Eines ist gewiss: Rund um die Oberbaumbrücke im Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg wird nicht so gebaut werden, wie es die Investoren gerne hätten. Die Initiative der Gegner des Großprojekts "Mediaspree" hat auch zum Nachdenken über die Frage beigetragen: Welche Stadt wollen wir?
Mit ihrem erfolgreichen Bürgerbegehren haben die Gegner das Großprojekt "Mediaspree" zwar getroffen, aber längst nicht "versenkt". Im Bezirk jedoch werden sie künftig mit am Planungstisch sitzen, auch wenn die Abstimmung lediglich empfehlenden Charakter hat. Doch auch die Senatsverwaltung wird nun mehr die planerischen Spielräume nutzen, zumal viele der Großprojekte, vor denen Anrainer und Zwischennutzern an den Ufern der Spree derzeit bange ist, kaum über den Entwurfsstatus hinaus sind. Für etliche Projekte fehlt es noch an Nutzern und an Geld. Viel Zeit also, zu diskutieren, was Berlin gut tut.
Noch etwas hat die Kampagne gegen das neue Stadtviertel rund um die O2-Arena erreicht. Sie hat in einer Stadt, die sich zusehends ihrer baulichen Möglichkeiten aber auch der damit verbundenen Gefahren bewusst wird, zum Nachdenken über eine zentrale Frage beigetragen: Welche Stadt wollen wir? Die Stadt der Großinvestoren, der ungezügelten Mietpreissteigerungen, der Verdrängung von Alteingesessenen und der privaten Nutzung der Ufer? Oder ein Berlin, das klug seine wirtschaftlichen Entwicklungschancen nutzt, die lange unzugänglichen Ufer zurückgewinnt und Arbeitsplätze und Wohlstand für alle schafft?
Die Sorge ist berechtigt angesichts eines Baubooms und ständig neuer Pläne für Luxusresidenzen, Bürotürme oder Hotels. Milliarden werden in den nächsten Jahren verbaut - auf dem Bahngelände an der Heidestraße, am Flughafen Tempelhof, dem Kunstquartier am Humboldthafen oder dem neuen Molkenmarkt. Dass Berlin für Bauherren attraktiv ist, ist eine gute Nachricht - doch bis die Stadt wirtschaftlich boomt wie London oder New York, ist es noch lange hin. All die Brachen der Stadt sind ein Schatz, um die andere Metropolen Berlin beneiden. Das Projekt Mediaspree kann eine weltweite Ausstrahlung haben wie die Hamburger Hafencity - oder ein Beispiel werden für eine vertane städtebauliche Chance. Eine Sorge aber scheint unberechtigt: Nischen für Zwischennutzer von der Strandbar bis zum Kunstprojekt gibt es noch viele in Berlin. Und Kieze, die ein wenig Aufwertung vertragen könnten, sogar zu viele.
(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 14.07.2008)
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"Welche Stadt wollen wir? Die Stadt der Großinvestoren, der ungezügelten Mietpreissteigerungen, der Verdrängung von Alteingesessenen und der privaten Nutzung der Ufer? Oder ein Berlin, das klug seine wirtschaftlichen Entwicklungschancen nutzt, die lange unzugänglichen Ufer zurückgewinnt und Arbeitsplätze und Wohlstand für alle schafft?"
Genau darum geht es. Wir brauchen keine neue Spaltung in eine boomende Berlin-City der Großinvestoren mit Glaspalästen, Luxus-Lofts, Protz- und Repräsentativbauten, und einen Stadtrand in Ost und West, der in Armut und Perspektivlosigkeit versinkt.
Es ist gut, dass der Tagesspiegel endlich die Zeichen der Zeit erkennt. Ich habe aber Zweifel, ob der rot-rote Senat vor lauter Glas, Stahl und Beton auch noch ein Auge für die Menschen hat.
Nur nicht solche, die Geisterflughäfen für Milliardäre am Leben erhalten wollen.
Richtig ist:
Wir brauchen weder Londoner noch Pariser Verhältnisse.
Die kann aber, wenn sie dann kommen sollten, niemand verhindern.
