Der Streit um Navid Kermani und den Hessischen Kulturpreis zeigt: Die intellektuelle Zukunft des Landes gehört den Migranten.
Seit einer guten Woche tobt der Streit um den Hessischen Kulturpreis durch die Feuilletons. Und es spricht nicht gegen die Feuilletons, dass er ausschließlich dort tobt. Die Politik hat die Wiesbadener Kabale bisher kaum entdeckt – dabei gehörte sie auch dort hin.
Was bisher geschah: Der Hessische Staatspreis für Kultur sollte in diesem Jahr für Verdienste um den Dialog der Religionen verliehen werden. Die Jury einigt sich auf vier Kandidaten: einen Katholiken, einen Protestanten, einen Juden und einen Muslim. Doch der Muslim Fuat Sezgin springt ab: Er wolle nicht zusammen mit Salomon Korn ausgezeichnet werden, der Israels Krieg in Gaza rechtfertige. Als Ersatz-Muslim wird der Kölner Publizist und Schriftsteller Navid Kermani nominiert, der erklärt, dass er bestenfalls ein Problem mit Hessens Ministerpräsident Roland Koch habe. Doch nun hat sein katholischer Ko-Preisträger – der evangelische Vertreter Peter Steinacker schließt sich an – ein Problem mit ihm: Der Mainzer Kardinal Lehmann hat einen Artikel der „Neuen Zürcher Zeitung“ gelesen, in dem Kermani erklärt, warum er die Kreuzesverehrung der Christen ablehnt, aber angesichts einer Kreuzigungsszene des Malers Guido Reni aus dem 17. Jahrhundert, die er in einer römischen Kirche entdeckte, ins Zweifeln geriet. Mit einem, der das Kreuz für gotteslästerlich erkläre, wolle er nicht auf einem Podium stehen, schreibt Lehmann an Hessens Staatskanzlei. Die lädt darauf Kermani aus.
Nur eine Posse aus der Länderkulturbürokratie? Man kann die Sache auch so sehen: Zwei künftige Staatspreisträger mit den sehr deutschen Namen Lehmann und Steinacker beißen einen dritten Kandidaten weg, der einen persischen Namen trägt. Der vierte, Salomon Korn, scheint gar nicht erst gefragt worden zu sein. Ahnen Lehmann und Steinacker, dass Kermani wohl zu denen gehört, die sie bald beerben werden?
Deutschland steckt mitten in einem Elitenwechsel. Und während noch längst nicht ausgemacht ist, ob die Krise und das Versagen erheblicher Teile unserer Wirtschaftselite überhaupt einen Austausch der Köpfe nach sich ziehen werden, viel weniger noch der Ideen, machen sich in der Kultur längst nicht nur neue Namen, sondern auch neue Themen und eine neue Sprache bemerkbar. Der Hamburger Fatih Akin ist einer der wichtigsten deutschen Filmregisseure und sammelt auch international angesehene Preise. Die Sprachwucht und -wut der Romane von Feridun Zaimoglu sind beispiellos in der aktuellen deutschen Literatur. In den Erzählungen von Emine Sevgi Özdamar verschränken sich idiomatisch Deutsches und Türkisches zu einem manchmal magischen neuen Deutsch. Und Navid Kermani ist einer der bedeutenden öffentlichen Denker in diesem Land.
