[Kommentare: 13]

Finanzpolitik

Als gäb’s kein Morgen

Die Länder ächzen, die Kommunen schreien – über die Regierung und deren Finanzpolitik.
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Als Dirk Niebel noch Generalsekretär der FDP war, nahm er mal Angela Merkel ins Gebet. Und wie. Dass es unter ihr als Kanzlerin ein bisschen wie in der versunkenen DDR zugehe, war insgesamt seine Botschaft. Aus einer Politik der kleinen Schritte sei eine des Rückschritts geworden.

Wäre Niebel nicht inzwischen in die Regierungsmannschaft zurückgetreten, könnte er heute noch einmal loslegen, zum Jahresende. Oder einer wie Niebel, ein Generalsekretär in der Opposition. Denn diese Regierung verträgt eine.

Jetzt wären, angesichts der Gesamtlage, im neuen Jahr wirklich einmal kleine Schritte angemessen. Vorsichtige, angemessene, wir bewegen uns schließlich auf dünnem Eis; angesichts der Finanzkrise, die weltweit alle beutelt, selbst wenn es der Einzelne noch nicht sieht. Aber stattdessen ein gewaltiger Rückschritt: in eine Zeit, wie sie Deutschland abgeschüttelt zu haben glaubte, seinerzeit mit Helmut Kohl.

Die Koalition verhält sich wie ihre Vorvorvorgängerin, so seltsam unfriedlich und wenig planvoll. Sie hat nur ihre Ruhe, weil sie sich selbst Gegner genug ist. Und es auf der anderen Seite keinen vom Schlage Gerhard Schröders gibt, der unbedingt ins Kanzleramt will oder kann. Oder einen vom Kaliber Wolfgang Schäubles, der nach der krachenden Wahlniederlage der Union 1998 für die CDU einen Wahlsieg nach dem anderen erreichte.

Ach, Ironie der Geschichte: Das ist derselbe Schäuble, der heute, als Bundesminister der Finanzen, Schatzkanzler, Hüter der Kassen und des Vetos, den Schuldenrekord im Haushalt bricht. Der jeden finanzpolitischen Unsinn gutheißt, wohl aus Gründen der Koalitionsräson. Entweder lautet sein Motto wie das des britischen Kronprinzen: Ich dien. Oder er setzt kaltschnäuzig darauf, dass sich alle Blütenträume noch in diesem Winter ohnedies erledigen werden.

Der Stand ist im Moment so: Die Bundesländer ächzen und schwanken, die Kommunen schreien und brechen ein – einerlei, Steuersenkungen! Und, als gäb’s kein Morgen, Mehrausgaben, mehr Abgaben. Aber irgendwie wird es sich schon rechnen. Oder?

Das erinnert, pardon, an die Zeit, als von der SED die Einheit der Wirtschafts- und Sozialpolitik verkündet wurde. Zum IX. Parteitag war das, 1976 fand der statt. „So wie wir heute arbeiten, werden wir morgen leben.“ Der Satz galt lange; später, bis zum Ende, eher seine Umkehrung: So wie wir heute leben, werden wir morgen arbeiten. Ja, und? Geht doch! Deutschland wird schon nicht pleitegehen. Es kann nicht sein, was nicht sein darf (sang Biermann). Einen oder zwei Wechsel auf die Zukunft wird diese Regierung doch ausstellen dürfen.

Obacht: Ironie, bittere. Die Regierung tut es nämlich. Ungedeckt. Das Wirtschaftswachstum müsste so hoch sein wie noch nie, gewissermaßen den neuen Schulden entsprechen, damit die Rechnung aufgeht. Was wohl herauskommt bei dieser Mischung von einem bisschen DDR mit ein wenig amerikanischer Voodoo-Ökonomie?

Lasst uns beten.

