[Kommentare: 12]

Auf den Punkt

Lafontaine hat es richtig gemacht

Stephan-Andreas Casdorff zum Fall Clement
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Stephan-Andreas Casdorff, Chefredakteur
Oskar Lafontaine hat es doch richtig gemacht. Jawohl, richtig gemacht: Er ist aus der Partei ausgetreten, weil es ihm alles nicht mehr gefallen hat, was seine Genossen machen sollten. Machen wollten - davon konnte nicht die Rede sein. Denn daran ist Gerhard Schröder, historisch gesehen, doch gescheitert: Die Agenda 2010 war ein inhaltlicher Putsch von oben. Wäre es anders, hätte der seinerzeitige Bundeskanzler sich in die Parteiniederungen hinein begeben und Mal um Mal geduldig erklären müssen, warum was wie aus seiner Sicht nötig ist. Dann hätten die Sozialdemokraten, Spezialdemokraten im Zerreden von Ideen und Kleinhäckseln von Visionen, in Spiegelstrichen bei Parteitagsanträgen, ihm diese Reformiererei schon ausgetrieben. Abgesehen davon, dass man über manches wirklich noch hätte reden sollen, aber das geschieht ja dafür jetzt. Wahrscheinlich, bis 2010 endlich vorbei ist.

Clement will vermutlich auch deshalb nicht austreten, weil nicht sicher ist, dass eine Kolumne von ihm auch in Zukunft so viel aus- und anrichten würde, wie sie es tut, wenn er SPD-Mitglied bleibt. Die Linken auf der anderen Seite treten nun sicher nicht mehr aus, weil sie a) auf dem Vormarsch durch die Institutionen der SPD sind, b) weil sie inhaltlich die Richtung angeben. Und, Achtung, da ist der tiefe Grund des unterirdischen Streits: Was den einen der Clement, könnten den Agendisten ein, zwei Politiker aus Hessen sein, Hermann Scheer, der Spiritus Rector hinter Andrea Ypsilanti, vielleicht auch noch paar ein andere. Wie die vor der vorgezogenen Bundestagswahl 2005 geredet haben - da fehlte bloß noch dieser eine Satz, den Clement auch noch gesagt hat. Den, wen er nicht wählt.

Zur Person Clement ist ja schon vieles gesagt, außer: Er nimmt übel. Sehr. Und zwar den Linken, wie sie damals den Kanzler, den SPD-Kanzler, durch fortwährende Kritik in seiner Autorität beschädigt haben. Von wegen Solidarität. Bis in den Wahlkampf ging das. So sieht es Clement, ganz bestimmt: Da kämpfen der Schröder und seine Gefolgsleute landauf, landab für ein Prinzip, ob richtig oder falsch, immerhin ein Prinzip, bis sie heiser sind, und die Moserei hintenrum nimmt kein Ende. Clement ist in dem Alter, in dem man noch das alte Sprichwort aus eigenem Erleben kennt: Wie du mir, so ich dir. Was ihm das bedeutet, erleben die Linken jetzt gerade.

Was das Ganze nicht besser macht. Und an Franz Müntefering, den Mann mit und nach Lafontaine und Schröder, erinnert mit seiner Warnung: Opposition ist Mist. Innerparteiliche manchmal auch.
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Kommentare [ 12 ] Kommentar hinzufügen »

Comment
von besserwisser besserwisser ist gerade offline | 6.8.2008 16:39 Uhr
da haben sie sich aber
den ganzen frust von der seele geredet, herr casdorff. nur will das nicht wirklich jemand hören. herr schröder hat im gegensatz zu kohls mädchen reformen angepackt und durchgeführt. und frau ypsilanti versucht den willen der wähler gegen den brutalstmöglichen aufklärer koch durchzusetzen. ärgern sie sich so darüber, daß die bundesmutti ihrem vorgänger nicht das wasser reichen kann und herr clement alle daran erinnert? nur sich an anderen leuten rächen hat sie gelernt.
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von wilhelm wilhelm ist gerade offline | 6.8.2008 20:00 Uhr
Frust?
Mit Schröder hat die SPD die Sozialdemokratie suspendiert. Lafontaine war während des Wahlkampfes der nützlich Vorzeige-Linke, vergleichbar mit Blüm, der den Arbeitnehmern den wenig arbeitnehmerfreundlichen und reinen Machtpolitiker Kohl schmackhaft machen sollte. Lafontaine zeigte Rückgrat. Clement ist die letzte Gefechtstation schröderscher Prägung. Nur für die Atom-Lobby ist ein Clement in der SPD wichtig. Und für CDU/CSU/FDP ein herrlicher Hebel im Wahlkampf.

Der Artikel von Stephan-Andreas Casdorff ist gut. So gut, dass sein Kritiker nicht ein Gegenargument findet und sich nur mit Küchenpsychologie und vermeintlich witzigen Phrasen zu helfen weiß.
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von freidenker freidenker ist gerade offline | 6.8.2008 21:36 Uhr
@ besserwisser
Möchte Wilhelm voll und ganz zustimmen: Der Artikel ist gut!

Ansonsten hat Wilhelm alles Nötige gesagt.
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von coyote coyote ist gerade offline | 6.8.2008 21:41 Uhr
Luxus - Lafo vs Clement
Lafontaine konnte es nicht ertragen das nicht er ,
sondern Schröder Bundeskanzler geworden ist . Darum ist er von allen Ämtern zurück getreten .

Clement - denn man nicht mögen muß - steht für notwendige Reformen , wie bei Hartz IV .

