Kommentar : Lieber Selters statt Sekt bei Karstadt

Die gute Laune sei allen Beteiligten der Karstadt-Rettung gegönnt. Doch der Kampf um die Kunden wird in einem veränderten Markt auf keinen Fall leichter.

David C. Lerch

Am Donnerstagabend ließen sie bei Karstadt die Sektkorken knallen: einige Manager, die der neue Chef, Nicolas Berggruen, in die Filiale am Ku’damm bestellt hatte, und die erleichterten Mitarbeiter. Besonders ihnen sei es gegönnt. Lange genug mussten sie zusehen, wie fremde Finanziers um Prozente und Paragrafen feilschten – und um die Jobs, die daran hingen. Es ist gut gegangen.

Aber bei aller Sektlaune sollte man nicht vergessen, warum Karstadt von anderen abhängig war. Dabei auf Ex-Chef Thomas Middelhoff zu zeigen, ist richtig – aber ebenso kurzsichtig. Denn dessen Taktik beschränkte sich auf das Wegschieben und Weglächeln eines Problems, das nicht er erfunden hat, sondern wir alle. Immer mehr Menschen pilgern in Einkaufscenter, weil dort die Auswahl größer ist. Immer mehr gehen zum Textildiscounter, weil es billiger ist. Immer mehr bestellen im Internet, weil es bequemer ist. Oder sie schätzen die persönliche Beratung im Fachgeschäft um die Ecke.

Zwischendrin steht das alte Warenhaus und sucht eine Perspektive. Das gilt für alle: Kaufhof wird veräußert, Hertie abgewickelt, Woolworth ist gerade so davongekommen. Berggruen hat das Ringen mit den Vermietern gewonnen. Das Ringen mit den Kunden fängt jetzt erst an.

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