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Die öffentliche, nicht ganz so stille Trauer

Früher hatte die Trauer ihre eigene Würde. Im Zuge der seit Lady Dis Tod normal gewordenen Eventtrauer – Blumen, Kerzen, Teddybären – ist sie verramscht und insbesondere von den Zynikern des Privatfernsehens vereinnahmt worden.
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Michael Jürgs - Foto: ddp
Zum Star, zum ewig leuchtenden Stern am Himmel der nie mehr zu Vergessenden, wurde Robert Enke erst, als er tot war. Seitdem gehört er allen. Im Leben hat er stets darauf geachtet, nicht abzuheben, und anbiedernde Nähe der Fans hat er versucht zu verhindern wie gegnerische Tore, was seinem Beruf entsprach. Der Bürger Enke hätte sich zu Tode geschämt dafür, dass seine Ängste, seine Depressionen, sein Innerstes zum Allgemeingut wurden, als handle es sich bei ihm um eine Art Lady Di, einen Michael Jackson.

Dass ausgerechnet der unauffällige Handwerker Enke, dem Spektakuläres fremd und Show zuwider war, im Tode Starruhm errang, ist jedoch erklärbar. Weil er im Glauben der ihn betrauernden Massen so war, wie sie glauben, auch zu sein, weshalb sie sich bei entsprechenden Anlässen lieber in kollektive Gefühle – Freude , Trauer, Empörung – stürzen, statt eigene zu begreifen, wurde sein einsamer Tod zum öffentlichen Event.

Die Entscheidung des Kranken, sich nicht mehr dem Leben und stattdessen auf die Schienen zu stellen, ist deshalb ein Fall fürs große Publikum geworden, das solche Gelegenheiten benutzt, um mit seinem alltäglichen Leben nicht kompatible Emotionen loszuwerden. Es sei, sagte ein Ordner bei der Trauerfeier im Stadion in Hannover, als ob Bayern München als Gast zu einem Bundesligaspiel antreten würde. Eine Quote von knapp sieben Millionen Zuschauern außerhalb des Stadions erreicht aber keine Sportschau.

Für den finanzstarken Werbepartner des mittelmäßigen niedersächsischen Bundesligaklubs war die Trauerfeier zwar ruf- aber nicht geschäftsschädigend. Obwohl aus Pietät alle Reklamebanner verhängt worden waren, blieb der Spruch des Hauptsponsors deutlich sichtbar hängen. „Mehr Siege – mehr Tore – mehr Netto“. Nun soll man von einem Finanzdienstleister nicht erwarten, dass er sensibel und dennoch erfolgreich ist, also spontan zum Beispiel verkündet hätte, ab sofort heiße die Arena im Gedenken an den verlorenen Sohn „Robert-Enke-Stadion“. So tief geht die Trauer nun wieder nicht. Etwas Besseres als einen Tod wie den auf Schienen findet man unter Marketinggesichtspunkten nirgendwo.

Früher hatte die Trauer ihre eigene Würde. Im Zuge der seit Lady Dis Tod normal gewordenen Eventtrauer – Blumen, Kerzen, Teddybären – ist sie verramscht und insbesondere von den Zynikern des Privatfernsehens vereinnahmt worden. Heute umarmen sich weinend Menschen, vor einem bei RTL oder Sat 1 versendeten Tatort, stellen Kerzen auf, legen Blumen hin und eilen dann sofort nach Hause, um sich bei der nächsten Übertragung von ebenjenen Sendern auf dem Bildschirm weinen zu sehen. Dann warten sie auf eine SMS auf ihrem Handy mit der erfreulichen Botschaft, habe dich gerade im Fernsehen weinen sehen. Auf Youtube in alle Ewigkeit anklickbar bleibt die Trauer nie mehr still.

