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Statistiken

Das Rentenkomplott

Interessengruppen dramatisieren bewusst die Bevölkerungsentwicklung in Deutschland - und leiten daraus drastische Maßnahmen ab. Rechnet man nach, schrumpft das Drama gewaltig.
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In Douglas Adams Roman „Per Anhalter durch die Galaxis” berechnet der Großcomputer den Sinn des Lebens. Nach monatelanger Rechenarbeit kommt er zum Ergebnis „42“. Adams’ Ironie auf den Glauben, unsere komplexe Welt sei berechenbar, wird heute durch die Wirklichkeit eingeholt. Mit starrem Blick auf die Modellrechnungen des Statistischen Bundesamtes zum sogenannten Altenquotienten sehen Experten „Deutschlands Weg in die Vergreisung“oder gar die „Rente mit 75“. Wie selbstverständlich leiten Politiker, Professoren, Publizisten aus einer einzigen statistischen Maßzahl weitreichende Änderungen der Politik ab.

Der Altenquotient gibt salopp gesprochen an: Wie viele Menschen mittleren Alters (zwischen 20 und 65) sind da, um unsere Alten zu ernähren? Heute müssen etwa 30 Ältere von 100 Erwerbsfähigen versorgt werden. Nach den Modellrechnungen des Statistischen Bundesamtes wird sich die „Versorgungslast“ bis 2050 verdoppeln. Dann stehen 100 Erwerbsfähigen etwa 60 Rentner gegenüber. Kaum ein Tag vergeht, in dem Politik und Wirtschaft nicht auf dieses Drama hinweisen und Lösungsvorschläge anbieten: Rente erst ab 67 und private Altersvorsorge. Aber werden hier nicht wesentliche Faktoren übersehen? Müssen Erwerbsfähige denn nur für die Älteren aufkommen?

Nein, sondern auch für die Kinder. Deshalb operiert die amtliche Statistik schon seit Jahrzehnten mit einem „Gesamtquotienten“, der die vielfältigen Ausgaben für Kinder und Jugendliche mit einbezieht. Berücksichtigt man sie, steigt der Versorgungsquotient bis zum Jahre 2050 „nur“ noch um 40 Prozent. Das Drama ist also weniger als halb so groß! Doch jetzt fehlt immer noch ein wichtiger Faktor.

Die Arbeitenden versorgen nicht nur ihre Kinder, Eltern und Großeltern, sondern auch sich selbst. Der größte Teil der Bevölkerung ist selbst im mittleren Alter. In Zahlen ausgedrückt: 100 Erwerbsfähige sind heute für die Versorgung von 161 Personen zuständig. Dieses Verhältnis soll sich bis 2050 auf 100 zu 184 ändern. Die Gesamtbelastung der Bevölkerung nimmt trotz Alterung also nur um knapp 15 Prozent zu. Das Drama schrumpft auf ein Siebtel.

Dieses Ergebnis kommt daher, dass nur ein kleiner Teil der Belastung wächst, ein Teil leicht sinkt und der größte Teil konstant bleibt. Bei unseren täglichen Ausgaben berücksichtigen wir diese Logik: Wenn etwa der Spritpreis um 50 Prozent steigt, wissen wir, dass unsere Gesamtausgaben deutlich moderater wachsen.

Die Dramatisierer haben sich noch eines weiteren Darstellungstricks bedient. So ergibt eine überschaubare jährliche Preissteigerung von 1,4 Prozent in 50 Jahren eine „erschreckende“ Verdopplung, die heute als unbezahlbar wirkt. Wenn wir diesen Effekt hier umdrehen, dann werden aus 15 Prozent Steigerung der Gesamtbelastung in knapp 50 Jahren ganze 0,3 Prozent pro Jahr – also ein ganz und gar nicht beängstigender Anstieg, den die Produktivitätssteigerung mehr als bewältigen wird.

