Antimodern, illoyal, ferngesteuert, subversiv, gewalttätig: Auf Muslime in Deutschland prasseln diverse Vorurteile nieder. Claudia Keller schaut in ihrem Essay genauer hin.
"Muslime wissen nicht, was Freiheit ist. Das Einzige, was sie verstehen, ist Gewalt."
(Francois Chateaubriand, 1810)
„Die Religion dominiert alles im Leben der Muslime. Deshalb fehlt ihnen ein Gespür für Gesetz und Ordnung.“
(Duncan Macdonald, 1918)
„Das europäische Modell der Persönlichkeitsentwicklung gibt es in der muslimischen Kultur nicht. Söhne und Töchter lernen Macht nicht als argumentative Überlegenheit kennen, sondern als dumpfe Gewalt.“
(Necla Kelek, 2006)
Die Zitate stammen aus unterschiedlichen Zeiten, die Botschaft ist gleich: Wer an Allah glaubt, tickt nicht richtig. Schon in den 1970er Jahren hat der arabischstämmige amerikanische Literaturwissenschaftler Edward W. Said nachgewiesen, dass die Europäer in den immer gleichen Klischees denken, wenn es um Muslime geht. Der Europäer ist in diesem Denken der Fortschrittliche, er ist human, diszipliniert und ein bisschen langweilig. Der Muslim, der „Orientale“, ist zurückgeblieben und irrational. Er ist gewalttätig und unterdrückt seine Frau. Das Einzige, was er zustande bringt, und das in bedrohlicher Menge, sind Kinder.
Bis heute prägen die alten Denkmuster das Verhältnis zu den Muslimen und verhindern, dass die Einwanderungsdebatte vorankommt. Die Hälfte der Deutschen ist überzeugt, dass Moscheegänger keine loyalen deutschen Staatsbürger sein können, weil sie unberechenbar sind. Wer als Muslim dennoch behauptet, der Islam sei mit Demokratie zu vereinbaren, dem wird vorgeworfen, er spreche mit „doppelter Zunge“ und wolle den Westen täuschen. Und wenn ein 16-jähriger Deutsch-Türke in Berlin das Recht für sich erstreitet, in einer Schule ungestört beten zu dürfen, sehen einige Kommentatoren die Integrationsarbeit gefährdet, andere gar das Abendland in Gefahr. Gerne wird auch Kopftuchträgerinnen unterstellt, sie seien eine aus Saudi-Arabien ferngesteuerte Masse, um Deutschland zu „unterwandern“. Denn wer ein Kopftuch trägt, zeige, dass er keinen eigenen Willen hat.
Die Berliner Juristin Seyran Ates hatte erklärt, dass sie am vergangenen Sonntag auf keinen Fall die Grünen wählen werde, weil man in deren Reihen „den meisten Kopftuchträgerinnen und Verteidigerinnen des Kopftuchs begegnet“. Denn auch für Ates ist das Kopftuch ein klares Zeichen von Unterdrückung. Wer so was duldet, arbeitet den Unterdrückern in die Hände. Dass Frauen aus eigener Entscheidung das Tuch umlegen, hält die Frauenrechtlerin nicht für möglich. Damit steht sie in bester Tradition der politischen Linken, die die vermeintlich rückständigen Muslime in leiser kolonialer Weise zum besseren, fortschrittlichen Menschen erziehen wollen.
In den 70er Jahren ließ es sich mit den kemalistisch-linken Einwanderern aus der Türkei noch gut Raki trinken und Revolution planen. Die Einwanderer erlösten einen mit Bauchtanz von der deutschen Piefigkeit. Für Folklorezwecke durfte sich die Muslimin auch gerne einen Schleier überziehen.
Nun aber, da immer mehr aus religiösen Gründen das Kopftuch umbinden, ist Schluss mit lustig. „Multikulti“ war in, „multireli“ ist out. Fortschrittlich ist, wer den Glauben an Gott für dummes Zeug hält. Religiosität ist für Linke etwas heillos Vorgestriges, die enge Bindung vieler Einwanderer an ihre Familien nichts als Zwang. Dass sich der erträumte Multikulti-Türke als frommer Bartträger entpuppt, der nicht zum Christopher-Street-Day geht, ist eine herbe Enttäuschung.
