[Kommentare: 11]

Muhabbet

Die etwas andere Erregungskultur

Hass als Tonstörung: Muhabbet ist Musiker, nicht Politiker. Doch der Skandal ist in der Welt.
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Jetzt werden Popkarrieren auch noch an Stehtischen ruiniert. Am Rande einer Preisverleihung, halb im Gehen, aber dann doch noch bleibend für ein letztes Wort, zieht der Sänger und Vorzeige-Rapper Muhabbet angeblich über den ermordeten niederländischen Filmemacher Theo van Gogh her. Sinngemäß soll er gesagt haben, dass van Gogh noch Glück gehabt habe, nicht ihm, Muhabbet, in die Finger geraten zu sein. Denn er hätte ihn nicht „so schnell“ umgebracht, sondern erst noch „in den Keller gesperrt und gefoltert“. Das geht ja nun nicht mehr, da van Gogh schon tot ist und die Islamkritikerin Ayaan Hirsi Ali, der Muhabbet abseits des „Prix Europe“ dasselbe wünscht, für ihn vermutlich genauso unerreichbar bleibt. Sie lebt unter Polizeischutz. Doch der Skandal ist in der Welt.

Hat sich hier wieder ein Erfolgsmodell der Migration demaskiert? Reicht tatsächlich ein bisschen mediale Aufregung, um den von Politikern gerne als „Integrationswunder“ gelobten Muhabbet unter „Islamismusverdacht“ zu stellen? In der deutschen Hip-Hop-Kultur, die immer extremere Formen der verbalen Herabwürdigung und Aggression hervorbringt, gilt der in Köln aufgewachsene Deutschtürke als kultureller Vermittler. Denn die osmanischen Wurzeln seiner Identität hat der Sänger aus seiner Musik nicht getilgt. Sein „R ’n’ Besk“-Stil ist auf Versöhnung aus. Zumindest ästhetisch. Wird ihm das Bild des Saubermanns nun zum Verhängnis?

Die Vorstellung des doppelgesichtigen Muslims, der sich nach außen assimiliert zeigt, aber insgeheim Hass verbreitet, passt einfach zu gut zur grassierenden Terrorangst, die dem Innenminister erlaubt, immer schärfere Sicherheitsgesetze durchzubringen. Wieder ein „Schläfer“ enttarnt? Dass Muhabbet mit dem deutschen und französischen Außenminister kurz zuvor ein Liebeslied an „Deutschland“ singt, macht seine Drohung – falls er sie ausgesprochen hat, was glaubhaft bezeugt wird – ohnedies zum Politikum. Zum Ärgernis für jene, die ihn als Vorbild benutzen.

Doch wenn der Fall Muhabbet überhaupt etwas bestätigt, dann die explosive Stimmungslage, die Diskussionen mit arabisch- und türkischstämmigen „Power Boys“ oft prägt. Deren Erregungskultur ist mit deutschen Empfindlichkeiten selten vereinbar.

Oder heißt das, mit zweierlei Maß zu messen? Lassen wir Migranten durchgehen, wofür Neonazis verurteilt werden? Nach dem Motto: Ist den Macho-Kids ja nicht anzukreiden, dass sie mal die Nerven verlieren. Tatsächlich denken viele so und ärgern sich. Eine Tonstörung. Vieles von dem, was als ethnisch-religiöser Hass vonseiten der Migranten artikuliert wird, ist Begleiterscheinung eines Ringens um soziale und kulturelle Anerkennung. Da geht es hart zur Sache, denn Respekt hat hierzulande einen schlechten Wechselkurs.

Wer wollte Muhabbet da Scheinheiligkeit vorwerfen, wenn er, der sich ansonsten vorbildlich gegen Gewalt einsetzt, diese plötzlich predigt? Keine Widersprüche zu haben, das ist was für Leute, die sich moralisch nie bewähren mussten. Was Muhabbet wirklich zu sagen hat, das tut er als Musiker.

