Die DDR betrieb gemeinsam mit der Sowjetunion eine antiisraelische Politik, allerdings ohne dabei das Wort jüdisch zu verwenden. Sie hoffte, dass antiisraelisch nicht mit antisemitisch verwechselt wird.
Vertreter der fünf Fraktionen im Bundestag haben wie bei einem früheren gemeinsamen Antrag für das Existenzrecht Israels nun zum 70. Jahrestag der Pogromnacht in Deutschland einen gemeinsamen Antrag zur Verurteilung und künftigen Bekämpfung von Antisemitismus erarbeitet. Nun weicht die Union aus, will nicht gemeinsam mit der Linkspartei einen Antrag stellen. Plötzlich steht für sie die parteipolitische Auseinandersetzung im Mittelpunkt.
Beim Verhältnis der DDR zu Israel muss gesehen werden, dass die Hallstein-Doktrin der Bundesregierung der 50er Jahre außer bei der Sowjetunion diplomatische Beziehungen zur BRD ausschloss, wenn diplomatische Beziehungen zur DDR hergestellt wurden. Das Verhältnis der DDR zu arabischen Staaten wurde deshalb auch dadurch geprägt, dass diese und nicht etwa Israel die ersten nichtsozialistischen Staaten waren, die die DDR später anerkannten. Die DDR betrieb zusammen mit der Sowjetunion eine antiisraelische Politik, allerdings ohne dabei das Wort jüdisch zu verwenden. Sie hoffte, dass antiisraelisch nicht mit antisemitisch verwechselt wird. Die Politik der DDR war in Bezug auf den Nahostkonflikt einseitig, nicht ausgewogen, was von meiner Partei und mir schon seit Ende 1989 kritisiert wurde.
Bei der Anerkennung Israels durch die BRD verwandte Konrad Adenauer das antisemitische Argument, wonach die Juden in den USA immer noch sehr viel Einfluss hätten, er glaubte also an das Vorurteil des jüdisch beherrschten Weltkapitals. Die CDU verweigerte nach 1945 jahrelang eine Aufarbeitung der NS-Zeit, förderte alte Nazis, Leute wie Globke und Oberländer, eingefleischte schlimmste Antisemiten. Globke hatte nicht nur die Nürnberger Rassengesetze kommentiert, sondern ist für deren Verschärfung leider erfolgreich eingetreten. Er war trotzdem engster Vertrauter von Adenauer und Staatssekretär im Kanzleramt. Es ist auch nicht atypisch, dass die CDU zur Verschleierung ihrer Spendenaffäre jüdische Vermächtnisse vortäuschte.
Seit 60 Jahren haben die Israelis einen Staat, die Palästinenser nicht. Die Israelis sind politisch, militärisch und ökonomisch deutlich stärker als die Palästinenser. Es ist typisch, dass die Union eher an der Seite der Stärkeren steht und Die Linke eher an der Seite der Schwächeren. Eine Kritik an Israel, seiner Regierung, seiner Armee und seinem Geheimdienst kann völlig berechtigt, überzogen oder auch falsch sein, ist aber nicht antisemitisch. Antisemitismus beginnt dann, wenn Jüdinnen und Juden Rechte vorenthalten werden, wenn ihnen wegen ihrer Herkunft Nachteile erwachsen oder wenn sie deshalb diskreditiert oder beleidigt werden. Trotzdem kann es Kritiker an Israel geben, die eine antisemitische Haltung einnehmen, die aber nicht von vornherein unterstellt werden darf.
Im Übrigen gab es bei der Linken in der Kritik an Israel auch im Westen Einseitigkeiten, Überziehungen, eine ungenügende historische Beurteilung der Zusammenhänge. Damit setzen wir uns aber ausreichend selbst auseinander und brauchen keinesfalls die Hilfe gerade der Union. Es ist kein Zufall, dass es auch in Deutschland schon immer deutlich mehr Jüdinnen und Juden bei den Linken als bei den Rechten gab.