Ins Weltbild linker Feministinnen passt auch nicht, dass manche Türkin lieber im Ganzkörperanzug schwimmt, statt sich oben ohne zu sonnen. Der Islam bedroht die 1968 auch gegen die Kirchen mühsam erkämpften Errungenschaften: die Freiheit, das Leben selber zu gestalten, die Entzauberung der Autoritäten, die Befreiung der Frau aus den alten Zwängen und der Homosexuellen aus der Strafbarkeit ihrer Liebe.
Die gefühlte Bedrohung ist gleichwohl mehr Reflex auf die eigene Geschichte als das Ergebnis genauen Hinschauens. Wie und warum der andere anders ist, warum die einen Kopftuch tragen und die anderen nicht, das interessiert nicht wirklich. Die Linken haben sich von den Muslimen und Musliminnen abgewandt – und von den Mühen der Integration. Nach der letzten Wahl war der SPD die Drogenbeauftragte wichtiger. Die Integrationsbeauftragte hat man der CDU überlassen.
Aber auch für Konservative ist das Verhältnis zu Muslimen geprägt von den alten Klischees und der eigenen Geschichte. Die Moscheegänger und Kopftuchträgerinnen erinnern an das, was man verloren hat, an die Sicherheit des Lebens und der Lebenswege. Und sie machen den Werterelativismus umso bewusster, in den sich Konservative heute geworfen sehen. Auch Eifersucht schwingt mit: Die Muslime haben das, was uns die Linken kaputtgemacht haben.
Dass viele Muslime Wert auf Familie und Ehe legen, gefällt vielen Konservativen. Auch dass Muslime viel beten und an die Kraft des Übernatürlichen glauben, ist dem CDU-Wähler nicht ganz fremd. Gleichzeitig sieht er aber das Abendland in Gefahr. Irgendwie steht der Türke immer noch vor Wien. Konservative Kirchgänger sind davon überzeugt, dass das Christentum die wahre und bessere Religion ist. Der Islam aber ist kämpferischer, aggressiver, steht fester im Glauben. Und die Muslime bekommen die Kinder, die die Christen nicht mehr bekommen. Das nährt die Angst, sozusagen niedergekindert zu werden, die Sorge, nicht mehr Mehrheit zu sein. Um Ansprüche von muslimischer Seite abzuwehren, geben sich sogar CDU und CSU feministisch und widmen der Rettung der muslimischen Frau aus „Notsituationen“ im neuen Regierungsprogramm ein eigenes Kapitel. Plötzlich sind die Konservativen auch homophil und machen die bedingungslose Akzeptanz von Homosexualität zur Voraussetzung für die Einbürgerung. Nach diesem Maßstab müsste der pietistische Hochlandschwabe draußen bleiben.
Klischees kann man nicht verhindern. Klischees können sogar helfen, weil man sich nicht jeden Tag das Leben neu erfinden kann. Aber sie können auch lebensbedrohlich werden, wie die Ermordung der jungen Kopftuch tragenden Ägypterin im Dresdner Gerichtssaal vor zwei Monaten gezeigt hat. Deshalb ist es Zeit, endlich genau hinzuschauen und Muslime so zu sehen, wie sie wirklich sind. Dazu lohnt ein Blick auf eine Studie des renommierten Gallup-Instituts in Washington. Die Meinungsforscher haben 2008 nicht nur viele tausend Muslime in Deutschland, Frankreich und Großbritannien nach ihrer Einstellung zu Demokratie, Religion und wirtschaftlicher Situation befragt, sondern auch die nichtmuslimische Bevölkerungsmehrheit. Es ist die erste groß angelegte vergleichende Studie über die europäischen Muslime. Man kann ihr glauben.
Demnach sind viele der rund vier Millionen Muslime in Deutschland konservativ, viele sogar richtig spießig. Für 82 Prozent ist die Religion wichtig im täglichen Leben, 36 Prozent bezeichnen sich als „stark gläubig“. Die Gläubigen sind gegen die Homo-Ehe, gegen Abtreibung, und auch die Scheidung ist in vielen Lebensplänen nicht vorgesehen. Aber auch das ist die Realität: Muslime sind treue Staatsbürger, sie sind sogar treuer als der Rest. Die überwiegende Mehrheit der Muslime vertraut der deutschen Justiz und der Regierung und glaubt, dass es bei den Wahlen ehrlich zugeht.