Bei der gesamten Rechnung wurde das Renteneintrittsalter konstant bei 65 Jahren gehalten. Es zeigt ein Mal mehr, dass aus demografischen Gründen die Rente erst ab 67 nicht nötig ist.

Was wie Hexerei eines Zahlenkünstlers aussieht – aus der Verdopplung der Belastung wurde eine Steigerung um 0,3 Prozent pro Jahr –, ist im Grunde genau das Gegenteil: Dramatisierer haben es geschafft, unseren Blick auf einen einzigen Teil der gesellschaftlichen Ausgaben, nämlich auf die Zahlungen für unsere Rentner, einzuengen. Und damit sich das auch wirklich erschreckend anhört, werden alle Steigerungen der nächsten fast 50 Jahre zusammengerechnet. Nur mit einem Zitat von Voltaire kann ich ansatzweise erklären, dass diese merkwürdige, sonst nie zu findende Rechenmethode so populär geworden ist: „Je häufiger eine Dummheit wiederholt wird, desto mehr bekommt sie den Anschein von Klugheit.“ Und an der ständigen Wiederholung haben interessierte Kreise mit hohem Aufwand gearbeitet.Dennoch wollen wir die Hoffnung auf einen Sieg der Vernunft nicht aufgegeben.

Der Autor ist Professor für Statistik und Empirische Wirtschafts- und Sozialforschung an der Fachhochschule Koblenz.

(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 20.12.2007)
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Kommentare [ 23 ] Kommentar hinzufügen »

Comment
von timchen timchen ist gerade offline | 19.12.2007 20:17 Uhr
Schade
...dass die angesprochenen Interessengruppen nicht genannt werden: (Lebens-)Versicherungen und Finanzdienstleister alà MLP samt deren Mietmäuler Raffelhüschen, Miegel, Riester usw.

Aber insgesamt löblich für den TS!
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von hannibal hannibal ist gerade offline | 20.12.2007 16:45 Uhr
Alle doof, außer ich?
Raffelhüschen, Miegel und Rürup haben keine Ahnung?

Prof. Bosbach ist wohl der Bofinger unter den Statistik-Profs.

Andererseits, wir habens doch immer gewusst: unsere Probleme kriegen wir doch nicht durch Arbeit und Anstrengung sondern nur durch mehr Freizeit (25 Std.-Woche?), höhere Einkommen, zur Not auch per Gesetz, größere Ausweitung der Sozialleistungen und auch durch mehr Alte, die wir versorgen müssen (je mehr desto besser, z. B. Adoption von ukrainischen Rentnern).

Was sagt Prof. Bofi - pardon - Bosbach eigentlich dazu, dass das Volk alle 10 Jahre 1 Jahr im Durchschnitt älter wird? Gereicht uns auch das am Ende noch zum Vorteil? Man sollte ihn nur machen lassen. Schon wie er die Kosten für die Kinder locker abzieht, schwupps und wech. Und was er zur Produktivität sagt. Genial. Danach müssten wir doch eigentlich wieder ein bisschen Schulden machen dürfen, auf Kosten unserer ... halt, halt. Doch nicht auf Kosten, nein, zum SEGEN unserer Kinder!

Herrlich ...
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von timchen timchen ist gerade offline | 20.12.2007 17:45 Uhr
@hannibal
doch doch, die haben Ahnung... wie man etwas immer und immer wiederholt, ohne zu sagen, wessen Interessen man damit bedient
(schönes Bsp. zu Raffelhüschen: http://www.wdr.de/tv/monitor/real.phtml?bid=778&sid=143)

Was sagen Sie eigentlich dazu, dass die Lebenserwartung im 20. Jhd. noch STÄRKER gestiegen ist, als für die Zukunft prophezeit - ohne negative Auswirkungen auf die Renten?!

