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Nahost-Friedensprozess

Netanjahus Staat

Benjamin Netanjahu hat erklärt, er werde einen Staat Palästina als Nachbar Israels anerkennen. Das sind neue Töne für einen Likud-Regierungschef. Doch er hat seine Zustimmung zu Palästina in altbewährter Manier von einer ganzen Reihe von Vorbedingungen abhängig gemacht.
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Viel Lärm um nicht viel Neues: Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat zwar in seiner groß angekündigten Rede über seine Außenpolitik erstmals erklärt, er werde einen Staat Palästina als Nachbar Israels anerkennen. Aber Das ist neu für einen Führer der nationalkonservativen Likud-Partei. Die früheren Likud-Regierungschefs Menachem Begin und Jitzchak Schamir haben die zwei Worte „Staat Palästina“ nie über ihre Lippen gebracht. Ihre ideologischen Gefolgsleute werden sich auch in Zukunft weigern, Netanjahu bei der Umsetzung seiner Ankündigung zu unterstützen. Doch dazu dürfte es kaum kommen.

Denn Netanjahu hat seine Zustimmung zu Palästina in altbewährter Manier von einer ganzen Reihe von Vorbedingungen abhängig gemacht, von denen ein Großteil für die palästinensische Seite unakzeptabel sind. Der glänzende Rhetoriker Netanjahu sollte nicht an seinen Worten gemessen werden, sondern an den diesen folgenden Taten, beziehungsweise – wie die Erfahrung lehrt – an deren wahrscheinlichem Ausbleiben.

Es war von vornherein klar, dass Netanjahu sich rhetorisch der Gründung eines Palästinenserstaates nicht widersetzen könne, wollte er eine Konfrontation mit den USA vermeiden, die mit seiner Niederlage geendet hätte. Anderseits war er gezwungen, den Widerstand der Nationalisten in seiner Regierung gegen die „Zwei-Staaten- Lösung“ zu berücksichtigen. Weshalb er diese von Obama eingeforderte Formulierung tunlichst vermied. Seit den Oslo-Abkommen zwischen Israel und der PLO haben die von der Arbeitspartei (Rabin, Peres und Barak) sowie von der Zentrumspartei Kadima (Scharon und Olmert) angeführten Regierungen sich für einen Palästinenserstaat ausgesprochen. Sie alle haben es nicht geschafft, eine Endstatusregelung mit der gemäßigten Palästinenserführung auszuhandeln oder gar zu unterschreiben. Wer deshalb von Netanjahu aufgrund dieser Rede erwartet, dass er Frieden mit den Palästinensern schließen werde oder auch nur will, der glaubt an Wunder. Solche aber sind selbst im wundergläubigen Nahen Osten höchst unwahrscheinlich geworden.

(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 15.06.2009)
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Kommentare [ 3 ] Kommentar hinzufügen »

Comment
von klaus_weiss klaus_weiss ist gerade offline | 15.6.2009 6:03 Uhr
Lieber Herr Landsmann, ...
... ein guter Kommentar, danke.

P.S.: Darf ich wieder den Oberlehrer spielen? Die Rede enthält als Vorbedingungen nicht mehr als die 14 reservations bezüglich der Road Map, ergänzt um das Verbot einer palästinensischen Armee und der Beherrschung des eigenen Luftraums.
Comment
von terminator terminator ist gerade offline | 15.6.2009 12:26 Uhr
Einseitiger Artikel,
der den Eindruck erweckt, daß das Nichtzustandekommen eines Friedensabkommens an Israel liegen würde.

Verdrehung der Realität!
Comment
von berlonski berlonski ist gerade offline | 15.6.2009 18:50 Uhr
Israelischer Bauchnabel
Die Rede Netanjahus hat weder vom Inhalt, noch vom Ton oder der Gesamtperspektive irgendetwas Neues oder Nützliches gebracht: "Wir wollen ja, aber aber aber ...". Solange israelische (gilt auch für palestinensische) Politiker nur auf den eigenen Bauchnabel starren und Reden nur fürs eigene Wahlvolk oder, noch schlimmer, für die eigenen Koalitionspartner halten, kann das ja nix werden. Jetzt sollen die Palis also erst mal Israel als "jüdischen Staat" anerkennen. Ach... Monsieur Abbas hat dazu den Nagel mal ausnahmsweise auf den Kopf getroffen: "Sollen sie sich doch 'Hebräische Sozialistische Republik' nennen, das ist nicht unsere Sache." Für so viel Respekt vor der Souveränitat des Anderen hat es bei Netanjahu offensichtlich noch nicht gereicht ...

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