Kolumne "Was macht die Welt?" : "Berlin ist eine sympathische Stadt"

In der wöchentlichen Kolumne antwortet Zeit-Herausgeber Josef Joffe auf vier Fragen: Von den Clown-Äußerungen Peer Steinbrücks, über die Haushaltspolitik der USA bis hin zu den möglichen Papst-Nachfolgern.

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Joffe
"Zeit"-Herausgeber Josef Joffe.Foto: promo

Italien hat gewählt: Wie lustig sind Berlusconi und Grillo?

Der „Economist“ konnte der Versuchung ebenso wenig widerstehen wie Steinbrück und brachte Berlusconi und Grillo unter der Überschrift: „Send in the clowns“. Doch der Frohsinn hält sich in Grenzen, weil die beiden die Krise Europas perfekt verkörpern. Sie haben 55 Prozent der Stimmen bekommen, weil sie sich aufgebäumt haben gegen den Wandel. Neun Monate zuvor hatten die Franzosen die graugewandete Version der Reformverweigerung gewählt. Wenn Clowns über ihre eigenen Schlappschuhe stolpern, jubeln wir. So B & G an die Macht kommen, gibt’s für WmdWs Lieblingsland nichts zu lachen.

Amerika muss sparen: Wen trifft es?

Alle. Genauer: all jene, die ihr Geld aus dem Topf kriegen, aus dem überhaupt noch geschöpft werden kann – etwa einem Viertel des Bundeshaushalts, das frei verfügbar ist. Die anderen drei Viertel sind festgeschrieben. Wie bei Otto Normalverbraucher, der Miete, Strom, Versicherung bezahlen muss, bevor er sich Kino, Auto oder Urlaub leisten kann. Am einfachsten ist das Sparen bei den Verteidigungsausgaben. Das tun die Europäer seit Ende des Kalten Krieges; Obamas Amerika wird folgen.

Der Papst im Ruhestand: Wer folgt?

Das weiß WmdW nicht, er hat sich aber bei den Buchmachern umgesehen. Die heißen Tipps sind Francis Arinze aus Nigeria, Peter Turkson aus Ghana und Marc Quellet aus Kanada. Der Nigerianer ist bisher am besten platziert, weil er schon 80 Jahre alt, also ein bequemer Übergangskandidat ist. Wer es werden sollte? Einer, der die wichtigsten Sprachen beherrscht, der die Kraft hat, die Una Sancta zu reformieren, ohne ihre Alleinstellungsmerkmale zu gefährden.

Ein Wort zu Berlin ...

Trotz BER, S-Bahn und einer Politik, die keine Opposition wachsen lässt, ist Berlin eine sympathische Stadt. Der italienische Präsident Napolitano hätte sich ein Beispiel nehmen und sich mit Steinbrück treffen sollen. Bedenkt man, wie die Italiener über Merkel reden, hätten die Germanen längst den Botschafter aus Bella Italia zurückrufen müssen.

Josef Joffe ist Herausgeber der „Zeit“.

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