Der Rest (Arbeitszeitverkürzung/Schulden) hat mit dem Thema hier nix zu tun
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von dinsdale dinsdale ist gerade offline | 19.12.2007 22:28 Uhr
Nur der Vollständigkeit halber...
... Deep Thought benötigte 7 Millionen Jahre, um die ultimative Antwort 42 zu berechnen.
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von ameland ameland ist gerade offline | 20.12.2007 8:56 Uhr
Sorry, hier schweife ich jetzt aber sehr ab.
Ein überaus wertvoller und dazu noch humoriger Beitrag! Ich resümiere dabei: Nur weil die bürgerliche Demokratie so unglaublich viel mehr Vorteiliges hat - gegenüber dem untergegangenen DDR-Modell - hält sie viel Nachteiliges aus - viel mehr, als es die DDR ausgehalten hätte. Es gibt dabei nur einen Unterschied: Die Nachteile der DDR haben fast alle zu ertragen gehabt. Dies sieht in der bürgerlichen Demokratie ganz anders aus.
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von ameland ameland ist gerade offline | 20.12.2007 9:13 Uhr
Sorry, jetzt habe ich den Faden wieder.
Gute Köpfe und die Medien bringen Mängel an den Tag. Oft sind es unglaubliche Mängel. Aber nur ein ganz geringer Teil schafft es bis zum Krisengipfel an den Tisch der/des Bundeskanzler/in. Das meiste wird in Tages-, spätestens Wochenfrist von den nächsten Negativ-Schlagzeilen überrollt. Und die Nutznießer der aufgedeckten Mängel können weitermachen, da die Energie der Nutznießer nur allzu oft die Kraft der Reformwilligen übersteigt. So sind schon Weltmachten in Bedeutungslosigkeit versunken.
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von flipper flipper ist gerade offline | 20.12.2007 9:48 Uhr
Zu spät lieber Tsp.
Auch der Tsp. hat die Verlautbarungen derjenigen, die am Bankrott des umlagefinanzierten Rentenversicherungssystems eifrig verdienen, über Jahre meist unkommentiert nachgeplappert. Die Position von Prof. Bosbach ist seit langem bekannt und wird von Fachleuten aus Wissenschaft und Politik immer wieder vertreten. Leider bisher weitgehend unerhört. Bild, ZDF und Co. geben sich nur wenig Mühe die Werbekampagnen für die Riesterrente als redaktionelle Beiträge zu verschleiern. Nunmehr ist die herbei geredete Krise der gesetzlichen Rentenversicherung als sich selbst erfüllende Prophezeiung aufgrund unnötiger und unverschämter Leistungskürzungen tatsächlich beim Rentenbezieher angekommen, der um seinen verdienten Ruhestand betrogen wird. Niemand kann so mehr an eine sichere Rente glauben. An der Unsicherheit verdienen jedoch die Kapitaldienstleister ganz prima, weshalb der Sozialabbau nicht mehr zu bremsen sein wird.
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von besorgtervater besorgtervater ist gerade offline | 20.12.2007 10:09 Uhr
Ich denke Prof Bosbach verharmlost...
weil er vergisst, dass die Kosten eine alten Menschen eben deutlich höher sind als die eines Kindes. So fallen über ein Drittel aller Krankheitskosten in den letzten Lebensjahren an, Pflegekosten fallen ebenfalls nur im Alter an und eine durchschnittliche Rente ist eben auch ein mehrfaches des Kindergeldes. Ich denke, dass das jeder Bürger bereits heute in seinem persönlichen Portemonnaie spürt; schliesslich zahlen wir zusätzlich zu den Rentenversicherungsbeiträgen knapp 80 Mrd Euro über unsere Steuern in die Rentenversicherungen ein und bei Kranken- und Pflegeversicherungen sind die nächsten Defizite und/oder Leistungskürzungen doch absehbar.
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von timchen timchen ist gerade offline | 20.12.2007 11:40 Uhr
@besorgtervater
"...allen über ein Drittel aller Krankheitskosten in den letzten Lebensjahren an" - ja, und manch einer zahlt sein Leben lang Krankenversicherung und wird nie krank!