Bürger, die mitwirken, quengeln nicht nur, sie bringen auch Ideen ein. Berlin sollte das Abstimmungsergebnis als Chance begreifen, die Pläne überdenken und bloss nicht die monotone Langeweile der Hamburger Hafencity kopieren.
bisher wurde nur diskutiert GEGEN !
Gegen Hochhäuser, gegen Bebaung nicht näher als 50m !???
die Rheinpromenaden in Köln sind ALLE nicht breiter als 30m ! woher die 50???
...achso.. Sie haben ja eine (neue?) Idee !
öffentlicher Spreeuferzugang in Kreuzberg über einen Füssgänger/- Fahrrad Steg/-wegesystem reicht Ihnen ja nicht!
gleich eien Promenade bauen - finde ich super... NUR
erklären Sie das mal dem Denkmalschutz, daß Sie die alten Industrieuferbauten abbreissen wollen !
Da man nicht einfach so die Spree sehen will, sondern sich da erholen will, reicht natürlich ein Stegsystem nicht. Es geht um einen Strand, und dafür sind 50m eine gute Ausgangszahl
Herrliche Zustände 3 der 8 Millionen Einwohner haben nicht genug Geld für Lebensmittel. Sowas wollen wir auch in Berlin einen richtigen Hungerboom.
Was für eine Gesellschaft wollen wir eigentlich? Sicher keine in der immer grössere Gruppen ausgeschlossen werden oder doch?
da merkt dann auch der letzte, dass berlin pleite ist und seine bewohner zu 72 % (rente, bafög, hartz IV, öffentlicher dienst, beamte) auf kosten andere leben.
jeder euro, der statt in berlin woanders invastiert wird, wird uns schon morgen mächtig wehtun.
und dann wird selbst eine flucht der eigenen kinder in eine priavtschule nichts bringen.
also, auf gehts in die lustige inverstoren freie zukunft. mit schönen, breiten spreeufern, an denen man sein arbeitslosen dasein voll auskosten kann. wenn man nicht gerade von den kräftigeren gleichgesinnten um sein hab und gut gebracht wird.
Hier ist Großstadt, etwas rauh, etwas laut, etwas dreckig, aber auch nett, ganz ruhig und sauber gepflegt... was wir nicht brauchen ist Spießigkeit, und schon gar nicht irgendwelche Provinzler die herkommen und versuchen unsere Stadt zu planen, egal ob die aus NRW oder Hessen stammen.
Ich für meinen Teil vermisse schon seit Jahren die Berliner Brachen und hab was dagegen das die letzten Freiräume betoniert werden. Andererseits vermisse ich auch Geld im Stadtsäckel und gegen Autofeindliche Stadtplanung habe ich per se etwas.
Es sind aber genug Häuser vorhanden, sie müssen nur vermietet werden. Vor allem brauchen wir Standorte an denen für Berliner Arbeitsplätze geschaffen werden, nicht für Durchreisende.
Die Investoren fehlen einfach, auch wenn die BEHALA und die BSR ersatzweise einzuspringen hatten- trotz der Erfahrungen mit dem BLEG-Konkurs.
Mediaspree ist eine Hinterzimmerplanung der Bauverwaltung, typisch für einen vordemokratischen Planungsstil, wie er seit den 90ern in Berlin praktiziert wird.
Daß der Humboldthafen jetzt als Kunstquartier gelten soll, mag zwar vernünftig sein, ist aber auch ein Beleg für diesen Stil.
P.S. die aktuellen Beiträge des Spiegels zur Hamburger Hafencity belegen, daß auch Orte mit weltweiter Ausstrahlung vertane städtebauliche Chancen bedeuten können.
Die bauen sich dann Car-Lofts und nehmen die Kisten einfach mit in die Wohnung.
Die Kohle bahnt sich ihren Weg.
Sie scheinen mir eher ein generelles Problem mit Berlin zu haben.
Mal abgesehen davon, dass es ebenfalls "die Berliner" sind, welche das Bankendesaster, das Landowski und CDU-Co. der Stadt hinterlassen haben, aus eigener Kraftt schultern. Und damit sind wir dann wieder bei "Investoren". Die Windeier aus dem CDU-Dunstkreis von damals nannten sich selbstredend auch "Investoren".Da hat der Souverän, nämlich die Bürgerinnen und Bürger von Kreuzberg/Friedrichshain, seine Informiertheit gezeigt.