(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 23.12.2009)
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Kommentare [ 13 ] Kommentar hinzufügen »

Comment
von uwemohrmann uwemohrmann ist gerade offline | 22.12.2009 17:33 Uhr
tja Herr Casdorff,
ob da beten nutzt, wage ich zu bezweifeln. Danke für den hervorragenden Kommentar
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von eban eban ist gerade offline | 22.12.2009 18:03 Uhr
Da ja immer
mehr Abgeordnete sich zum Glauben bekennen und christliche Arbeitskreise gründen, kann man davon ausgehen, dass beten doch hilft.
In tatkräftiger Hoffnung auf Gott ist gut Schulden machen....
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von eilbekermicha eilbekermicha ist gerade offline | 22.12.2009 21:39 Uhr
Schlicht verantwortungslos...
handelt sie, diese Regierung. Was jetzt dringend notwendig wäre, sind Demonstrationen. Welches andere Mittel von Gewicht hat das Volk zwischen den Wahlen, seinen Willen und seine Interessen auszudrücken? Schade, dass dieses Mittel den Deutschen so wenig liegt. Diese Regierung hätte Druck verdient.
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von teufelsabbiss teufelsabbiss ist gerade offline | 23.12.2009 9:16 Uhr
Ja, aber man kann auch
auf die Seite der Bundeskanzlerin gehen oder auf Abgeordnetenwatch.de und dort einen entsprechenden Kommentar hinschicken.
Ich habe das schon getan und wenn es massenhaft geschähe....?!
Es wird höchste Zeit, dass es mehr plebiszitäre Elemente gibt um dieser Lobbykratie Sand ins gut funktionierende Getriebe zu streuen.
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von eban eban ist gerade offline | 23.12.2009 11:36 Uhr
tja,@teufelsabbiss
Guter Rat, aber völlig sinnlos. Eine Anfrage an einen FDP-Abgeordneten über abgeordnetenwatch.de blieb bis heute unbeantwortet (dieser Herr hat noch auf keine einzige Frage geantwortet).
Und auf eine Antwort von Herrn Dr. Rösler warte ich heute noch.
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von oliver111 oliver111 ist gerade offline | 23.12.2009 14:41 Uhr
@Eilbe
In allen anderen europäischen Ländern darf das Volk mitbestimmen per Volksentscheid oder Abstimmung über EU-Beitritte, Euro-Einführung etc. In Deutschland ist das nicht der Fall, die Politiker haben sich die Demokratie selbst unter den Nagel gerissen und können tun und lassen was sie wollen, d. h. keiner kontrolliert die Machenschaften, Gesetze können einfach geändert werden ohne das das Volk es mitbestimmen darf und es auch garnicht mitbekommt, da wird verschleiert, vertuscht. Die "herrschende Klasse" kann machen was sie will, wir sind deren Untertan, nachzulesen in der Deutschlandakte von Hans Herbert von Arnim, ich hoffe, dass viele dieses Buch lesen, wir hätten eine Chance uns zu wehren aber dazu brauchen wir viele, denn wenn es nur ein paar sind, sind es linksextreme Spinner.
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von johanna johanna ist gerade offline | 23.12.2009 8:21 Uhr
Guter Kommentar,...
Herr Casdorff, aber da der Alte da oben ganz andere Sorgen hat, als sich um die Blütenträume einiger kleiner Wichtigtuer hier unten zu kümmern, werden die Gebete wohl nicht erhört werden. Er wird sorgenvoll das greise Haupt schütteln und sich fragen, was aus seiner schönen Schöpfung nur gewoden ist. Die Hanseln, die ihn um schnöden Mammon anflehen, wird er gar nicht bemerken. Und das ist auch gut so!
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von uwemohrmann uwemohrmann ist gerade offline | 23.12.2009 12:24 Uhr
johanna
ganz schön optimistisch, das er es ignoriert
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von peterchen peterchen ist gerade offline | 23.12.2009 14:00 Uhr
Schäuble sitzt aus und wartet auf das Kommen,...
...der gigantischen Inflation, die alle Ersparnisse und Schulden ohne weiteres Zutun wegfrißt.

