Kolumne: Mein Blick : Das ist er nicht wert

Der Protest gegen den Besuch von Angela Merkel in Griechenland zeigt: Der Euro ist zum europäischen Spalter geworden. Das ist es nicht wert.

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Der Autor ist Publizist und lebt in Potsdam. Von 1992 bis 2005 war er Herausgeber der "Märkischen Allgemeinen". Er ist stellvertretender Parteivorsitzende der "Alternative für Deutschland" (AfD).
Der Autor ist Publizist und lebt in Potsdam. Von 1992 bis 2005 war er Herausgeber der "Märkischen Allgemeinen". Er ist...Foto: Thilo Rückeis

Als Konrad Adenauer, der erste Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland, ein Jahrzehnt nach dem Ende des Krieges, der auch den Griechen viel Leid zugefügt hatte, Hellas besuchte, wurde er von der Bevölkerung freundlich empfangen, ritt auf einem Esel in ein Bergdorf und genoss, nur von wenigen Polizisten eher begleitet als beschützt, die Erfüllung jener Griechenlandsehnsucht, die seit Goethe, Byron und dem ersten Griechenkönig, dem Wittelsbacher Otto I., ein habitueller Teil deutscher Bildungsbürgerlichkeit ist.

Ein halbes Jahrhundert europäische Einigung später fährt die Bundeskanzlerin durch menschenleere Straßen und muss von 7000 Polizisten vor der Wut tausender Demonstranten geschützt werden, die Hitlerbilder hochhalten und Plakate von Angela Merkel in SA-Uniform mit sich führen. Wenn es noch eines Beweises bedurft hätte, dass hier etwas gründlich schiefgelaufen ist, so müsste der Vergleich dieser beiden Staatsbesuche selbst die hartnäckigsten Euro-Befürworter ins Grübeln bringen.

Was Bismarck nach den Einigungskriegen mit diplomatischer Meisterschaft zu verhindern suchte – den Zusammenschluss aller anderen gegen Deutschland –, ist schon fast wieder diplomatischer Alltag. Die Verhältnisse in der europäischen Zentralbank und die Isolierung des Bundesbankpräsidenten nehmen nur vorweg, was andere nachvollziehen werden, wenn nach Griechenland auch Spanien, Portugal und Italien ins Straucheln geraten. So erweist sich der Euro als das Gegenteil dessen, was seine Erfinder erhofft hatten, er ist vom Einiger zum Spalter geworden und hat das alte Bismarck’sche Trauma des Einen gegen alle in neuem Gewand wiedererstehen lassen.

Dabei wirkt die deutsche Politik fast hilflos, denn was die Banker – zuletzt Deutsche-Bank-Chef Anshu Jain – voraussagen, eine größere Inflation, ist im deutschen historischen Bewusstsein nach zwei Geldentwertungen Anathema, während die verschuldeten Südländer nur auf diese Weise hoffen können, ihre Lasten zu mindern, wie es Italien, Griechenland und selbst Frankreich vor Einführung des Euro über Jahre praktiziert haben.

Hier treffen zwei unterschiedliche Kulturen aufeinander, von denen jede ihre Berechtigung hat, weshalb Merkels Spar-Appelle in den Ohren der Betroffenen hartherzig und nach deutscher Dominanz klingen. Es ist der klassische Kulturkonflikt. Während die deutschen Sparer Angst vor einer dritten Inflation beschleicht, rufen Spanier, Franzosen und Griechen nach Jobs und halten Geldwertstabilität für den deutschen Sonderweg.

Wie unter diesen Umständen ein weiteres Zusammenwachsen funktionieren soll, bleibt das Geheimnis der politischen Eliten. Denn wie schon bisher alle Verträge, Gesetze und Abmachungen, die die unterschiedlichen Kulturen zusammenzwingen sollten, gebrochen wurden, so wird es auch künftig dem Fiskalpakt und der Schuldenbremse ergehen: sie sind Absichtserklärungen mit geringer Halbwertzeit. Es mag für alle Beteiligten schwer sein, sich einen Irrweg einzugestehen und innezuhalten. Doch die Alternative sind noch mehr Hitlerbilder und SA-Uniformen. Und am Ende stünde womöglich, allen Friedensnobelpreisen zum Trotz, wieder der Hass zwischen den europäischen Völkern, den Konrad Adenauer schon in den 50er Jahren überwunden glaubte. Das aber ist die europäische Einheitswährung nicht wert. Ihre vorgebliche Alternativlosigkeit ist bloß ein Mangel an konstruktivem Denken.

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