Kolumne von Helmut Schümann : Justizgewerkschaft fordert: Minister in die Produktion

Die Justizgewerkschaft möchte Minister in den Schichtdienst bei Polizei, Feuerwehr und in der Vollzugsanstalt bringen. Unser Kolumnist Helmut Schümann hat weitere Vorschläge für Strafarbeiten.

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Stark am Glas: Tagesspiegel-Kolumnist Helmut Schümann.
Stark am Glas: Tagesspiegel-Kolumnist Helmut Schümann.Foto: Tagesspiegel

Es ist ja immer noch Sommer in diesem wunderschönen Sommer. Und Sommer haben, der Mittfünfziger, der mit den Geheimratsecken und der Brille, kennt das seit vielen Jahren, diese Sommer haben Löcher. In die Sommerlöcher kann man fallen. Vor zwei Tagen plumpsten diese Politiker von der BWL, äh, FDP mit ihrer Staatssubvention für Griechenlandurlaube hinein. Gestern nun meldete sich die Deutsche Justiz-Gewerkschaft aus dem Sommerloch. Hallo, rief die Justiz-Gewerkschaft, ist da noch jemand, nimmt uns noch einer wahr? Als niemand antwortete, schrieb die gewerkschaftseigene Landeschefin Sabine Wenzel einen offenen Brief und empfahl darin, Brandenburgs Justizminister Volkmar Schöneburg, Innenminister Dietmar Woidke und Regierungschef Matthias Platzeck sozusagen in die Produktion zu stecken. Der Justizminister könne ja mal im Knast Schicht schieben und über geplante Stellenstreichungen nachdenken, der Innenminister desgleichen bei Polizei und Feuerwehr und die Anhebung der Pensionsgrenze auf 67 bedenken, Platzeck auf der Flughafenbaustelle von ihm als Aufsichtsrat übersehene Mängel erkunden.

Der Mittfünfziger ist natürlich immer zu haben, wenn es sogenannten Großkopferten an den Kragen geht, an die weiße Weste muss man wohl sagen. Wenn schon Populismus, dann aber ganz und gar.

Strafarbeit für Fehlverhalten ist beliebt, und wenn sie Besserung garantiert, hätte der Mittfünfziger gerade in diesen Tagen auch noch ein paar Vorschläge zu machen. Petrus etwa, der sollte mal, sagen wir, ein paar Tage auf dem Bock eines Kremser durch Brandenburgs Alleen zockeln, immer geradeaus, nicht links, nicht rechts, immer geradeaus, ohne Unterstand, dann kann er sich ja dreimal überlegen, ob der Regen wirklich so peitschend sein muss. Oder das Krokodil Klausi kann mal eine Woche als Tierpräparator werkeln, danach wird es gewiss Skrupel haben, noch einmal als Biber getarnt im oberpfälzischen Klausensee bei Schwandorf Furcht und Panik auszulösen und ganze Hundertschaften auf Trab zu halten. Und wenn dann alle geläutert sind, Klausi und Petrus, Volkmar und Dietmar und Matthias, und versprechen, so etwas nie wieder zu machen, können sie gemeinsam in Urlaub fahren. In Griechenland, auf Staatskosten versteht sich. Es ist dieser traumhafte Sommer eben auch ein absurder Sommer, da kommt es, denkt der Mittfünfziger mit den weitläufigen Geheimratsecken und der Brille, auf eine Absurdität mehr auch nicht an.

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