Aber es geht um viel mehr als diese wenigen Namen, und Deutschland hat davon mehr zu gewinnen – so schön auch das ist – als ein paar internationale Filmpreise und Erfolgstitel auf den Buchmärkten der Welt. Schon jetzt machen „Menschen mit Migrationshintergrund“ ein knappes Fünftel der deutschen Wohnbevölkerung aus, in Städten wie Stuttgart und Frankfurt am Main schon mehr als 40 Prozent. Weniger bekannt und statistisch noch höchst unzureichend erfasst ist die Bildungsbeteiligung dieser neuen Deutschen. Um nur das Beispiel der großen türkischen Gemeinschaft zu nehmen: In den vergangenen 20 Jahren hat sich die Zahl türkischer Studierender an deutschen Universitäten mehr als verdoppelt. Forscher nehmen sogar an, dass sie sich in Wirklichkeit verdreifacht hat, weil für die offiziellen Zahlen immer noch der Pass entscheidend ist und eingebürgerte türkischstämmige Studenten damit aus der Statistik fallen. Hinter diesen Zahlen steht eine enorme soziale Dynamik, ein großer Aufstiegswille. Viel öfter als unter ethnisch Deutschen sind es unter den Türken nicht die Kinder von Eltern mit Abitur und Studium, die in die Hörsäle drängen, sondern die von Putzfrauen und Arbeitern: In Nordrhein-Westfalen hatte schon in den 90er Jahren die Hälfte der türkischen Studierenden Eltern, die lediglich die Grundschule besucht haben. Und während 14 Prozent der deutschen Unterschichtskinder erklären, sie wollten das Abitur machen, sind es bei den Migrantenkindern derselben Schicht fast doppelt so viele, 27 Prozent.
Diese Zahlen sind ebenso real wie die zu Schulversagen, Zwangsehen, Armut und den Sprachproblemen von Migranten, um die der herrschende Integrationsdiskurs seit Jahren kreist. Nicht zu Unrecht, aber allzu ausschließlich. Es ist nur eine Frage der Zeit, wann die kritischen Fragen an die deutsche Realität nicht mehr nur von einer Handvoll Schriftsteller und Filmemacher mit persischen, türkischen, bulgarischen und russischen Namen gestellt werden, sondern von vielen gebildeten und gut ausgebildeten Bürgern – und Wählern –, die deren Migrationsgeschichte teilen. Ihre Fragen und die Antworten darauf werden das Land verändern. Und es ist auch klar, warum nur sie sie stellen können. Wer die Erfahrung von Fremdheit und oft genug auch von Ausgrenzung gemacht hat, für den ist „soziale Gerechtigkeit“ mehr als eine Leerformel auf Wahlplakaten. Und ob Macht und Chancen in seinem Land gerecht, wenigstens sachgerecht verteilt sind, das fragt sich ein Biodeutscher aus dem oberbayerischen Tutzing vermutlich seltener als Menschen, deren Hautfarbe ihnen auf der Wohnungssuche schadet und deren fremde Namen ihnen schon die Bewerbung verhageln.
Navid Kermani hat in eigener Sache soeben die Gretchenfrage gestellt, wie es dieses Land mit der Religion hält: Dass Ministerpräsident Koch ihn, Kermani, von der Preisträgerliste gestrichen habe, kaum dass der Brief des Kardinals eingegangen war, offenbare ein „problematisches Verhältnis von Staat und Kirche“, das zu einem säkularen Gesellschaftsmodell nicht passe. In der Tat: Die Trennung von Staat und Religion, die jeder Leitkulturschaffende vom Islam fordert, ist in vielen Ländern Westeuropas weder erreicht noch überhaupt gewollt, in England mit seiner anglikanischen Staatskirche nicht, in den konfessionell „versäulten“ Niederlanden nicht, in Italien schon gar nicht, das seit jeher von einer gewählten Regierung regiert wird und von einer anderen „oltretevere“, jenseits des Tibers im Vatikan. Aber auch nicht in Deutschland, wo der Fiskus für die Kirchen Steuern eintreibt, wo Bischöfe und der Papst über die Besetzung von Professuren entscheiden, die der Staat bezahlt, und wo die Arbeitnehmerrechte des Kirchenpersonals deutlich eingeschränkt sind.