Im Beitrag geht es um die Rente, Sie vermischen hier verschiedene Systeme...
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von besorgtervater besorgtervater ist gerade offline | 20.12.2007 13:08 Uhr
@timchen
Die Überschrift des Artikels lautet zwar "Rentenkomplott", nichtsdestotrotz geht es inhaltlich um Altenquotienten, Gesamtquotienten und "Versorgungslasten". Dazu gehört neben der Renten- auch die Pflege- und die Krankenversicherung, was viele vergessen.

Ein weiteres: Prof. Bosbach spricht davon, dass der steigende Altenquotient teilweise durch einen sinkenden Kinderquotienten kompensiert werden. Von dieser Entlastung profitieren aber nicht alle gleichmäßig, bzw. Familien mit Kindern überhaupt nicht. Insofern wäre es doch gerecht, wenn die nächsten Erhöhungen bei den Renten-, der Kranken- und der Pflegeversicherung allein den Kinderlosen aufgebürdet werden. Was halten Sie davon?
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von beckma beckma ist gerade offline | 20.12.2007 14:09 Uhr
Gegeneinander
Wenn die Daten jemandem nicht passen, wird durch Themenerweiterung abgelenkt.
Korrekterweise steht in Ihrer 1. Mail, dass "über ein Drittel aller Krankheitskosten in den letzten Lebensjahren an(fallen), ..." und zwar ganz unabhängig vom Alter! Das "Spielchen" Gesunde gegen Kranke ist doch ein sehr beliebt - wo bleibt ihr passender Beitrag.
Comment
von beckma beckma ist gerade offline | 20.12.2007 14:11 Uhr
Gegeneinander
Wenn die Daten jemandem nicht passen, wird durch Themenerweiterung abgelenkt.
Korrekterweise steht in Ihrer 1. Mail, dass "über ein Drittel aller Krankheitskosten in den letzten Lebensjahren an(fallen), ..." und zwar ganz unabhängig vom Alter! Das "Spielchen" Gesunde gegen Kranke ist doch ein sehr beliebt - wo bleibt ihr passender Beitrag.
Comment
von beckma beckma ist gerade offline | 20.12.2007 14:33 Uhr
Gegeneinander
Wenn die Daten jemandem nicht passen, wird durch Themenerweiterung abgelenkt.
Korrekterweise steht in Ihrer 1. Mail, dass "über ein Drittel aller Krankheitskosten in den letzten Lebensjahren an(fallen), ..." und zwar ganz unabhängig vom Alter! Das "Spielchen" Gesunde gegen Kranke ist doch ein sehr beliebt - wo bleibt ihr passender Beitrag.
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von timchen timchen ist gerade offline | 20.12.2007 14:08 Uhr
@besorgtervater
es geht um die Frage: wer organisiert in Zukunft die Versorgung der Nicht-Erwerbstätigen (Junge+Alte): der Staat, mit Verwaltungskosten bei 2% der Beiträge, oder private Versicherungs-/Finanzkonzerne, mit Verwaltungskosten jenseites von 10% (und höheren Risiken)?

Das sind die Interessen, die Bosbach andeutet und die ich in meinem 1. Kommentar benannt habe
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von besorgtervater besorgtervater ist gerade offline | 20.12.2007 15:13 Uhr
keineswegs Themenerweiterung
@Beckma

Bosbach blendet die wirtschaftlichen Aspekte der Alterung total aus.

Wir sitzen alle in einem Boot und müssen versuchen, die Alterskosten solidarisch zu verteilen.

Im Nachhinein müssen wir aber feststellen, dass jemand, der in den 60er bis 80er Jahren in unsere Sozialsysteme eingezahlt hat, von der damaligen günstigen demographischen Struktur profitiert hat. Damals hätten alle Sozialsysteme Reserven für die absehbaren Belastungen bilden müssen! Dies ist leider nicht geschehen und zusätzlich erben unsere Kinder Schulden.

