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Porträt: Navid Kermani, Intellektueller

"Ich liebe Jesus"

Der Orientalist Kermani ist einer der wichtigsten Intellektuellen Deutschlands. Er provoziert muslimische Fundamentalisten ebenso wie christliche.
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Foto: dpa
In Munzingers maßgebendem biografischen Archiv hat Navid Kermani exakt zwei Seiten. Der Fernsehmoderator Johannes B. Kerner kommt knapp dahinter auf eine Seite mehr. An den Leistungen beider wird das kaum liegen. Der habilitierte Orientalist Kermani, vor 41 Jahren als Sohn iranischer Eltern in Siegen geboren, hat nicht nur eine akademische Bilderbuchkarriere an den feinsten Adressen der Republik hinter sich, war Promotionsstipendiat der Studienstiftung des Deutschen Volkes, Fellow am Wissenschaftskolleg in Berlin, Stipendiat der Villa Massimo in Rom und ist Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung. Er beackert auch ansehnlich viele Felder der Kultur, als Theaterautor, Essayist, Romancier und Journalist – mit einem Themenspektrum, das von der Schönheit Gottes bis zur Rockgottheit Neil Young reicht. Insofern war der Mainzer Kardinal Lehmann, der den Hessischen Staatspreis für Kultur nicht mit Kermani teilen will, schlecht informiert, als er herablassend urteilte, der junge Mann sei vielleicht recht gebildet, verdanke seine Rolle aber wohl der Tatsache, dass es hierzulande kaum muslimische Intellektuelle gebe.

Den „muslimischen“ Intellektuellen würde der bekennende Muslim selbst wohl nicht auf sich sitzen lassen. Zwar stimmt, was ihm jetzt der Tübinger Theologe Kuschel bescheinigte: Kermani sei ein bedeutender Vermittler zwischen Orient und Okzident. Vor allem aber ist er einer der wichtigen Intellektuellen Deutschlands. Er provoziert muslimische Fundamentalisten ebenso wie christliche, und weil er wie so viele Migrantenkinder in mindestens zwei Kulturen zu Hause ist, bringt er den richtigen Kopf mit für eine Welt, die über die ethnisch-kulturellen Gewissheiten hinaus ist.

Dass erst so wenige merken, was Deutschland an Leuten wie ihm hat, könnte daran liegen, dass hiesige Medien und Kultureliten noch nicht so weit sind wie ihr Land. Als in seiner Heimatstadt Köln vor zwei Jahren der Moscheestreit tobte, besuchte Kermani eine Bürgerversammlung. Den Krieg der Kulturen fand er nicht in Köln-Ehrenfeld, aber viele verständliche Fragen: Wird’s lauter hier, was ist mit den Parkplätzen? Als Architekt Böhm seinen Moschee-Entwurf an die Wand warf, wurde sogar gejubelt. Diese „breite weltoffene Mitte“, schrieb Kermani, sei ihm „tausendmal angenehmer als ehemals linke Kulturkämpfer, die heute im Namen der westlichen Freiheit O-Töne wie von Rechtsradikalen auf die Titelseiten spucken“. Andrea Dernbach



(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 19.05.2009)
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von unbekannt | 19.5.2009 11:35 Uhr
Verehrte Frau Dernbach
Kermani unterscheidet in seinen Schriften zwischen destruktivem Terrorismus (Al-Qida) und konstruktivem Terrorismus (Hamas).
Warum also sollte ein Jude mit diesem Muslim diesen Preis annehmen?

Die Verweigerungshaltung der nichtmuslimischen Preisträger entspricht genau der Haltung des Muslims Sezgen. Gleiches Recht bitte also für alle!

Seine Terrorbefunde bettet Kermani ein in mutmaßliche Charakteristika der Moderne bzw. des Westens. Aus diesem analytischen Konstrukt destilliert er nicht anders als die Muslimbrüder oder der Al-Qida-Chefideologe Al-Zawahiri ein Rechtfertigungsmodell für seinen (konstruktiven) Terrorismus. Von den terroristischen Barbaren unterscheidet ihn nur und immerhin, dass er selber keine Gewalt begeht und nicht dazu auffordert. Aber er bringt dafür Verständnis auf und toleriert sie ideell. Warum sollte diese Gewalttoleranz ausgezeichnet werden?

Außerdem instrumentalisiert er in jenem NZZ-Aufsatz seine Kinder und bringt sie besipielhaft islamistisch gegen den Katholizismus in Stellung. Warum diese ideologische Verwertung der eigenen Kinder gegen Andersgläubige und politische Gegner? Warum dieser Parallelismus beispielsweise zu jenem Vater auf dem Breitscheidplatz, der seinen Sohn Bombenattrappe als mißbrauchte? Seine Jesusliebe ist dagegen nur banale islamistische Propaganda.

Dieser Kulturpreis ist nur ein Versatzstück zum rechtsstaatlich gelenkten Islamunterricht. Es klappt nicht, weil islamische Attitüden es verhindern!
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von snorema snorema ist gerade offline | 19.5.2009 13:04 Uhr
keine ahnung
ich muss zugeben, zum ersten mal von ihm zu hören...
aber wenn jemand sagt:
„Krieg ist das falsche Mittel. Aber Befreiung nicht das falsche Ziel.“, dann kann er ja nicht so schlimm sein wie er betrachtet wurde, oder etwa doch...

Bush hat ja auch gesagt, er glaube an die friedliche koexistenz von mensch und fisch... ;)
Comment
von unbekannt | 27.5.2009 17:11 Uhr
"...Vermittler zwischen Orient und Okzident"
auch, indem er seine Kinder dem Katholizismus in den Rachen wirft, um dem Katholizismus kritisieren zu können. Methodisch verfuhren im jüngsten Nahost-Krieg die Hamasleute genauso mit Palästinenser-Kindern. Schöne "Vermittlungs"-Parallele!

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