Man mag das alles gutheißen. Aber es gehört in einer demokratischen Gesellschaft diskutiert. Paul Scheffer, der niederländische Autor, der der multiethnischen Zukunft eher zaudernd-schaudernd entgegensieht, über die Reise durch seine sich wandelnde Heimat aber ein anregendes Buch („Die Eingewanderten. Toleranz in einer grenzenlosen Welt“) geschrieben hat, meint: „Die Eingesessenen dürfen von den Neuankömmlingen nur das verlangen, was zu leisten sie selbst bereit sind.“ Recht hat er, und die Rolle von Religion und Staat in Europa ist da nicht einmal das wichtigste Thema. Es ist nur das Gebiet, auf dem Europas doppelte Standards besonders augenfällig werden. Nach einer ehrlichen Debatte über diese doppelten Standards könnten die Bewohner des Glashauses nicht mehr so gedankenlos Steine werfen, mal Richtung Islam, mal gegen arabische Frauenunterdrücker oder türkische Schwulenhasser. Damit wäre für eine künftige politische Kultur des alten Kontinents viel gewonnen. Denn die ist schon und wird mehr und mehr eine multikulturelle sein. Zwangsläufig und ganz egal, ob man das nun fürchtet oder begrüßt.
Auch der Fall Kermani ist ein Lehrstück über Gleichheit: Es lohnt sich, die wenigen Fetzen aufmerksam zu lesen, die von Kardinal Lehmanns Brief an die hessische Staatskanzlei bekannt wurden – Absender und Adressatin hüllen sich in dichtes Bußschweigen und haben ihn bis heute nicht öffentlich gemacht. Sie machen nämlich nur allzu offensichtlich, dass die Kritik am Kreuz, die Kermanis Artikel formuliert, nicht der springende Punkt ist. Das wäre auch kurios, schließlich ist das Ringen mit der Kreuzestheologie so alt wie 2000 Jahre Christentum, die islamische Kritik daran nur gut 600 Jahre jünger, und selbst unser Nationalheros Goethe hat – die „Süddeutsche Zeitung“ erinnerte dieser Tage daran – gegen die Ästhetisierung der Qual und die erotisch aufgeladenen Kreuzigungsszenen in römischen Barockkirchen härter formuliert als Kermani. Nein, dem Kardinal gehen die Gäule auf einer ganz anderen Strecke durch: „Er ist zweifellos intellektuell begabt und recht gebildet, in der Zwischenzeit auch habilitiert“, schreibt Lehmann über Kermani, er habe viel veröffentlicht und sei oft ausgezeichnet worden. Dem noch jungen Kermani, erst 41 Jahre alt, sei es offenbar gelungen, sich inmitten einer geringen Zahl öffentlich auftretender und kulturell profilierter Muslime in Szene zu setzen.
Tut man, was Kardinal Lehmann viele Jahre lang immer wieder empfohlen hat, wenn es um heikle Sendschreiben aus Rom ging, liest man also genau, dann steht Kermani in Lehmanns Brief als ein Blender da, der „begabt“ ist – in der Sprache des Arbeitszeugnisses heißt das „bringt’s aber nicht oder noch nicht“ – und „recht gebildet“ – im Klartext: „nicht richtig gebildet“ – und der nur deshalb Erfolg haben konnte, weil die Einäugigen unter den Blinden bekanntlich Könige werden. Weil Lehmann sich weigert, einen brillanten Kopf, der die angesehensten Adressen des deutschen Wissenschafts- und Kulturbetriebs im Lebenslauf hat, einfach nur als brillanten Kopf zu sehen, greift er zu einem Trick: Er reduziert Kermani auf seine Religion, um ihn dann in ein anderes Referenzsystem wegzusperren: Unter den Muslimen magst du etwas taugen, bei denen ist schließlich auch nicht viel los. Aber auf dasselbe Podium wie ich gehört einer wie du nicht.
