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Zwist um das Einheitsdenkmal

Nicht die Kunst hat versagt

Der Wirrwarr um den zunächst für gescheitert erklärten Wettbewerb zum Einheitsdenkmal ist offenbar viel größer als angenommen – und Skandal scheint eher der passende Begriff zu sein.
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Denn die Ausschreibung ist nicht etwa deshalb zum Desaster geworden, weil die künstlerische Qualität der eingereichten mehr als 500 Entwürfe nicht ausreichte, sondern weil die Jury sich über den Text der Auslobung selbst und über den zugewiesenen Standort zerstritt. Die Fachjuroren empfanden, das weisen die vorliegenden Sitzungsprotokolle aus, die inhaltlichen Vorgaben für das Denkmal als zu komplex und den Platz selbst als völlig unpassend.

Nun kann man beiden Bedenken durchaus zustimmen. Warum ein Einheitsdenkmal einen Querschnitt durch die letzten 150 Jahre deutscher Historie von den Freiheitsbewegungen des 19. Jahrhunderts über die wichtigsten Phasen des Zerfalls der DDR bis zum Mauerfall widerspiegeln sollte, ist nur schwer begreiflich zu machen. Schließlich geht es um künstlerische Umsetzung und nicht um eine möglichst realistische Darstellung. Und auch der Standort selbst, der Sockel des Kaiser-Wilhelm-Denkmals, ist überaus problembehaftet – oder soll er etwa aussagen, dass die deutsche Demokratie auf der untergegangenen Monarchie gründet? All das wussten die Juroren jedoch schon, bevor sie sich ans Werk machten. Dagegen hätten sie vorher protestieren oder die Mitarbeit verweigern müssen. Beim Schlosswettbewerb selbst haben wir ja schon Ähnliches erlebt. An ihm nahmen renommierte Architekturbüros aus aller Welt nicht teil, weil sie die Ausschreibung als Korsett empfanden. Und gegen deren Text moserten auch da schon einige Juroren – als es zu spät war.

Nun das Ausschreibungsverfahren laufen lassen, alle eingereichten Entwürfe als unzulänglich verwerfen, wo sich doch die Künstler an die Bedingungen zu halten hatten – und damit nicht einmal die Wahrheit zu sagen, das ist schon dreist. Denn es zeigt sich, dass sehr wohl prämierungswürdige Arbeiten dabei sind, deren Schöpfer sich zu Recht dagegen verwahren, als Stümper dazustehen. Die dafür Verantwortlichen sollten sich schämen.



(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 06.05.2009)
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Kommentare [ 1 ] Kommentar hinzufügen »

Comment
von colonia colonia ist gerade offline | 6.5.2009 7:03 Uhr
Noch'n Denkmal
Was soll das? Gibt es nicht schon genügend Denkmäler? Hier wird wieder einmal mit Steuergeldern "geaast". Es wäre wesentlich sinnvoller, die Mittel für das sogenannte Zusammenwachsen von Ost und West einzusetzen, z.B. für die Aufklärung im Westen, dass in der DDR nicht alles schlecht war und im Osten, dass dort nicht alles gut war. Stattdessen wird jetzt auch noch im Jurorenkreis gestritten. Fazit: Es wird zuviel diskutiert und zuwenig gehandelt.

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