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Hartz IV

Mindestlöhne gegen die Faulheit

Es wird zurzeit viel über Hartz-IV-Missbrauch und Faulheit geredet. Nun ist es in Deutschland so, dass man seit vielen Jahren fürs Arbeiten immer weniger Geld bekommt. Ein Kommentar von Harald Martenstein
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Es gibt einen neuen Medienstar, er heißt Arno Dübel, ist 53 und seit dreißig Jahren arbeitslos. Er möchte nicht arbeiten, bekennt sich dazu und kommt gut klar, sowohl psychisch als auch finanziell. Begonnen hat Dübels Karriere wohl mit dem ihm gewidmeten RTL-Film „Deutschlands glücklichster Arbeitsloser“, seitdem wird er ständig in Talkshows eingeladen, was er sichtlich genießt. Er sitzt dann zum Beispiel der Gewerkschafterin Ursula Engelen-Kefer gegenüber, die er mit „gute Frau“ anredet und deren Hilfsangebote er lässig an sich abperlen lässt. Über den faulen Arno kann man sich wunderbar empören. Man kann aber auch wunderbar die anderen, die ehrlichen, die nicht faulen Arbeitslosen vor ihm in Schutz nehmen, nein, er ist nicht repräsentativ, er ist einfach nur eine Type.

Man kann den Leuten normalerweise nicht in die Seelen schauen, so, wie Arno es zulässt. Ob eine Person faul ist oder nicht, bleibt deshalb in den meisten Fällen ihr Geheimnis. Unser Sozialstaat beruht auf der Idee, dass wir niemanden verhungern lassen, mehr noch, jeder sollte eine Wohnung haben und die Mindestvoraussetzungen für ein menschenwürdiges Dasein, und bei diesem Grundrecht kommt es, zumindest in der Theorie, nicht auf den Charakter oder das Verhalten an, es reicht, ein Mensch zu sein. Soll man Arno meinetwegen die Unterstützung noch einmal kürzen. Aber sie sollen ihn weder sterben noch hungern lassen noch ins Arbeitslager für Asoziale sperren, zum Glück leben wir nicht in einem solchen Land.

Es wird zurzeit viel über Hartz-IV-Missbrauch und Faulheit geredet. Nun ist es in Deutschland so, dass man seit vielen Jahren fürs Arbeiten immer weniger Geld bekommt. Laut Statistischem Bundesamt betrug der durchschnittliche monatliche Nettolohn im Jahre 1991, dem ersten Jahr mit gesamtdeutscher Statistik, 1411 Euro (damals waren es natürlich noch D-Mark). 2001 wurden dem Durchschnittsverdiener im Monat nur noch 1368 Euro ausgezahlt. 2006 waren es noch 1320.

Wenn es so weitergeht, dann nähert sich in nicht allzu ferner Zukunft der Durchschnittsverdienst eines berufstätigen Menschen dem Hartz-IV-Satz. Es hat dann objektiv wirklich keinen Sinn mehr, arbeiten zu gehen. Und daraus darf man dann auch, bitte sehr, keinem Menschen einen moralischen Vorwurf machen. Das hat nichts mit Faulheit zu tun, es ist einfach nur vernünftig. Arbeit ist anstrengend, und wenn dabei am Ende lediglich das Existenzminimum herauskommt, dann lässt man es wohl besser. Mit anderen Worten: Das beste Mittel gegen die Faulheit sind nicht moralische Appelle oder strenge Kontrollen, sondern Gehälter, von denen man gut leben kann, und Mindestlöhne.



(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 31.01.2010)
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Kommentare [ 140 ] Kommentar hinzufügen »

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von westend westend ist gerade offline | 30.1.2010 20:01 Uhr
DANKE
Hören wird es wohl die Hornissen-Koalition.
Aber wird sie es auch verstehen?
Comment
von marel marel ist gerade offline | 31.1.2010 9:27 Uhr
Plakativer Populismus
Anders kann man diesen Artikel des Herrn Martenstein kaum bezeichnen. Einfach mehr Geld fordern und schon fällt es vom Himmel.

Die derzeitige Situation hat ganz eindeutige Ursachen, die im globalen Wettbewerb liegen oder genauer gesagt in der fehlenden Globalisierung der Gewerkschaften.

Früher hatten wir vor allem einen nationalen Markt und Gewerkschaften haben durch einheitliche Flächentarifverträge für die Arbeitnehmer einen großen Anteil am Gewinn herausgeholt. Damit stieg die Kaufkraft, was wiederum den national aufgestellten Firmen gut tat.

Diese Rahmenbedingungen haben sich grundlegend verändert. Lohnsteigerungen erhöhen heute nur noch die nationalen Produktionskosten, während die Kaufkraftsteigerung direkt nach Asien abfließt und den einheimischen Firmen nicht mehr zu gute kommt.

Einfacher gesagt, deutsche Arbeitnehmer stehen in direktem Wettbewerb mit chinesischen Wanderarbeitern. Entweder sinken also unsere Löhne oder unsere Arbeitsplätze wanderen direkt nach China ab. So einfach ist das.

Hier sind nicht die plakativen Forderungen eines Herrn Martenstein gefordert. Hier sind die Gewerkschaften gefordert, auf globaler Ebene Bedingungen herzustellen, wie sie zuvor auf nationaler Ebene galten. Globale Flächentarifverträge tun not.

Seit Ewigkeiten fordern die Gewerkschaften internationale Solidarität. Sie sollten es nicht beim Fordern belassen, sondern endlich ihre Hausaufgaben erledigen. Wann findet das erste G7-Treffen der Gewerkschaften statt?

Solange die Gewekschaften nicht ihre Hausaufgaben erledigt haben, haben wir alleine die Wahl zwischen Lohnkürzungen und Arbeitslosigkeit und die Unternehmen können sich alles erlauben.