Aber: Was können unsere Kinder dafür? Ist es fair, Ihnen den größten Teil der Produktivitätsgewinne, die Prof. Bosbach so selbstverständnlich von den Jungen erwartet, über immer höhere Steuern und Sozialabgaben abzunehmen?

Es gibt ja heute kaum noch Grossfamilien, weil ein Vater Frau und Kinder von seinem Netto nicht mehr ernähren kann - ,und dies hängt mit der Ausgestaltung unserer Sozialsysteme zusammen.
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von cosmoberlin cosmoberlin ist gerade offline | 20.12.2007 17:19 Uhr
mal davon abgesehen....
.... mal davon abgesehen, rechnet der riesencomputer in douglas adams "per anhalter durch die galaxis" nicht einige monate, sondern einige millionen jahre, bis er auf die zahl "42" kommt. zwischenzeichtlich hat sich um den herumrechnenden computer sogar so etwas wie ein religiöser kult entwickelt :)
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von michaelm michaelm ist gerade offline | 20.12.2007 18:20 Uhr
Hervorragend
Bosbachs Text ist hervorragend und läßt aus dem Lügengebäude, mit dem Sozialabbau und Verlagerung der Alterssicherung zur Privatwirtschaft begründet sind, die Luft heraus. Es ist doch kein Zufall, daß Herr Riester heute teuer bezahlte Vorträge für Banken, Versicherungen +Vermittlerfirmen hält.
Eine Ergänzung, von einem "unverdächtigen Politiker", nämlich Norbert Blüm. Der sagte in einer Diskussion sinngemäß: Wenn man immer mit der Alterspyramide argumentiert, würde das für die Landwirtschaft folgendes heißen:
Vor 200 Jahren konnte ein Bauer 12 Personen ernähren, heute muß er mehr als 2000 Personen ernähren - deswegen sind in allen Industriestaaten Lebensmittelknappheiten und Hungersnöte ausgebrochen, oder?
Sind sie natürlich nicht, und zwar deswegen, weil die Steigerung der Produktivität bei der gesamten Argumentation völlig unterschlagen wird.
Sehr informativ dazu Bücher von Prof. Butterwegge: "Kritik des Neoliberalismus" und "Krise und Zukunft des Sozialstaates".
Comment
von eban eban ist gerade offline | 20.12.2007 20:24 Uhr
@besorgtervater18:08:03
Der Beitrag ist eine glatte Unverschämtheit! Sollen Menschen, die sich immer ein Kind gewünscht haben, es aber nicht bekommen konnten, nun auch noch bestraft werden?, höhere Strafzahlungen für die Rentenversicherung, die Pflegeversicherung, Krankenversicherung...wie wäre es denn mit einer Strafsteuer für Kinderlose, haben sie doch ihre Pflicht dem Staat gegenüber nicht erfüllt. Ich kann garnicht sagen, wie widerlich ich eine solche Meinung finde, aber bitte, tanzen Sie auf dem Unglück der ungewollt Kinderlosen!
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von wilhelm wilhelm ist gerade offline | 20.12.2007 22:35 Uhr
Generalkomplott
Man wird sich wohl langsam daran gewöhnen müssen, dass wir von den Eliten in Politik und Wirtschaft grundsätzlich belogen werden (es sei denn, Interessen und Wahrheit stimmen überein) oder dass die entscheidenden Politiker nur unzureichendes (oder gar kein) Wissen über die Gegenstände ihrer Äußerungen und Entscheidungen haben. Die Schlaumeier unter den Kommentatoren mögen mich bitte verschonen. Abwiegler, alles sei doch nicht so schlimm, den Vorwurf von Verfolgungswahn, Übertreibung usw. usf. das hatten wir schon mal in unserer Geschichte.
Comment
von wilhelm wilhelm ist gerade offline | 20.12.2007 23:13 Uhr
Ein Wort an die Gerechten
Die Kinder der Anderen zahlen unsere Rente. Dieses dumme Geschwätz hören wir uns als kinderloses Paar nun schon seit vielen Jahren an. Dass wir jahrzehntelang Kindergarten, Schule und Studium der Kinder der Anderen mitfinanzieren, dass wir höhere Steuern zahlen, dass wir uns anhören müssen, den Sinn des Lebens verpasst zu haben, dass meine Frau als “gar keine richtige Frau” beschimpft wird …