Lafontaine steht nur für eines : für Oskar . Wenn der nicht mehr der " Wichtigste " bei den Linken ist , wird er auch dort alles hinwerfen .
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von hdgerdes hdgerdes ist gerade offline | 6.8.2008 22:54 Uhr
Auch ich ...
stimme Wilhelm zu.
Und wenn alle die, die Clement und Schröder und Münte und Stein... und ... in den ganzen Diskussionen auf diesen Seiten zur SPD so vehement verteidigen (so sie als repräsentativ anzusehen wären), auch die SPD wählen würden, dann müsste sich die SPD fast keine Sorgen machen. Dann würde es ihr ganz deutlich besser gehen.
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von wilhelm wilhelm ist gerade offline | 6.8.2008 23:09 Uhr
"Lafontaine steht nur für eines: für Oskar"
Na, das ist doch schon mal was. Das Gros unsere Parlamentarier steht doch nicht für einmal für sich, sondern für die egoistischen Interessen einer Lobby und sieht seine vornehmste Aufgabe darin, diese egoistischen Interessen als Allgemeinwohl zu verkaufen.
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von wilhelm wilhelm ist gerade offline | 6.8.2008 23:14 Uhr
"Luxus–Lafo"
Wo doch die anderen Politiker von Wasser und Brot leben. Nun, man hat als keine anderen ... äh ... Argumente. Verräterische Geschichte, das.
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von commentator commentator ist gerade offline | 7.8.2008 0:32 Uhr
Clement ist schon in Ordnung
Er zeigt den Sozialdemokraten wie es definitiv nicht funktioniert.

Aber rausschmeißen müssen sie ihn nun langsam doch.
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von eban eban ist gerade offline | 7.8.2008 1:06 Uhr
Lafontaine zeigte Rückrat?
Das ist ja wohl lachhaft. Der hätte sich nie als nützlicher Vorzeige-Linker missbrauchen lassen. L. ist ein aufgepumpter Egomane, der erkennen musste, dass es nicht egal ist, wer unter ihm Kanzler ist - da hat er unter schadenfeinigen Gründen den Job hingeschmissen und ist von der Fahne gegangen. L. hat früher mal ganz vernünftige Politikansätze vertreten, aber in dem Maße, in dem er erkennen musste, dass er damit nicht bis an die Spitze kommt, sich selbst ad absurdum geführt. Jetzt kann er sich als Führer der 'Linken' als ein König fühlen, hat er doch auch Gisy marginalisiert. Die Linke unte L. hat kein Programm, keine Vision, nur eine Vorstellung davon, wie man viel Geld verheizen kann, Steuerzahlergeld.
Ich war bisher noch nie einer Meinung mit @coyote, aber diesmal hat er recht: L steht für L und für sonst niemand!
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von detlef detlef ist gerade offline | 7.8.2008 15:27 Uhr
@wilhelm - Gute Kommentare
Ich erinnere mal daran das Lafontaine schon als Wortführer zusammen mit Erhard Eppler einer der Gegner von Bundeskanzler Helmut Schmidt war und sich für den Austritt der Bundesrepublik Deutschland aus der NATO im Falle der Raketenstationierung aussprach.

Ich werde den Satz nie vergessen:

„Helmut Schmidt spricht weiter von Pflichtgefühl, Berechenbarkeit, Machbarkeit, Standhaftigkeit. Das sind Sekundärtugenden. Ganz präzise gesagt: Damit kann man auch ein KZ betreiben.“

Der Grund für seinen Rücktritt war doch die arbeitnehmerfeindliche und ungerechte Wirtschafts-, Steuer- und Sozialpolitik und die Abkehr von sozialdemokratischen Grundwerten und Hinwendung zum Neoliberalismus in der S)PD unter Schröder
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von wilhelm wilhelm ist gerade offline | 7.8.2008 20:29 Uhr
eban
Richtig lustig ist Ihre Aussage "Die Linke unter L. hat kein Programm, keine Vision, nur eine Vorstellung davon, wie man viel Geld verheizen kann". Weshalb? Weil die Konservativen, mit freundlicher Unterstützung des Koalitionspartners, schon so viel Geld verheizt haben, dass für die Linken, wenn sie denn je an die Macht kämen, gar nichts mehr übrig wäre. Es ist wirklich lustig, wie den Linken, so mir nichts dir nichts, unterstellt wird, sie würden die gleichen Fehler machen wie gegenwärtigen Regierung.

Ansonsten nur die üblichen, gebetsmühlenhaft wiederholten Phrasen ohne jede Substanz.
Comment
von klarenn klarenn ist gerade offline | 9.8.2008 9:42 Uhr
besserwisser,
ihr Pseudonym spricht für sich!
Es ist ihnen unbenommen dem Seeheimer Kreis Anzugehören zumindest mit ihm zu Sympathisieren.
Dieser Kreis hat alles Wissen für sich entdeckt, ohne Lösungen aufzeichnen zu können.
Ich kenne die SPD aus den Traditionen der Geschichte und meiner Familiären Legende ohne dieser Partei wirklich sehr nahe zu stehen.
Ihr Wissen über die SPD deren Inhalte und Traditionen ist gleich Null und Dementsprechend sind ihre Beiträge.
Im Übrigen ein SPD die sich auf 145 Jahre Tradition beruft gibt es nicht mehr, warum ist hinlänglich bekannt!
Damit erübrigt sich eigentlich eine Diskussion über der "Sogenannten"!








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