Bei den nichtmuslimischen Deutschen hingegen überwiegen hier die Zweifel. Nicht mal die Hälfte glaubt an den ehrlichen Wahlausgang und an die Justiz, nur ein Drittel traut der Regierung etwas zu. Die deutschen Muslime lehnen im übrigen Gewalt im gleichen Maße ab wie Christen, Buddhisten oder Atheisten. Die Befürchtung, in jedem frommen Bartträger stecke ein Terrorist, ist ein Hirngespinst.
Die Gallup-Studie zeigt: Wer betet, kann ein guter Demokrat sein. Religiosität, auch die der Moscheegänger und Kopftuchträgerinnen, könnte sogar ein Gewinn für die Demokratie sein. Ist das nicht ein Schatz, der sich gerade für konservative Politiker zu heben lohnt? Die Entwicklungen in der Gen- und Biotechnologie machen den Anfang und das Ende des Lebens verfügbar und planbar. Das verunsichert. Die ethischen Maßstäbe der Religionen können Orientierung bieten. Sie können säkulare Gesellschaften vor ihren selbstzerstörerischen Kräften bewahren, indem sie technischer Machbarkeit mit menschlichem Augenmaß begegnen. Sie fangen Kranke und Verzweifelte auf, bringen Junge und Alte zusammen und zeigen, dass es im Leben mehr gibt als Leistungszwang und Perfektionsdruck.
Der Philosoph Jürgen Habermas hat in diesem Zusammenhang den Begriff von der „postsäkularen Gesellschaft“ geprägt, in der Religionen eine neue, der heutigen Moderne angemessene Rolle spielen. Für die CDU, aber auch für die Wertkonservativen bei den Grünen, könnte es ein Alleinstellungsmerkmal sein, sich beherzt für Christen, Muslime und Juden einzusetzen und ein religiös-ethisches Gespür für sie zu entwickeln. Es geht nicht darum, den frommen Muslimen „nachzugeben“, die Säkularisierung zurückzudrehen oder die Trennung von Staat und Religion aufzuheben.
Es sollen auch nicht Probleme kleingeredet werden – die in der muslimischen Gemeinschaft nicht und auch nicht die der christlichen Fundamentalisten. Es gibt Zwangsehen, Ehrenmorde und auch Hassprediger. Aber das sind die Ausnahmen. Sie dürfen nicht geduldet werden, keine Frage. Aber Aufgabe gerade konservativer Politik wäre es, trotzdem deutlich zu machen, dass man Religion nicht mit antimodernem Fundamentalismus gleichsetzen kann.
Die Islamkonferenz der CDU war ein Anfang, um mit muslimischen Verbänden ins Gespräch zu kommen. Aber es ging vor allem um Sicherheitsfragen. Die nächste Regierung sollte Muslime nicht nur als Risikofaktoren ernst nehmen. Es ist Zeit, dass Politiker und Verfassungsrechtler Wege suchen, um den Islam in das Staats-Kirchen-Recht zu integrieren. Es ist auch Zeit, dass flächendeckend islamischer Religionsunterricht an den Schulen angeboten wird und nicht ein Wildwuchs von Modellversuchen. Auch die Ausbildung von islamischen Theologen an den Universitäten ist überfällig. Indem man sie konsequent einbindet, fordert und fördert, lassen sich Religionen am besten modernisieren. Das zeigt die Geschichte der katholischen Kirche.
Das Leben in einer postsäkularen, multireligiösen Gesellschaft ist eine Zumutung. Es verlangt von allen Seiten Einschränkungen. Die Gottesfürchtigen müssen ihren Glauben an die Prämissen des liberalen Verfassungsstaates anpassen und die Autorität der Wissenschaften anerkennen. Sie müssen akzeptieren, dass Homosexuelle heiraten und Frauen in Miniröcken die gleichen Rechte haben. Die nichtreligiösen Bürger müssen damit leben, dass Religion nicht mehr nur Privatsache ist.
„Die Grenze zwischen säkularen und religiösen Gründen ist fließend“, schreibt Habermas. „Deshalb sollte die Festlegung dieser umstrittenen Grenze als eine kooperative Aufgabe verstanden werden, die von beiden Seiten fordert, auch die Perspektive der jeweils anderen einzunehmen.“ Dass das geht, zeigen die USA. Die Kalifornier wählen seit Jahren mehrheitlich links. Und doch ist Kalifornien ein äußerst wertkonservativer Landstrich, geprägt durch die katholischen Einwanderer aus Lateinamerika. Es wird ständig darum gerungen, ob sich linke oder konservative Ansprüche durchsetzen, religiöse oder säkulare. Das ist anstrengend, hält aber die Demokratie wach. Diese Spannung auszuhalten, ist einfacher, wenn nicht immer die Unterschiede im Vordergrund stehen.