Es ist verständlich, dass Kermani über den Brief erschrocken ist; er nennt ihn diffamierend und aggressiv. Vielleicht ist er, Sohn iranischer Migranten, desto mehr erschrocken, weil gerade viele Iraner dieser Generation als politische Flüchtlinge kamen und an die Freiheit und Gleichheit wirklich glaubten, die Europa versprach. Aber wir sollten alle erschrecken über das, worauf die Wiesbadener Posse wieder starkes Licht lenkt: Zeitungen, in deren Redaktionen nicht eine Migrantin einen Redakteursvertrag hat, Dax-Unternehmen ohne einen einzigen Nichtweißen im Vorstand, Theater, in denen – die Berliner Intendantin Shermin Langhoff erwähnte es kürzlich – Migranten bestenfalls Einsprengsel sind, die den Originalitätsfaktor verbessern. Oder aber eine Landesregierung, die sofort einknickt, wenn ein Kardinal mit dem Zaunpfahl auch nur winkt. Das alles sind Welten, die mit der Welt überhaupt nichts zu tun haben, der man auf Deutschlands Straßen, in den Schulen, Arztpraxen und im Supermarkt begegnet. Es sind alles Parallelgesellschaften, die glauben, sich gegen die deutsche Wirklichkeit des Jahres 2009 abschließen zu können. Das wird nicht mehr lange funktionieren. Die Häuptlinge dieser unentdeckten Parallelgesellschaften werden es bestenfalls schaffen, sich noch eine Zeit lang von innen gegen die Tür zu stemmen. Ob sie da gut beraten sind, müssen sie sich selbst fragen.
Für die, die diese Zeit noch brauchen, hält die Affäre Kermani übrigens sogar etwas Trost bereit. Irgendwie ging es in dieser Angelegenheit dann doch noch einmal zu wie im späten 19. Jahrhundert: Der Auslober, die vier Preisträgerkandidaten, die Journalisten, die darüber schrieben: alles Männer. Manchen mag’s trösten: Noch gibt es Winkel in dieser Gesellschaft, da ist die Welt noch in Ordnung. Jedenfalls noch und noch ein bisschen.
(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 24.05.2009)
Kommentare [ 48 ] Kommentar hinzufügen »
Tolle Elite..
Die wirkliche Formulierung von Lehmann war mir bislang nicht bekannt und sie ist entlarvend.
Gehört HOCHMUT in der katholischen Lehre nicht zu den TODSÜNDEN?!
wir sind mitteleuropaer, "tutas frutas" wuerde die brasilanerin sagen; vom samba - da fehlt uns noch was. ;-) vielleicht sollten wir uns mittelfristig mit brasilien vereinigen. ich glaube da koennten wir nur gewinnen, und spass koennte es auch machen. is doch alle halb so wild. die lage ist zwar hoffnungslos, aber nicht ernst.
Ein derart weltfremdes und unrealistisches Bild von den Zuständen rund um die Integrationskatastrophe der Türken in D spricht Bände über die getrübte Wahrnehmung der Wirklichkeit.
Die Statistiken sprechen nun mal eine andere Sprache. Man könnte fast zu jedem Absatz etwas sagen, etwa, dass sich die Quote der türkischen Studenten an deutschen Universitäten trotz niedriger Abiturquote auch deshalb erhöht hat, weil die türkischen Studentinnen in der Türkei an der Universität kein Kopftuch tragen dürfen und daher vorzugsweise in Deutschland studieren. Und das sind keine Einzelfälle, sondern Massen.
Feridun Zaimoglu (unabhängig von den Plagiatsvorwürfen gegen ihn) zur intellektuellen Elite der Nation zu halten, halte ich regelrecht für bizarr.
Naivd Kermani sieht zwar für Akademikerzirkel hip aus, hat sich aber auch nicht gerade sensibel gegenüber "Andersgläubigen" gezeigt. Ein Christ, der sich so gegenüber Moslems gezeigt hätte, wäre für einen solchen Preis nicht mal ansatzweise auch nur in Erwägung gezogen worden.
Was ich hingegen sehe ist, das weit und breit die Anforderungen gesenkt werden, damit man überhaupt noch ein paar Quoten-Migranten in bestimmte Positionen gehievt bekommt (damit sollen sich jetzt bitte nicht die fleißigen und gut integrierten Migranten angesprochen fühlen): so werden die Anforderungen bei Polizei und Feuerwehr für Migranten gesenkt, damit überhaupt einer die Prüfung schafft. Ebenso sind die Anforderungen an den Gymnasien gesenkt worden.
