Die Länder ächzen, die Kommunen schreien – über die Regierung und deren Finanzpolitik.
Als Dirk Niebel noch Generalsekretär der FDP war, nahm er mal Angela Merkel ins Gebet. Und wie. Dass es unter ihr als Kanzlerin ein bisschen wie in der versunkenen DDR zugehe, war insgesamt seine Botschaft. Aus einer Politik der kleinen Schritte sei eine des Rückschritts geworden.
Wäre Niebel nicht inzwischen in die Regierungsmannschaft zurückgetreten, könnte er heute noch einmal loslegen, zum Jahresende. Oder einer wie Niebel, ein Generalsekretär in der Opposition. Denn diese Regierung verträgt eine.
Jetzt wären, angesichts der Gesamtlage, im neuen Jahr wirklich einmal kleine Schritte angemessen. Vorsichtige, angemessene, wir bewegen uns schließlich auf dünnem Eis; angesichts der Finanzkrise, die weltweit alle beutelt, selbst wenn es der Einzelne noch nicht sieht. Aber stattdessen ein gewaltiger Rückschritt: in eine Zeit, wie sie Deutschland abgeschüttelt zu haben glaubte, seinerzeit mit Helmut Kohl.
Die Koalition verhält sich wie ihre Vorvorvorgängerin, so seltsam unfriedlich und wenig planvoll. Sie hat nur ihre Ruhe, weil sie sich selbst Gegner genug ist. Und es auf der anderen Seite keinen vom Schlage Gerhard Schröders gibt, der unbedingt ins Kanzleramt will oder kann. Oder einen vom Kaliber Wolfgang Schäubles, der nach der krachenden Wahlniederlage der Union 1998 für die CDU einen Wahlsieg nach dem anderen erreichte.
Ach, Ironie der Geschichte: Das ist derselbe Schäuble, der heute, als Bundesminister der Finanzen, Schatzkanzler, Hüter der Kassen und des Vetos, den Schuldenrekord im Haushalt bricht. Der jeden finanzpolitischen Unsinn gutheißt, wohl aus Gründen der Koalitionsräson. Entweder lautet sein Motto wie das des britischen Kronprinzen: Ich dien. Oder er setzt kaltschnäuzig darauf, dass sich alle Blütenträume noch in diesem Winter ohnedies erledigen werden.
Der Stand ist im Moment so: Die Bundesländer ächzen und schwanken, die Kommunen schreien und brechen ein – einerlei, Steuersenkungen! Und, als gäb’s kein Morgen, Mehrausgaben, mehr Abgaben. Aber irgendwie wird es sich schon rechnen. Oder?
Das erinnert, pardon, an die Zeit, als von der SED die Einheit der Wirtschafts- und Sozialpolitik verkündet wurde. Zum IX. Parteitag war das, 1976 fand der statt. „So wie wir heute arbeiten, werden wir morgen leben.“ Der Satz galt lange; später, bis zum Ende, eher seine Umkehrung: So wie wir heute leben, werden wir morgen arbeiten. Ja, und? Geht doch! Deutschland wird schon nicht pleitegehen. Es kann nicht sein, was nicht sein darf (sang Biermann). Einen oder zwei Wechsel auf die Zukunft wird diese Regierung doch ausstellen dürfen.
Obacht: Ironie, bittere. Die Regierung tut es nämlich. Ungedeckt. Das Wirtschaftswachstum müsste so hoch sein wie noch nie, gewissermaßen den neuen Schulden entsprechen, damit die Rechnung aufgeht. Was wohl herauskommt bei dieser Mischung von einem bisschen DDR mit ein wenig amerikanischer Voodoo-Ökonomie?
Lasst uns beten.
(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 23.12.2009)
Kommentare [ 13 ] Kommentar hinzufügen »
In tatkräftiger Hoffnung auf Gott ist gut Schulden machen....
Ich habe das schon getan und wenn es massenhaft geschähe....?!
Es wird höchste Zeit, dass es mehr plebiszitäre Elemente gibt um dieser Lobbykratie Sand ins gut funktionierende Getriebe zu streuen.
Und auf eine Antwort von Herrn Dr. Rösler warte ich heute noch.
Am Ende steht ein Umrechnungskurs von 1:100.000 und die Überschuldung des Staates hat sich von alleine erledigt.
Und daß da ein paar Sparer ins Gras beissen und ihre Altersversorgung dabei drauf geht... wen kümmert´s, wenn es ohnehin unvermeidlich ist.
Daß Banken als geradezu ideale Buhmänner dann auch krachen gehen, kümmert das Volk ohnehin nicht so wirklich, weil "die" ja das Desaster verschuldet haben und damit ihrer "gerechten Strafe" zugehen. Anschließend folgt noch ein billiges personelles Bauernopfer, auf das man das Desaster schieben kann und schon ist Alles chic.
Gegen die Marktkräfte ist man nach offizieller Lesart nach Schadenseintritt ja sowieso machtlos... und die Frage, weshalb man bei der Machtlosigkeit so viel Geld auf den Markt geschmissen hatte, wird nicht beantwortet, bzw. dem universell schuldigen Bauern in die Schuhe geschoben.
Anschließend fängt man wieder von vorne an - wie anno 1945, nur (hoffentlich) ohne weitreichende Gebäudeschäden.
Und weil vorhersehbar ist, wie das unvermeidlich laufen wird, kann sich auch ein Finanzminister ruhig zurücklehnen... weil man den Prozess nur beschleunigen und nicht etwa stoppen kann
2012, ich hör dir trapsen... lach
das würde die politik der bundesregierung erklären...
Die Evolutionsprozesslogik fordert heute von allen Industriestaaten die stetige Verteuerung (= simulierte Verknappung) der Ressourcen- und Produktionsfaktor-Inputs, d.h. die massive Besteuerung von Energie- und Sachkapitaleinsatz. Die simulierte Verknappung von Inputs macht KREATIV, d.h. diese Steuersystem-Revolution dient der Macht-Nr.1 im Evolutionsprozess mit Namen KREATIVITÄT.
Wenn heute der Geburt des christlichen Retter-Kinds gedacht wird, dann ist dies die Metapher für die rettende, zukünftige Implementierung der KREATIVITÄT als Macht-Nr.1, die sich im Wandel des Evolutionsprozesses i m m e r gegen Gewalt, Macht und gewachsene Macht-Gegenmacht-Struktur durchsetzt,, und also als Rettung evolutionsprozess-logisch völlig sicher ist. Wir wissen ja aus Erfahrung: alle Machtsysteme verschwinden früher oder später. Das gilt auch für die 2%Wachstumszwang-Tyrannei der Gegenwart. Sie werden von KREATIVEN, wechselseitig förderlichen, machtsystemarmen, 'freiheitlicheren' Gesellschaftsordnungen abgelöst.
"Die Regierung tut es nämlich. Ungedeckt." Was tut die Regierung ungedeckt? Darf die das?
So geht das in jedem Beitrag. Es ist ein Trauerspiel.