Kommentar : Belastungsprobe: Merkel in Afghanistan

Regierungschefin Angela Merkel zeigt Flagge in Afghanistan. Das ist gut. Denn die Kanzlerin macht klar, dass militärische Präsenz allein keine Lösung für die Krisenregion ist.

Zum zweiten Mal war die Kanzlerin in Afghanistan, in dem Land, in dem bald 4400 deutsche Soldaten dazu beitragen sollen, den Frieden zu gewinnen, die Taliban von der Macht fern- und Al Qaida vom Terror abzuhalten. Viele Aufgaben erfüllt die Bundeswehr außerdem dort, was dazu führt, dass die zivil-militärische Zusammenarbeit großen Belastungsproben ausgesetzt ist. Es zeigt sich jeden Tag, was noch verbessert werden kann. Da ist es gut, dass die Chefin der Regierung Flagge zeigt, in Anerkennung der Verdienste regionaler Wiederaufbauteams zum Beispiel. Aber auch als Anzahlung auf Künftiges, denn dieser Einsatz ist noch lange nicht vorüber. Die USA werden ihre Truppen weiter verstärken, nicht zuletzt, weil der Westen nicht versagen darf in seinem Bestreben, Afghanistan der Demokratie anzunähern. Allerdings ist die Frage, ob es immer Militär sein muss, das vorangeht, und darum stimmt zuversichtlich, dass jetzt auch von amerikanischer Seite der zivile Ansatz gefördert werden soll. Ein Sieg in diesem Land kann nicht in erster Linie militärischer Natur sein; der gelang bisher keinem, zu keiner Zeit. Auch dafür setzt Merkel mit ihrer Reise kurz nach dem Nato-Gipfel und ihren Gesprächen mit Präsident Obama ein Signal: für den Ansatz der „vernetzten Sicherheit“, zu der die Arbeit von Nichtregierungsorganisationen gehört. Das erscheint auf Dauer erfolgversprechend. Raketenangriffe schrecken davon nicht ab, sondern zeigen eher, was die Angreifer fürchten. cas

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