Zum 70. Jahrestag der schlimmen Pogromnacht in Deutschland geht es aber nicht um die Aufarbeitung von DDR-Geschichte, auch nicht um die Aufarbeitung der Geschichte der Union. Wichtig wäre wegen der besonderen Verantwortung der Deutschen ein gemeinsames Zeichen des gesamten Bundestages in unsere Gesellschaft, nach Israel und in andere Staaten, dass wir bei aller Unterschiedlichkeit entschlossen sind, Antisemitismus wirksam zu bekämpfen. Hoffen wir also, dass die Union diesbezüglich noch ein Einsehen bekommt.
Der Autor ist Fraktionschef der Linkspartei im Bundestag.
(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 30.10.2008)
Kommentare [ 28 ] Kommentar hinzufügen »
Der Nationalsozialismus hat die Juden physisch ermordet, der Stalinismus psychisch, weil er jüdische Religion und Tradition unmöglich gemacht hat.
Bitte fragen sie doch mal herum in der jüdischen Welt (wie wärs mit dem Umfeld der Synagoge Rykestraße, die mit viel Pomp und Lippenbekentnissen zumindest Immobilien-technisch wieder auf Vordermann gebracht worden ist ) wie die Kommunismus wirklich war.. Oder überhaupt mal leute aus DDR und jüdischen Kontexten (die z.B. keine System-Schleimer und IM's wie Gysi waren)
neben dem Stalinismus-eigenen Antisemtismus hat der Kommunismus in der DDR als totalitäres System auch sehr hübsch antisemitische Nazi-Ideologien bei der Bevölkerung konserviert.
Die Israelis behandeln die Palästinenser schlimmer als die US-People die Afro-Amerikaner.
Ich weiß von einer russisch-jüdischen Freundin hier in Berlin, das sie es als Kind in der Sowjetunion als diskriminierend empfunden hat, wenn im Klassenbuch unter der Rubrik Nationalität bei ihr jüdisch stand. Erst hier in West-Berlin hat sie wieder ein positives Bild von ihrem Jüdisch-Sein aufbauen können. So wie ich in Zeiten der Trennung von DDR-Bürgern immer zu verstehen bekommen habe, dass ihr großer Bruder die Sowjetunion sei. Wir haben uns Familiengeschichte immer anders erzählt.
Die Kritik an Adenauer und der CDU der 50er Jahre ist durchaus berechtigt. Die Entnazifizierung der DDR hatte aber nichts mit Antisemitismus oder dem Kampf dagegen zu tun.
Aber als Politiker kritisiert man den Gegner und verteidigt die Seinen. Insofern ist der Kommentar ja in Ordnung.
Bis auf diesen Satz:
"Seit 60 Jahren haben die Israelis einen Staat, die Palästinenser nicht." Was soll denn dieser blöde Populismus wieder. Die Palästinenser wurden und werden von den Haschemiden beherrscht. Erst durch die Besetzung des Westjordanlands im Sechstagekrieg (nach einem Überraschungsangriff der Araber auf Israel wohlgemerkt) gibt es ein von Jordanien abgetrentes Gebiet auf dem hauptsächlich Palästinenser leben. Einen Staat könnten sie also nur bekommen, weil Israel für sie jordanisches Staatsgebiet erobert hat.
Der Vergleich in politischer, ökonomischer und militärischer Hinsicht zwischen Israelis und Palästinensern die in den besetzten Gebieten leben hinkt gewaltig. Beim Vergleich mit den Palästinensern in Jordanien wird ein Schuh draus.
Damit betreibt Gysi antiisraelischen Populismus und Geschichtsfälschung. Und hat sich nicht damit nicht weit von der antiisraelischen Position der DDR wegbewegt. Das ist jedoch kein Antisemitismus.
Nur was soll dieser Antrag auf Existenzrecht, wenn er von einem antiisraelischen Populisten eingebracht wird der eben jenes mit seinen Reden und Aufsätzen unterminiert, indem er seinen Feinden Munition liefert? Solche "Freunde" kann Israel nicht brauchen.
Deshalb, und nicht wegen Antisemitismus, sollte die CDU den Antrag nicht gemeinsam mit Der Linken einbringen.
Echte Freunde, die berechtigte Kritik an der Besatzungspolitik üben hat Israel m.E. trotzdem bitter nötig. Um seiner selbst willen. Nur eben keine populistischen Vergleiche.
