Die GSW soll an die Börse gehen, 130.000 Berliner Mieter müssen bangen.
Schlagen die Höllenhunde wieder zu? Die Pläne von Cerberus und Whitehall für einen Börsengang der GSW wecken dunkle Ängste. Immobilien waren der Auslöser und Finanzjongleure die gefräßigen Protagonisten der Weltfinanzkrise. Werden nun die 130 000 Mieter verkauft? Der Berliner Senat glaubte 2004, dass 70 000 kommunale Wohnungen in den Händen von Spekulanten sicher seien. Und in der Tat, die Investoren haben spekuliert: auf einen steigenden Unternehmenswert, eine positive Entwicklung des Berliner Immobilienmarktes, einen späteren Verkauf. Zwei Mal ging die Rechnung auf, die GSW ist – jedenfalls für den Kapitalmarkt – wertvoller und der Berliner Markt attraktiver geworden. Ob ein Börsengang funktioniert, ist hingegen offen. Überraschen dürfte aber niemanden, dass die Investoren darüber nachdenken, wie sie die GSW „verwerten“. Die Rechte der Mieter dürfen nicht verkauft werden, die Verpflichtungen der Investoren im Kaufvertrag gelten. Das wird die Mieter nicht beruhigen. Aber bevor es politisch interessant wird, über die Höllenhunde zu schimpfen, sollte klar sein: Wer sich mit ihnen einlässt, darf sich später nicht wundern.
(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 04.11.2009)
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Aber wahr ist und bleibt, dass damals, 2004, "Privatisierung" als das Allheilmittel schlechthin für alle Probleme hierzulande galt. Wahr ist, dass Herr Müntefering damals noch kein Heuschreckenredner war, sondern Türöffner und Wegbereiter der Heuschrecken in D. Und genau so wahr ist, dass damals gerade die Medien eine besonders aktive Rolle bei der Unterstützung bzw. Verbreitung der Privatisierungsideologie spielten.
Genau genommen könnte im Artikel also stehen: Verspekuliert haben sich viele. Wir haben uns verspekuliert. Wir dürfen uns nicht wundern.
"Die öffentliche Meinung, ... die Vierte Gewalt, zu der ich gehöre, ... hat sich dem Zug dieser Zeit nicht nur nicht entzogen, sie ist dem Deregulierungsparadigma gefolgt."
Tissy Bruns, veröffentlicht im Tsp. vom 01.11.2009