Es hilft absolut NIEMANDEM (weder Einheimischem noch Migranten), wenn man vor der Realität die Augen verschließt und so tut als ob alles supi wäre. Damit fühlt man sich zwar gut, so im Rotweingürtel auf der Le Corbusier-Liege dozierend. Mit der Realität hat es jedoch nichts zu tun. Im Gegenteil: der Anteil der gut integrierten Migranten, wie es sie in der Generation von Seyran Ates und Necla Kelek gab, ist geradezu im Sinkflug begriffen. "Dank" auch gerade derjenigen Leute, die ständig dozieren, es sei alles super und wir hätten kein Problem.
beim ersten Lesen des Artikels ist mein PC stehengeblieben - zum erstem Mal, ein Omen wie ich finde.
Der Artikel zeichnet eindrucksvolle Fakten auf, die ich so noch nicht wahrnehmen konnte und liefert gleichzeigt jedoch wenig Belege.
Es ist wunderbar, wenn sich die Anzahl der türkischen Studenten in den letzten 20 Jahren verdoppelt hat, hilfreich wäre noch die zusätzliche Information, um wieviel sich die türkische Bevölkerung vergrößert hat in diesem Zeitraum, d.h. der prozentuale Anteil der Studierenden.
Auch interessant wäre, wieviele der vielen Bildungshungrigen dann auch Abitur machen, also ihren Worten Taten folgen lassen.
mfg
Es mag der Autorin ja entgangen sein, aber dieser Preis ist, und das ist für jedermann offensichtlich, nicht nach Leistung, die in diesem Kontext eh vom Auge des Betrachters abhängt, sondern nach einem Schlüssel vergeben worden. Juden, Moslems, Christen usw.
Ob das wirklich mit einer neuen intellektuellen Elite zu tun hat? Skepsis mag angebracht sein.
Kardinal Lehmanns Position hin oder her - diese Prozesse, die in Gang gesetzt wurden (Fatih Akin als exponiertes Beispiel der "Migranten-Avantgarde") sind nicht mehr aufzuhalten. Wie insbesondere am Beispiel der Vereingten Staaten von Amerika als klassischem Einwanderungsland zu beobachten ist, entwickeln Zugewanderte - gerade weil sie etlichen Widerständen der Aufnahmegesellschaft ausgesetzt sind - eine besondere Triebkraft und Dynamik und setzen sich früher oder später durch.
Aus meiner Sicht kann Deutschland von der Kreativität, aber auch Leistungsbereitschaft der Zugewanderten nur profitieren. Dass die Zahl der Schulabbrecher und Erwerbslosen unter Migranten signifikant höher ist als in der deutschstämmigen Vergleichsgruppe, ist die Kehrseite der Medaille. Das gehört dazu und es ist m.E. unredlich, "Migranten-Debatten" ausschließlich auf diese sozialen Phänomene zu fokussieren, wie ein gewisser hessischer Ministerpräsident es verschiedenfach versuchte und versucht.
"Kann ja gar nicht sein, dass DIE auch Intellektuelle hervorbringen. Vor meiner Tür sieht es ja ganz anders aus."
Dabei übersehen einige anscheinend, dass die Autorin die allgemein bekannten Probleme keinesfalls außer acht lässt.
"Diese Zahlen sind ebenso real wie die zu Schulversagen, Zwangsehen, Armut und den Sprachproblemen von Migranten, um die der herrschende Integrationsdiskurs seit Jahren kreist. Nicht zu Unrecht, aber allzu ausschließlich." schreibt sie im 6. Absatz und bring im letzten Satz etwas auf dem Punkt, was nämlich auch ein Problem ist.