Es bleibt aber eine Fakt, dass es einen latenten linken Antisemitismus in Deutschland gibt. Der Verbindung von Anti-Kapitalismus zu Anti-Amerikanismus zu Anti-Isrealismus zu Antisemitismus ziehen einige Linke immernoch recht schnell, nicht nur bei den "Linken".
1. Ihnen ist bekannt, daß Gysi Jude ist? Sie wissen, daß er 1948 geboren wurde?
2. Ich kann die Geschichte vom umhervagabundierenden zweistelligen SED-Milliarden-Vermögen und der Strukturrettung nicht mehr hören. Alle maßgeblichen Behörden, von BKA über Treuhand bis Zoll hätten also kommunistisch unterwandert sein müssen, um dessen Rußlandverschickung zu vertuschen.
3. Wenn ich mir Ihren haßerfüllten Duktus ansehe, hätten Sie noch ganz andere Lieder gesungen.
4. Man muß der DDR vieles ankreiden. Das für mich Schlimmste war die Erkenntnis, daß ein Teil der Partei- und Staatsführung auf eine NSDAP-Mitgliedschaft der ersten Stunde zurückblicken konnte. Manfred Ewald, der stellvertretende Minister für Elektrokram, der Vorsitzende der Liga für Völkerfreundschaft ... Dazu sollte sich Herr Gysi verhalten. Allerdings gibt es dafür auch nette Beispiele aus Deutschland-West. Und es soll Menschen geben, die Verbrecher, die in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs noch Todesurteile fällten, heute als Widerstandskämpfer verbrämen wollen und dennoch nicht zurücktreten müssen.
5. Moshe Zuckermann, ehemaliger Leiter des Instituts für Deutsche Geschichte der Uni Tel-Aviv, Holocaust-Überlebender:
"Israel betreibt seit Jahrzehnten eine Okkupationspolitik, alleine das rechtfertigt eine scharfe linke Israel-Kritik, die nichts mit Antisemitismus zu tun hat. Ich würde folgende Pathos-Formel anbieten: Man muss erst einmal unterscheiden lernen zwischen Judentum, Zionismus und Israel. Nicht alle Juden sind Zionisten, nicht alle Zionisten sind Israelis, und nicht alle Israelis sind Juden. Wenn man das nicht begriffen hat, wirft man alles wahllos durcheinander."
Das Interview in der bösen, bösen Zeitung:
http://www.neues-deutschland.de/artikel/137799.die-okkupation-provoziert-den-terror.html
egal wer, egal wo, egal warum.
interessant und sehr überraschend zum thema israel war ein bemerkenswertes interview des israelischen premierministers olmert vom 14.9.2008 in der „Yediot Aharanot“.
warum werden eigentlich erst pensionierte generäle einsichtig.
es geht um israels zukunft und die muss mit einem schmerzhaftem blick in die vergangenheit beginnen. oder werden weitere generationen von israelis nicht wissen was friede ist? und die palästinenser auch.
p.maxwell
Viele DDR-Erklärer sind mir ein Gräuel. Gysi gehört nicht immer dazu, aber jetzt hat er sich mindestens bis zu seiner nächsten Einlassung dazu gesellt.
Dietrich Koch, Berlin
Das eine schloß das andere aus. So ist das mit Ideologien. Die kennen keine Graustufen, sondern nur Schwarz und Weiß. Good versus Evil, so heißt das heute. Und wieder sind die Gooden wir. Wer sonst?
Die wirklich antisemitischen Säuberungen innerhalb der SED zwischen 1950 und 1953, denen, wenn man dem Sohn glauben darf, auch der Vater Gysis erst entgehen mußte, waren mit Stalins Tod Geschichte. "Der Genosse Stalin ist kein Klassiker mehr", so hieß das damals, mit kreidebleichem Gesicht gesprochen. Antizionistisch war die DDR überwiegend, antiisraelisch nicht. Honecker versuchte mit aller Kraft, offiziell nach Israel kommen zu dürfen. Deswegen auch sein Versuch, vorher einen offiziellen Empfang in den USA zu bekommen.
Jeder suche sich sein Ziel des Hasses heraus.