„Solange unsere Beziehungen von unseren Unterschieden definiert sind, werden wir diejenigen stärken, die eher Hass als Frieden verbreiten.“ Daran hat Barack Obama in seiner Rede an die muslimische Welt in der Universität in Kairo erinnert. „Wir alle teilen diese Welt nur für einen kurzen Augenblick. Die Frage ist, ob wir uns in dieser Zeit auf das konzentrieren, was uns auseinandertreibt, oder ob wir uns verpflichten, Gemeinsamkeiten zu finden, uns auf die Zukunft zu konzentrieren, die wir für unsere Kinder wollen.“ Was Obama im Weltpolitischen versucht, sollte uns im eigenen Land alle Mühe wert sein.
(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 04.10.2009)
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Ein Blick in die gegenwärtige Wirklichkeit des Einzelnen sieht etwas anders aus, wohl noch viel mehr rückwärtsgewandt als vorauslebend, sowohl auf christlicher, atheistischer als auch auf muslemischer Seite.
Auch eine im Großen durchaus gewollte Säkularisation andersgläubiger ist oftmals noch in sehr weiter Ferne, das beginnt schon mit der Sprache und der zwischenmenschlichen Akzeptanz.
Die angesprochene Geschichte der Katholischen Kirche ist ebensoweit von der konsequenten Einbindung in die Moderne entfernt. Gerade dort sind starke Bestrebungen erkennbar, die Festlegungen des II. Vatikanischen Konzils zu unterlaufen, nicht einmal eine gleiche Augenhöhe unter den großen christlichen Kirchen ist selbstverständlich.
So bleibt denn zu vermuten, dass der gegenwärtige Zustand noch einige Generationen überdauern wird, weil es m.E. keine der angesprochenen Seiten wiklich ändern will und auch nicht kann.
Auch weiss ich nicht, warum Religiösität eine Bereicherung der Demokratie darstellen soll. Mit jemandem, der sich auf Gott/Allah/Bhudda oder wen auch immer beruft, kann man im öffentlichen Diskurs keine sachliche Debatte zu Fragen wie Steuern, Wirtschaftsförderung, Schulfächer oder was auch immer führen.
Der Begriff der postsäkularen Gesellschaft ist natürlich abwegig.
Nur, weil Habermas fast sein ganzes Leben lang die Religion in der säkularen Gesellschaft übersehen hat, ist die säkulare Gesellschaft jetzt, wo Habermas nun endlich die Religion in ihr wahrnimmt, nicht postsäkular geworden. Sie ist weiterhin säkular, trivial.
anstatt Postsäkular wäre der begriff postmaterialistisch sicher passender für die zu erwartende entwicklung.
die geistige und kulturelle verarmung die das materialistische denken hervorgerufen hat ist es schließlich welche die menschen umtreibt und die antworten nicht nur im religiösen suchen lässt.
Religion sollte dabei allerdings Privatsache bleiben , weil in einer Welt deren Staatsgrenzen und kulturgrenzen immer mehr verwischen, auch immer mehr glaubensrichtungen, kulturen und überzeugungen neben- und miteinander existieren werden, für die ein übergeordnetes recht welches das zusammenleben regelt und sich allein auf Vernunft und Menschlichkeit gründet, gelten muß.
In den USA gibt es übrigens keinen Religionsunterricht an öffentlichen Schulen!