Immer beherrschen Berichte über das Integrationsversagen die Medien. Arbeitslosigkeit, geringes Bildungsniveau, Gewaltbereitschaft, religiöse Verbohrtheit etc.
Und immer dann schreien die Kommentatoren: "DIE wollen sich doch gar nicht integrieren. Sollen DIE doch ersteinmal den Arsch hochkriegen!" Oft ist es dann der Fall, das das Bild der Zuwanderer und deren Nachkommen auf alle Menschen mit Migrationshintergrund (oder eben auf die der 'einen spreziellen Gruppe') projeziert wird. Immer wird dann der Integrationswille der Zuwanderer gefordert (wahlweise auch die direkte Abschiebung...)
Kommt aber wie hier mal ein Bericht über Menschen, die anscheined nicht faul zuhause rumsitzen, die es trotz der anfänglichen Schwierigkeiten zu etwas gebracht und damit Erfolg haben und sogar in den Kreis der "deutschen" Intellektuellen oder auch einfach erfolgreichen Bekannteren aufgestiegen sind, dann höre ich immer wieder Sätze wie "Kann doch gar nicht sein, falsche Studien, Trugbild, zurechtgerückte Realität...".
Das könnte einen glatt traurig machen.
Sollten Sie neben Ihren öffentlichen Auftritten noch Zeit finden, empfehle ich Ihnen die Lektüre des Gleichnisses vom barmerzigen Samaritaner. Zwei "Rechtgläubige" ignorieren einen Schwerverletzten, ein Ausgegrenzter hilft ihm. Wer von diesen drei kommt in diesem Gleichnis Christi wohl ins Himmerlreich?
(Auch eine intensive Lektüre der Encyclica "Deus caritas est" schadet bestimmt nicht.)
Allerdings hinterlassen gewisse Aussagen dieses Artikels einen ähnlich schalen Beigeschmack. Aus einem zu vorher festgelegten Ergenis heraus die Fakten zu filtern und zu interpretieren, wird niemals zu neuen Erkenntnisssen führen.
An dem geringen Bildungsstand eines Teils der Migranten ist eine mangelhafte Integrationspolitik Deutschlands schuld; studierende Migranten sind jedoch nicht etwa Beispiele für gelungene Integrationspolitik - nein, sie zeugen von der überlegenen Intelligenz der Migranten.
Es kann nicht darum gehen, neue Grenzen aufzubauen, eine neue "Elite" herbeizureden - wir sind alle Teil dieser Nation und für ihre weitere Entwicklung verantwortlich (der Begriff "Nationalstolz" ist eine Verantwortung für diese Entwicklung und kein Recht, sich auf den Leistungen der Vorfahren auszuruhen).
Lassen wir den zuwanderern zeit, sie werden sie nutzen, wie vor ihnen auch schon viele - teils, indem sie sich der vorhandenen wirklichkeit anpassen, teils, indem sie die wirklichkeit bereichernd verändern.
Verstehe ich das richtig, dass dies ein Denkprozess ist, in dessen Rahmen Kermani an der Richtigkeit seiner Kreuzesablehnung zweifelt?
Nehmt den anderen an, wie er ist und vermeidet allgemein Begriffe wie "Gotteslästerung".
Bei Bohlens Castingshow werden immer eine Blonde,eine dunkelhaarige,eine Exotin,eine dralle und eine dünne zur Auswahl gestellt.Damit für jeden Geschmack was dabei ist,die Einschaltquote hoch bleibt und Zickenzoff ist vorprogrammiert.
Der Hessische Staatspreis scheint dadurch inspiriert worden zu sein.Ein Evangelischer,ein katholischer,ein muslimischer und ein jüdischer Preisträger.Wie bei Bohlen,nur das die Religion statt das Äussere der Massstab ist.
Allerdings assoziiere ich weder mit Herrn Kermani noch mit Herrn Lehmann den Begriff "geistige Elite". Herr Kermani schwätzt munter von "Gotteslästerung" daher, Herr Lehmann steigt darauf ein - das passt eher zu Barabara Salesch als zu dem Hessischen Staatspreis.