Und fraglich ist, wen Gregor Gysi mit diesen Zeilen eigentlich erreichen möchte. Der durchschnittliche Leser des Tagesspiegel dürfte über genug Hintergrundwissen verfügen, um sofort zu erkennen, dass hier mit äußerst durchsichtigen Mitteln versucht wird, die DDR schönzuschreiben. Ich dachte bislang, Gysi wäre intelligenter...
Darüber hinaus halte ich es perspektivisch für durchaus problematisch gesellschaftliche Gruppen per se aus dem Antisemitismusdiskurs auszuschließnen - erst recht, wenn es sich um eine so große Gruppe handelt, wie die der linken Ex-Bürger der DDR. Wenn das so ist, kann man sich diesen Diskurs nämlich gleich sparen.
Dann erklären Sie's mir: Was genau stimmt nicht? Sie äußern sich zum gesunkenen Tagesspiegelniveau, ohne konkret das zu benennen, was Ihrer Meinung nach die Ursache für dieses niedrigere Niveau ist. Ich nehme an, Sie würden spontan sagen: Alles. Also: Was alles ist denn falsch?
Ihre Antwort auf Gysis Beitrag halte ich dagegen für eine schlimme Entgleisung und Fälschung der historischen Tatsachen und möchte Sie bitten, ihn zu überdenken.
Ich darf mal zitieren:
"Nach dem Tod des Parteiführers Josef Stalin am 5. März 1953 endete die Diskriminierung der Juden in der DDR . Polizeiaktionen und Verfolgungen wurden eingestellt, inhaftierte Gemeindemitglieder freigelassen und die Mehrheit der jüdischen Ex-Parteimitglieder rehabilitiert. Die zahlenmäßig kleiner gewordenen Gemeinden erhielten Zahlungen für die Erneuerung der Synagogen, zum Unterhalt eines Altersheims, einer koscheren Metzgerei und für die Instandhaltung des jüdischen Friedhofs in Berlin-Weißensee. Seit 1961 erschien das Nachrichtenblatt als Informationsorgan der Jüdischen Gemeinde in der DDR."
Die Quelle wird Sie vielleicht überraschen: Das stammt von der Homepage des Zentralrats der Juden,
http://www.zentralratdjuden.de/de/topic/65.html
Gysi als Schleimer oder gar IM zu bezeichnen, ist nachweislich falsch und schlicht eine üble Nachrede; das ist für Birthler-Behörde, Spiegel und ZDF nun auch gerichtsbekannt.
Man muß Gysi und die DDR ja nicht mögen, aber man sollte sich an (historische) Wahrheiten halten.
Weite Teile bundesdeutscher Eliten der Nachkriegszeit waren braun beschmierte Antisemiten. Adenauer schloss in seiner Ehrenerklärung(????!!!!) an die deutschen Soldaten des 2. Weltkrieges die Kriminellen der Waffen-SS nicht nur ein, er stellte sie sogar ein. In der Bundeswehr - sofern sie sich maximal bis zum Sturmbannfuehrer gemordet hatten.
Heute alles anders? Dann verbringen sie mal nen Abend mit Verbindungsstudenten!!! Oder werfen sie in Ihrer Kneipe doch mal das Wort "Israel" auf den Tisch...so nach dem dritten Herren(menschen)gedeck.
Der Wegfall von staatlicher Verfolgung und die staatlichen Leistungen der DDR widerlegen nicht das Bestehen von Antisemitismus in der DDR. Die gleichen Leistungen gab es auch in der Alt BRD und gleichzeitig gab es auch Antisemitismus.
@geronimovandyk
Auch der von Ihnen beschrieben Antisemitismus in der Adenauerzeit widerlegt nicht das Bestehen von Antisemitismus in der DDR. Siehe Link von KlausWeiss
In der Nazizeit war der Antisemitismus in weiten Teilen der deutschen Bevölkerung verbreitet. Kein Mensch ist so naiv zu glauben, daß dieses Gedankengut mit Ende des 2. Weltkrieges einfach ganz plötzlich aus den Köpfen verschwunden ist. Beide deutschen Staaten wurden mit dieser Bevölkerung gegründet, beide haben auch die Last dieses Gedankengutes übernommen.