MfG,
Frank
wenn die schule religionsfreie zone sein muss, müsste ja jeder der religiös ist, seine religiösität vor der schule vergessen, vernichten oder in nem schließfach verstauen...
es wäre deshlab illusorisch einem Menschen zu verbieten seine Religion in die Schule mitzunehmen...
ob es abgesehen davon nötig ist, jeden schüler beten zu lassen ist eine andere frage
Religion ist schon allein deshalb schädlich, weil sie nicht begründet werden muss.
es gibt ein sprichwort (ich weiß leider nicht mehr woher) nachdem es unzählig viele realitäten gibt und die einzige, die wir alle teilen ist die der ungewissheit...
manch einer glaubt, dass es einen gott gibt und manch einer nicht, doch keiner kann es mit gewissheit sagen...
genauso glaubt mancher, dass es mal nen gr0ßen knall gegeben hat und manch einer glaubt es machte mal einer licht...
doch keiner weiß was...
es ist jedoch auch klar, dass es viel sinnvoller ist, das zu sehen was man teilt, statt das was einen unterscheidet...
ich bin ein Mensch (glaub ich ;)) und jeder moslem ist ein Mensch...
ich erfahre gerne schönheit, ich mag glücklichsein, ich finde es schön, wenn ich lache und ich freue mich, wenn menschen mir aufrichtig, freundlich und mit empathie begegnen
auf eine gesellschaft die es lernen möge sich als gemeinschaft zu begreifen...
Überhaupt kommt es mir immer komisch vor, wenn zugereiste Menschen wie die Autorin TSP-Lesern, die vielleicht einen Großteil ihres Lebens in Kreuzberg, Neukölln oder Wedding verbracht haben, pädagogische Vorträge in Sachen Multikulti halten. Das ist sicher alles gut gemeint, wirkt auf mich allerdings wie eine Melange aus Wunschdenken, pastoralem Ethos, Snobismus und Realitätsverweigerung.
Denn viele Menschen, die irgendwann mal in eines der so genannten Brennpunktgebiete gezogen sind, hatten mal die Vision vom bunten, bereichernden Multikulti und wurden dann mit einer Realität konfrontiert, die stellenweise leider Negativ-Klischees noch toppen.
Eine Autorin, die aus der Provinz zugereist ist und Brennpunktgebiete nur von Ausflügen kennt, die aber eingefleischten Hauptstädtern Sätze wie "Deshalb ist es Zeit, endlich genau hinzuschauen und Muslime so zu sehen, wie sie wirklich sind" mit auf den Weg gibt, sitzt schon auf einem verblüffend hohem Ross.
Überhaupt ist der pädagogisch-belehrende Anteil der Texte im TSP in letzter Zeit auffallend hoch und ersetzt zum großen Teil die rein informativen, sachlichen Beiträge. Ich weiß nicht, ob das so gewollt ist, aber ich für meinen Teil lese Zeitungen eigentlich eher nicht, um mich über das ideologische Weltbild und die Lebensstil-Empfehlungen der Autorinnen zu informieren, sondern weil ich an Fakten interessiert bin. Es wäre gut, wenn der Tagesspiegel da mal wieder eine ausgewogene Gewichtung herstellen könnte. Wenn allein an einem Tag drei pädagogische Artikel zum Thema Multikulti erscheinen, voll mit Ratschlägen, wie der Leser dies doch bitte zu sehen hat, dann geht das schon in Richtung ideologische Schulung.
Abgesehen davon hat die Vergangenheit gezeigt, dass gerade in Sachen Islam und Multikulti Palaver uns keinen Zentimeter weiterbringt, sondern nur Handlung. Und dafür ist es schon ein bisschen spät.
in den meisten fällen wird die überschrift nicht vom autor ausgesucht
mag sein, dass der anteil insgesamt zu hoch ist; in dem fall befinden wir uns jedoch auf der meinungsseite
2. "Denn viele Menschen, die irgendwann mal in eines der so genannten Brennpunktgebiete gezogen sind, hatten mal die Vision vom bunten, bereichernden Multikulti und wurden dann mit einer Realität konfrontiert, die stellenweise leider Negativ-Klischees noch toppen."
ich leb mein ganzes leben schon in kreuzberg und fürwahr es ist eine Bereicherung, dass ich bei jemandem aus Pakistan essen und arbeiten, mit jemandem aus Ghana fussball spielen und mit jemandem aus bayern über die vorzüge von nächstenliebe auch ausserhalb religiöser zusammenhänge philosophieren kann...
multikulti ist realität (beinahe überall auf dieser erde)
und wenn es dabei zu reibungen kommt, mag sein, doch müssen diese reibungen nicht zwingend der tatsache geschuldet sein, dass es sich um multikulturelle/multireligiöse Gesellschaften handelt...
es könnte auch sein, dass die reibung dadurch entsteht, dass wir in einer gesellschaft leben und nicht in einer gemeinschaft... ;)
3. "Abgesehen davon hat die Vergangenheit gezeigt, dass gerade in Sachen Islam und Multikulti Palaver uns keinen Zentimeter weiterbringt, sondern nur Handlung. Und dafür ist es schon ein bisschen spät." wie soll man das verstehen???
liebevolle grüße an dich...
