Wie in ein Wort fassen, was so unfassbar ist? Diese innenpolitischen Rumpeleien der Bundesregierung sind schon schlimm genug, wenn man sich vergegenwärtigt, was da wie nicht zusammenpasst. Aber sei’s drum, das fällt hier auf, uns Deutschen, und wir ziehen bei den nächsten Wahlen unsere Schlüsse daraus oder auch nicht. Jeder hat die Regierung, die er verdient.
Nur außenpolitisch sieht es anders aus. Diese Afghanistansache – sie ist peinlich bis desaströs, in jedem Fall geeignet, Deutschland als „Mittelmacht“ zu diskreditieren. Partner der USA in der Führung? Zum Lachen. Welche Führung denn?
Wenn sogar schon konservative Blätter die deutsche Außenpolitik, angeführt von der Kanzlerin über den Außenminister bis zum Verteidigungsminister, kritisieren; wenn dem Außenminister Naivität vorhalten wird, weil er Taliban mit Geld locken will, „auszusteigen“, dann sollte die Mitte-Rechts-Koalition nachdenken, ob sie in all ihrer Selbstgerechtigkeit nicht vielleicht doch falsch liegt. Ob sie, die bei jeder Kritik gleich beleidigt und ablehnend reagiert, sich nicht doch einmal überprüfen will.
Hier geht es nicht um die Konkurrenz in der Formulierung der geschliffensten Politikerphrase, der besten diplomatischen Floskel, in Afghanistan geht es um Krieg und Frieden. So einfach, so brutal. Mag Angela Merkel als Kanzlerin mit taktischer, moderierender, abwartender, hinhaltender Art sonst alles abwettern können – einen Krieg bestehen kann die Regierung so nicht. Das Ungefähre führt hier in die Irre. Es zählen Entscheidungen, und die geforderte lautet: rein – oder raus. Und raus wäre okay, wenn die Deutschen meinen, sie könnten oder wollten das nicht.
Aber dass ein amerikanischer General den Deutschen sagen muss, wie Militär zivil handeln kann, wie es an die Menschen herankommen kann, wie es helfen kann, das Land zu verändern, das ist demütigend. Denn wenn die Bundeswehr sich in Afghanistan schon eher als Hilfswerkertruppe verstehen soll, dann wäre doch genau das selbstverständlich. Weil sie aber in ihren gepanzerten Fahrzeugen sitzen bleiben muss, am besten nicht zu viel Kontakt zu der Welt außerhalb ihrer Lager suchen soll, kann sie (auch so) nicht erfolgreich sein. Vom militärischen Eingreifen nicht zu reden. Die Taliban stehen vor den Lagertoren. Die USA haben mit der Verlegung von ein paar Tausend Soldaten Richtung Norden und Kundus die Antwort gegeben auf das, was sie vom deutschen Engagement halten.
Die US-Strategie steht fest, Barack Obama hat sechs Monate nachgedacht und dann entschieden. Da wird nichts mehr zu machen sein, es geht nicht mehr ums Was, sondern ums Wie. Die Deutschen haben in der Zwischenzeit was gemacht? Die Entscheidung aufgeschoben. Deshalb spielen sie keine Rolle; und es spielt für die Alliierten auch keine Rolle, wie die Bundesregierung das Mandat auslegt, wie filigran. Entweder die Bundeswehr wird auf mindestens 7000 Mann verstärkt und bekommt andere Befehle, oder sie sollte nach Hause geholt werden.
Kommentare [ 11 ] Kommentar hinzufügen »
Sie hat wohl ein Machtwort gesprochen und Guido musste sich mit Karl-Theodor verständigen, dass die Feldlager in der deutschen Besatzungszone um 500 auf dann maximal 5000 Soldaten aufgestockt werden, damit der adlige Unteroffizier nicht die Befehlsgewalt, in der Deutschen Besatzungszone, an die USA verliert...und was die Deutschen wollen, Herr Casdorff, wissen Sie.
Sie wird machen - was die Alliierten planen- und vermutlich nicht "abhauen"
.
Nach der WAshPost
(By Greg Jaffe and Rajiv Chandrasekaran
Washington Post Staff Writer
Friday, January 22, 201022.Jan.) sieht der Einsatz mit einheimischen Kräften dann vor:
"....with a bold and potentially risky initiative to support local militias in Afghanistan that are willing to defend their villages against insurgents, ............
The plan was to take advantage of the emergence of informal village security forces that were taking up arms against outside insurgents."
(...mit einem kühnen und riskanten Plan, sind Militärkräfte in Afganistan jeweils lokal zu unterstützen. ..Der Plan sieht im Bedarfsfall den unmittelbaren Einsatz einheimischer Sicherheitskräften vor , die ihre Waffen gegen auswärtige Auftständische einsetzen könnten. )
Die Einbeziehung einheimischer Kräfte wurde zwar vom US Ambassador Karl W. Eikenberry kritisiert, aber dieser Plan benötigt eben eine Menge auswärtige Zusatzkräfte - und das werden die neu eingesetzten militärischen Kräfte (US und westliche Verbündete) sein!
http://german.irib.ir/index.php?option=com_content&view=article&id=32850:amerikanische-streitkraefte-auf-haiti&catid=75:fotostrecken&Itemid=12
Das ist die Meinung von 70% der Bevölkerung!
Afghanistan ist ruck zuck Schnee von gestern. Dann wird man auf die Idee kommen, Militär dafür einzusetzen, Hilfskonvois schwerbewaffnet zu begleiten. In Afrika, in Ländern, wo Rebellen zur Zeit ein normales Leben unmöglich machen und wo Entwicklungshilfe heute nicht stattfindet. D a s wird die große Aufgabe der Bundeswehr sein, allen Generalfeldmarschall-Phantasien zum Trotz.
Es ist heute unter den Jungs foogendes zu beobachten:
Typ A findet Militär doof
Typ B möchte Fallschrimjäger werden oder wenigstens Gebirgsjäger
Es gibt aber zwei Einheiten im Deutschen Heer, die werden für solche Afrika-Missionen [schwerbewaffneter Begleitschutz für Hilfskonvois] die Hauptrolle spielen:
Jägerregiment 1
Transporthubschrauberregiment 10
Beide gehören zur Luftbeweglichen Brigade 1.
Entweder massiv aufstocken, den Krieg gewinnen und ein Afghanistan hinterlassen das zukunftsfähig ist; oder einsehen man gewinnt den Krieg nicht und abziehen.
Nicht eine einzige klare Linie und Entscheidung, seit 5 Jahren nur Rumgeeier. Man wünscht sich schon fast Schröder zurück. Auch wenn er einiges falsch gemacht hat, immerhin hat er etwas gewagt und gemacht. Selbst Helmut Kohl erscheint im Rückblick wie ein Macher und Aktivposten.
"Man wünscht sich bald Schröder zurück,- immerhin hat er was gemacht.."
Ja, was denn? Völkerrechtswidrige Kriegseinsätze und den brutalsten Sozialabbau, den es je gab!