Am Ende steht ein Umrechnungskurs von 1:100.000 und die Überschuldung des Staates hat sich von alleine erledigt.
Und daß da ein paar Sparer ins Gras beissen und ihre Altersversorgung dabei drauf geht... wen kümmert´s, wenn es ohnehin unvermeidlich ist.
Daß Banken als geradezu ideale Buhmänner dann auch krachen gehen, kümmert das Volk ohnehin nicht so wirklich, weil "die" ja das Desaster verschuldet haben und damit ihrer "gerechten Strafe" zugehen. Anschließend folgt noch ein billiges personelles Bauernopfer, auf das man das Desaster schieben kann und schon ist Alles chic.
Gegen die Marktkräfte ist man nach offizieller Lesart nach Schadenseintritt ja sowieso machtlos... und die Frage, weshalb man bei der Machtlosigkeit so viel Geld auf den Markt geschmissen hatte, wird nicht beantwortet, bzw. dem universell schuldigen Bauern in die Schuhe geschoben.

Anschließend fängt man wieder von vorne an - wie anno 1945, nur (hoffentlich) ohne weitreichende Gebäudeschäden.
Und weil vorhersehbar ist, wie das unvermeidlich laufen wird, kann sich auch ein Finanzminister ruhig zurücklehnen... weil man den Prozess nur beschleunigen und nicht etwa stoppen kann
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von chefkoch23 chefkoch23 ist gerade offline | 23.12.2009 14:19 Uhr
vielleicht...
gibts ja auch gar kein morgen... bzw. übermorgen.
2012, ich hör dir trapsen... lach
das würde die politik der bundesregierung erklären...
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von ruediger_kalupner ruediger_kalupner ist gerade offline | 24.12.2009 16:42 Uhr
Weihnachten und KREATIVE Steuersystem-Revolution
Die Steuer- und Abgabendiskussion ist zentral für den Weg aus der Systemkrise des weltindustriellen Fortschritts. Sie läßt sich jedoch n u r auf der Grundlage einer Evolutinsprozess-Theorie mit Aussicht auf eine nationale wie globale !!! Steuersystem-Revolution fruchtbar und durchsetzungsmächtig-sinnvol führen.

Die Evolutionsprozesslogik fordert heute von allen Industriestaaten die stetige Verteuerung (= simulierte Verknappung) der Ressourcen- und Produktionsfaktor-Inputs, d.h. die massive Besteuerung von Energie- und Sachkapitaleinsatz. Die simulierte Verknappung von Inputs macht KREATIV, d.h. diese Steuersystem-Revolution dient der Macht-Nr.1 im Evolutionsprozess mit Namen KREATIVITÄT.

Wenn heute der Geburt des christlichen Retter-Kinds gedacht wird, dann ist dies die Metapher für die rettende, zukünftige Implementierung der KREATIVITÄT als Macht-Nr.1, die sich im Wandel des Evolutionsprozesses i m m e r gegen Gewalt, Macht und gewachsene Macht-Gegenmacht-Struktur durchsetzt,, und also als Rettung evolutionsprozess-logisch völlig sicher ist. Wir wissen ja aus Erfahrung: alle Machtsysteme verschwinden früher oder später. Das gilt auch für die 2%Wachstumszwang-Tyrannei der Gegenwart. Sie werden von KREATIVEN, wechselseitig förderlichen, machtsystemarmen, 'freiheitlicheren' Gesellschaftsordnungen abgelöst.

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von geralduwe geralduwe ist gerade offline | 25.12.2009 10:44 Uhr
Ungedeckt
Man würde Herrn Casdorff ja gerne öfter mal zustimmen, weil man das Gefühl hat, dass er schon das Richtige meint. Allein man kann sich nie sicher sein, ob man ihn richtig versteht.

"Die Regierung tut es nämlich. Ungedeckt." Was tut die Regierung ungedeckt? Darf die das?

So geht das in jedem Beitrag. Es ist ein Trauerspiel.
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von htrunz htrunz ist gerade offline | 27.12.2009 16:35 Uhr
Kein Euro für die Verschwender
Sie ziehen sich einen Schuh an, der nicht für Sie gemacht ist, Herr Bedenkenträger Nr. 54276898.

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