Kommentar : Kein Protektorat

Griechenland muss sparen. Aber braucht das Land auch einen Sparkommissar? Eines ist sicher: Die Athener Regierung ist mit der Vielzahl an Problemen - den politischen, finanziellen und verwaltungstechnischen - überfordert.

Von Stephan-Andreas Casdorff

Die Griechen sollen kriechen – so sehen sie es und ärgern sich. Die anderen ärgern sich aber auch: Unser Geld wollen sie, nur nichts dafür tun. Das ist eine Situation, die das Ganze noch schwieriger macht. Denn hier geht es auch, was angesichts der Internationalität der Krise widersinnig klingt, um die nationale Ehre. Das anfängliche Drängen, nun zu sparen, hat Griechenland schon als Diktat empfunden und kaum ertragen. Die jetzt folgenden ultimativen Aufforderungen führen zu weiterer Ablehnung, ja Auflehnung. So viel daran ist verständlich: Kein Politiker kann wollen, dass sein Land wie ein Protektorat behandelt wird. Andererseits ist es offenkundig, dass die Athener Regierung mit der Vielzahl an Problemen, an politischen, finanziellen, verwaltungstechnischen, überfordert ist. Sie schafft es nicht, das über Jahre Versäumte nachzuholen. Da geht es nicht nur um die Fähigkeit, eine Bilanz zu erstellen, sondern mehr noch darum, dem Staat insgesamt eine solide Grundlage zu geben, Steuergesetze inklusive. Abhilfe ist nötig und Hilfestellung zumal. Das wissen die Griechen. Sie sollten deshalb jetzt von sich aus tätig werden: um ihrer selbst willen. Es gibt genügend Fachleute im (Un-)Ruhestand, die beraten könnten, Jacques Delors, der einflussreichste Europäer seit Jean Monnet, oder Theo Waigel, einer der Väter des Euro. Männer von solchem Kaliber zu fragen, kostet nichts, auch nicht das das Ehrgefühl. cas

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