Berlin -
Sechs Schüsse - und mindestens genauso viel offene Fragen. Der Fall des am Silvesterabend auf der Flucht von einer Polizeikugel getöteten Dennis J. wird immer rätselhafter. Wenn nur die Hälfte jener Hinweise und Gerüchte stimmen, die sich um den Fall ranken, dann hat die Stadt einen Skandal, wie ihn die Berliner Polizei seit vielen Jahren nicht erlebt hat.
Die Merkwürdigkeiten fangen schon mit dem Einsatz an: Obwohl am Silvesterabend wahrlich genug in Berlin zu tun gewesen wäre, fuhren die Zivilpolizisten vor die Tore der Stadt, nach Schönfließ, um einen seit Monaten bestehenden Haftbefehl zu vollstrecken. Ausgerechnet Silvester, am frühen Abend - den Arbeitseifer kann sich jeder Arbeitgeber nur wünschen. Die Festnahme war offenbar so dringend, dass sie noch vor Dienstbeginn einen dritten Beamten von dessen Privatwohnung abholten, der in der Eile sogar seine Dienstwaffe vergaß. Auch ein zweiter Polizist war nicht vorschriftsmäßig bewaffnet.
Am Ende gab es einen Toten, und etliche Autos wurden demoliert. Es war wohl nur Glück, dass der Jaguar mit dem sterbenden Mann am Steuer nicht in eine Gruppe von Passanten raste. Sechs Schüsse, fast ein ganzes Magazin verschoss der dritte Beamte, als der 26-jährige Dennis J. flüchten wollte: von der Fahrerseite, von hinten - und möglicherweise auch von vorne. Einem flüchtenden Wagen hinterher zu schießen, ist gegen die Dienstvorschrift, weil es unbeteiligte Menschen gefährden kann, wenn der Wagen - wie in diesem Fall - unkontrolliert weiterrast. Ob der Mann, der in seiner Strafakte 158 Einträge hat, wirklich durch einen Querschläger starb, ist möglich, aber noch nicht abschließend geklärt. Denkbar bleibt, dass der Beamte doch durch die Autoscheibe direkt auf den Mann zielte - und diesen eben nur abgelenkt traf. Der Skandal wäre komplett, falls auch noch Eifersucht im Spiel war: Doch die Polizei dementiert entschieden, dass der Schütze früher mit jener Frau zusammen war, die nun mit dem erschossenen Dieb liiert ist. Irritierend ist freilich, dass die Staatsanwaltschaft "besondere Beziehungen" nicht auschließt.
So viele Fragen, so viele Konjunktive, so wenig Antworten. Diese Antworten aber sind schnellstens nötig, damit nicht der Ruf der Polizei insgesamt beschädigt wird. Polizisten, die jegliche Disziplin und Augenmaß vergessen, die gegen Dienstvorschriften verstoßen und möglicherweise Eigeninteressen verfolgen - das wäre der größte anzunehmende Unfall für eine Behörde, die Polizeipräsident Dieter Glietsch seit seinem Amtsantritt mit klarer und kluger Führung aus den Schlagzeilen geholt hat.
Kommentare [ 3 ] Kommentar hinzufügen »
Hätten sie besser recherchiert, wäre vielleicht mal einer ihrer einseitigen Kommentare lesenswert gewesen.
Zitat:
--Einem flüchtenden Wagen hinterher zu schießen, ist gegen die Dienstvorschrift--
Diese Behauptung ist schlichweg falsch.
Sie berichten hier Gerüchte, denen selbst der von Ihnen gelobte PPr bereits massiv widersprochen hat...neben all den anderen unsachlichen Hinweisen.
Lt. dem Artikel des TSP kam der Hinweis von der zuständigen Fahndungsdienststelle des LKA und die Beamten wurden gezielt entsandt. Wären sie diesem, ganz offensichtlich richtigen Hinweis nicht nachgegangen, hätten sie sich einer Strafvereitelung schuldig gemacht und der Tag Silvester spielt keinerlei Rolle. Der Einsatzort lag nur unmittelbar hinter der Stadtgrenze und die Anmeldeformalien wurden eingehalten. Hier wahr ganz offensichtlich zeitliche Dringlichkeit gebotebn...hätte gern die Kommentare gelesen, wenn publik geworden wäre, daß die Polizei diesem Hinweis bewußt nicht nachgegangen wäre.
Wie lange ein Haftbefehl zu diesem Zeitpunkt erlassen war, spielt keinerlei Rolle und die beamten fahndeten schon seit längerem nach dem Gesuchten...genau deshalb wurden diese entsandt.
Dem Passus, daß der 3. Beamte von seiner Privatwohnung abgeholt wurde widerspricht auch ihren eigenen Artikel, wonach er sich regulär im Dienst befand. Natürlich hätte er seine Waffe dabei haben müssen..keine Frage.
Auf alles andere mag ich nicht mehr eingehen, da sie hier ausschließlich Gerüchte, Vermutungen und schlicht rechtlich unsachliche Dinge veröffentlichen und sie wollen sicher nicht, daß die ermittelnde StA in Brandenburg schlampig arbeitet, nur weil sie angebliche offenen Fragen und derzeit haltlose Unterstellungen, die aus einem Friseursalon stammen könnten, möglichst schnell beantwortet haben wollen?
Sachlichkeit, Niveau und saubere journalistische Recherche ist das aus meiner Sicht nicht...eher stumpfe Stammtischforderungen.
Skandal ist anders...
Beim Lesen hatte ich das Gefühl auf der Homepage einer großen roten Boulevardzeitung gelandet zu sein...