Aber auch globale Flächentarifverträge werden auf Lohnkürzungen in Europa hinauslaufen. Also werden globale Flächentarifverträge (noch) am Egoismus der europäischen Gewerkschaften scheitern

Der Leidensdruck muß erst noch steigen. Bis dahin sitzen die Unternehmen am längeren Hebel, die sich längst globalisiert haben.
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von Peligro Peligro ist gerade offline | 31.1.2010 10:28 Uhr
@marel
Es geht hier nicht um globale Lohnentwicklungen sondern um das deutsche Lohnniveau, das sich wesentlich schlechter entwickelt hat als in vergleichbaren Ländern, wie Sie u.a.hiernachlesen können.
Auch spielt sich das Drama der sich nur bei uns unaufhörlich nach unten drehenden Lohnspirale nicht nur in den exportrelevanten Branchen ab, sondern vorwiegend auf dem inländischen Dienstleistungssektor, der keiner ausländischen Konkurrenz ausgesetzt ist.
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von marel marel ist gerade offline | 31.1.2010 11:14 Uhr
Ideologie statt Gedanken
Sie plappern fleißig, die Ideologie nach, welche man ihnen vorquatscht, anstatt über Zusammenhänge nachzudenken. Der Dienstleistungssektur steht natürlich in einem direkten Zusammenhang mit dem Gesamtmarkt und schwebt nicht isoliert im Raum.

Und was meinen Sie überhaupt mit Dienstleistung?

Etwa den Kunden,

* der für IKEA die Möbel transportiert und zusammenbaut
* der für die Banken die Kontoführung online übernimmt
* der für den Bäcker die Brötchen eintütet
* der für die Post die Packstation bedient
* könnnen Sie beliebig fortsetzen

Oder wen? Diese Dienstleistungen des Kunden am Unternehmen sind Folgen einer Gesellschaft mit hoher Arbeitslosigkeit, kurzen Arbeitszeiten und dennoch hohen Löhnen im Dienstleistungsbereich.
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von Peligro Peligro ist gerade offline | 31.1.2010 12:08 Uhr
@marel
Sie dürfen davon ausgehen, dass ich angesichts Ihrer Aussage: Sie plappern fleißig, die Ideologie nach, welche man ihnen vorquatscht, anstatt über Zusammenhänge nachzudenken auf weitere Dialoge mit Ihnen verzichte.
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von zacha zacha ist gerade online | 31.1.2010 12:59 Uhr
@Peligro
Ich habe mir die erste Seite ihres Links mal angesehen, abgesehen davon das dort nur etwas über die letzten zwei Jahre steht, kommt der höhere EU-Durchschnitt durch die Steigerugnen in den östlichen Ländern der EU die zwar prozentual stärker anstiegen, trotzdem aber auf einem noch deutlich niedrigeren Niveau liegen. Bei den alten EU-Ländern lag der Schnitt nur geringfügig (um 0,2%) höher.

Zu den Dienslteistungen, dort habe ich noch keine wirklich Dientsleitsungbranchenbezogene Daten gesehen. Höchstens mal Auszüge aus einzelnen Berufsgruppen. Haben Sie da brauchbare Daten, oder ist das nur übernommenes geronnenes Wissen anderer Meinungsführer?
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von sasel sasel ist gerade offline | 31.1.2010 13:01 Uhr
danke,
endlich wieder ein unaufgeregter und sehr interessanter Beitrag, der sich zu lesen lohnt. Schade eigentlich, dass das TS-Leserforum vermehrt als Plattform für eine private Chat-Einrichtung mit z.T. gehässigen, oberlehrerhaften und beweihräucherischen Beiträgen geworden ist. Es ist doch gerade das Interessante, dass es verschiedene Empfindungen, Einsichten und Erfahrungen etc. gibt, die es Wert sind, einmal gelesen zu werden, auch wenn die Fraktion der "ich haben den Schlüssel zur einzigen Wahrheit" mittlerweile die mit den meisten Kommentaren sind. Danke noch mal Marel
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von Auslaender Auslaender ist gerade offline | 1.2.2010 15:41 Uhr
Mindestlöhne schützen vor Faulheit nicht!
Wer sich zum gegenwärtigen Tarif auf den Hartz IV Sätzen ein schönes Leben macht, wird es auch bei der Einfrühung von Mindestlöhnen machen.
Nur die Einführung von Mindestlöhnen senkt zu erste das Lohnniveau - auf das der Mindestlöhne (siehe Frankreich) und dann gehen die Arbeitsplätze ganz verloren (siehe UK).
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von zacha zacha ist gerade online | 30.1.2010 20:07 Uhr
Herr Martenstein
So sehr ich sie auch meistens schätze, so sehr muss ich Ihnen in ein paar Puntken einen Einspruch entgegen werfen.

"Das hat nichts mit Faulheit zu tun, es ist einfach nur vernünftig." Aus einer rein egoistischen Perspektive, ja. Ob es jedoch noch vernünftig ist, wenn man selber bedenkt das man dann andere Menschen belastet, das Kosten entstehen die andere arbeitenden Menschen bezahlen müssen, so das deren Netto-Lohn dann wiederrum sinkt, darüber kann man sicherlich streiten. So ist die Argumentation ein wenig, wie das man jemanden erschießen könnte, wenn es nur niemand merkt. Ja, man schadet anderen Menschen, aber mir selber schadet es nicht, es nützt mir sogar ein wenig, also ist es vernünftig. Nein, das kann nicht Vernunft sein. Das entpsricht nicht dem kategorischen Imperativ. Das ist die naive Logik eines Kindes.

