Kolumne : Ich habe verstanden

Matthias Kalle über die Frechheiten von Google, die Gefahren von Facebook und das iPad.

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Dass sich Pack nicht vorher schlagen muss, um sich zu vertragen, erkannte ich heute, als ich mir die erste Seite der „Bild“ anschauen musste. Das stand: „Google-Gründer zu Besuch bei BILD“, darunter ein Foto von Google-Gründer Larry Page (37) und BILD (Kai Diekmann), im kleinen Text ist der Besuch gar ein „hoher“. Bemerkenswert, wenn man sich darüber freuen kann, dass Google zu einem nach Hause kommt.

Andere freuen sich vielleicht nicht, lassen Google aber trotzdem rein. In einem TV-Beitrag für das ZDF-Comedeyformat „Freitag Nacht“ gab sich Martin Sonneborn als Mitarbeiter von Google aus, klingelte bei wildfremden Menschen und sagte, er müsse jetzt mal das Haus und alle Zimmer in dem Haus fotografieren, das müsse nämlich alles ins Internet. Und was machten die Menschen? Sie ließen ihn herein und sie ließen ihn fotografieren. Wenn es das Internet verlangt, dann soll das Internet halt Fotos bieten können, au denen jeder sehen kann, wie ich lebe.

Das war, natürlich lustig gemeint, ein Gag, aber tatsächlich ist es eine Frechheit aber die größte Frechheit, die sich Google gerade erlaubt hat, ist folgende: Als Googles Street-View-Autos durch Deutschland fuhren, um jedes Haus, jede Straße, jeden Baum zu fotografieren, zapfte der Konzern dabei deutsche WLAN-Netze an und saugte dabei Daten aus Privatcomputern. Eine Panne, ein Versehen, natürlich. In einem Leitartikel schreibt Heinrich Wefing am Donnerstag in der „Zeit“: „Schenken wir der Erklärung des Unternehmens also ruhig Glauben, die jüngste Datensammlung sei versehentlich erfolgt, unbemerkt, über mehrere Jahre. Nur: Macht das den Vorgang irgendwie harmloser? Wenn es so wäre, hieße es ja, dass sie bei Google ihre eigene Software nicht im Griff haben.“

Wefing stellt einen interessanten Vergleich an, er fragt sich, was eigentlich in Deutschland los wäre, wenn die Bundesregierung ähnlich vorginge, wenn also der Innenminister beschließen würde, das jetzt mal bitte jedes Haus in diesem Land fotografiert wird. Sein Fazit: „Es wäre die Hölle los.“

Kann es aber nicht auch sein, dass die Hölle zwar tatsächlich die anderen sind, diese aber bereits vollständig einsatzfähig sind?

Donnerstagabend dann, bei „Monitor“ in der ARD: Das soziale Netzwerk Facebook überträgt Passwörter zum Teil unverschlüsselt im Internet, und zwar die Passwörter, die man eingibt, wenn man von Facebook aus auf seinen privaten E-Mail-Account zugreifen will. Ein Experte für Internet-Sicherheit der Fachhochschule Gelsenkirchen sagt: „Damit sind kriminelle Organisationen in der Lage, mein Passwort mitzulesen und sich Zugang zu meinem E-Mail-Account zu verschaffen.“ Facebook hat weltweit 400 Millionen Nutzer.

Nächste Woche kann man in Deutschland übrigens das „iPad“ kaufen. Man kann es auch lassen. Noch.

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