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Guido Westerwelle

Komplementärstruktur

Joschka Fischer mutierte im Amt zu Hans-Dietrich Genscher. Ist Guido Westerwelle dabei, zu Klaus Kinkel zu werden?
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Da kommt bereits Mitleid auf. In so kurzer Zeit ist wohl noch nie ein strahlend-stolzer, prägnant-polemischer Parteichef zu einem aalglatten, mit Höflichkeitsfloskeln hantierenden Chefdiplomaten mutiert. Aus Joschka Fischer wurde einst Hans-Dietrich Genscher. Ist Guido Westerwelle dabei, zu Klaus Kinkel zu werden? Der Verdacht drängt sich auf. Den Koalitionsvertrag, von der Union inzwischen genüsslich zerlegt, kann der Außenminister schon aus Zeit- und Abwesenheitsgründen kaum retten. Und in seinem neuen Amt zerren mächtige, vielleicht übermächtige Kräfte an ihm. Da ist zum einen sein Mentor Genscher, der ihm eine Linie vorgibt, die Westerwelle nicht verlassen darf. Da ist, zweitens, die Kanzlerin, neben der für eigene Akzente in der Außenpolitik kein Platz mehr ist. Angela Merkel ist das Gesicht Deutschlands in der Welt, Westerwelle wird allenfalls als ihr Sprecher wahrgenommen. Und da ist, drittens, der neue Verteidigungsminister, Karl-Theodor zu Guttenberg, ein ausgewiesener Experte in Außen- und Sicherheitsfragen. Die „Süddeutsche Zeitung“ wollte jetzt von ihm wissen, ob Westerwelle eine Art Neben-Außenpolitik zu befürchten habe. Darauf Guttenberg: „Er kann darauf hoffen, dass wir in dieser Regierung Komplementärstrukturen schaffen, wo alle Teile vom jeweils anderen etwas verstehen.“ Übersetzt heißt das: Er wird lernen müssen, uns machen zu lassen. mal

(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 09.11.2009)
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Kommentare [ 1 ] Kommentar hinzufügen »

Comment
von adalbert adalbert ist gerade offline | 9.11.2009 11:52 Uhr
Westerwelle ist schon, Obama
Von Letzterem koennte er lernen, was geschieht, wenn man versucht, politische Kurswechsel (wie im Gesundheitswesen) unmerklich vorzunehmen, d. h. diese quasi zu verstecken und ohne sie den Waehlern solide zu begruenden. Obama wollte offenkundig vermeiden, die Waehler mit komplexen Inhalten zu ueberfordern und Wiederstaende gegen seinen Ansatz bei den Lobbyisten zu wecken.
Westerwelle steht eine grundsaetzliche Auseinandersetzung mit den Amerikanern bevor ueber das transatlantisches Verhaeltnis. Er versucht schon jetzt, diesem geflissentlich auszuweichen.
Auch er wird damit scheitern.

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