Und es wird nicht genügend Arbeitsplätze geben mit Mindestlohnen wie 7,50€ die Stunde. So wird man dem Problem nicht Herr werden können. Sie haben in einem Punkt recht: Arbeit muss sich lohnen. Das Abstandsgebot muss gehalten werden. Da es jedoch einfach nicht möglich ist, einen mehr oder weniger beliebig hohen Mindestlohn einzuführen als Mittel gegen arbeitslosigkeit, weil dann die Arbeitsplätze einfach nicht entstehen können, wäre der Abstand nur auf die andere Art zu ermögliche: Die Senkung des Transferniveaus. Dann, wenn das genügend passiert, wäre sogar ein Mindestlohn denkbar, vielleicht 5€ die Stunde, was ungefähr 10% über dme Mindestlohn der USA noch entspräche. Wobei auch dann die Tarifautonomie mit starken aber vernünftigen Gewerkschaften mir immer noch lieber wäre.
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von dali dali ist gerade online | 30.1.2010 22:08 Uhr
Niedlich @zacha
diesen unbelegbaren Schwindel glauben selbst 70% der CDU Wähler schon lange nicht mehr.

Die größte Frechheit ist aber,
ganz im Stile einiger FDP-Lautsprecher,
das "Abstandsgebot" durch Senkung staatlicher Leistungen herbei zu führen.

Lieber zacha,
möge er selbst erst mal (nach eigener Aussage hier) über das Taschengeld nachdenken, das er selbst verdient,
besser noch,
mit seinem Chef eine Lohnsenkung für sich selbst fordern,
denn wen er so arbeitet wie er hier argumentiert,
ist eine Lohnsenkung unabdingar,

natürlich nter Beachtung des Abstandsgebotes...
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von zacha zacha ist gerade online | 31.1.2010 1:33 Uhr
@dali
Eine Lohnsenkung? Wo wäre da eine Lohnsenkung unabdingbar? Aber wie dem auch sei dali, wir wissen doch ohnehin das wir beide hier völlig andere Ansätze haben. Sie wollen den Mindestlohn oder gleich das BGE und erhoffen sich davon eine bessere Welt für alle. Nun hoffen dürfen Sie, ich versuche hier in iner logschen Argumentation zu bleiben. Ich greife Herr Martensteins Argument des Lohnabstands auf. Und führe die eigentlich bekannten Argumente an, die einen hohen Mindestlohn äußerst riskant machen, ja die eigentlich den Mindestlohn rational widerlegen. Und führe dann die einzige Alternative, wie der Lohnabstand zu ermöglichen wäre.
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von dali dali ist gerade online | 31.1.2010 10:46 Uhr
Na dann muss mir @zacha doch mal "logisch" erklären
wie es sich auch nur theoretisch rechnen soll,
wenn die Roherträge der Firmen nicht durch Zahlungen der Kunden, sondern durch Zuschüsse des Staates bezahlt werden.?

Das ist nicht nur un-"logisch",
es ist sogar volkswirtschaftlich schädlich,
denn es verursacht DEFLATION,
was man sehr schön bei LIDL/ALDI sehen kann:

Sie senken die Preise,
kürzen Löhne und Erzeugerpreise
=> weniger verfügbare Einkommen
=> weniger Konsum
=> mehr Subventionen (egal ,ob Lohn oder Milchbauern)
=> Mehrbelastung für den Staatshaushalt
aber auch
=> relatives Sinken der Steuereinnahmen
=> Kürzungen
=> weniger Kaufkraft
=> ALDI/LIDL müssen im Verdrängungswettbewerb die Preise senken.


Das ist volkswirtschaftlicher Selbstmord
und hat mit einem "anderen Ansatz" nichts zu tun.

Als Sahnehäubchen aber
will man dann noch eine Kopfpauschale einrichten,
die 35 MRDn direkt aus den Kassen von ALDI/LIDL in die der Krankheutsindustrie schaufeln soll.

Den Zweck dieses "anderen Ansatzes"
sollte uns zache irgendwie denn doch mal erklären...
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von oliver111 oliver111 ist gerade online | 31.1.2010 10:56 Uhr
@Zacha
Sie glauben was Ihnen erzählt wird von der Politik, dass ist bedauerlich, die haben dem Volk das lange genug eingeredet, was Sie hier erzählen, stimmen tut davon garnichts, denn die Unternehmer haben sich immer mehr bereichert auf dem Rücken der Arbeitnehmer und die Milliarden Aufstockergelder muss dann die Allgemeinheit bezahlen, was die Unternehmer als Subvention einstreichen, nein Zacha das ist Ausbeutung vom Feinsten und wenn Sie diese Propaganda oder besser Gehirnwäsche glauben, dann tut es mir fast schon leid.
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von zacha zacha ist gerade online | 31.1.2010 13:05 Uhr
@oliver111
Sie haben natürlich Recht. Ja, ich glaube unterm Strich den Aussagen der Mehrheit der Politiker und Experten. Und meiner eigenen Logik. Es kann natürlich sein, das meine Logik mich bettrügt, und ich einer riesigen Verschwörung von 80% der Politiker und 80% der Experten auf dem Leim gehe die sich zugunsten einer 2% Minderheit der Gesellscahft, der Super-Elite, verschwören. Aber das Risiko gehe ich ein.
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von dali dali ist gerade online | 30.1.2010 23:46 Uhr
@nielas
zu 1.
Das stimmt nicht,
wer nach Lohnsteuerjahresausgleich ein zu besteuerndes Einkommen wie ein Anspruchsberechtigter nach SGB II hat,
kann sich von den Rundfunkgebühren befreien laasen.
Diese Befreiung aber öffnet auch dem Kleinverdiener sämtliche Vergünstigungen,
die einem Hartz IV-Empfänger zustehen.
zu 2.
Stimmt,
deshalb brauchen wir zumindest einen Mindestlohn, besser das BGE. Damit wären diese Probleme aus der Welt.
zu 3.
zunächst mal brauchen wir berufsqualifizierende Ausbildungen,
danach können wir uns ja unterhalten,
wer die falsche Wahl zu verantworten hat.
Ja,
Lohndiebe und Ich-AGler,
bei denen lediglich bisher feste abhängige Beschäftigungen ausgelagert sind, sind so sinnvoll wie ein Kropf...
Comment
von Peligro Peligro ist gerade offline | 31.1.2010 10:35 Uhr
@zacha
Wenn Mindestlöhne um die € 8,00 in anderen europäischen Ländern möglich sind, die sich zumal auch wirtschaftlich besser entwickeln als wir, dann gibt es kein Argument mehr, warum das bei uns nicht auch möglich sein sollte und warum Arbeit in Deuitschland weniger wert sein sollte als anderswo.
Unsere Wirtschaft leidet - wie die objektiven Zahlen zeigen - jetzt schon unter zu wenig kaufkräftiger Nachfrage infolge einer zu schlechten Lohnentwicklung: die Realisierung ihres Vorschlags würde das Problem noch drastisch verschärfen und unser ohnehin zu geringes Wachstum völlig zum Erliegen bringen.
Comment
von zacha zacha ist gerade online | 31.1.2010 13:17 Uhr
@Peligro
Sie machen einen logischen Fehler.
Unter den Staaten die einen Mindestlohn von 8€ oder mehr haben, ist Deutschland am ehesten mit Frankreich zu vergleichen, nicht so sehr mit Luxemburg. Wie die wirtschaftliche Situation in Frankreich ist, mag ich gar nicht genau beurteilen, ich denke nicht dass sich Frankreich besser entwickelt. Selbst wenn dem aber so wäre, und jetzt kommen wir zu dem eigentlichen logischen Fehler, wäre dies kein Beweis für den Mindestlohn, denn die wirtschaftliche Entwicklung hängt von mehr ab als dem Mindestlohn, eventuell bringen andere Faktoren genügend Vorteile um die Nachteile durch den Mindestlohn überzukompensieren (zum Beispiel, keine Einheitskosten finanziert haben zu müssen). Also sollte man sich nicht so einen aggregierten Indikator ansehen, zumal an einem bestimmten ausgewählten Beispiel, um eine konkrete Maßnahme zu bewerten.