Just an dem Tag, als die Feier für Enke zelebriert wurde, als offenbar das ganze Volk um ihn trauerte, legten Politiker Kränze nieder zum Gedenken an die Opfer der Kriege und der Gewaltherrschaft. Dieser Volkstrauertag aber bewegt immer weniger Menschen, weil viele schon tot sind, die sich an diese Toten noch erinnern können. Die bürgerliche Tradition, still zu trauern oder die Trauer der anderen schweigend zu achten, wird inzwischen bei jedem populären versendbaren Toten beerdigt.

Die Vereinnahmung des Todes via TV, Internet, Twitter – was zuletzt beim Tode von Michael Jackson weltweit zum Kollaps im World Wide Web führte – bis in die letzten verborgenen Winkel des Privatlebens (Tote schicken keine Gegendarstellungen mehr, ziehen nicht mehr vor Gerichte), hat sich über Jahre entwickelt. In Deutschland begann es vor 25 Jahren, als das private Fernsehen auf Sendung ging und sich öffentlich-rechtliche Anstalten den skrupellosen Jägern anpassend anschlossen. Vergleichbar mit den Sekundärtugenden Ordnung, Disziplin, Pünktlichkeit gibt es seitdem Sekundärgefühle, die nicht mehr eigens erlebt werden müssen, sondern in Realityshows vorgestellt und im Bedarfsfall von den Zielgruppen nachgestellt werden.

Die Gier nach dem Kick von Emotionen, die für Momente einem eher durchschnittlichen Alltag morbide Einmaligkeit verleihen, war schon Stunden nach der Eilmeldung von Enkes Tod in Form von gemalten Herzen und Schmerzen sichtbar. Prototypisch, eine für alle, war jene verweinte Jungblondine, die hinter einem live den Tod schildernden Reporter unruhig so lange hin- und herrückte, bis sie in der besten Position war, um ihre Binsenweisheit kameragerecht hochzuhalten, nach der diejenigen nur wirklich tot sind, die vergessen werden.

Es gibt sogar Reisende in Sachen Betroffenheit. Sie haben Lebenssinn im Tod ihnen Unbekannter gefunden und scheuen keinen noch so weiten Weg für ihre Mission. Ein selbst ernannter Botschafter des Todes hat dafür auf ein Stück Pappe ein einziges Wort geschrieben – das Wort „Warum“? Diese Frage ist nicht nur gültig für alle Fälle des Lebens, sondern besonders für jene, die wie im Fall Enke tödlich verlaufen sind. Antworten erwartet niemand von ihm.

Meist stellt er sich neben Lichterkettchen oder Blumengebinde vor die polizeilichen Absperrungen als eine Art stummer Schrei. Bei einem besonders blutigen Anlass wie dem nach dem Amoklauf in Winnenden hält er eine verschärfte Variante in die Kameras, konfrontiert eine höhere Instanz mit der Frage: Wo warst du, Gott?

Wo wird ER wohl gewesen sein?

Vielleicht war er gerade in Darfur oder im Irak oder in Afghanistan oder im Gazastreifen. Mag sein, dass er die bei solchen Ereignissen automatisch einsetzenden Symbole der Fassungslosigkeit – Kerzen, Teddybären, Blumen – einfach nicht mehr ertragen kann. Auch Gott hat eine empfindsame Seele. Die veröffentlichte Betroffenheit hat aus der privaten Kultur des Trauerns ein öffentliches Ereignis gemacht. Was einst niemanden etwas anging, geht heute auch alle die etwas an, die es nicht betrifft.

An die Lokführer und Feuerwehrleute und Polizisten, die sich unbeweint von der Öffentlichkeit die Frage stellen, warum ausgerechnet sie Dienst hatten, als sich der Torwart zu sterben entschloss, dachte bei der Trauerfeier des kollektiven Abschiednehmens von einem eher ihnen Unbekannten, den man aber dank „Bild“ und TV schon besser zu kennen glaubte als die jeweiligen Lebenspartner, in seiner Rede Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff. Das ehrt ihn. Weil er nicht jene vergaß, die durch Enkes Tod ebenso Leidtragende geworden waren.

