Die Zahl der älteren Menschen, deren Rente nicht zum Leben reicht, hat sich in Berlin in den vergangenen Jahren vervierfacht. Das gibt einen Vorgeschmack auf das, was in den nächsten Jahren (und Jahrzehnten) auf uns zukommen kann.
Es sind Daten, die Ängste schüren. Die Zahl der älteren Menschen, deren Rente nicht zum Leben reicht und die deshalb die Grundsicherung im Alter beziehen, hat sich in Berlin in den vergangenen Jahren vervierfacht. Berlins scheidender Finanzsenator Thilo Sarrazin warnt angesichts der jährlich steigenden Ausgaben im Sozialetat vor einer „explosionsartigen Zunahme“.
Die Angst vor Armut im Alter – ein Thema, das in Deutschland als erledigt galt. Den 20 Millionen Rentnern von heute geht es schließlich vergleichsweise gut, besser als den Generationen zuvor. Bundesweit waren Ende 2007 nur 400 000 Frauen und Männer auf Grundsicherung angewiesen, gerade mal 2,4 Prozent der über 65-Jährigen. Das Risiko, in Armut zu geraten, ist heute in Deutschland für eine Familie mit Kindern deutlich höher als für die Älteren. Und doch ist es nicht völlig irrational, dass die Furcht vor der Altersarmut nun auch die Mittelschicht bewegt.
Es ist ein bisschen wie bei Hartz IV. Angst macht das Gefühl, dass es jeden treffen kann, auch den promovierten Akademiker. Die wachsende Zahl der Grundsicherungsempfänger – deren Anteil in Berlin schneller steigt als im Bundesdurchschnitt – gibt zumindest einen Vorgeschmack auf das, was in den nächsten Jahren (und Jahrzehnten) auf uns zukommen kann.
Während die von Konrad Adenauer 1957 eingeführte umlagefinanzierte gesetzliche Rente zunächst für relativ viel Gleichheit innerhalb der älteren Generation sorgte, werden in Zukunft die Differenzen wieder größer. Das hat mehrere Gründe: Die Arbeitswelt hat sich massiv verändert, mit gebrochenen Erbwerbsbiografien, einem steigenden Niedriglohnsektor, aber auch neuen Formen der Selbstständigkeit. Hinzu kommt, dass Vermögen und Erbschaften ungleich verteilt sind – und die Schere hierbei sogar noch auseinandergeht. Das heißt, auch in Zukunft wird es wohlhabende Rentner geben, aber eben auch einen steigenden Anteil derer, die nur sehr wenig zur Verfügung haben.
Wenn die Politik Verteilungskonflikte künftiger Rentnergenerationen abmildern will, muss sie sich gezielt um die Absicherung von drei Problemgruppen kümmern. Erstens die steigende Zahl von Geringverdienern, zweitens die knapp drei Millionen kleinen Selbstständigen, die wenig verdienen und kaum Geld fürs Alter zurücklegen – vom freiberuflichen Designer bis zum promovierten Akademiker, der seinen Lebensunterhalt als Taxifahrer bestreitet. Und drittens Langzeitarbeitslose, die mit jedem Jahr Hartz IV ihren Rentenanspruch gerade mal um 2,19 Euro im Monat steigern. Das Problem wird vor allem in Ostdeutschland sichtbar, wo in den nächsten Jahren die Wendeverlierer in Rente gehen, die nach langer Arbeitslosigkeit ihre Einbußen bei der gesetzlichen Rente nicht durch eine Betriebsrente ausgleichen können.
In kaum einem Industrieland sind Geringverdiener laut OECD so schlecht abgesichert wie in Deutschland. Wer von seinem Lohn kaum leben kann, wird sich auch keine existenzsichernde Rente erarbeiten, geschweige denn Geld für die private Vorsorge beiseitelegen. Angesichts eines wachsenden Niedriglohnsektors eine tickende Zeitbombe – nicht nur für die öffentlichen Haushalte, die finanziell mit der Grundsicherung einspringen müssen. Sondern auch für die Akzeptanz einer Rentenversicherung, die auf dem Versprechen basiert, dass jemand, der lange gearbeitet hat, im Alter mehr als die Sozialhilfe herausbekommt.
(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 24.03.2009)
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2002 gab es noch 27,5 Mio SV*1 - Arbeitsstellen in Deutschland, dann sank dieser Zahl. Mit dem Wirtschafts-aufschwung schaffte man es bis Ende 2008 gerade einmal auf 27,2 Mio SV-Stellen.
Lediglich etwas über 50% dieser SV-Jobs sind Vollzeitstellen.
Das alles trotz - oder vielleicht sogar wegen der AGENDA 2010.