Das war die Darstellung des logischen Fehlers den Sie begehen. Und nun kommt die Feststellung, das dieser logische Fehelr Sie auch zu einer falschen Schlussfolgerung brachte: "In Frankreich, wo der Mindestlohn so hoch ist, dass 15,6 % der Arbeitnehmer betroffen sind, zeigten sich im Unterschied dazu teilweise starke negative Beschäftigungseffekte, vor allem bei Jugendlichen und Frauen. In diesem Land, das laut SVR „hinsichtlich seines institutionellen Regelwerkes auf dem Arbeitsmarkt am ehesten mit Deutschland vergleichbar ist“, seien die Beschäftigungsverluste aufgrund der Anhebung des französischen Mindestlohns allerdings beachtlich. „So ermitteln Laroque und Salanié (2002) einen signifikanten Einfluss des Mindestlohns auf die Höhe der Arbeitslosigkeit.“" (wikipedia)

Passen Sie auf wenn sie von etwas überzeugt werden sollen, das ihrem gesunden Menschenverstand widerspricht. Meistens sind das Tricks, wie solche falschen scheinlogischen Arguemnte zu bringen, die verkürzt sind, die unzulässig zusammenfassen oder einfach sich aus 100 Beispielen das eine suchen wo es gerade zufällig passt.
Comment
von flubutjan flubutjan ist gerade offline | 31.1.2010 10:35 Uhr
Am Thema vorbei
Ich möchte bei dieser Gelegenheit am Thema vorbei auf ein disqualifizierendes Phänomen bei vielen "Arbeitgebern" hinweisen:

Es ist (s. o.) der komplette EMPATHIEMANGEL gegenüber den unterbezahlten Arbeitnehmern.

Es scheint vielen hohen Herren das Hungerlohn-Vegetieren ihrer Beschäftigten vollkommen schnuppe zu sein (falls sie sich nicht sogar distinktionssüchtig daran weiden, was dann so etwas wäre wie negative Empathie), und das, während sie selbst opulent ausgestattet sind - peinlicher geht's doch eigentlich gar nicht.

Keine 7,50 möglich?

Für dicke Vorstandsgehälter reicht es komischerweise immer.
Comment
von Ulf_Kaputtke Ulf_Kaputtke ist gerade offline | 31.1.2010 11:46 Uhr
Die Argumentation ist unsachlich
Herr Martenstein weist auf ein ungünstiges Anreizsystem hin, das sich negativ aufs Sozialsystem bzw. auf die Arbeitsmotivation auswirkt. Wenn Arbeit weniger belohnt wird (Psychologen würden sagen "verstärkt"), dann ist der Anreiz zu arbeiten geringer und es wird weniger gearbeitet. Dieser Wirkzusammenhang ist zu stark, als dass man ihm begegnen könnte, indem man Menschen an idealistische Ziele wie "Gemeinschaft", "Solidarität" usw. erinnert. Das hat in der DDR ja auch nicht geklappt. Da hatte man die Nase voll von Mangelwirtschaft und Zurückstecken.

Und von den Arbeitslosen zu verlangen, sie sollen gefälligst für 100€ mehr 40 Stunden arbeiten gehen, weil sie damit was für die Gemeinschaft tun?? - Warum sollten die Arbeitslosen ein System unterstützen, das sie nicht mitspielen lässt? Die Kampagne, die das erreicht, möchte ich sehen.

