[Kommentare: 2]

Hochschulpolitik

Eine Superuni für Berlin - alles super?

Berlins neue Superuniversität für die Spitzenforschung soll exzellente Bereiche der drei großen Berliner Universitäten vereinen. Das klingt wie eine gute Idee. Trotzdem gibt es Risiken.
Anzeige
Bild vergrößern
Berlin soll eine neue Eliteuniversität bekommen – mag der Wissenschaftssenator diesen Begriff auch vermeiden, sein gerade vorgestellter Masterplan lässt kaum einen anderen Eindruck zu. Denn geplant ist nichts anderes, als exzellente Forschungsbereiche der Universitäten und außeruniversitären Institute in einer neuen Institution zusammenzuschließen. Diese soll mehr als nur ein virtueller Campus werden, sie soll „handlungsfähig“ sein. Das ist aber nur, wer ein eigenes Budget hat und von einer handlungsfähigen Leitung gesteuert wird. Weil hier auch Doktoranden ausgebildet werden sollen, kann man von einer neuen Forschungsuniversität sprechen.

Das scheint auf den ersten Blick eine gute Idee zu sein. Natürlich muss Berlin die Besten aus der ganzen Welt anziehen. Bestimmt lassen sich auch noch mehr Synergien bilden. Und wird nicht exzellente Forschung an den Massenuniversitäten bislang zu oft von der Lehre erdrückt? Professoren, die in den Olymp der neuen Eliteuni einziehen könnten, wären diese Sorge einfach los.

Trotzdem gibt es Risiken. Denn ernährt werden soll die Superuni mit den Filetstücken der drei Berliner Universitäten: Die besten Forscher und Doktoranden würden dort forschen. An FU, TU und HU könnte bleiben, was glanzlos erscheint. Damit würden diese Unis aber entwertet – gerade jetzt, da zwei von ihnen die Chance haben, im Bund-Länder-Wettbewerb Eliteuni zu werden. Zudem könnte die Superuni die besten Forscher von der Lehre im Bachelor und Master abschneiden. So würde das neue Gebilde dazu beitragen, einen lange bekannten Mangel des deutschen Wissenschaftssystems zu vertiefen: Die Trennung von Spitzenforschung und Lehre. Am besten werden Talente gefördert, wenn sie schon vom ersten Semester an auf die interessantesten Professoren treffen. Die erfolgreichsten Wissenschaftler forschen in Deutschland aber meist in außeruniversitären Instituten – die keine Studierenden ausbilden. Schickt man nun auch noch die besten Professoren in den Olymp, würde die Wissenschaft den Ast absägen, auf dem sie sitzt: den Nachwuchs. Hoffentlich bedenkt der Senator das.
Sie interessieren sich für dieses Thema und wollen keinen Artikel im Tagesspiegel dazu verpassen? » Informieren | » Login

Aus anderen Ressorts

Israel:

Wer ist Benjamin Netanjahu?
Er verliert an Zustimmung, hat aber die Macht. Was er will, weiß niemand genau. Klar scheint aber, dass er Obama misstraut. Doch es heißt, dass er ihn Anfang der Woche trifft.

Flughafen Tegel:

Alle Poker-Räuber gefasst
UPDATE Zwei Wochen nach dem Überfall auf ein Pokerturnier in Berlin ist auch der letzte der vier Tatverdächtigen gefasst worden. Jihad C. wurde gegen 19 Uhr am Flughafen Tegel festgenommen.

Kommentare [ 2 ] Kommentar hinzufügen »

Comment
von horsthueske horsthueske ist gerade offline | 27.6.2007 10:19 Uhr
Mit der Kettensäge
Der Systemanalytiker Zöllner zaubert sich eine neue politische Spielwiese herbei.
Er sollte den Wettbewerb unter den bestehenden Universitäten fördern, indem er die finanzielle Entscheidungsmacht seiner Verwaltung beschneidet zu Gunsten der Eigenverantwortung der Universitäten. Der Erfolg der Max-Planck-Institute, der Fraunhofer-Institute, etc., liegt nicht in der Ferne von der Lehre begründet, sondern in der Ferne von provinzieller Gängelung.
Bei der Föderalismusreform feierte die deutsche Kleinstaaterei fröhliche Wiederauferstehung: Universitäten als hoheitliche Spielwiesen.
Forschungsuniversitäten erwerben und behalten ihren Ruf in der globalen wissenschaftlichen Gemeinde durch eigene finanzielle Fundamente, durch eigene Auswahl von Studierenden und Forschern, nicht durch Einfälle, aus drei guten Restaurants eine Großküche zu bilden.
Comment
von bruno.h bruno.h ist gerade offline | 28.6.2007 18:04 Uhr
Berlin hat Superunis
Berlin hat doch tolle Unis, was die Studentenzahlen belegen: TU, HU, FU - dazu viele Fachhochschulen und private Hochschulen. Was will man mehr?

Kommentar hinzufügen Neue Community-Funktionen Richtlinien


Sie können noch Zeichen schreiben.
Kommentare werden nicht sofort angezeigt. Beachten Sie hierzu unsere Richtlinien.

Um diesen Beitrag absenden zu können, müssen Sie eingeloggt sein.

Benutzername  
Passwort  
     
Sie haben noch keinen eigenen Account? Dann bitte
Geben Sie bitte folgende Daten ein, um sich zu registrieren und Ihren Kommentar zu speichern.
Wir garantieren Ihnen, dass alle persönlichen Daten nur beim Verlag intern verwendet, und nicht ohne Ihre Zustimmung an Dritte weitergegeben werden!

gewünschter Benutzername:
gewünschtes Passwort:
Wiederholung Passwort:
Email:


Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:
Wie viel ist 10 - 2 = 


Anzeige
Weitere Themen

Klar und doch nicht klar genug Lesezeichen hinzufügen

Von Paul Kreiner
In seinem Hirtenbrief geht Benedikt XVI. das derzeit brennendste Kirchenthema ... mehr...

Die 68er haben sich geirrt Lesezeichen hinzufügen

Von Harald Martenstein
Ein paar Tabus möchten die meisten von uns eben doch behalten, zum Beispiel das ... mehr...

Mein Geld gehört mir Lesezeichen hinzufügen

Von Gerd Appenzeller
Grundsätzlich bleibt richtig, dass weniger Steuern besser ist als mehr Steuern mehr...

Tagesgeschäftler Lesezeichen hinzufügen

Von Moritz Schuller
Der schwarz-gelbe Papst: Horst Köhler sollte sich nicht in die Tagesspolitik ... mehr...

Mörderische Einkindpolitik Lesezeichen hinzufügen

Von Gunnar Heinsohn
Die Chinesen töten ihren weiblichen Nachwuchs: Was wird aus den 17 Millionen ... mehr...
Fotostrecken

Tierbabys (74 Bilder)

Nikolaikirche (9 Bilder)

Generaldebatte im Bundestag (22 Bilder)

Simulationen zur Museumsinsel (4 Bilder)

Gefährliche Hunde (9 Bilder)

Paralympics-Fotoreportage (22 Bilder)
Gewalttätige Biker
» ERGEBNIS ANSEHEN