Kommentar : Rauswurf statt Abzug?

Hamid Karsai wirft die ausländischen Truppen aus Afghanistan. Die sollten ohnehin darüber nachdenken, welche Abzugsstrategie die beste ist. Sinnvoll könnte es sein, wenn die erschöpften und unbeliebten Amerikaner zuerst gehen.

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Adieu, liebe Freunde. Der afghanische Präsident Hamid Karsai setzt sich dafür ein, dass die ausländischen Truppen früher als geplant abziehen.
Adieu, liebe Freunde. Der afghanische Präsident Hamid Karsai setzt sich dafür ein, dass die ausländischen Truppen früher als...Foto: p-a

Nun wirft Hamid Karsai also die Ausländer aus Afghanistan? Viele mögen die Aufforderung des Präsidenten so verstehen. Raus aus unseren Dörfern. Wir übernehmen die Sorge für unsere Sicherheit nun selbst. Viele sollen die Worte so verstehen, in Afghanistan. Denn Karsai steht unter Druck und versucht, sich mit markigen Sprüchen Luft bei den Kritikern daheim zu verschaffen. Im Westen wiederum wollen es viele so verstehen. Alle, die den Einsatz sowieso satthaben und wollen, dass kein Soldat mehr dort sein Leben riskiert, wenn er kein Afghane ist. Viele US-Wähler wollen ihre Soldaten nach Hause geholt sehen, viele deutsche auch. Innenpolitisch lässt sich so punkten. Allein darum darf es aber nicht gehen.

Im Übrigen hat Karsai nicht gesagt, alle sollen sofort gehen. Auch er weiß, dass weit mehr als 100 000 Soldaten, verteilt über das riesige Land, nicht mal eben verschwinden können. Auch das gehört zur Sicherheit, der Sicherheit der Soldaten.

Die jüngsten Vorfälle machen klar, wie wichtig der Nato-Gipfel im Mai in Chicago ist. Wie will die Allianz weitermachen? Wie soll der Abzug konkret aussehen? Alle können nur hoffen, dass die Generäle nicht auf irgendeinen öffentlich verkündeten Auftrag warten, sondern längst Varianten überlegt haben. Das Desaster eines Hauruckverfahrens möchte man sich nicht ausmalen. Und man darf wohl erwarten, dass Verteidigungsminister de Maizière in Kabul auch mit Karsai darüber gesprochen hat.

Es ist nicht populär, aber vielleicht sollte man darüber nachdenken, dass nach den jüngsten Vorfällen die so unbeliebten US-Soldaten rascher abziehen und andere Bündnispartner dafür bleiben, unterstützt durch die technische Ausrüstung der USA. Das könnte zur Entspannung beitragen, und es wäre auch eine Lastenteilung. Was hat die Kanzlerin zu ihrer Aussage Anfang der Woche veranlasst? Im Übrigen dürfte der Abzug teurer werden, je rascher er erfolgt. Karsai wird um Geld pokern. Afghanen, die die Sicherheit garantieren sollen, müssen gut bezahlt werden, auf lange Zeit von der internationalen Gemeinschaft. Auch Drohnen, die Obama so mag, sind nicht eben günstig. Und Technik allein garantiert nicht, dass es weniger zivile Opfer gibt.

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