Berlins neue Superuniversität für die Spitzenforschung soll exzellente Bereiche der drei großen Berliner Universitäten vereinen. Das klingt wie eine gute Idee. Trotzdem gibt es Risiken.
Berlin soll eine neue Eliteuniversität bekommen – mag der Wissenschaftssenator diesen Begriff auch vermeiden, sein gerade vorgestellter Masterplan lässt kaum einen anderen Eindruck zu. Denn geplant ist nichts anderes, als exzellente Forschungsbereiche der Universitäten und außeruniversitären Institute in einer neuen Institution zusammenzuschließen. Diese soll mehr als nur ein virtueller Campus werden, sie soll „handlungsfähig“ sein. Das ist aber nur, wer ein eigenes Budget hat und von einer handlungsfähigen Leitung gesteuert wird. Weil hier auch Doktoranden ausgebildet werden sollen, kann man von einer neuen Forschungsuniversität sprechen.
Das scheint auf den ersten Blick eine gute Idee zu sein. Natürlich muss Berlin die Besten aus der ganzen Welt anziehen. Bestimmt lassen sich auch noch mehr Synergien bilden. Und wird nicht exzellente Forschung an den Massenuniversitäten bislang zu oft von der Lehre erdrückt? Professoren, die in den Olymp der neuen Eliteuni einziehen könnten, wären diese Sorge einfach los.
Trotzdem gibt es Risiken. Denn ernährt werden soll die Superuni mit den Filetstücken der drei Berliner Universitäten: Die besten Forscher und Doktoranden würden dort forschen. An FU, TU und HU könnte bleiben, was glanzlos erscheint. Damit würden diese Unis aber entwertet – gerade jetzt, da zwei von ihnen die Chance haben, im Bund-Länder-Wettbewerb Eliteuni zu werden. Zudem könnte die Superuni die besten Forscher von der Lehre im Bachelor und Master abschneiden. So würde das neue Gebilde dazu beitragen, einen lange bekannten Mangel des deutschen Wissenschaftssystems zu vertiefen: Die Trennung von Spitzenforschung und Lehre. Am besten werden Talente gefördert, wenn sie schon vom ersten Semester an auf die interessantesten Professoren treffen. Die erfolgreichsten Wissenschaftler forschen in Deutschland aber meist in außeruniversitären Instituten – die keine Studierenden ausbilden. Schickt man nun auch noch die besten Professoren in den Olymp, würde die Wissenschaft den Ast absägen, auf dem sie sitzt: den Nachwuchs. Hoffentlich bedenkt der Senator das.
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Er sollte den Wettbewerb unter den bestehenden Universitäten fördern, indem er die finanzielle Entscheidungsmacht seiner Verwaltung beschneidet zu Gunsten der Eigenverantwortung der Universitäten. Der Erfolg der Max-Planck-Institute, der Fraunhofer-Institute, etc., liegt nicht in der Ferne von der Lehre begründet, sondern in der Ferne von provinzieller Gängelung.
Bei der Föderalismusreform feierte die deutsche Kleinstaaterei fröhliche Wiederauferstehung: Universitäten als hoheitliche Spielwiesen.
Forschungsuniversitäten erwerben und behalten ihren Ruf in der globalen wissenschaftlichen Gemeinde durch eigene finanzielle Fundamente, durch eigene Auswahl von Studierenden und Forschern, nicht durch Einfälle, aus drei guten Restaurants eine Großküche zu bilden.