Die Gedenkfeier für Enke hat die zynische Erfolgsformel aller ihrer Sendung Bewussten auf allen nur denkbaren Kanälen bestätigt: Tote bringen Quote. Sie müssen allerdings einigermaßen prominent sein, Tragik sollte nicht fehlen (Selbstmord, Unfall, Krankheit), auch das richtige junge Alter ist ein quotefördernder Faktor. Falls Johannes Heesters mal in den ewigen Jagdgründen des Maxims singt, wäre das angesichts seines jetzt schon biblischen Alters nicht so prickelnd. Wenn Prominente ihr Privatleben schützen wollen vor gierigen Sekundärgefühlen der Masse, sollten sie also besser am Leben bleiben. Sonst können sie sich nicht mehr wehren gegen die Vereinnahmung. Die ist, wie auch die Seuche Depression, eine immer wieder abrupt ausbrechende Volkskrankheit, eine kollektive Sehnsucht nach Gefühlen, die man mit und in der Masse teilen kann und sich gleichzeitig von ihr sogar noch getröstet fühlen darf.

Ist das so neu und wieder mal ein Beweis dafür, das Abendland sei eh nicht mehr zu retten? Nein, neu ist nur, dass auch alle, die lieber zu Hause bleiben, daran teilhaben können. Egal nun, ob sie im übertragenen Todeskampf des Papstes dabei sind und live dem ihn erlösenden Tod entgegenfiebern wie dem Schlusspfiff in einem Match des Lebens, oder ob sie sich in einem unheldenhaften Menschen wie dem Torwart von Hannover 96 wiedererkennen. Sein Tod stand ihnen besonders gut zu Gesicht, weil Enke eben kein abgehobener Star war, bis ihn sein Tod dazu erhob. Deshalb traf ihn sein Ende wie das eines nahen Verwandten.

Falls Enke geahnt hätte, was auf seine Frau einstürzt, hätte er sich wohl nicht so öffentlich aus dem Leben verabschiedet, auch den Helfern, die seine irdischen Reste auf den Schienen aufsammeln mussten, das lebenslange Trauma erspart. Aus Angst davor, dass seine Krankheit veröffentlicht wurde, hatte er ja den letzten Ausweg gewählt, ohne Rücksicht auf die, die damit leben müssen. Mit dem Ergebnis, dass es jetzt alle wissen.

Volksfeste des Todes waren in anderen Zeiten Hinrichtungen – Strick, Guillotine, Schwert –, was die Massentauglichkeit des fremden Todes erklären mag. Königen oder Diktatoren wie Stalin blieb es vorbehalten, im Tod ein letztes Mal fürs Volk ausgestellt zu werden. Würde bewahrte nur der demokratische Tod. Als der Sarg Bobby Kennedys per Zug überführt wurde auf den Friedhof, standen Tausende von Amerikanern unterwegs an den Gleisen, erwiesen salutierend, Fahnen schwenkend, weinend ihrem ermordeten Helden die letzte Ehre. Der Begründer der Bonner Republik, Konrad Adenauer, vereinte beim Trauerzug 300 000 Deutsche.

Wenige Jahre zuvor hatte es das Volk noch stolz zur Kenntnis genommen, wenn seine Söhne für Führer und Vaterland ihr Leben hatten lassen müssen, statt dagegen in Massen aufzustehen, angeführt von den Müttern, nicht den schuldigen Vätern, um den von ihnen einst gewählten Despoten, der sie jung in den Tod geschickt hatte, öffentlich hinzurichten. George W. Bush wusste instinktiv, warum er Aufnahmen untersagte von den Särgen heimkehrender GIs aus dem Irak oder aus Afghanistan. Die Bilder von den Toten des Vietnamkrieges, den er selbst sich einst erspart hatte, waren mal der entscheidend Anstoß für Proteste und den politischen Wechsel. Sein Nachfolger, Barack Obama, dagegen stellt sich der nackten Wahrheit. Die Heimkehr der Toten wird selbstverständlich live gesendet.