Wer da wem entgegenkommt ist dann wohl keine Frage mehr!
Durch die Versenkung gewinnen insbes. die paar Betreiber von In-Locations am Ufer, die eines NICHT sind: für alle! Vielmehr nur für ein paar, die strubbelige Haare, colle Hornbrillen und lustige Honecker-Hüte aufhaben. Spießer wie unsereinen wollen die da nicht. Und dass die paar Leute, die dort Bierflachen verkaufen und sie am nächsten Tag im Sand einsammeln, die Arbeitsplätze haben, die Berlin benötigt, darf uach bezweifelt werden.
Warum kann man nicht vernünftige Kompromisse erzielen? Es muss doch nur einer ausrufen, dass es jetzt an den kilometerlangen, brachen Uferflächen in Charlottenburg und Spnadau hip sei. Scharen lustiger Leute würden dem Ruf folgen und das Problem wäre gelöst.
zum glück haben sich gestern ein vielzahl der kreuzberger aufgerafft und gegen den ungezügelten spreeblick für "großinverstoren" gestimmt.
Komisch ist doch schon das sich hier soviele aufregen obwohl sie, wenn sie denn betroffene Anwohner sind, doch am Sonntag hätten wählen gehen können?! War doch alles urdemokratisch!
Auch frage ich mich ernsthaft wieviele neue Arbeitsplätze es geben kann?! Das sieht man doch an der Schmeling Halle...Alba sielt nicht mehr da. Viele Events werden jetzt einfach verlagert und wenns ganz böse kommt verödet die alte Halle zugunsten der neuen Arena. So einfach klapt die Rechnung vielleicht doch nicht?!
"Das Land Berlin gleicht nämlich den Betriebsverlust für die Max-Schmeling-Halle und das Velodrom durch staatliche Subventionen aus." (Tagesspiegel 12.07.2008)
Also etwas hinkt da die ganze Argumentation.
und da liebe Leute,
bin ich,
auch durch das, was ich hier oft genug lesen kann, fest überzeugt, dass sie für uns Deutsche völlig ungeeignet ist.
Wenn wir mehr und schärfere Instrumente der direkten Demokratie in unserem Lande gäbe, würde nur noch die BLÖD-Zeitung regieren, da könnt ihr erzählen was ihr wollt...
Das Abstimmungsergebnis ist nicht wirklich repräsentativ, genauso wenig wie die Meinungen die hier geäußert werden. - In ner Eckkneipe gäbe das richtig Stimmung! Inklusive Grüne Minna zum Abtransport. - Tatsache ist doch: Berlin braucht Geld. Und das nicht zu knapp. Tatsache ist aber auch: falsche Baumaßnahmen versauen uns das Stadtbild auf Jahrzehnte. Aber: Darf ein einziger Berliner Kiez der Gesamtheit der Berliner
die Chance auf einen Arbeitsplatz vermurksen. Andererseits: auch Kiezbewohner haben ein Recht auf ein angenehmes Umfeld.
Jedoch: brauchen wir diese Vielzahl von Strandparty-Lokalen, offenbar mit Gesichtskontrolle(was für quasi Alternative doch etwas absurd ist)
Ich hasse Kompromisse, aber hin und wieder müssen sie gefunden werden. In diesem speziellen Fall: Behutsame Bebauung unter Verdrängung dieser Strandparty-Lokale an andere Orte, aber forcierte Vermietung der bereits existierenden Gebäude, stadtweit.
Die, die dort bauen interessieren sich doch lediglich für ihren persönlichem Profit in deren Lebensspanne. Denen ist die Stadt Berlin doch an sich vollkommen egal. Was dort gebaut werden soll ist ja nun wirklich nicht architektonisch etwas "Besonderes".
Es geht darum, die Attraktivität und Besonderheit Berlin herauszustreichen und Stärken zu unterstreichen bzw. neue herauszuarbeiten - - nicht einfach nur vergleichbar mit allen Städten der Welt zu werden und auf die Bedürfnisse und Zieksetzungen irgendwelcher "System-Shops" angepasst zu werden. Wenn jemand unbedingt Las Vegas haben will, dann soll er dorthin fahren - und nicht versuchen, dies in Berlin zu kopieren.