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1. Mai in Berlin

Großritual

Der Innensenator streckt die Hand aus - und vieles deutet darauf hin, dass sie am 1. Mai ausgeschlagen wird
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Der Mann macht sich Sorgen. Innensenator Ehrhart Körting erwartet in diesem Jahr offenbar wieder eine Mai-Randale im verschärften Stil. Seine Kollegen aus den anderen Bundesländern sind aber nur in Grenzen dazu bereit, die Berliner Kräfte zu verstärken. Denn nicht nur in der Hauptstadt müssen am 1. Mai Fußballspiele gesichert werden. Und auch in anderen Städten, siehe Hamburg, gibt es Radikale, die sich bei Gelegenheit gern mit der Polizei anlegen. Für beides dürfte Körting Verständnis haben – was die Vorbereitung der Polizei auf den Tag des Ritual-Protestes nicht einfacher macht. In diesem Jahr kommt allerlei zusammen: Da sind die Erfolge der Autozündler. Sie führen der Polizei und dem Publikum vor, dass ihr Protest auf Gewalt-gegen-Sachen-Basis funktioniert und Wirkung zeigt. Wer in Stadtteilen, die durch Sanierung teurer werden, ein politisch unkorrektes Auto einfach draußen stehen lässt, riskiert dessen Feuer-Verschrottung. Wichtiger und schlimmer ist, dass die Befriedung von Kreuzberg womöglich nur von kurzer Dauer war. Einiges deutet darauf hin, dass die ausgestreckte Hand der Polizei in diesem Jahr ausgeschlagen wird, womöglich werden ein paar Autonome in Amokstimmung sogar hineinbeißen wollen. Es wäre falsch, ausgerechnet von einem problembewussten Innensenator wegweisende Beiträge zur Debatte über die Gentrifizierung vormals armer Innenstadtbereiche zu erwarten. Doch dass der 1. Mai wieder zum Tag des Chaotentriumphes wird – das sollte er verhindern können.

(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 13.01.2010)
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Kommentare [ 1 ] Kommentar hinzufügen »

Comment
von hdg hdg ist gerade offline | 13.1.2010 0:43 Uhr
Die Artikel des Herrn Bebber ...
lese ich ja recht gern. Gut geschrieben unterscheiden sie sich sehr häufig von denen einiger Kollegen, die sich mit einem 9-to-5-Job abgefunden haben.
Nun habe ich ja schon einiges erlebt (inklusive einer Komplett-Abriegelung von Kreuzberg), aber eines noch nicht: Dass irgendeiner der Senatoren auch nur ansatzweise so reagierte, wie es der gemeine (nicht gemeine) Berliner für richtig hielt.
Viel Polizei oder wenig Polizei, Stärke zeigend oder auf Deeskalation getrimmt - das Ergebnis war jeweils dasselbe: Genug war es nie, falsch immer!
Und nun: Was soll der Herr Körting auf die Reihe kriegen, verhindern können?
Hinter jeden zweiten Mann zwischen 16 und 55 am 1ten 5ten in Kreuzberg einen Polizisten stellen?
Versuchen kann er's ja. Gelingen wird's ihm nicht.
Ansonsten ist doch mal die Frage zu stellen: Liegt's vielleicht an der Politik ?
Könnte man gewisse Prioritäten in der Stadt nicht anders gewichten und auf diese Art und Weise für eine Entzerrung so manchen Problems sorgen, das nicht nur in Kreuzberg-Friedrichshain auftritt ?
Nun den 1. Mai 2010 zum Berliner Medien-Hype 2010 hochzupumpen, hiesse: Den falschen Leuten die Ouvertüre zu spielen, sie hochzujazzen.
Nun kann ich das Problem der Journalisten und Politiker allerdings schon verstehen: Der 1. Mai ist seit 1987 ein absoluter Bringer! Vor diesem, an diesem und nach diesem Tag kann man sich vortrefflich profilieren.
Eigentlich müsste sich - im Sinne eines effektiven Hauptstadt-Marketings - schon die Berlin Partner GmbH um die optimale mediale Vermarktung kümmern: Das öffentliche Interesse (vertreten auch durch die Medien der Welt) ist gesichert, der Zulauf garantiert.
Es ist, wie's ist: Es ist ein so schlichtes, wie dummes Ritual.
Sehr, sehr, sehr bedauerlich allerdings: Mit Verletzten!
Man weiß, wie's läuft und ist genervt.

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