Dass es auch schweigend geht, um den letzten Gang würdig zu begleiten – entgegen dem seit Lady Dis Tod vor zehn Jahren grassierenden Massenwahnsinn –, lässt sich belegen im kleinen englischen Ort Wootin Bassett. Hunderte stehen da jede Woche am Straßenrand, wenn die Särge der in fernen Kriegen am Hindukusch gefallenen Soldaten zum Friedhof hinauf in den Militärstützpunkt gezogen werden. Je mehr Kriegstote es wurden, desto mehr Anhänger gewann die Bewegung der überzeugten Kriegsgegner.

Bleibt am Ende die Frage, wo selbst im tödlichen Fall Enkes das Positive bleibe. Vielleicht da: Es ist ein Fortschritt, dass Selbstmörder nicht mehr wie einst ohne den Segen der Kirche in einer Ecke des Friedhofs verscharrt werden. Heute hält selbstverständlich die geschiedene evangelische Bischöfin Margot Käßmann eine – tatsächlich ergreifende – Predigt, endend mit dem in Liverpool geborenen Lied aller Fußballfans: „You’ll Never Walk Alone“. Womit sie allerdings nicht die Fans meinte, sondern Gott. Ein katholischer Pfarrer spricht mit Tausenden im Stadion das Vaterunser, und alle bitten gemeinsam, vergib uns unsere Schuld.

Stolz könnte man sein auf ein Land, dass keine toten Soldaten mehr braucht, um eine überlebensgroße Sehnsucht nach Helden zu stillen.

Die Großmutter von Teresa und Robert Enkes vor drei Jahren so plötzlich verstorbenen kleinen Tochter Lara gab manchen am Ende den Glauben zurück, dass es trotz aller Öffentlichkeit möglich ist, dem Tod sein Geheimnis zu lassen. Wer daran glaubt, wird zumindest selig. Sie schrieb auf eine Tafel, die sie auf das Grab des Kindes legte, drei schlichte Worte: Lara, Papa kommt.

(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 24.12.2009)
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Kommentare [ 16 ] Kommentar hinzufügen »

Comment
von rosalia rosalia ist gerade offline | 24.12.2009 9:10 Uhr
Vorsicht Falle
Ein wirklich guter Kommentar; wäre da nicht der letzte Absatz.
Denn hier tun Sie genau das, was Sie vorher verurteilten: Sie geben eine zutieftst private Tat der Öffentlichkeit preis.
Comment
von gitta_rost gitta_rost ist gerade offline | 24.12.2009 15:01 Uhr
Das Bild allein...
... lässt mich ratlos. Wer ist der Verfasser des Artikels?
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von uwemohrmann uwemohrmann ist gerade offline | 25.12.2009 15:05 Uhr
gitta_rost
na eigentlich kennt man Herrn Jürgs und ausserdem steht der Name dort.
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von gitta_rost gitta_rost ist gerade offline | 27.12.2009 18:08 Uhr
Nicht ganz doof
Als ich den Hinweis geschrieben habe, stand der Name dort noch nicht, sondern wurde erst danach eingefügt. Ich bin ja nicht ganz doof.
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von fredericussecondo fredericussecondo ist gerade offline | 24.12.2009 22:46 Uhr
Frage: Wo warst du, Gott?
Da jeder einzelne von uns ein Teil Gottes ist und wir alle zusammen einen großen Teil dessen ausmachen, was wir unter Gott zu verstehen haben, ist die Antwort vielfältig.

Gott ist immer dort gewesen, wo sich Menschen der Menschen erbarmten, die elender und hilfloser waren als es selbst waren.

Gott ist immer dort, wo die Demut über die Selbstliebe siegt; wo Bescheidenheit und Selbstvertrauen allgegenwärtig sind.