Finally noch was zum Mindestlohn: Egal wie, aber der Verdienstunterschied zwischen "arbeiten gehen" und Hartz4 muss steigen, damit sich das arbeiten lohnt. Um fließende Übergänge in die Arbeit zu ermöglichen, sind zunächst einmal die Zuverdienstmöglichkeiten bei Hartz4 von derzeit 160€ um ein Vielfaches zu erhöhen. Denn warum soll man den Leuten das Verdiente vom Hartz 4 abziehen? Das Mehr an Geld fließt doch zu 99% in die Wirtschaft zurück. Und dann muss ein Mindestlohn her, um Ausbeutung zu verhindern. Mag sein, dass dadurch Jobs im Niedriglohnsektor verschwinden, aber man muss hier einfach mal die Wertfrage stellen: Ist ein Job mit 3€ Stundenlohn es wert, dass man seine Existenz rettet? Darauf sollte man mit Blick auf die Menschenwürde verzichten.
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von Irrsinnige Irrsinnige ist gerade offline | 30.1.2010 20:16 Uhr
es ist so
wie der Autor beschreibt. Wir haben aber auch die Gruppe der vielen Menschen die regelmässig arbeiten gehen und dann noch zusätzlich Transferleistungen beantragen mussten um ihre Existenz zu sichern.
Comment
von uwemohrmann uwemohrmann ist gerade online | 30.1.2010 23:43 Uhr
irrsinnige
und das schlimme ist, das es ständig mehr werden, siehe Schlecker(man hört gar nichts mehr davon von Fr. v.d.L), Postlohn, TNT, und jetzt vielleicht noch PIN. Ansoten Herrn Martenstein voll recht gebe
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von hannibal hannibal ist gerade offline | 31.1.2010 17:51 Uhr
Ach @uwemohrmann
letzte Woche bei Anne Will hat jemdand bei TNT gekündigt, obwohl er 7,60€ bekam.

Das sind 10 Cent ÜBER dem von verdi geforderten ML von 7,50€, während Hertha Däubler-Gmelin mehrfach zwar fehler- aber nicht akzentfrei formulierte "7,60€ sind zu wenig". Komisch nur, dass große Teile ihrer Partei ebenfalls 7,50€ fordert.

Und dass PIN und TNT die fetten Gewinne einfahren ... also da sind Sie wohl dem Dauer-Sperrfeuer von Herrn Dali und Konsorten auf den Leim gegangen. Wenn Sie sich einmal überlegen, welchen Kapitaleinsatz der logistische Aufbau einer Konkurrenz zum Monopolisten, der ehemaligen Deutschen Bundespost, erfordert, dann können auch Sie sich ausrechnen: die haben bisher noch überhaupt keinen Gewinn gemacht!

Wenn Sie aber den Markt ablehnen und Monopolismus befürworten, dann sind Sie mit Ihrer Meinung auf dem richtigen Wege, denn sowohl das Mwst-Privileg als auch der konkurrenz-abwehrende widerrechtliche Post-ML von 9,80€ begünstigt Ihre Ansicht und benachteiligt den Konsumenten.
Comment
von epunion.de epunion.de ist gerade offline | 30.1.2010 20:58 Uhr
Danke Herr Martenstein
Herr M. hat es auf den Punkt gebracht.

Entwicklung des BIP pro Kopf zu Marktpreisen von 2000-2008 in Deutschland


22600

23100

23600

24200

25200

26300

27500

28800

29000

Arbeitnehmerengelt - Anteil in Prozent am BIP von 2000-2010

53.4

53.1

52.7

52.4

51.5

50.4

49.4

48.6

49.0

50.9

49.7


Zahlen : Eurostat


Hier wird seit Jahren den Arbeitnehmern in die Tasche gegriffen.
Comment
von fredericussecondo fredericussecondo ist gerade online | 31.1.2010 0:55 Uhr
Den real-existierenden Sozialismus
mit kapitalistischen Mitteln optimieren.

Das ist das gesetzte Ziel.

Nur sind es heute eben nicht die stalinistischen Kaderfunktionäre, die mit dem Instrument der Plünderer- und Ausbeuterlöhne die Jungs und Mädels des ersten Arbeiter- und Bauernstaates um ihren fairen Lohn betrügen, weil sie damals mit ihren Dumpingpreisen die Devisen beschafft hatten, mit denen die Junta der stalinistischen Büttel der SED die Waffen und Privilegien für ihre Armee, ihre Stasi und ihre Parteikader besorgt hat.

Heute wird mit dem Mittel der nach unten unbeschränkten Armuts- und Verwahrlosungsentlohnung die Wohlfahrt und der Wohlstand derjenigen privilegierten Kaste bezahlt, die lt. Statistischem Jahrbuch 2008 seit 2007 mit dem Anteil von weniger als 15% aller Privathaushalte über mehr als 85 % aller Privatvermögen verfügen.

Es ist die Klientel, für die sich die Gruppe Schröder-Fischer ebenso engagiert ins Zeug geworfen haben, wie dies jetzt die Herrn der FDP und der CDU/CSU tun und die in all den Kontenunterlagen wiederzufinden sind, die dem Finanzminister gerade angeboten werden.

Kauft der Herr Schäuble dieses Beweismaterial nicht, dann muss jeder von uns beim Generalbundesanwalt gegen den Finanzminister Anzeige wegen Strafvereitelung im Amt erstatten und wegen Amtsmissbrauchs aufgrund des von Herrn Schäuble geleisteten Amtseides.

Wir sollten nicht länger wie die Schlachschaft darauf warten, dass uns das Fell über die Ohren gezogen wird.

Comment
von zacha zacha ist gerade online | 31.1.2010 1:42 Uhr
@epunion.de
Nach ihren Zahlen würde dann foglendes gelten:
Arbeitnehmerentgeld 2000: 12068,4
Arbeitnehmerentgeld 2008: 14210
Da mag man noch die Inflation reinrechnen, aber unterm Strich steht da immer noch ein Plus. Wieso da also "in die Tasche" gegriffen wurde, naja.
Comment
von epunion.de epunion.de ist gerade offline | 31.1.2010 10:50 Uhr
@zacha
Sie haben merkwürdig Vorstellungen vom Teilen?!
Nehmen wir Ihre Zahlen :
"Arbeitnehmerentgeld 2000: 12068,4
2008: 14210 "

Dann ergibt sich durchschnittlich seit 2000 ein Entgeltzuwachs von 1,67%.