(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 16.11.2007)
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Kommentare [ 11 ] Kommentar hinzufügen »

Comment
von betrachter betrachter ist gerade offline | 15.11.2007 19:17 Uhr
Lesen Sie Muhabbets Texte
dann werden Sie starke Zweifel daran bekommen, ob er sich wirklich gegen Gewalt einsetzt.
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von titanic titanic ist gerade offline | 16.11.2007 1:35 Uhr
Kai Müller macht es sich zu einfach
Der Wortlaut dessen, was Muhabbet an eingenen Mord- und Foltergelüsten gegenüber Theo van Gogh und Ayaan Hirsi Ali an Frau Schapira, Herrn Taylan und anderen Zeugen gerichtet kundgetan hat, ist bekannt und bestätigt.
Ein Künstler hat nicht mehr und nicht weniger Rechte und Freiheiten, als andere Bürger auch.
Und wer sich via Internet diverse gewaltverherrlichende Texte des Herrn Muhabbet durchliest, kann nicht mehr behaupten, dass der "sich ansonsten vorbildlich gegen Gewalt einsetzt".

Wer es dennoch tut, belügt sowohl sich, als auch andere.
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von mekkakopp mekkakopp ist gerade offline | 16.11.2007 9:43 Uhr
Muhabbet..tease and push
Wie immer werden Grenzen verschoben, indem erst getestet wird, wieweit sich das Gegenüber wehrt und dann wird geschubst.
Muhabbet ist in meinen Augen - nach Lektüre seiner "Lied"- Texte ein grauer Wolf im Schafspelz. Wes das Herz voll ist, des geht der Mund über!
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von talkingkraut.peterson talkingkraut.peterson ist gerade offline | 16.11.2007 11:13 Uhr
Rechtfertigt auch Steinmeier den Mord an van Gogh?
Meiner Ansicht nach ist es glaubwürdig, was Shapira von der Preisverleihung berichtet hat. Aber da gilt es noch weitere Zeugen zu befragen. Wenn sich das so zugetragen hat, dann hat dieser Fall natürlich auch eine außenpolitische Dimension, wenn Steinmeier und Kouchner ein Lied mit einem solchen Musiker aufnehmen. Dann ist die deutsche Haltung im Fall Theo van Gogh nicht ganz klar. Da halte ich es für notwendig, dass Steinmeier der niederländischen Regierung gegenüber ganz klar zum Ausdruck bringt, dass er sich von irgendwelchen Begründungen für so einen Mord ganz klar distanziert und dass die deutsche Politik nie in irgendeiner Weise den Mord an Theo van Gogh rechtfertigen möchte.
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von brigitta brigitta ist gerade offline | 16.11.2007 11:16 Uhr
naiv
Der Kommentar ist von einer seltenen Naivität geprägt: "Was M. wirklich zu sagen hat, das tut er als Musiker" - so wie die Sänger, die ihre Liebesliedchen an ihr (weibliches) Schätzchen zu Gehör bringen und privat homosexuell sind? Hat sich Kai Müller mal Gedanken gemacht, dass Künstler, um Erfolg zu haben, vielleicht auch mal einfach als "Kunstfigur" das zu Gehör bringen, was sich verkauft oder wo noch eine Marktlücke besteht?
Ich nehme weder die gewalttätigen noch die zuckersüßen Texte ernst. Ernst nehme ich das, was jemand außerhalb seines Seins als Kunstfigur von sich gibt. Und da besteht im vorliegenden Fall Klärungsbedarf (und zwar über das sattsam bekannte angebliche "Missverständnis" hinaus)
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von guelden guelden ist gerade offline | 16.11.2007 12:37 Uhr
klärungsbedarf
können sie konkrete liedtextstellen nennen, die gewaltverherrlichend sind?
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von unbekannt | 16.11.2007 12:38 Uhr
Richtig! Es wird mit zweierlei Maß gemessen
Bei solchen Texten:
"Diese Stadt ist voller Schwuchteln und Schlampen, oberflächlicher Ottos und richtig linken Ratten. Denn ich weiss der Hund der bellt ist der Hund der niemals beißt. Ich bin der der schweigt und dir das Messer zeigt. Nachdem ich zugestochen habe, warne dich: geh nich zu weit! Kill dich denn für F***engelaber hab ich keine Zeit.“
kommt bei den Rechtsextremisten die Staatsanwaltschaft und ein Großaufgebot der Polizei ins Haus.
Wird der Text allerdings von so einem Integrationskünstler zum Besten gegeben, kommt der Außenminister um mit ihm ein Liedchen zu singen. Dieses unsinnige Verhalten bewirkt das genaue Gegenteil von dem Gewollten, es spaltet die Randgruppen immer weiter ab, anstatt sie zu integrieren.
Die Mehrheit der Migranten ist weder gewalttätig noch kriminell, auch die Anhänger Gewaltverherrlichender „Musik“ stellen nur hier eine kleine Minderheit. Da sollte es doch möglich sein, einen geeigneten Sänger mit weniger Widersprüchen zu finden.
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von burri19 burri19 ist gerade offline | 16.11.2007 12:49 Uhr
Die etwas andere Erregungskultur
Da Theo van Gogh schon tot ist und Ali unter Polizeischutz, kann man die Sache ja locker angehen lassen. Warum dann noch ein Skandal?! Es ist doch nur "die explosive Stim-mungslage, die Diskussionen mit arabisch- und türkischstämmigen „Power Boys“ oft prägt. Deren Erregungskultur ist mit deutschen Empfindlichkeiten selten vereinbar."
Herr Müller wird die folgende You tube - Seite deshalb sicherlich integrativ goutieren können:

http://de.youtube.com/watch?v=U5QvnylhGfI

Sollte es ihn dann doch vielleicht stören, „weil ihn eine deutsche Empfindlichkeit ergreift“, gemach gemach: "Vieles von dem, was als ethnisch-religiöser Hass vonseiten der Migran-ten artikuliert wird, ist Begleiterscheinung eines Ringens um soziale und kulturelle Anerken-nung". Noch Fragen?
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von unbekannt | 16.11.2007 14:12 Uhr
Daneben
Jetzt durfte Kai Müller mal über etwas anderes schreiben als Jazzfeste und Hinterhof-Bands, und ... "bumps" ... gleich schief gegangen. Okay, ein Kommentar ist ein Kommentar. Aber manche Kommentare kosten Leser...
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von meinungsforscher meinungsforscher ist gerade offline | 16.11.2007 15:37 Uhr
@burri
Ebenfalls daneben ist der Versuch, die Verbreitung von Hass und Gewalt mit dem Ringen um soziale Anerkennung zu rechtfertigen. Zumal die Gewaltbereitschaft real existiert. Von Menschen, die unsere Anerkennung gewinnen und in besseren Verhältnissen leben möchten, muss man erwarten dürfen, dass sie unsere Werteordnung akzeptieren. Sonst geht diese verloren- das wird burri auch nicht wirklich wollen. Der harte Wechselkurs im Ringen um Respekt wie ihn Müller beschreibt geht v.a. zu Lasten der Bürger ohne M.H. Wenn man Muhabet keine Vorwürfe machen darf, weil er sich moralisch noch bewähren muss und er sich ab und zu sozial engagiert, dürfte man sich auch nicht über bestimmte Nazi-Größen aufregen- die haben sich in best. Weise auch sozial engagiert. Was damals dazu führte, dass viele die Augen zu gemacht haben. Der Kommentar von Herrn Müller ist mächtig misslungen.
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von graukopf graukopf ist gerade offline | 19.11.2007 12:28 Uhr
Hallo, guelden,hier eine kleine
Refrain aus dem Lied „Deutschland“, mit Steinmeier gesungen:
Denkst du ich werde mich ergeben,denkst du ich halt nicht dagegen,denkst du, dass ich still und schweigend mich hier einfach auf deinen Boden leg.Es geht nicht wir geben nicht auf
Wir streiken wir gehen den weg hinauf
Ihr haltet uns alle nicht auf...

Aus dem Lied „Im Westen“ :
Wo ich herkomm? Ich komm aus der Küche der Hölle!
Den meisten von euch Fotzen ist der Ort bekannt als Kölle.
Diese Stadt ist voller Schwuchteln und Schlampen . . .
Denn ich weiss der Hund der bellt ist der Hund der niemals beisst.Ich bin der der schweigt und dir das Messer zeigt
Nachdem ich zugestochen habe, warne dich: geh nich zu weit!
Kill dich denn für Fotzengelaber hab ich keine Zeit
Denn das ist dein Buisness, weil du’ne Bitch bist
Kriegtest dick nach dick bis du in Wixse ersticktest
Hier gibt es Bitches, Snitches(Verräter) hinterhältige Spasties
Und uns, absolut gewaltgeile Asis.

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