Die Not und das Elend, die in diesem Deutschland des Jahres 2009 überall hinter den Vorhängen und Gardinen verborgen sind, sind die wirklichen Geschenke, die wir einander schenken. Es ist unsere Eitelkeit, unsere Selbstliebe, unser Allmachtswahn, der uns zu den Schurken und zu dem Lumpenpack macht, dass wir - auf so paradoxe Weise - bei jeder Parlamentswahl in die Parlamente schicken, nur um nicht begreifen zu müssen, dass wir doch selbst genau diese Schurken und dieses Lumpenpack sind.

Der Stau, dass sollte jeder wissen - der Stau sind wir.
Und so sind wir auch diese Schurken und dieses Lumpenpack, dass überall in den Machtfunktionen hockt, wo wir es noch immer sein lassen, anstatt es so zum Teufel zu jagen, wie das unserer Schwestern und Brüder in der Ostzone 1989 gemacht haben.

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von fredericussecondo fredericussecondo ist gerade offline | 24.12.2009 22:48 Uhr
Mit Verlaub, das ist purer Sentimentalzynismus

Die Großmutter von Teresa und Robert Enkes vor drei Jahren so plötzlich verstorbenen kleinen Tochter Lara gab manchen am Ende den Glauben zurück, dass es trotz aller Öffentlichkeit möglich ist, dem Tod sein Geheimnis zu lassen. Wer daran glaubt, wird zumindest selig. Sie schrieb auf eine Tafel, die sie auf das Grab des Kindes legte, drei schlichte Worte: Lara, Papa kommt.
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von guebei1 guebei1 ist gerade offline | 25.12.2009 10:04 Uhr
Freiheit nach dem Leben
Ich war unlängst in New Orleans, da marschiert z.B. eine Jazz Kapelle dem Trauerzug voran.
Jeder kann seine Angehörigen bestatten wie er will.
Man kann auch die Urne nach Hause nehmen und privat aufbewahren.
Kürzlich hatte ich eine vom Ordnungsamt angeordnete Trauerfeier bei uns beobachten können, von Würde war da nicht viel festzustellen.
Man sollte sich lieber um die Lebenden kümmern, und sich nicht scheinheilig um die "Trauer und ihre eigene Würde" aufregen.

Jeder sollte sich nach seiner Vorstellung beerdigen lassen können.

Diese angebliche Trauer-Würde Aktion ist ja oft auch nur eine Form von Kommerz.
Wer hat schon gerne Konkurrenz, am wenigsten die Religion.

MfG
Comment
von josse josse ist gerade offline | 25.12.2009 11:06 Uhr
Dass eine geschiedene Bischöfin
dieses Event an sich reisst, um sich der Öffentlichkeit zu präsentieren, halte ich für keine Selbstverständlichkeit und auch nicht für gut. Der Pfarrer des Ortes, aus dem der Tote kam, hätte den Trauergottesdienst halten und den Toten zum Grab geleiten sollen. Frau Kässmann wurde nur sich selbst gerecht, nicht dem am Leben verzweifelten Toten.
Sie hat das öffentliche Todes-Theater befördert, dem sich ein Ortspfarrer im Sinne des Toten hätte widersetzen können.
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von gabagaba gabagaba ist gerade offline | 25.12.2009 11:20 Uhr
Insiderwissen?
Da scheint ja jemand sehr genaues Insiderwissen zu haben, wie es zu welcher Entscheidung gekommen ist....
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von abc abc ist gerade offline | 25.12.2009 11:39 Uhr
Herr Jürgs bringt es auf den Punkt
Ich habe bei dieser verordneten Trauer auch immer ein etwas unbehagliches Gefühl im Magen, konnte aber bisher nicht in Worte fassen, wieso. Das hat er mir ja nun abgenommen.
Auch wenn rosalia bei der Kritik am letzten Absatz zustimme.
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von aussteiger aussteiger ist gerade offline | 25.12.2009 12:37 Uhr
Ich fand den Wirbel der um den Selbstmord
von Robert Enke extrem Pervers.
Und ich schreibe extra Selbstmord, nicht Freitod.
Selbstmörder sind meiner Meinung nach die grössten Egoisten die es gibt. Sie denken nur an sich, nicht die Bohne an andere (z.B. Lokführer, Partner oder auch Kinder)
Comment
von uwemohrmann uwemohrmann ist gerade offline | 25.12.2009 15:06 Uhr
aussteiger
JAAAAAAAAAA!
Comment
von snowfox snowfox ist gerade offline | 25.12.2009 14:47 Uhr
Danke
...für den tiefgründigen Kommentar (der letzte Absatz war in der Tat unnötig).
@aussteiger: Sicher hat die Haltung von Selbstmördern etwas Egoistisches, man darf aber nicht die psychische Ausnahmesituation übersehen, in der die meisten von ihnen stehen.
Comment
von lupo lupo ist gerade offline | 25.12.2009 15:08 Uhr
DSDST - Deutschland sucht den Super-Tod
Freitag, 20:15, RTL II, geplant : 20 Folgen