Dabei wurden in der Zeit von 2002-2008 ca. 600.000 SV-Jobs in Leiharbeitsverhältnisse umgewandelt. 60% dieser Leiharbeiter arbeiten beispielsweise in Berlin für Stundenlöhne von 6,15 - 6,50 (AMP, IGZ, BZA Tarife - bei einigen Haustarifen sogar darunter). Ein anderer Teil der SV-Arbeitsstellen wird durch ALG2 aufgestockt. Die OECD prognostiziert während der Finanzkrise bis 2010 einen Verlust von 700.000 Arbeitsstellen.
Folge : Verringerung Rentenbeiträge.
Was würde helfen?
Teilen und Solidarität wären angebracht.
Oder? Doch das scheitert an allen Interessengruppen. An den Rentnern, den Gewerkschaften, den Beamten und an gewissen neoliberalen Lobbyisten der Wirtschaft und deren Vertretern im Bundestag. Das Geld ist da. Das BIP pro Kopf steigt jährlich in Deutschland. Es wird offenbar falsch verteilt, falsch investiert, wird aufgebraucht durch Schuldentilgung und durch Gefüge, die sich ordentlich bedienen, ohne einen ent-sprechenden Gegenwert zu liefern. Vergessen wir auch nicht die DDR-Rentenpassung. Verluste seit 1990 : 200-300 Milliarden?!
Jetzt fehlt nur noch ein Gegenkommentar der entsprechenden Interessengruppe, der diesen Beitrag diffamiert u. als
´Unsinn´bezeichnet. Denn das zeichnet dieses Land auch aus, nämlich, dass die Platzhirsche der Bundesrepublik Jagt auf diejenigen machen, die sich in diese Gefüge mit Totschweigen nicht einordnen wollen.
*1 SV-Sozialversicherungspflichtige Jobs
Unwillig?
Struktur der 4,858,000 erwerbsfähigen Hilfsbedürftigen :
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36% = 1.748.880 nicht verfügbar = z.B. Inanspr uchnahme von § 428 SGB III i.V.m. §65 SGB II, P flege Angehöriger, Krankheit, Schüler, Erziehung von Kindern unter 3 Jahren
12%= 582.960 Erwerbstätige eHb*1 mit Bruttoeinkommen >400€ (nicht Arbeitslose)
9% = 437.220 eHb*1 in arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen
42% = 2.040.360 Maßnahmen bei denen der Teilnehmer weiter als eHb erfasst bleibt (in der Mehraufwandsvariante, Förderung beruflicher Weiterbildung, Trainingsmaßnahmen etc.)
*1 eHb = erwerbsfähiger Hilfsbedürftige
*2 Struktur der Arbeitslosen 2007 (Bildung) in Prozent :
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16,2 Kein Schulabschluss
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41,2_Hauptschulabschluss
29___Mittlerere Reife
4,5__Fachhochschulreife
7,9__Abitur / Hochschulreife
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Summe 82,6 Prozent
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Keine Bildung?
Und dann werfen Sie bitte noch einen Blick auf S.222 des BA-Jahrsberichts 2007. Der Großteil der Arbeitslosen verfügt über eine Berufsausbildung. Beispiel Arbeitslosenzahlen 2007 für :
Ingenieure, Chemiker, Physiker, Mathematiker = 30.529
Techniker, Technische Sonderfachkräfte = 42.629
usw.
Quelle : BA Bericht Februar 2009 Seite 15 (rechts unten 3.4), Seite 21 Abbildung 13, BA Jahresbericht 2007 Seite 195*2
Fangen wir mit der demographischen Entwicklung an:
Wenn man immer mit der Alterspyramide argumentiert, würde das für die Landwirtschaft folgendes heißen:
Vor 200 Jahren konnte ein Bauer 12 Personen ernähren, heute muß er mehr als 2000 Personen ernähren - deswegen sind in allen Industriestaaten Lebensmittelknappheiten und Hungersnöte ausgebrochen, oder?
Sind sie natürlich nicht, und zwar deswegen, weil die Steigerung der Produktivität bei der gesamten Argumentation völlig unterschlagen wird.
So verhält es sich auch mit der Rente und das noch aus einem anderen Grund, wie man seinerzeit im TSP nachlesen konnte (20.12.2007), vielleicht geht der Link ja noch:
http://www.tagesspiegel.de/meinung/kommentare/Renten;art141,2442491
Prof. Bosbach kommt zu dem Schluß, daß der Faktor der demographischen Entwicklung restlos übertrieben wird und tatsächlich nur 0,3% Mehrbelastung des Rentensystems pro Jahr ausmacht - was mühelos von der Produktivitätsentwicklung aufgefangen wird.
Was nun die Rente mit 80 betrifft, geehrter Hu, falls Ihr Beitrag keine Satire sein sollte: Dann nehmen Sie bitte zur Kenntnis, daß schon heute 2/3 aller über 60-Jährigen keinen Job mehr finden, "Rente mit 80" entbehrt jedweder Grundlage.
Wer´s gerne möchte, soll länger arbeiten, nur kann es nicht sein, daß man dazu gezwungen wird!
Berggeist