Inflationsraten :
2000 1,40
2001 1,90
2002 1,40
2003 1,00
2004 1,80
2005 1,90
2006 1,80
2007 2,30
2008 2,80
2009 0,20
--------------
Schnitt 1,83 %

% Anteil Arbeitnehmerengelt am BIP
---Deutschland_Dänemark_Großbritannien
2000 53.4 52,6 54.5
2001 53.1 53,7 55.2
2002 52.7 54.1 54.6
2003 52.4 54.4 54.1
2004 51.5 53.6 53.7
2005 50.4 53.3 54.0
2006 49.4 53.4 53.4
2007 48.6 55.1 53.4
2008 49.0 56.7 53.3
2009 50.9*1 59.3 54.8
Prognose
2010 49.7 58.2 53.5


Außerdem : Sie haben zurecht die Inflationrate erwähnt. Hinzu kommen bestimmte Berufsgruppen bei den Überproportional die Entgelte erhöht wurden, während diese bei anderen gesenkt wurden.

Nach Angaben des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufs-forschung sei die Tarifbindung in Deutschland stark zurückgegangen. 2007 habe diese in der westdeutschen Privatwirtschaft noch 52 % gegenüber 66 % im Jahr 1996 betragen. In Ostdeutschland seien es nur noch 33 % (1996: 48 %) gewesen. (IAB Kurzbericht 16/2008)

Hier die Zuwächse der TARIFGEBUNDENEN Arbeitnehmer 2009.

Im Produzierenden Gewerbe 3,0%
Dienstleistungsbereich mit 2,6%.
Energie- und Wasserversorgung, Entsorgungswirtschaft 3,2%
Verarbeitendes Gewerbe 3,0%
Öffentlicher Dienst 2,9%
Handel, Finanz- und Versicherungsdienstleistungen sowie Information und Kommunikation 2,2%

Gastgewerbe 1,3%.

Von diesen Erhöhungen sind 2/3 der Ostdeutschen und rund 48% der Westdeutschen (wie oben bereits erwähnt) ausgenommen.

*1 Aufwärtstrend durch Einbruch des BIPs 2009 um 5% durch die Finanzkrise


Zahlen : Eurostat, Destatis
Comment
von zacha zacha ist gerade online | 31.1.2010 13:22 Uhr
@epunuion.de
Habe ich irgendwo etwas von "teilen" geschrieben? Nein. Aber wenn A mehr erwirtschaftet wärend B gleich viel erwirtschaftet, und A nicht die Hälfte vom "mehr" abgibt, kann B doch nicht sagen das ihm etwas "aus der Tasche" gezogen werden würde. Ihre Rhetorik stellt vollkommen absurde Behauptungen auf, die nur den Zweck haben emotional aufzuwühlen, sich "bestohlen" zu fühlen, wo es überhaupt nicht wahr ist.
Comment
von epunion.de epunion.de ist gerade offline | 31.1.2010 14:24 Uhr
@zacha
Sie haben unseren Beitrag und die Zahlen offensichtlich nicht gelesen.

Außerdem entschuldigen Sie bitte : Wenn ein Leiharbeiter 1000 EURO/brutto und der Festangestellte ohne DGB-Tarif 1250 EURO verdienen, während der IG-Metaller bei gleicher Arbeit 1800 EURO bekommt, dann fehlt dem einen Arbeitnehmer wohl was in Tasche - oder?

Wenn Sie dann diesen Leuten auch noch das Recht absprechen wollen "emotional" zu reagieren, dann hat das bereits unmenschliche Züge.

Außerdem sind Sie offensichtlich nicht bereit Zahlen zur Kenntnis zu nehmen, die belegen, dass es in anderen Ländern andere Sitten üblich sind.

Comment
von zacha zacha ist gerade online | 31.1.2010 15:32 Uhr
@epunion.de
All ihre Zahlen haben einfach keinerlei Aussagekraft für ihre Behauptung, es würde einigen etwas "aus der Tasche" gezogen werden. Selbst in ihrem Beispiel wird keinem der Arbeiter etwas aud der Tasche gezogen. Ob die Behandlung fair ist, anderes Thema, aber es wird einfach nichts gestohlen. Ihre Rhetorik ist falsch.

Und ich untersage niemandem emotional zu reagieren, ich finde es jedoch schlimm wenn Menschen zu Gunsten ihrer eigenen Interessen die Emotionen anderer Menschen manipulieren, beispielsweise wenn von "Diebstahl" hier geredet wird.
Comment
von epunion.de epunion.de ist gerade offline | 31.1.2010 17:36 Uhr
@zacha
Also entschuldigen Sie bitte, wenn Ihnen die Bank die Zinsen beim Sparguthaben senkt, dann "greift" man wohl auch in Ihre Tasche - oder (Redensart!)?

Das gleiche gilt wohl, wenn man Ihnen den Prozentanteil der Gewinnausschüttung als Gesellschafter einer Firma stillschweigend absenken würde - oder?

Verkaufen Sie die Leute doch nicht für dumm.




Comment
von zacha zacha ist gerade online | 31.1.2010 22:51 Uhr
@epunion.de
Sie sind wirklch der Meinung das ihnen "in die Tasche" gegriffen wird wenn die Banken die Zinsen senken? Sie also nur noch statt, sagen wir 10€ dann 15 Euro jedes Jahr kriegen? Das ist für Sie Diebstahl?

Hm, das erklärt dann so einiges.
Comment
von epunion.de epunion.de ist gerade offline | 31.1.2010 23:09 Uhr
@zacha
Eine Kaisers Kassierin wurde wegen Pfandbons von 1,30 € gekündigt. Das lässt ja dann wohl eher tief blicken.




