Gewalt, Gegengewalt, Gegengegengewalt. In Berlin-Friedrichshain geraten Linke und Rechte immer heftiger aneinander. Doch glaubwürdiger Antifaschismus muss strikt gewaltfrei sein.
Die Sprache ist nur schwer zu verdauen. „Wir haben abgrundtiefen Hass auf Nazis“, heißt es in einem Aufruf der linken Szene zur Demonstration am morgigen Sonnabend in Berlin-Friedrichshain. Die Wut kocht hoch, nachdem im Partyviertel Linke und Rechte aneinander gerieten, ein Rechter am Kopf verletzt wurde und die Rechten dann einen Linken lebensgefährlich verletzten. Nun verkündet die „linke“ Sprache Gegengewalt, bis zum Äußersten. „Wieso sollen wir Menschen achten, die das Leben an sich nicht achten“, wird in dem Flugblatt gefragt.
Die „rechte“ Sprache zum selben Thema: Auf der viel gelesenen Neonazi-Homepage Altermedia droht der anonyme „Schriftleiter“, dass sich „nationale Menschen“ nicht alles gefallen lassen sollten, nur weil irgendwelche linken Gewalttäter „dies als menschenverachtend ansehen“ könnten. Gegengegengewalt, bis zum Exzess.
In den Köpfen tobt der Bürgerkrieg. Die Neonazis prügeln in dem Wahn, sie seien die Wiedergeburt der SA. Die Antifa glaubt, sie habe das Recht zur Selbstjustiz. Die jungmilitanten Nazigegner sehen sich in der Tradition von Rotfrontkämpferbund und linker Milizen im spanischen Bürgerkrieg. Beide Seiten blenden aus, dass die dreißiger Jahre lange vorbei sind und sich glücklicherweise nicht wiederholen werden. Nazis und Antifa sind heute Randphänomene, ihr politisches Gewicht ist minimal. Die von beiden Seiten verspottete Demokratie ist ihnen in jeder Hinsicht überlegen. Und sie lässt sich ihr Gewaltmonopol nicht nehmen. Weder von Rechten noch von Linken. Bleibt auf dem Teppich, ihr Rumpelstilzchen!
Zu verharmlosen gibt es allerdings nichts. Die rechte Gewalt hat seit der Wiedervereinigung mehr als 100 Todesopfer gefordert, tausende Menschen wurden verletzt. Die Brutalität, mit der am Sonntag der junge Linke malträtiert wurde, ist kaum fassbar und doch beinahe Alltag. Und es stimmt auch: Linke Gewalt erscheint nicht im selben Maße entgrenzt. Dass Antifas einen Obdachlosen oder einen Afrikaner zu Tode trampeln, ist unvorstellbar. Die Militanz junger Linker, soviel sollte man schon differenzieren, ist nach dem Ende der Roten Armee Fraktion nicht auf die Vernichtung von Menschenleben programmiert. Es werden allerdings Tote in Kauf genommen, vor allem bei Brandanschlägen. Zu rechtfertigen ist auch linke Gewalt in keinem Fall.
Außerdem: Die Gewalt der Antifa bleibt eine politische Dummheit. Wer einen Neonazi angreift, weil der eine Thor-Steinar-Jacke trägt, schenkt der rechten Szene einen Märtyrer, mit erwartbaren Folgen. Nebenbei wird der Antifaschismus diskreditiert, wenn er mehr sein soll als Kloppe und Kommunismus. Widerstand gegen Neonazis muss zivil bleiben, um glaubwürdig zu sein. Militanz bedeutet Mackertum und Eskalation. Von dieser Sorte Antifa sollten sich Demokraten fernhalten. Sympathien für das Haudrauf-Milieu, wie sie hier und da bei Linkspartei und Jusos aufflackern, sind falsch.
(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 17.07.2009)
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Dass S. mal ein Anhänger der nationalsozialistischen Bewegung war, ändert nichts daran. Menschen haben das Recht, Irrtümer einzusehen und sich zu ändern. Und S. hat sich nicht nur geändert, sondern hat gehandelt.
Der Rest Ihres Kommentars ist pillepalle.
„Wieso sollen wir Menschen achten, die das Leben an sich nicht achten“, wird in dem Flugblatt gefragt.
Nun, sie müssen die nicht achten, dürfen sich aber nicht mit denen auf eine Stufe stellen, denn genau das tun sie, wenn sie ebenfalls zur Gewalt greifen. Dann sind sie keinen Deut besser als die verachteten Neonazis.
@asasello
Dass es in den neuen Bundesländern eine erhebliche Affinität zu braunem Gedankengut gibt, ist wohl nicht zu leugnen, ich kann das aber nicht mit Zahlen belegen.
Meinen Sie wirklich, Sie können das mit Gewalt ändern?
Warum sind denn rechte Bewegungen dort so erfolgreich?
Weil sie vorgeben, sich um wirkliche und vermeintliche Probleme der Menschen zu kümmern.
Wer macht denn noch nennenswerte Jugendarbeit z.B. in Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg oder Sachsen?
Richtig, die Braunen. Und vermitteln den Jugendlichen gleich ein geschlossenes Weltbild mit.
Das brechen Sie mit Gewalt nicht auf, vielleicht verfestigen Sie die Strukturen damit sogar.