Vielleicht hätte man ihn an Menschen verleihen sollen, die vorher bewiesen haben, dass sie zu einem niveauvollen Dialog fähig sind.
An der Uni gibt es aber eine ganz bunte Mischung der Nationen, ein gefühltes Viertel meiner Kommilitonen haben einen Migrationshintergrund.
Wie in dem Artikel angesprochen, fallen die, die eine Deutsche Staatsbürgerschaft haben, aus der Statistik.
Natürlich gibt es nach wie vor sehr viele Proleten mit Migrationshintergrund. Aber es gibt auch sehr viele deutsche Proleten.
Ich bin mehr für eine differenzierte Betrachtung der beiden Ebenen "Uni" und "Straße".
(Brandenburg, Mecklenburg-V., Sachsen-Anhalt :
Bundesländer mit hohem Migrantenanteil ist ökonomisch trotzdem sehr erfolgreich (Hamburg).
Bundesl./SV-Beschäftigung/Einwohner
Berlin 1.104.954 3.426.354 32,95
Hamburg 814.600 1.773.218 45,94
NRW 5.864.100 17.996.621 32,58
Brandenburg 734.300 2.531.700 29,00
MeckPom 510.600 1.679.682 30,40 niedrigster Ausländeranteil
Bund 27.577.800 82.117.000 33,58
SV-Beschäftigung. D. h. Jobs in Vollzeit oder Teilzeit mit Krankenversicherungsschutz und nach Möglichkeit ohne ALG2 - Aufstockung. Sehen wir uns dazu Zahlen an :
Ausländeranteil
in % 2004 2007
---------------------
Berlin 13,4 14,0
Hamburg 14,1 14,3
MeckPom 2,3 2,4
Branden-
burg 2,6 2,6
----------------------
Bund 8,2*1
Weitere Zahlen (2007) :
__________________SV-Beschäftigung % Ausländeranteil %
Neue Bundeländer__30,7__________________4,8
Alte Bundesländer_33,0__________________9,8
Das die Neuen Bundesländer wirtschaftlich schwächer sind soll also an den nicht vorhandenen Migranten liegen? Und nicht etwa daran, dass dort 40 Jahre der Sozialismus gewütet hat, die Wirtschaft von der UdSSR ausgesaugt wurde und keine Marschallplan gelder angekommen sind?
Ebenso könnte ich belegen, dass die Neuen Bundesländer deswegen wirtschaftlich schwach sind, weil dort soviele Plattenbauten stehen, halt viel mehr als im Westen, von daher ist die gegen schon echt trist, weswegen die Leute so wenig arbeiten.
Oder meint epunion.de das etwas anders und ein hoher Ausländeranteil ein ein Job-Motor in der Betreuung eben diese Bevölkerungsteile (Integrationskurse, Sicherheitsdienst an der Rütli-Schule in Berlin Neukölln, etc).
Die Bezirke, mit einem extrem hohen Ausländeranteil sind alles andere als wirtschaftlich erfolgreich, sondern ausnahmslos so genannte "Problem-Kieze". Diese reißen den Schnitt also eher nach unten! Seit dem das untere Lohnsegment so hart umkämpft ist, sind in diesem Bevölkerungungsteil auch extrem viele Arbeitslos!
2. Sie wissen offensichtlich überhaupt nicht was "Korrelation" ist.
3. Wo waren hier Zitate?
4. Die Wende ist übrigens fast 20 Jahre her. Warum sucht man immer die Schuld bei anderen und in der Vergangenheit? Es gab eine Art M-Plan (Soli-Beitrag) für den Osten durch den Westen. Rentenanpassung usw.. Wie sah 1968 die Entwicklung in Westdeutschland nach 20 Jahren Marshall - Plan (1948) aus?