Comment
von zacha zacha ist gerade online | 1.2.2010 10:44 Uhr
@epunion.de
Wenn, dann hat da die Kassiererin anderen in die Tasche gegriffen, nicht umgekehrt.

Abgesehen davon, meines Wissens nach waren die 1,30€ zwar der erste Auslöser, der eigentliche Grund jedoch das die Kassierin als dies aufflog es abstritt und sogar noch ihre Kollegen beschuldigte.

Ja, jetzt bin ich drauf reingefallen und habe ihr Thema doch aufgegriffen. Aber es spielt überhaupt keine Rolle für ihre falsche Behauptung, es würde von den Arbeitnehmern etwas gestohlen werden. Ich finde es erstaunlich, dass Sie dies nicht einfach akzeptieren können sondern stattdessen immer wieder völlig andere Thmen anschneiden. Entweder, geben sie zu das ihre Formulierung da falsch war, oder geben Sie mal ein Arguemnt wo wirklich etwas gestohlen wird auf breiter Basis, oder lassen Sie es gut sein.
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von apatit1 apatit1 ist gerade offline | 31.1.2010 11:05 Uhr
@zacha
Zuersteinmal "würde" nach den Zahlen folgen:
49,7% von 29000 = 14413 (nicht 14210)
Zweitens "würde" folgen, daß das BIP "pro Kopf Einwohner" gerechnet wird und daher nicht dem Arbeitnehmer Anteil entspricht.
Drittens "würde" aus den Zahlen folgen, daß in dieser Periode das BIP gewachsen ist, der Anteil des BIP jedes Einwohners aber gesunken ist.
Das "würde" doch heißen, daß der Einwohner am Wirtschftswachstum in keinster Weise partizipiert hat.
Frage: Wer hat von diesem Wachstum profitiert? (Der Einwohner ja wohl nicht)
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von zacha zacha ist gerade online | 31.1.2010 13:27 Uhr
@apatit
Es ist aber im Jahr 2008 nicht 49,7, sondern 49,0. Da die erste Zahlenreihe nur bis 2008 ging, musste ich daher die 49,0 aus 2008 nehmen und konnte nicht einfach die Zahl aus 2010 nehmen. Ich hätte das vielleicht ncoht etwas deutlicher darstellen sollen, dachte aber das dies bei Menschen die skeptisch sind diesen dann selber auffällt.

Zum Anteil am Wirtschaftswachstum, richtig, das ist gegebenenfalls weniger geworden für die Arbeitnehmer. Da kann man ja auch sinnvoll und konstruktiv drüber reden. Aber wenn eine Ungleichverteilung vom "Mehr" bereits als Diebstahl bezeichnet wird, dann ist da auch keine Diskussion mehr möglich, da ist die Ideologie zu verfestigt, da ist eine rationale Zugänglichkeit erst mal nicht mehr anzunehmen. Daher habe ich nicht darüber geschrieben, sondern erst mal geschaut was epunion.de dazu sagt. Und naja, ich fürchte ich habe Recht mit dieser Einschätzung bezüglich der Zugänglichkeit.
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von Peligro Peligro ist gerade offline | 31.1.2010 9:49 Uhr
@epunion
Ihre Eurostat-Zahlen geben nicht das für diese Diskussion relevante Bild wieder.
Das BIP pro Kopf für ein Jahr allein sagt nichts darüber aus, wie sich unsere Volkswirtschaft und die Einkommen entwickelt haben.
Fakt ist, dass die schlechte Lohnentwicklung in Deutschland unsere Binnenwirtschaft nachhaltig geschädigt und dazu geführt hat, unser nur noch vom Export getragenes Wachstum viel zu schwach ausfiel: Das BIP in der EWU stieg von 1998 bis 2006 um 15,6%, in Deutschland nur um 10,4%. Von 2000 bis 2008 wuchs unser BIP um ganze 10,2%; um durchschnittlich 1,275% pro Jahr.
So kann man Wachstum und Beschäftigung nicht sichern.
Wichtig ist auch nicht der Anteil der Löhne am BIP sondern die Entwicklung ihres Anteils am Volkseinkommen, das sich aus Arbeitnehmerentgelt und Unternehmens- und Vermögenseinkommen zusammensetzt:
Arbeitnehmerentgelt 2000: 1.100 Mrd. € = 72,0% vom Volkseinkommen
Arbeitnehmerentgelt 2008: 1.226 Mrd. € = 65,2% vom Volkseinkommen
Zuwachs: 126 Mrd. € = 11,4%
Unternehmens- und Vermögenseinkommen 2000: 424 Mrd. € = 28,0% vom Volkseinkommen
Unternehmens- und Vermögenseinkommen 2008: 654 Mrd. € = 34,8% vom Volkseinkommen
Zuwachs: 230 Mrd. € = 54%
Bei fortgesetzt gerechter Einkommensverteilung hätten die Arbeitnehmer 2008 rund 1.350 Mrd. € gehabt, statt 1.226 Mrd.€; es wurden also allein 2008 also rund 120 Mrd. € umverteilt, weg von den Arbeitnehmerentgelten, hin zu den Unternehmens- und Vermögenseinkommen.
Hier liegt die Krux: Anders als in ganz Europa hat in Deutschland ein Lohnabbau stattgefunden, ein Lohnabbau, der – wie die Entwicklung des Volkseinkommens zeigt – völlig ungerechtfertigt war (und ist) und der die gesamte Volkswirtschaft, unser aller Wohlergehen und unsere Zukunftschancen dauerhaft geschädigt hat.
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von epunion.de epunion.de ist gerade offline | 31.1.2010 13:25 Uhr
@peligrio
Wollen Sie bestreiten, dass das BIP pro Kopf eine Richtgröße für Wohlstand oder Armut eines Landes ist?