Wir waren hier jetzt Jahrzehnte an sog. Weichspül-Christen gewöhnt, die aus der Bibel nur die Bergpredigt kennen, aber den Absolutheitsanspruch auch in gesellschaftlichen und politischen Fragen kleinreden oder ignorieren. Dazu entwickelt sich Religion, wenn es ihren Anhängern materiell und sozial gut geht, siehe http://hpd.de/node/7545
Prinzipiell jedoch ist Religion irrational, intolerant und totalitär. Sie basiert auf weder begründeten, noch nachweisbaren Dogmen, die prinzipiell nicht diskutiert und nicht verändert werden dürfen und wer diese Dogmen nicht für sich akzeptiert wird maximal toleriert, ist aber eine Bedrohung, die bekämpft werden muss.
Wer wissen will, wie ein echter Katholik zu leben hat, der sollte sich nicht die Caritas ansehen, sondern J.Ratzinger. Wer den Kern des Protestantismus erfahren will sollte sich nicht den fast schon agnostischen Herrn Huber anschauen, sondern die Hassprediger der Freikirchen und der PBC. Und wer den Kern einer muslimischen Gesellschaft erfahren will, der schaue nach Saudi-Arabien etc.
Kurz: Religion ist in ihrem Kern das genaue Gegenteil der Idee einer freiheitlichen, demokratischen, pluralistischen Gesellschaft.
Und deshalb traue ich niemandem, der als erwachsener Mensch an unsichtbar Freunde glaubt und deren angeblichen Vorschriften folgt.
Empfehlenswert ist aber auch "Jesus von Nazareth" von Joseph Ratzinger. Aber Vorsicht: Wer seine Vorurteile behalten will, der sollte das doch lieber nicht lesen. ;-)
würde es schlecht um die vatikanischen Tragdtionen stehen,
denn Caritas ist alles mögliche, wie Wertschätzung, Hochachtung, auch Nächstenliebe,
wer es aber mit "Liebe" übersetzt, verfolgt böse Absichten...
Natürlich wissen die, was sie tun,
sie benutzen den Begriff im Lateinischen korrekt, wenn "unter "uns Lateinern", besser unter uns Betschwestern, diskutiert werden soll,
aber für die doofen Gläubigen ist es besser,
wenn der Begriff nicht so konkret ist,
und man dann damit diesem doofen Volk beibringen kann,
was es unter "Liebe" zu verstehen hat.
Genau aus diesen Gründen bin ich ein strammer Anti-Papist und halte Ökomene für einen Irrweg...
Und ich habe zum Beispiel die Entscheidungen der Glaubenskongregation gelesen - damaliger Chef: J. Ratzinger - zum Thema "wann entsteht menschliches Leben" und das daraus gefolgerte Abtreibungsverbot. Blühender Unsinn von der ersten bis zur letzten Seite. Lesen Sie es nach, es steht ja alles online: Nicht nur von jeglicher wissenschaftlichen Grundlage unbelastet, sondern teilweise sogar im klaren Widerspruch dazu.
Nichtsdestoweniger verlangt die katholische Kirche aufgrund der Interpretation ihrer frei erfundenen Märchen im gesellschaftlichen Diskurs ernst genommen zu werden. Gleiches gilt natürlich für alle anderen Religionen auch.
Aber Sie wollten ja eigentlich vom Thema ablenken, indem Sie die katholische Kirche als menschenfreundlich und hilfsbereit hinstellen. Sorry, das ist Unsinn.
Erstens ist "die katholische Kirche" keineswegs menschenfreundlich und war es nie, wenn es um Menschen geht, die sich nicht nach ihrem Willen verhalten. Zeigen Sie mir ein katholisches Hospiz für Homosexuelle (nein, kein Priesteraltenheim...), offizielles Eintreten für die Gleichberechtigung der Frauen in allen Lebensbereichen, usw.
Menschenrechte, Gleichberechtigung und Humanismus sind gegen den Widerstand der Kirchen erkämpft worden und müssen auch heute noch gegen sie verteidigt werden.