Allein im Umgang mit der Aufarbeitung dieser Problematik haben sich die beiden Staaten unterschieden. Die DDR hat es sich vergleichsweise leicht gemacht und quasi per Dekret erklärt, der Antisemitismus sei durch den Sozialismus besiegt worden. Der Rest war Propaganda. Auch dieser Kommentar von Gysi ist eigentlich nur die Fortsetzung dieser Propagandalüge.
Auch Westdeutschland hat sich lange nicht wirklich an die Aufarbeitung herangewagt, aber das Phänomen wurde zumindest nicht per Propaganda verleugnet. Es waren eher die einzelnen Bürger, die plötzlich alle niemals antisemitsch gedacht hatten.
Mit der 68er Bewegung kam es mehr im Westen als im Osten zu einer Aufarbeitung der Vergangenheit aus der Bevölkerung heraus, allerdings erst durch die nachfolgende Generation.
Die heutige Enkelgeneration kennt den Antisemitismus wohl eher als geschichtlichen Begriff, als daß sie sich praktisch etwas darunter vorstellen kann. Es gibt einerseits in Deutschland kaum noch jüdische Bevölkerung und die damit verbundenen Spezifika -- eine kulturelle Verarmung. Was aber wichtiger ist, ist daß die Gesellschaft heute so multinational ist, daß sie nicht mehr so einfach eine einzelne Nationalität als vermeintliche Verursacher allen Übels herausgreifen kann.
Grundsätzlich drohen nationale Spannungen letzlich durch die Überbevölkerung aber weiter zuzunehmen.
Das führte 1975 dazu, dass die Resolution 3379 der UN-Generalversammlung, Zionismus (nicht gänzlich grundlos) als Form des Rassismus klassifizierte. Der DDR den negativen Gebrauch des Begriffes Zionismus vorzuwerfen, ist insofern wenig redlich.
Erst 1991 wurde o.g. Resolution zurückgenommen. Einheitliche Definitionen gibt es nicht. Die Begriffe sind ver-braucht und werden allzu gerne diskreditiv miß-braucht.
Sie heute auch nur zu verwenden, provoziert Missverständnisse geradezu vorsätzlich. Aber vielfach ist genau DAS gewollt.
Ausgehend von der Erkenntnis, dass „rassische“, nationale, wie auch religiöse Unterschiede zwischen Menschen und Menschengruppen immer nur nicht vorhanden bzw. appliziert oder infiltriert sind, sollte eine Debatte um Regierungspolitiken auf Kampfbegriffe aus ideologischen Nebelküchen endlich verzichten, sofern sie den Anspruch erhebt, eine zielorientiert sachliche zu sein.
Die Außen- und Militärpolitik der Regierung des Staates Israels ist in vielen Punkten höchst kritikwürdig, weil aggressiv, expansiv bis menschenverachtend. Das betrifft auch andere Staaten. Kritik an diesen ist ebenso opportun, ja einzufordern, wie jene am Regierungshandeln Israels.
Eine solche Auseinandersetzung mit israelischer Politik als antisemitisch oder antijüdisch zu verunglimpfen, ist von tiefer intellektueller Erbärmlichkeit.
Der Unterschied: Wir sprechen über die Einstellung des Staats und seiner Politik, und die war in der DDR - nach Stalins Ableben - ganz offensichtlich nicht antisemitisch.
Es sei denn der Zentralrat der Juden in Deutschland sieht das völlig falsch.....
ja, es gab auch in der DDR antisemitisches Verhalten,
ja, Israel betrieb und betreibt Okkupationspolitik,
Ja, die DDR hat nie den Antisemitismus aufgearbeitet,
Ja, die Bundesrepublik lange auch nicht
ja, der DDR fehlte "'68", um den damals wie heute weit verbreiteten Antisemitismus zumindest einzudämmen,
Ja , Juden wurde in der DDR nach '53 nicht mehr "als Juden" verfolgt und ebenso wie Christen nach Möglichkeit, aber nicht offen, benachteiligt (der Kick dabei ist, dass die DDR-Sozialisten Judentum genauso wie die Faschisten als Ethnie, nicht als Religionsgemeinschaft begriffen).