Wollen Sie bestreiten, dass die Arbeitnehmerentgelte eine Richtgröße für den Wohlstand oder die Armut von Arbeitnehmern
sind? (Haben Sie offensichtlich überlesen!!!)

Am Ende behaupten Sie noch, dass die Höhe des Umsatzes im Einzelhandel "unrelevant" sei.

Außerdem : Die Berechnung des Volkseinkommens ist schwierig und bürgt zahlreiche Fehlerquellen.

Es ist richtig : Die Höhe der Arbeitnehmereinkünfte pro Kopf spezifiziert nicht deren Verteilung innerhalb der Gruppe der Arbeitnehmer:

In Deutschland verdienen bestimmte Berufsgruppen, die über entsprechende Tarifverträge verfügen korrekt. Die Tarifbindung beträgt aber nur noch : West 52% / Ost 33%

Der Rest blickt in die Röhre.

Ein Beispiel :
Der "Marburger Bund" fordert rund 42 EUR/Stundenlohn für einen Chefarzt an einer Klinik

Die ausgebildete Krankenschwester bekommt über Leiharbeit einen Stundenlohn von 6 - 7 Euro / Stunde




Comment
von agathe agathe ist gerade offline | 30.1.2010 21:24 Uhr
Mindestlöhne
Damit ist Ihnen ein treffender Artikel gelungen.
Es gibt in mind. 21 Ländern einen Mindestlohn, um Arbeitnehmer und Lohnpolitik davor zu schützen, dass Lohndumping die Lebensgrundlage zerstört, Wirtschaftsabkommen der jeweiligen Länder angemessen funktionieren und Wachstum nicht durch innerpolitische Sozialkollapse gekennzeichnet ist.
In diesen Ländern soll ermöglicht werden, dass nicht der Arbeitnehmer sich selbst durch die sog. Aufstockung, also durch den Staat subventioniert.
Die Arbeitslosigkeit ist durch die Einführung von Mindestlöhnen nachweislich nicht gestiegen. Innderhalb der EU ergeben sich Wettbewerbsnachteile gerade durch Deutschlands Verzicht auf Mindestlöhne Nachteile in Deutschland und auch den übrigen EU-Staaten.
Den Vorschlag von zacha, Transferleistungen erneut zu senken, ist sowohl volkswirtschaftlich, als auch moralisch gesehen, zu verwerfen. Damit einen Mindestlohn von 5 Euro zu ermöglichen ebenso.
Der zum Erhalt des Existenzminimums notwendige Mindestlohn lag vor wenigen Jahren bereits bei 7,50 EURO. Ob es ein Gewinn ist, sich an einem Land außerhalb der EU lohnpolitisch zu orientieren, zumal in einem Land in dem die relative Armut weiter zunimmt und viele Familien drei bis vier Jobs benötigen, um über die Runden zu kommen, ist äußerst fragwürdig.
Wettbewerbsvorteile aufgrund von Ausbeutung sollten wir nicht hier fortführen, sondern versuchen, durch Konsum entsprechender Güter hier und besonders in anderen Ländern zu verunmöglchen.
@zacha
Es besteht ein Unterschied zwischen Staat und Bürger und Opfer und Mörder. Es gibt den Staatsvertrag, der Rechte beinhaltet, denen Genüge getan werden müssen. Ein Mord an einem Menschen, ist ohne einen solchen Vertrag, also allein aus moralischen Gründen nicht zulässig.
Ein anderer Vergleich wäre lohnender gewesen..
Comment
von lionfood lionfood ist gerade offline | 30.1.2010 22:26 Uhr
Ergänzend...
auch die Arbeitgeber leiden unter dem Aufstockersystem. Nämlich die, die von vornherein einen Lohn bezahlt haben von dem der Arbeitnehmer auch leben kann. Sie werden verdrängt und ständig unterboten bei der Auftragsvergabe von den Unternehmern, die 5 Euro die Stunde zahlen mit dem Verweis dass man durch Aufstockung ja mehr Geld bekommt, als wenn man 8 Euro die Stunde zahlen würde.

Hier subventioniert der Staat bzw. Steuerzahler die Abzocker. Die Ehrlichen? Bleiben auf der Strecke. Bzw. wandern aus.

Tolles System.
Comment
von zacha zacha ist gerade online | 31.1.2010 1:50 Uhr
@agathe
Warum man es nciht mit einem Land wie den USA vergleichen sollte weil es "außerhalb" der EU liegt, erschließt sich mir nicht.

Zu den anderen Ländern und den Effekten von Mindestlähnen zitiere ich mal eben ganz fix die wikipedia
"Der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung kommt in seiner Auswertung der jüngeren Studien zu dem Ergebnis, dass in den Vereinigten Staaten und Großbritannien, wo der Mindestlohn so niedrig ist, dass davon weniger als 2 % der Arbeitnehmer betroffen sind, „in der Regel keine oder allenfalls geringfügig negative, sondern bisweilen sogar positive Beschäftigungseffekte eines Mindestlohns“ gefunden wurden. In Frankreich, wo der Mindestlohn so hoch ist, dass 15,6 % der Arbeitnehmer betroffen sind, zeigten sich im Unterschied dazu teilweise starke negative Beschäftigungseffekte, vor allem bei Jugendlichen und Frauen."

Und kommen Sie bitte nicht mit "Moral", man sollte schon etwas weniger weiche Argumente vorbringen können. Über Volkswirtschaft, da kann man sich streiten, das tun auch die Experten.Ich bin aber der Ansicht, das der Volkswirtschaft vor allem Arbeit nützt, arbeit schafft Werte. Hingegen nicht-arbeit zu subventionieren, dass schafft keine Werte. Daher ist es schwer, volkswirtschaftlich für Maßnahmen zu argumentieren, die aller Plausibilität nach Arbeit verhindern.

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