5. Sie wissen offensichtlich auch nicht was eine "These" ist, denn hier wurde lediglich Zahlenmaterial geliefert
6. Die Berliner West-Bezirke Neukölln und Wedding waren schon immer Problembezirke : Alkoholismus, Gewalt und Bildungsnotstand waren dort schon immer Kernprobleme- auch vor der Migration. Sie wurden durch gute, bessere ökonomische Bedingungen in vergangenen Jahrzehnten lediglich gedeckelt.
7. Sie sollten sich einmal mit der Geschichte der Gropius-Stadt und dem Märkischen Viertel beschäftigen.
(West - Berlin)
8. Falls es Ihnen entgangen sein sollte :
In Brandenburg lag der Ausländeranteil im Januar 2009 an den Arbeitslosenzahlen bei 2,7%. (Januar 2009 : Quote 13,0% = 183.261)
97,3% der Arbeitlosen waren dort somit Deutsche.
Die Entwicklung von 1948-1968 lässt sich meines Erachtens kaum mit der Entwicklung der östlichen Bundesländer 1989-2009 vergleichen. Die weltwirtschaftlichen Rahmenbedingungen (z.B. auf dem Gebiet des Maschinenbaus) sind vollkommen verschieden.
Frau Dernbach aber ist sicher der Meinung, dass das die Weigerung, einen Preis zusammen mit einem Juden anzunehmen, toootal nooormal und somit nicht erwähnenswert ist.
Die Tochter des zuerst als Preisträger Auserwählten, ist übrigens der Meinung, dass aus Europa keine kulturelle/wissenschaftliche Leistung außer der "Wildschweinjagd" hervorgegangen ist. Als Angehöriger der "neuen intellektuellen Elite" kann man das natürlich unwidersprechbar behaupten.
P.S. Wenn es nach über 30 Jahren Zuwanderung nicht auch türkische/arabische Studenten gäbe, dann wäre das eine wahrhaftige Katastrophe. Man sollte die Zahl der Studenten aber mal in Relation zur Bevölkerungszahl setzen (selbstverständlich unter Berücksichtigung der sozialen Schicht), das kann man durchaus zu dem Schluss kommen, dass die Lage zwar noch keine unabwendbare Katastrophe ist, aber eben schlimm und bedenklich genug, um mittelfristig unsere Gesellschaft zu zerstören.
PPS: Was sollen eigentlich unsere (bääh!) "biodeutschen" Kinder denken, wenn sie stets hören, nicht sie, sondern Migranten sind "Deutschlands größte Schätze", "Deutschlands intellektuelle Zukunft", "die neue Elite Deutschlands"... Vllt. kein Wunder, dass manchem Kind und Jugendlichen dann nur noch das Komasaufen als Ausweg erscheint...
Ich hatte mir die ganze Zeit vorgestellt, wie wohl von Frau Dernbach argumentiert worden wäre, hätte einer der drei Anderen des Muslimen aus gleichen Gründen abgelehnt?
Auf diesen Vorgang des Rassismus ging sie sicherlich aus nachvollziehbaren Gründen nicht ein und ich möchte nicht mußmaßen, ob dies absichtlich getan wurde.
Unredlich ist es in jedem Fall!
Meiner Ansicht nach ist dieser Mann an einem Dialog der Kulturen nicht interessiert. Er gehört zu denen, die stets beleidigt sind, wenn es um den Islam geht, zugleich aber andere Religionen sehr stark kritisieren.
Daher finde ich es richtig, ihm die Auszeichnung nicht zuteil werden zu lassen.
MFG
Die Religionen definieren sich ja nicht nur durch ihren gemeinsamen Gott und durch den Stammvater Abraham/Ibrahim/Awrom. sondern auch und gerade durch ihre Unterschiede.
Was will ich mit einem Muslim diskutieren, ob Mohammed ein Prophet war und seine Eingebung direkt von Gott erhalten hat?
Religion ist Kultur - und definiert sich wie diese durch Abgrenzung.
Nicht kritisieren, sondern defamiere, verächtlich machen und verfolgen!!