Afghanistan : Ein Freund fragt an

03.07.2009 00:00 UhrVon Michael Schmidt

Jetzt wird es ernst. Barack Obama macht Ernst. Nicht nur, dass die US-Armee in Afghanistan ihre größte Offensive seit Amtsantritt des US-Präsidenten begonnen hat. Auch die transatlantischen Schmusewochen neigen sich dem Ende zu und machen Forderungen der USA nach mehr Geld und Truppen Platz.

Allzu lange hat man in Europa den Politikwechsel in Washington nur betrachtet – ohne sich die eigene Lethargie aus den Knochen zu schütteln. Das Segeln im gemütlichen Windschatten der Weltgeschichte aber kommt an ein Ende. Obama ist ein Freund, und als Freund kann man Hilfe erwarten, und einem Freund kann man Hilfe auch nur schwer versagen. Die deutsche Politik ist zwar noch auf Tauchstation. Mit aller Macht versucht sie, Afghanistan klein und aus dem Wahlkampf rauszuhalten. Die Frage ist, wie lange das noch (gut?) geht. Mehr Gefechte, mehr Tote, mehr Anschläge – es könnte sein, dass den politischen Haubentauchern hierzulande bald die Luft ausgeht.

Und man tun muss, was man um jeden Preis vermeiden will: sich bekennen, den Einsatz erklären, begründen, rechtfertigen. Vielleicht erführen wir dann sogar noch vor der Wahl, was unsere Kanzlerin zu diesem Thema substanziell zu sagen hat. mis

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