Wie zeigen live die schönsten und perfektesten Suizide ! Storyboards mit erfahrenen Regisseuren entwickeln, entscheidende Szenen in slow motion, die letzte Sekunde mit Gesichts-Totale.

- Dieter Bohlen komponiert den fetzigen Ohrwurm "Adieu, das wars dann !"
- Bruce Darnell gibt wichtige Hinweise für ein stilgerechtes Ableben
- Heidi Klum sitzt in der Jury bei der Abstimmung über "Wer hat das schönste Totenhemd ?"
- Paul Oldfield pupst live das Largo von Händels (alternativ Ave Maria)
- Desiree Nick platzt der BH-Bügel während der Trauerfeier
- Wolfgang Joop entwirft exklusiven Flattermantel für Turmspringer
- Paris Hilton hält die Trauerrede (engl.)
u.v.a.m.

Jeden letzten Samstag im Monat, 22:00 große Gala mit dem "Toten des Monats". Alle Zuschauer können per SMS voten, der Code wird in der Sendung bekanntgegeben. Der Sieger bekommt von RTL einen polierten Eichensarg (Hochglanz), seine Beerdigung wird in 60 Länder übertragen.

Ein Mordsereignis !

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von creaturiv creaturiv ist gerade offline | 28.12.2009 1:23 Uhr
Gute Idee...
Und bei den gescheiterten Suiziden kann der Zuschauer den Beliebtesten wählen und dieser wird dann so oft wiederholt bis er klappt. Alle anderen werden in einer kleine geräumten Ortschaft in der Nähe von Tschernobyl ausgesetzt. Deren Versuch zu überleben wird in der Show "Ich bin ein Suizidaler - setzt mich hier aus" von versteckten Kameras mitgefilmt. Übrigens werden hier auch gescheiterte KanzlerkandidatInnen noch die Chance für eine zweite Kariere erhalten.
Comment
von apo apo ist gerade offline | 25.12.2009 21:52 Uhr
Repliken
Sentimentalzynismus..geht´s einfach auch etwwas uneitler? Die Oma hat einfach ein gutes Herz und einen romantischen Glauben. Das ist für mich intellektuelle Großmannssucht, wenn Sie das so hochtrabend und eitel ausstaffieren..@fredi..
@aussteiger und dem Ohrmann: geht´s auch etwas sachlicher??-Das ist wahrlich nur eine Seite der Medaille. Weder ist Selbstmord ( ein völlig abwegiger Begriff), noch Freitod ( verklärend und zynisch) besonders treffend. Selbsttötung vielleicht der genaueste Begriff..wer je sich mehr als nur via wikipedia mit Depressionen beschäftigt hat, weiss, wie hohl solche "Vorwürfe" und Moralismen sind..
Ein sehr anregender Text von Autor Jürgs.Diese Qualität wünschte ich mir häufiger im tsp...

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