Und letztlich
ja,
Wolfssohn verbreitet häufig den gleichen rechtskonservativen Schmarren, wie Familie Nolte...
> (der Kick dabei ist, dass die DDR-Sozialisten Judentum genauso
> wie die Faschisten als Ethnie, nicht als Religionsgemeinschaft
> begriffen).
Falsch - es wurde genauer als heute differenziert zwischen
- Judentum als Religion
- Zionismus als Politik
- Israel als Staat, der eine zionistische besatzungspolitik betreibt.
Mit dem Judentum als Religion hatte man die gleichen Probleme/Vorurteile wie mit den christlichen Religionen (Opium für das Volk), Mit dem Staat Israel gab es anfangs und zum Ende der DDR weniger, zwischendurch mehr Probleme (Stichwort u.a. Hallstein-Doktrin etc.)
Wenig bekannt ist z.B., das in der ersten Zeit der Ostblock Israel auch militärisch unterstützte und auch Waffen lieferte.
Auch stimmt der andere Verweis So nicht,
zwar war die offizielle Linie so, wie von arthur beschrieben, doch die gesellschaftliche Praxis war, dass man Juden, auch wenn sie sich nicht als glaubenstreu verhielten, auch von offiziellen Stellen aus, äußerst "sorgfältig" und keineswegs wohlgesonnen betrachtete.
Eigentlich weiß ausgerechnet Gysi das ziemlich genau,
aber bei dem Thema redet er wohl nicht so gerne aus dem Nähkästchen...
- Ich meine schon "Opium für das Volk" -und habe auch nie behauptet Marx zu zitieren, sondern halte es da mit W.I.Lenin ;-)
- Frage: Woran wurde in der DDR ein "Jude" erkannt, der nicht seine Religion lebte?
Und wie äusserte sich "äußerst sorgfältige und keineswegs wohlgesonnene" Betrachtung aufgrund des "jüdisch" seins?
Ist überhaupt jemand ein Jude, der nicht die jüdische Religion lebt?
Ohne Ihnen persönlich irgend etwas unterstellen zu wollen, aber einen Juden als 'Kronzeugen' für die realen und imaginierten Verfehlungen der Israelis ins Felde zu ziehen, um dadurch der eigenen Position Glaubwürdigkeit schenken zu wollen, ist traditionell ein beliebter Schachzug des Antisemiten. Frei nach dem Motto: 'Wenn die es selber schon sagen, muss halt schon was dran sein!'.
Daher haben vor allem linke 'Israelkritiker', genau wie etwa linke Antiamerikaner immer so wahnsinnig viele anonyme jüdische, respektive amerikanische Freunde, die dann auch immer genau ihrer Meinung sind.
Es verbietet Ihnen ja aber eigentlich keiner Simbabwe, Argentinien oder Island zu kritisieren ohne auch nur einen Simbabwer, Isländer oder Argentinier zu kennen oder zitieren zu müssen. Nur bei Israel holt man immer gerne -- um's mal ein wenig spitzfindig zu sagen -- den 'guten und nützlichen Juden' aus der Kiste. Aus dem gleichen Grunde macht der Begriff 'Simbabwe-Kritik' auch überhaupt keinen Sinn.
Und: Zuckermann ist, wie der in diesen 'progressiven' Kreisen ebenso gern benutzte Avery, eben nur EINE Stimme in diesem Komplex. Trotzdem kommt deren Einvernahme durch das ND oder die Junge Welt immer so herüber, als seien sie repräsentative Sprachrohre in dieser Angelegenheit -- auch und vor allem, weil sie eben Juden sind. Das ist doch absurd.
Denn es soll ja durchaus vorkommen, dass auch unter Juden -- wie unter allen anderen eben auch -- auf jede Intelligenzbestie mindestens ein Dummschwätzer kommt. Gysi ist ein gutes Beispiel für diese Tatsache. Dass er Jude ist, nimmt der Tatsache, dass er Unfug redet, keinen Iota ab.
Desweiteren haben nicht alle Juden den Assozierungs- und Identifizierungsdrang mit ihrem Jüdisch-Sein, wie man das hier offenbar gerne hätte, weil es die Dinge so schön einfach macht.