Achttausend Schulschwänzer auf Berlins Straßen – und sie haben einen guten Grund. Schüler sollen mehr leisten, aber der Staat – nicht nur in Berlin – sorgt nicht dafür, dass die Lernbedingungen besser werden.
Die Jugendlichen protestieren gegen das Abitur nach zwölf Jahren, gegen „Schulfabriken“ und immer mehr Stress: erst auf dem Weg zum Abitur und dann beim Studium. Die Schüler fühlen sich als Opfer eines politischen Systems, das vieles fordert, aber eigene Versprechungen nicht einhält. Auch immer mehr Eltern zweifeln, ob mit dem Zauberwort Pisa jede Ausrichtung der Schulen auf mehr Leistung, kürzere Lernzeiten und schnellere Studienabschlüsse gerechtfertigt ist. Die Heranwachsenden warnen davor, die Kindheit immer mehr zu verdichten, und dass es beim Abitur in zwölf Jahren immer schwieriger wird, neben der Schule andere soziale und gesellschaftliche Erfahrungen zu machen oder auch nur ein Austauschjahr. Schüler sollen mehr leisten, aber der Staat – nicht nur in Berlin – sorgt nicht dafür, dass die Lernbedingungen besser werden. Es fehlen Lehrer, vor allem junge und motivierte, und Kinder müssen in sanierungsreifen Gebäuden lernen. Wenn die Politik ihre Hausaufgaben nicht macht, wird Berlin wohl häufiger Schulschwänzer auf der Straße erleben.gn
(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 23.05.2008)
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Leider hat niemand von Rang und Namen davon Kenntnis genommen. Ein einsamer Kameramann des rbb blickte etwas ratlos zum Potsdamer Platz und dem Zug einiger Tausend Schüler. Niemand war da außer den Grünen. Nein nicht die. Die anderen. Er beneidete wohl seine Kollegen am Schloss Bellevue, die es bis in die Abendnachrichten schaffen würden.
Prominentere Teilnehmer gab es nicht. Erfrischend war noch der schnelle Anmarsch eines Fähnleins mit etwas abenteuerlich anmutenden schwarzen und roten Bannern, das schnell vom Schutzmann von der Strasse zu den anderen dirigiert wurde. Es wurden drei Reden gehalten und etwas gerappt, dann setzte sich der Zug in Bewegung.