Kommentar : Bin 13, will zu meiner Mama

Ein mindestens 21-Jähriger gibt sich als strafunmündiger 13-Jähriger aus. Bernd Matthies meint, das ist einer der Gründe, warum Böswillige Deutschland nicht für voll nehmen.

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Mit diesem Einwand müssen wir wohl leben: Die Intensiv-Berichterstattung über dealende Kinder vom vergangenen Sommer ist in weiten Teilen reif für die Tonne. Dabei handelte es sich doch um das ultimative Mann-beißt-Hund-Thema! Eben noch Kinderschokolade, nun Heroin, aus der Grundschule direkt ins organisierte Verbrechen. Doch jetzt stellt sich anhand eines offenbar völlig unstrittigen Gutachtens heraus, dass der strafunmündige, von unmenschlichen Hintermännern gedungene Kinderdealer ein sehr autonomer Erwachsener von mindestens 21 Jahren ist.

Zugegeben: Gerade unter gut ernährten Migrantenkindern gibt es erstaunliche Wachstumsschübe. Jeder Berliner Grundschullehrer kennt ein paar Kinder, die Pubertät und Zwei-Zentner-Grenze gleichzeitig erreichen, und gruselt sich deshalb. Aber solche eklatanten Beispiele von Fehlernährung haben absolut nichts damit zu tun, dass clevere Kriminelle ihren Pass nach Einreise wegwerfen und dann jedem Polizeibeamten, der ihren Weg kreuzt, die Zauberworte mitteilen: Bin grad 13, will zu meiner Mama.

Das ist an sich nichts Neues. Das Erschütternde an diesem Vorgang ist seine Unzugänglichkeit für den gesunden Menschenverstand. Es müssen alle, die den jungen Mann dienstlich begutachtet haben, absolut felsenfest gewusst haben, dass er niemals erst 13 Jahre alt sein kann; die Polizei hat es sogar deutlich durchblicken lassen. Und dennoch gab es offenbar bis zur Vorlage eines inhaltlich nicht besonders komplexen Gutachtens keine Möglichkeit, ihn effektiv von der Straße zu holen?

Stattdessen ließen die Justizbehörden eine – aus heutiger Sicht absurde – Debatte über die Wiedereinführung von geschlossenen Kinderheimen und alle möglichen anderen Gegenmaßnahmen laufen, während sich alle Außenstehenden darüber wunderten, mit welch erstaunlicher Energie der doch gerade erst abgestillte Knabe ungerührt immer neue Drogengeschäfte abwickelte.

Bis der nächste Dealer den gleichen Trick versucht, sollten ein paar Fragen geklärt werden: Weshalb weigert sich ein Gutachter, für die Justiz ein Gutachten anzufertigen? Weshalb gibt es so wenig Gutachter für ein brennendes Problem? Und warum ist überhaupt ein Gutachten nötig, wenn der Augenschein so überwältigend beweiskräftig ist? Wenn etwas aussieht wie eine Ente, watschelt wie eine Ente und quakt wie eine Ente, dann ist es auch eine Ente.

Es gibt ein paar Gründe dafür, dass Böswillige Deutschland nicht immer für voll nehmen. Das hier ist einer davon.

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