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PORTRÄT: KATHARINA SAALFRANK, SPD-WAHLKÄMPFERIN:

„Ich bin ja kein Kommissar, der Fälle löst“

Die SPD bekommt Wahlkampfhilfe von der "Super Nanny". Ist die deutsche Sozialdemokratie ein schwer erziehbarer Fall geworden?
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Foto: ddp
Nun ist offenbar auch die deutsche Sozialdemokratie ein schwer erziehbarer Fall geworden. Anders lässt sich diese Meldung vom Wochenende auf den ersten Blick nicht deuten: Die SPD bekommt Wahlkampfhilfe von „Super Nanny“ Katharina Saalfrank. Mit der Quotenfrau von RTL, die via Privatfernsehen Familien in Erziehungsfragen berät, will Generalsekretär Hubertus Heil bis Ende Juli insgesamt acht Mal gemeinsam auftreten, unter anderem in Kindergärten und Schulen. Beide wollen die Kampagne am heutigen Montag in Berlin vorstellen. Heil und die „Super Nanny“ laden dabei zu öffentlichen Diskussionen über Bildung und Erziehung ein. Beginnen wird die Tour im nordrhein-westfälischen Velbert. „Wir freuen uns, dass uns Katia Saalfrank unterstützt“, soll Heil der „Bild“-Zeitung gesagt haben. „Sie ist eine sehr kluge Gesprächspartnerin mit sehr viel Einfühlungsvermögen für die Probleme von Kindern und Eltern. Deshalb ist sie für uns eine kluge Ratgeberin.“

So weit, so gut. Prominente Wahlhelfer haben bei der SPD ja Tradition. Warum nicht auch mit einer Diplom-Pädagogin, Musiktherapeutin und Fernsehpreis-Gewinnerin, die wegen ihrer BeinaheTrash-TV-Coachingshow zwar gern als Domina der Kindererziehung kritisiert wird, aber immer wieder in Polit-Talks zu schwerwiegenden gesellschaftlichen Themen Stellung nehmen darf, zu Killerspielen, Amokläufen oder großer Familienpolitik. Und die seit 2004 Mittwoch für Mittwoch von vier Millionen Zuschauern gesehen wird (wenn nicht gerade Sommerpause ist). Die so bekannt ist, dass sie auf der Straße von Eltern und Kindern um Hilfe angesprochen wird. Die brav sagt: „Ich bin ja kein Kommissar, der Fälle löst.“

Für den Fall SPD kann solch volksnahe Unterstützung nur willkommen sein, um die familienpolitischen Ziele der Sozis in der Öffentlichkeit zu verdeutlichen. Mit Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen hat die Union auf dem Themenfeld viele Akzente gesetzt. Wenn es wohl auch nicht mehr zur Ministerin reichen wird – Katharina Saalfrank, 37, unterstützt seit längerem die SPD. Kein ganz so großes Wunder, bei dem biografischen Hintergrund: Älteste von fünf Geschwistern, Vater Pfarrer, Mutter Lehrerin. Ließe man Fernsehzuschauer den Bundespräsidenten wählen, liefe es auf Günther Jauch heraus, heißt es öfters. Die in Berlin lebende vierfache Mutter käme da nicht sehr weit dahinter. Markus Ehrenberg



(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 06.07.2009)
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Comment
von eliza eliza ist gerade offline | 6.7.2009 13:42 Uhr
Herr Markus Ehrenberg analysiert
die SPD-Unterstützer. Vater Pfarrer, Mutter Lehrerin, Frau Gutfrank, äh Saalfrank, selbst ähnlicher Beruf. Alles klar, bei dem "biografischen Hintergrund". Unser Pfarrer wählt CDU, meine Freundin, Lehrerin, die Grünen und die andere Freundin - in Bayern - wählt CSU. Alles klar, bei den biografischen Hintergründen.
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von david49 david49 ist gerade offline | 7.7.2009 7:51 Uhr
Westentaschensoziologe
Bestechend, wie sich Herr Ehrenberg als "Kenner" der politischen Landschaft ("Mit Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen hat die Union auf dem Themenfeld viele Akzente gesetzt. Wenn es wohl auch nicht mehr zur Ministerin reichen wird")mit Vorausahnungsfähigkeiten, auskennt.
Aber, ganz großes Kabarett ist in der Tat die Aussage, dass bei "dem biografischen Hintergrund" die SPD-Unterstützung von Frau Saalfrank eigentlich schon zwingend sei.
Wie sagte doch Hans-Dieter Hüsch:
"Zeige mir Deine Eltern, und ich sage Dir, wer Dein Vater ist!"
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von dietmarbrach dietmarbrach ist gerade offline | 28.7.2009 22:45 Uhr
Die Nanny der SPD
Schon toll, wenn man die Super-Nanny bei SPD Wahlkampfveranstaltungen erlebt. Die Herren Müntefering und Steinbrück sollten da einmal genau hinhören. In einer Veranstaltung in Saarbrücken erklärte die Sozialpädagogin das es neben einer physischen auch eine psychische Gewalt gibt. Beide sind in der Erziehung völlig wirkungslos sondern kontraproduktiv. Vielleicht sollte die SPD einmal überprüfen, wieviel psychische Gewalt in Form von Druck, Existensängsten und Sanktionen ausgeübt wird, um Hartz IV Betroffene zu funktionierenden Billiglöhnern umzuerziehen.
Eigentlich müsste Frau Saalfrank die Genossen auf die stille Treppe schicken, aber das macht spätestens am 27. September der Wähler

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