Ich kann Ihnen mühelos zahllose Ungerechtigkeiten zeigen, von der Ausgrenzung nicht-katholischer Schüler an vom Staat finanzierten(!) sog. Bekenntnisschulen, Rauswurf von Mitarbeitern wegen deren Scheidung, usw.
Zweitens ist der eigentliche Knackpunkt: Religion ist für humanistisches Engagement nicht nötig, sondern letztlich schädlich. Sie verzerrt den Blick auf den Menschen durch die Dogmenbrille.
Und wozu religiös verzerrter "Humanismus" führen kann hat Frau Gonxha ja gezeigt, nämlich zu unnötigem Leid mit folgender Seligsprechung. http://is.gd/3YKHZ
könntest Du gerne beobachten was protestantischer RU heute ist:
er vermittlet nämlich die Kenntnisse, wie die Welt aus "protestantischer Sicht" zu betrachten ist und was sich daraus für ein Verhalten zu anderen Menschen allgemein, besonders aber zu anderen Religionen.
Dann gilt es die Unterschiede zu den anderen Religionen herauszuarbeiten.
Das ist alles...
Gruß
dali
"Die Gläubigen sind gegen die Homo-Ehe, gegen Abtreibung, und auch die Scheidung ist in vielen Lebensplänen nicht vorgesehen…. Ist das nicht ein Schatz, der sich gerade für konservative Politiker zu heben lohnt?"
Vielleicht doch ein Zusammenhang?
Wenn jemand daran glauben will, dass die Welt vor 6000 Jahren geschaffen wurde - von mir aus. Aber wenn jemand aufgrund seines Glaubens andere Menschen unterdrückt und tötet, dann befindet er sich einfach in Widerspruch zu der in Deutschland mit vielen Rückschlägen und unter tiefen Schmerzen entstandenen Demokratie, in der Staat und Kirche getrennt sind.
Gleichültig, ob mir der Koran befiehlt, keine Vertrauten außerhalb des Kreises derer, die fest im Islam sind zu nehmen, da sie mich anlügen - ich kann mir in einer Gesellschaft wie der deutschen kein Ghetto bauen. (Ein Ghetto entsteht zuerst im Kopf und dann in der Realität.)
Ansonsten müssen wir den Satz "Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich" aus dem Grundgesetz streichen.
Religion ist Privatsache, Religion gehört nicht in die Schule - ansonsten kann man auch einen keltenstein auf dem Schulhof fordern, um den die entsprechenden Gläubigen in der Mittagspause herumtanzen können.
nur über Glauben nicht.
Und die Ghettos sind zuerst nicht "in den Köpfen" entstanden,
sondern durch eine verfehlte Wohnungspolitik...
In diesem Sinne ist auch das Urteil des angesehenen Geistlichen Maulana Sufi Mohamad vom 19. 4. 09 (TSP Nr20238, Dienstag 21. 4. 09, S. 9, "gefährlicher Friede mit Islamisten" von Christine Möllhoff, Print- Ausgabe! )zu verstehen, das der Maulana auf der Höhe des Triumphes der islamischen Kräfte in Pakistan abgab : Demokratie verstößt gegen den Islam. Man wird (zunächst erstnmal dort) die Sharia einführen !!!
Kann also ein "guter Demokrat (oder eine Demokratin) beten"?
Im Prinzip ja, aber...
Wilhelm, lass uns für die Demokratie und ihre (Medien)-VertreterInnen beten und hoffen, dass es noch nicht zu spät sein möge..
Sicher ist das nicht auf alle Moslems übertragbar, ebenso wenig wie Bin Laden oder die saudiarabische Herrscherclan und ebenso wenig wie unsere haar- und hirnfreien Neonazis auf alle Deutschen. Die Vernünftigen auf beiden Seiten müssen das Heft in die Hand nehmen, sonst wiederholt sich Ähnliches wie das Dümmste der Geschichte überhaupt, nämlich die „ewige Erbfeindschaft“ zwischen Franzosen und Deutschen. In der Spitze steht die christliche Welt der moslemischen in Sachen Unvernunft nicht nach. Zwei Beispiele: Der Irak-Krieg war ausschließlich den US-amerikanischen Waffen- und Ölkonzernen geschuldet. Europa exportiert hoch subventioniertes Fleisch nach Afrika und zerstört so die landwirtschaftliche Selbstversorgung.