Sache und verweise nochmals auf eine Frage aus dem berühmten Max-Frisch-Fragebogen: „Haben Sie Humor wenn sie alleine sind?“

Eigentlich habe ich nur Humor, wenn ich alleine bin, meine Kolumnen entstehen fernab von Menschen. Vor allem aber liegt das daran, dass ich die meisten Menschen einfach nicht so witzig finde, wie sie sich selbst. Ich glaube übrigens nicht, dass Humor etwas damit zu tun hat, wo man politisch steht. Andere glauben das aber, zum Beispiel ein „Spiegel Online“-Kolumnist, der so etwas ist wie der Hofnarr der Konservativen. Der bescheinigte in seiner jüngsten Kolumne der gesamten Linken einen ganz fürchterlichen Humor, seine Beweisführung ist ein bisschen dünn, er führt zwei Kabaretts an und bemüht in seinem Text das Wort „Posemuckel“, keine Ahnung warum er das macht. Der Anlass für seine Kolumne ist auch der Anlass dieser Kolumne, nämlich das Cover der aktuellen Ausgabe der „Titanic“, gegen das Papst Benedikt nun vorging – auf dem Cover ist der Papst in einer besudelten Soutane zu sehen. Der Witz, der sich daraus herleiten soll, hat wohl im weitesten Sinne mit Inkontinenz zu tun.

Der Witz ist nicht gut. Er taugt nicht. Er ist auch geschmacklos, obwohl ich persönlich Geschmacklosigkeit nicht für ein Ausschlusskriterium in Sachen Humor halte, viele sehr gute Witze sind furchtbar geschmacklos. Mir wäre es lieber gewesen, wenn sich die Witzepolizei über das „Titanic“-Cover aufgeregt hätte und nicht die Moralpolizei, andererseits stimme ich dem Rechtsanwalt Christian Schertz in allem zu, was er am Mittwoch im „Tagesspiegel“-Interview gesagt hat. Der Mann ist übrigens zu Gags, Jokes und Witzen durchaus in der Lage, keine Ahnung wo er politisch steht. Seine Ansicht, dass es richtig war, dass der Papst rechtliche Schritte gegen dieses Cover erwirkt hat, teile ich voll und ganz.

Ob der Papst Humor hat, weiß ich nicht, und es ist mir auch egal. Ich beurteile Menschen nicht danach, ob sie Humor haben oder nicht. Ich glaube nicht, dass ein humorloser Mensch zwangsläufig auch ein schlechter Mensch ist – und ein humorvoller Mensch kann ein ziemliches Arschloch sein, man darf also diese ganze Humorkiste nicht zu hoch hängen, wir haben kein Humorproblem in Deutschland, so wenig wie wir eine Verspießerungsproblematik in Berlin haben. Darüber musste ich in dieser Woche in „Bild“ lesen. Hab ich mal kurz gelacht.

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