@on-off
Natürlich sollen Sie, wenn Sie von Glatzen angegriffen werden, nicht das freundliche Gespräch suchen. Sie haben das Recht der Notwehr, da dürfen Sie zurückschlagen - wenn Sie können. Meistens besteht in solchen Situationen aber ein Ungleichgewicht der Kräfte, sprich, wenn ich von einer Überzahl angegriffen werde, würde ich ganz schnell das Weite suchen.
Aber generell kann man Gewalt nicht mit Gewalt ausrotten, weil Gewalt immer neue Gewalt gebiert.
Der Autor hat bestimmt noch nie solsche Erfahrungen gemacht.
Glatzen, die einen langen Weg machen, um gerade in Friedrichshein rumzulaufen tuhn dies mit genaue Absichten. Und zwar Prügeln.
Und obwohl ich viele Ansichten der Antifa nicht teile, ist es mir viel lieber die auf die Strasse zu sehen. Auf die ist -leider!- mehr Verlass als auf die Polizei. Dennoch will ich die nie an die Macht sehen.
Die echte Lösung ist nicht Gewaltlosigkeit, sondern Soziale Gerechtigkeit. Bei Hartz 4, 1 Euro-jobs und Milonen für die Verantwortlische dessen, habe ich leider keine Argumente um Kumpels der Antifa zu erklären sie seien zu extremistich.
Vielelicht würde ein Ortswechsel helfen. Wer einmal in Sachsen mit fünf, sechs anderen Leuten vor einem Asylbewerberheim gestanden hat, um die darin wohnenden Menschen vor einem betrunkenen und hasserfülltem Neonazi-Mob zu schützen, der kann über Jansens Birkenstock-Philosophie nur traurig lachen. Wer erlebt hat, daß die Polizei bei Überfallen von Rechtsextremisten auf Linke oder Ausländer oftmals die Opfer schikaniert und die Täter laufen lässt, den lassen Warnungen vor den Extremisten von links und rechts ziemlich kalt.
Herr Jansen sollte mal in eine sächsische Kleinstadt fahren. Dort würde er erleben wie Neonazis Wochenende für Wochenende Clubs von nichtrechten Jugendlichen überfallen, wie dunkelhäutige Menschen auf der Straße angepöbelt werden. Und er würde auch feststellen, dass weder Polizei, noch warme Worte von Demokratie diesem Spuk beenden. Sondern nur, indem man den Schlägern ihre Grenzen zeigt. Und das in einer Sprache die auch diese Leute verstehen.
Dabei geht es nicht um die von Jansen halluzinierten Rotfrontkämpferbund-Fantasien , sondern schlicht darum, den Neonazis nicht den ganzen öffentlichen Raum zu überlassen.
Doch das ist anstrengend. Deshalb schreibt man lieber Tickermeldungen ab. Jansens Pippi-Langstrumpf-Prinzip: "Ich mache mir die Welt, wie sie mir gefällt" und die Gleichsetzung von links und rechts haben auch in manchen Gegenden Berlins dazu geführt, dass sich bestimmte Menschen nicht mehr ohne Angst auf die Straße trauen. Natürlich ist Gewalt abzulehnen. Nur manchmal geht es leider nicht ohne. Nicht das auch noch aus den Lieblingsbars des "Drinking man" eine "National befreite Zone wird", wo kahl rasierte Rechte Sternburger statt Singapore Slink schlürfe
Dem Nazipack kein Contra geben,schön Maul halten,wenn der barbarische Pöbel öffentlich auftritt und sein Unwesen treibt, damit der bloß keine "Märtyrer" bekommt-was ist das für ein unglaublicher gequirlter Schwachsinn?
Lieber sich totschlagen lassen,damit die Märtyrer gefälligst "die Guten" sind oder was?Am besten Schwarze, südländisch aussehende Menschen,Jugendliche mit langen Haaren-so haben Märtyrer auch weiterhin auszusehen,wenn es nach Herrn Jansen geht. Macht sich klasse auf Fotos,da kann man noch ein paar Teelichter und Blumen dazu stellen und am besten gleich eine große Lichterkette veranstalten.
Das ist nur ein Punkt von vielen,der ganze Text strotzt vor unglaublichen Formulierungen.
Ein bestialischer Mordversuch(ein Bordsteinkick ist von der Wirkungsweise durchaus mit einem Genickschuss vergleichbar) wird zu einer Keilerei zwischen politisch unterschiedlich tickenden Kids verniedlicht,bei der die einen halt ein bißchen doller zugehauen haben.
Herr J. könnte ja mal einen kurzen Satz darüber verlieren,wie ekelhaft es ist,daß braune Schlägerbanden aus der Provinz-in Ihrer Heimat einschlägig bekannt für ihre Brutalität-sich inzwischen(fast)unbehelligt in beliebten Szenvierteln herumtreiben.
Daß so die berüchtigten No-Go-Areas der Ex-DDR,in denen Ausländer rund um die Uhr um ihr Leben fürchten müssen,quasi in kleinen mobilen Einheiten ins Herz unseres ach so toleranten schwul-regierten Berlins transportiert werden.
Daß es fast jeden treffen könnte,mit durchtretenem Genick auf dem Bürgersteig zu enden - ausgenommen vielleicht,er oder sie hat kurze Haare,einen dumpfen leeren Blick und trägt möglichst noch ein Thor Steinar T-Shirt.
Ich bin auch nicht der totale Antifa-Fan,aber ich finde es zumindest beruhigend,in einem Viertel zu leben,wo Nazis nicht weit kommen,weil sie von Türken,Arabern oder eben Antifas gestoppt werden.