Die größte Erfindung der Menschheit ist die Trennung von Sexualität und Fortpflanzung.
Comment
von besorgtervater besorgtervater ist gerade offline | 21.12.2007 9:34 Uhr
@eban und wilhelm
Es liegt mir fern, Kinderlose und oder ungewollt Kinderlose zu beschimpfen; und Sie können aus meinen Beiträgen auch keine Beschimpfung herauslesen. Trotzdem ist es doch so, dass ein wesentlicher Beitrag für die langfristige Sicherung unserer Sozialsysteme in der Erziehung und Ausbildung von Kindern besteht. Auch ungewollt Kinderlose leisten diesen Beitrag nicht, bzw. können ihn nicht leisten. Insofern ist es nur gerecht, die Sozialsysteme hier umzubauen.

Beispiel: Ehepaar, keine Kinder, Doppelverdiener; zahlt zweimal Beiträge in die Rentenversicherung.

Daneben Ehepaar, zwei Kinder, zahlt in ca. 6 Jahren nur einen Beitrag in die Rentenversicherung.

Diese zwei Kinder müssen in Zukunft also die Rente von vier Erwachsenen erwirtschaften.

Die Rente, die das kinderlose Paar aus den obigen 6 Jahren erzielt, ist wesentlich höher als die Rente, die die Eltern der beiden Kinder aus den 6 Jahren erzielen.

Ist das gerecht gegenüber der Mutter und den Kindern?
Comment
von hoetzendorfer hoetzendorfer ist gerade offline | 21.12.2007 11:13 Uhr
Seltsame Rechnung
Die Berechnungen sind seltsam. Kinder können gar nicht in den Versorgungsquotienten aufgenommen werden, weil sie nicht von der Gesellschaft, sondern von den Eltern versorgt werden.
Würden Kinder durch ein Versorgungssystem wie Senioren versorgt, wären die Kosten schon heute fast doppelt so hoch. Dass gerade Kinder aus dem Generationenvertrag ausgeschlossen sind - ein Relikt Bismarckscher Sozialpolitik - führt ja gerade zu der Armut von und an Kindern.
Dass die Arbeitenden sich selbst versorgen ist trivial. Ihr Einkommen stellt aber 100Prozent des Einkommens der Beitragszahler dar. Wenn dieser Kuchen anders verteilt wird, wird er nicht größer, wie Herr Bosbach vorrechnet. Die Bezugsgröße der Zunahme ist 100 und nicht 161. Damit steigt - nach seinem Modell - die seltsame Rechnung der versorgten um 23% bezogen auf die Zahl der versorgenden.
Vielleicht ist der Artikel bewusst provokant und als Scherzartikel zu verstehen. Dann bedanke ich mich für diese gelungene Satire.
Comment
von wilhelm wilhelm ist gerade offline | 21.12.2007 17:14 Uhr
Besorgtervater
Ihr Beitrag ist die vollkommene Bestätigung eines Teils meiner obigen Bemerkungen (Ein Wort an die Gerechten). Durch die Beschränkung auf ein einziges Detail lässt sich leicht zeigen, dass Kinderlose im Grunde Asoziale sind. Gut, das wird so nicht gesagt, aber Ihre Ausführungen zu Ende gedacht - und genau das kommt heraus. Sie sind da allerdings in guter Gesellschaft. Die Politik macht uns Tag für Tag ähnliche Milchmädchenrechnungen auf. Ich bin schon zufrieden, wenn anerkannt wird, dass niemand gezwungen wird, Kinder in die Welt zu setzten.

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