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Kolumne "Ich habe verstanden" : Tränen nach dem Sieg

09.11.2012 13:21 Uhrvon
Obama wischt sich eine Träne weg - (k)ein Zeichen von Schwäche? Foto: dpaBild vergrößern
Obama wischt sich eine Träne weg - (k)ein Zeichen von Schwäche? - Foto: dpa

Ist es ein Zeichen von Schwäche, wenn Männer weinen? Unser Kolumnist Matthias Kalle meint: Nicht unbedingt. Im Moment des Triumphs kann so eine Freudenträne auch Selbstbewusstsein demonstrieren. Den Trick sollte vielleicht auch ein deutscher Spitzenpolitiker mal versuchen.

Mein Sendungsbewusstsein ist leider nicht so groß, dass ich glaube, die Welt würde nur darauf warten, was ich eigentlich über die Themenkomplexen Markus Lanz/Tom Hanks/Wetten, dass...? und/oder Barack Obama/US-Wahl so denke. Natürlich denke ich da was drüber, ich habe sogar eine Meinung, aber ich möchte nicht erleben, dass unter dieser Kolumne jemals ein Kommentar auftaucht, in dem steht: „Endlich schreibt er mal, was alle schon geschrieben haben.“

Zwei Männer haben in den vergangenen Tagen öffentlich geweint, zum einen Rod Stewart, zum anderen dann doch auch Barack Obama. Stewart, von Beruf Rocksänger, hat so eben seine Biografie veröffentlicht, aber ich interessiere mich nicht so für Rocksänger-Biografien, da geht es mir zu sehr um Drogen und Sex, beides finde ich dann doch eher langweilig.

Aber diese Woche hat dann der Fußballverein Celtic Glasgow, dessen glühender Anhänger Stewart ist, in der Champions League den großen FC Barcelona geschlagen, und Stewart saß auf der Tribüne, sah die Sensation – und heulte hemmungslos. Und dann besuchte Barack Obama nach der gewonnen Wahl sein Wahlkampfteam um sich zu bedanken, in dem Video, das am Donnerstag veröffentlicht wurde, sieht man einen sichtlich gerührten Präsidenten, der sich eine Träne wegwischt.

Dass Männer öffentlich weinen, ist jetzt auch nicht wirklich eine Sensation, aber in der Vergangenheit sah man männliche Tränen doch eher in den Momenten der Niederlage, bei Stewart und Obama aber sind es Tränen nach einem Sieg – also in Momenten, in denen Männern gemeinhin vor Freude schreien und die Fäuste ballen, um der Welt ihre Stärke zu demonstrieren – und nicht ihre Schwäche.

Aber kann man die Tränen eines Mannes heute noch guten Gewissens als Zeichen von Schwäche deuten? Oder ist der Mann, der weint, gerade nach einem Sieg, nicht in Wahrheit ein starker Mann, also einer, der sich seines Triumphes so bewusst ist, dass er genau weiß, dass das Weinen ihm nichts anhaben kann? Bedeuten die Tränen also vielmehr: „Seht mich an! Ich habe gewonnen und es ist mir vollkommen egal was meine Gegner jetzt von mir halten!“

Peer Steinbrück, den viele Frauen angeblich für nicht wählbar halten, könnte sich diese Strategie zu eigen macht, Zeit genug ist ja noch, Gelegenheiten werden kommen. So könnte er bei der einen oder anderen Wahlkampfveranstaltung einfach mal losflennen, wenn er über das Betreuungsgeld schimpft, und im TV-Duell mit Kanzlerin Merkel könnte er plötzlich seiner Frau eine Liebeserklärung machen und sich schüchtern eine kleine Träne wegwischen. Vielleicht hilft das ja, genau weiß ich das natürlich nicht.

Ich selbst habe diese Taktik noch nie ausprobiert, außer Mutter hat mich noch nie jemand weinen gesehen, was aber vor allem daran liegt, dass ich nicht nah am Wasser, sondern in eisigen Höhen gebaut bin – und auch eher in selbst für mich fragwürdigen Momenten anfange zu heulen: bei „Rocky III“ zum Beispiel; oder wenn mich mein Handy an meinen eigenen Geburtstag erinnert.

Vergangenen Samstag habe ich übrigens auch geweint. Darüber, dass ich so bescheuert war mir „Wetten, dass...?“ anzuschauen.

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