Hass als Tonstörung: Muhabbet ist Musiker, nicht Politiker. Doch der Skandal ist in der Welt.
Jetzt werden Popkarrieren auch noch an Stehtischen ruiniert. Am Rande einer Preisverleihung, halb im Gehen, aber dann doch noch bleibend für ein letztes Wort, zieht der Sänger und Vorzeige-Rapper Muhabbet angeblich über den ermordeten niederländischen Filmemacher Theo van Gogh her. Sinngemäß soll er gesagt haben, dass van Gogh noch Glück gehabt habe, nicht ihm, Muhabbet, in die Finger geraten zu sein. Denn er hätte ihn nicht „so schnell“ umgebracht, sondern erst noch „in den Keller gesperrt und gefoltert“. Das geht ja nun nicht mehr, da van Gogh schon tot ist und die Islamkritikerin Ayaan Hirsi Ali, der Muhabbet abseits des „Prix Europe“ dasselbe wünscht, für ihn vermutlich genauso unerreichbar bleibt. Sie lebt unter Polizeischutz. Doch der Skandal ist in der Welt.
Hat sich hier wieder ein Erfolgsmodell der Migration demaskiert? Reicht tatsächlich ein bisschen mediale Aufregung, um den von Politikern gerne als „Integrationswunder“ gelobten Muhabbet unter „Islamismusverdacht“ zu stellen? In der deutschen Hip-Hop-Kultur, die immer extremere Formen der verbalen Herabwürdigung und Aggression hervorbringt, gilt der in Köln aufgewachsene Deutschtürke als kultureller Vermittler. Denn die osmanischen Wurzeln seiner Identität hat der Sänger aus seiner Musik nicht getilgt. Sein „R ’n’ Besk“-Stil ist auf Versöhnung aus. Zumindest ästhetisch. Wird ihm das Bild des Saubermanns nun zum Verhängnis?
Die Vorstellung des doppelgesichtigen Muslims, der sich nach außen assimiliert zeigt, aber insgeheim Hass verbreitet, passt einfach zu gut zur grassierenden Terrorangst, die dem Innenminister erlaubt, immer schärfere Sicherheitsgesetze durchzubringen. Wieder ein „Schläfer“ enttarnt? Dass Muhabbet mit dem deutschen und französischen Außenminister kurz zuvor ein Liebeslied an „Deutschland“ singt, macht seine Drohung – falls er sie ausgesprochen hat, was glaubhaft bezeugt wird – ohnedies zum Politikum. Zum Ärgernis für jene, die ihn als Vorbild benutzen.
Doch wenn der Fall Muhabbet überhaupt etwas bestätigt, dann die explosive Stimmungslage, die Diskussionen mit arabisch- und türkischstämmigen „Power Boys“ oft prägt. Deren Erregungskultur ist mit deutschen Empfindlichkeiten selten vereinbar.
Oder heißt das, mit zweierlei Maß zu messen? Lassen wir Migranten durchgehen, wofür Neonazis verurteilt werden? Nach dem Motto: Ist den Macho-Kids ja nicht anzukreiden, dass sie mal die Nerven verlieren. Tatsächlich denken viele so und ärgern sich. Eine Tonstörung. Vieles von dem, was als ethnisch-religiöser Hass vonseiten der Migranten artikuliert wird, ist Begleiterscheinung eines Ringens um soziale und kulturelle Anerkennung. Da geht es hart zur Sache, denn Respekt hat hierzulande einen schlechten Wechselkurs.
Wer wollte Muhabbet da Scheinheiligkeit vorwerfen, wenn er, der sich ansonsten vorbildlich gegen Gewalt einsetzt, diese plötzlich predigt? Keine Widersprüche zu haben, das ist was für Leute, die sich moralisch nie bewähren mussten. Was Muhabbet wirklich zu sagen hat, das tut er als Musiker.
(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 16.11.2007)
Kommentare [ 11 ] Kommentar hinzufügen »
Ein Künstler hat nicht mehr und nicht weniger Rechte und Freiheiten, als andere Bürger auch.
Und wer sich via Internet diverse gewaltverherrlichende Texte des Herrn Muhabbet durchliest, kann nicht mehr behaupten, dass der "sich ansonsten vorbildlich gegen Gewalt einsetzt".
Wer es dennoch tut, belügt sowohl sich, als auch andere.
Muhabbet ist in meinen Augen - nach Lektüre seiner "Lied"- Texte ein grauer Wolf im Schafspelz. Wes das Herz voll ist, des geht der Mund über!
Ich nehme weder die gewalttätigen noch die zuckersüßen Texte ernst. Ernst nehme ich das, was jemand außerhalb seines Seins als Kunstfigur von sich gibt. Und da besteht im vorliegenden Fall Klärungsbedarf (und zwar über das sattsam bekannte angebliche "Missverständnis" hinaus)
"Diese Stadt ist voller Schwuchteln und Schlampen, oberflächlicher Ottos und richtig linken Ratten. Denn ich weiss der Hund der bellt ist der Hund der niemals beißt. Ich bin der der schweigt und dir das Messer zeigt. Nachdem ich zugestochen habe, warne dich: geh nich zu weit! Kill dich denn für F***engelaber hab ich keine Zeit.“
kommt bei den Rechtsextremisten die Staatsanwaltschaft und ein Großaufgebot der Polizei ins Haus.
Wird der Text allerdings von so einem Integrationskünstler zum Besten gegeben, kommt der Außenminister um mit ihm ein Liedchen zu singen. Dieses unsinnige Verhalten bewirkt das genaue Gegenteil von dem Gewollten, es spaltet die Randgruppen immer weiter ab, anstatt sie zu integrieren.
Die Mehrheit der Migranten ist weder gewalttätig noch kriminell, auch die Anhänger Gewaltverherrlichender „Musik“ stellen nur hier eine kleine Minderheit. Da sollte es doch möglich sein, einen geeigneten Sänger mit weniger Widersprüchen zu finden.
Herr Müller wird die folgende You tube - Seite deshalb sicherlich integrativ goutieren können:
http://de.youtube.com/watch?v=U5QvnylhGfI
Sollte es ihn dann doch vielleicht stören, „weil ihn eine deutsche Empfindlichkeit ergreift“, gemach gemach: "Vieles von dem, was als ethnisch-religiöser Hass vonseiten der Migran-ten artikuliert wird, ist Begleiterscheinung eines Ringens um soziale und kulturelle Anerken-nung". Noch Fragen?
Denkst du ich werde mich ergeben,denkst du ich halt nicht dagegen,denkst du, dass ich still und schweigend mich hier einfach auf deinen Boden leg.Es geht nicht wir geben nicht auf
Wir streiken wir gehen den weg hinauf
Ihr haltet uns alle nicht auf...
Aus dem Lied „Im Westen“ :
Wo ich herkomm? Ich komm aus der Küche der Hölle!
Den meisten von euch Fotzen ist der Ort bekannt als Kölle.
Diese Stadt ist voller Schwuchteln und Schlampen . . .
Denn ich weiss der Hund der bellt ist der Hund der niemals beisst.Ich bin der der schweigt und dir das Messer zeigt
Nachdem ich zugestochen habe, warne dich: geh nich zu weit!
Kill dich denn für Fotzengelaber hab ich keine Zeit
Denn das ist dein Buisness, weil du’ne Bitch bist
Kriegtest dick nach dick bis du in Wixse ersticktest
Hier gibt es Bitches, Snitches(Verräter) hinterhältige Spasties
Und uns, absolut gewaltgeile Asis.