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Auf den Punkt

Sauber ist nicht lecker

Andreas Oswald über Döner, Dreck und Gammelküchen
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Andreas Oswald, Redakteur des Tagesspiegel - Foto: Doris Spiekermann-Klaas
Berlin -  Ein leckerer, fettiger Döner - wo schmeckt er am besten? In einer fettigen Döner-Bude. Verbraucherschützer mögen gut dafür sein, Waschmaschinen zu testen oder die besten Riester-Sparverträge herauszusuchen, aber in geschmacklichen Dingen sind sie von Berufs wegen inkompetent. "Fehlende Sauberkeit" in jeder dritten Döner-Bude hat das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) registriert und das groß hinausposaunt.

"Sauberkeit" - was ist das überhaupt für ein Kriterium? Es kommt darauf an, ob es einem schmeckt, nicht ob es sauber ist. Und schmecken tut es meistens da, wo es schmuddelig ist. In Großomas Küche, wo sich seit 50 Jahren in den Ritzen eine heimelige Patina angesetzt hat, ein gewisser Grundgeruch herrscht, der sofort den Mund wässrig macht, weil hier seit 50 Jahren der beste Schweinebraten geschmort wird. Für Leute, die noch zu schätzen wissen, was am Schweinebraten am besten schmeckt: das Fett. Deswegen ist es auch nicht schlimm, ja geradezu gut, wenn im Döner auch illegal fettiges Schweinefleisch verarbeitet wird.

Lebensmittelgesetze sind für Geschmacksbanausen. Prekäres Separatorenfleisch mit Knorpel und festeren Fettresten, noch an einem Stück Markknochen hängend - das ist in China, feinstens mariniert, eine Delikatesse. Wer je ein richtig gutes Restaurant in China besucht hat, eines, in dem verstaubte Straßenarbeiter zu Mittag essen, weiß das. Da mögen der Boden, die Wände, der Tisch, der Stuhl, ja, das Geschirr verdreckt sein, es schmeckt einzigartig. Das machen zwar nur wenige Frauen mit, so einen Trip, aber die Frau kann ja in der Zeit shoppen gehen.

Das beste Geschmackserlebnis ist es, in Vietnam am schmutzigen Straßenrand auf einem schmierigen Schemel zu sitzen und sich von einer alten Frau in ärmlichen, alten und lange nicht gewaschenen Kleidern eine Suppe kochen zu lassen. Diese Suppe vergisst keiner, der eine solche je probieren durfte. Mit Geld kann das nicht bezahlt werden, nur mit Liebe zu den wahren schönen Dingen des Lebens.
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Kommentare [ 18 ] Kommentar hinzufügen »

Comment
von gieslinder gieslinder ist gerade offline | 20.10.2009 14:14 Uhr
Wer A sagt muß auch B sagen...
Verbaucherschützer ? Schon dieses Wort ist eine Anmaßung. Ich brache keine Beschützer, die mich vor dem Leben schützen. Denen geht es doch nur um ihre eigene staatlich geförderte Wärmestube und blasen jeden Furz zum Skandal auf. Und wenn schon "Schutz",dann doch vor der staatlichen Zwangsbeglückung wie Schornsteinfeger, Öffentlich Rechtlicher Rundfunk , Sttatliche Rentenversicherung usw usf.
"Unmündig nennt man uns und Knechte, duldet die Schmach nun länger nicht!"
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von loucass loucass ist gerade offline | 20.10.2009 17:09 Uhr
@gieslinder
Und Sie sind natürlich auch ohne die völlig überflüssigen Verbraucherschützer z. B. in der Lage zu erkennen, wenn Ihnen anstatt echtem Käse das hier untergejubelt wird:



Zitat von Kunstkäse - Wikipedia

Für heutige Kunstkäse dienen meist Wasser, Milch-, Soja- oder Bakterieneiweiß und Pflanzenöle wie Palmöl als Grundstoffe, teils auch Stärke. Weitere Zutaten sind Emulgatoren, Aroma- und Farbstoffe, Salz und Geschmacksverstärker, um Geschmack und Aussehen an Vorbilder wie Parmesan, Emmentaler, Mozzarella, Feta oder Camembert anzunähern. Da kein Reifungsprozess notwendig ist, ist die Produktionsdauer gegenüber echtem Käse stark verkürzt. Zur Herstellung wird Pflanzenfett erwärmt, mit einer vorgefertigten Trockenmischung und Wasser vermischt, erhitzt, dann wird Aromakonzentrat eingerührt und alles verpackt und gekühlt.



Aber ist ja sowieso egal: Hauptsache, es schmeckt!
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von ganymed ganymed ist gerade offline | 20.10.2009 19:34 Uhr
loucass
warum wohl, sind all die ungesunden lebensmittelzusätze erfunden worden, so dass z.b. bio erdbeer auf keinen grünen zweig kommt mit natur? na? richtig. herr oswald hat es beschrieben. sterben müssen wir eh alle, dann wenigstens lecker. lekker.
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von henchan henchan ist gerade offline | 20.10.2009 14:53 Uhr
Korea
Ich komme gerade aus Korea zurück. Wer abends die gegend um Jongmyo abläuft, sieht diese unzähligen kleinen Buden. Auf der Strasse wird gebrutzelt. Die verschiedensten Gedüfte liegen in der Luft. Auch in den Markthallen wird an Ständen gekocht, die wohl wirklich nicht immer den besten Standard halten.
Aber bitte schützt Korea vor dem Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL).
Wer abends nicht mehrere Gläser Soju mit Geschäftsleuten oder älteren Koreanern getrunken, perdon gesoffen hat, wer nie von den verschiedenen Banchans etc. probiert hat, der hat Korea nicht erlebt. Der Autor hat definitv recht. Wo es steril ist, ist es langweilig. Und gestorben bin ich in Korea auch noch nicht. Bei aller Liebe zur Ordnung, manchmal kann man damit auch einfach zu weit gehen.
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von robert56 robert56 ist gerade offline | 20.10.2009 17:39 Uhr
Wir sind aber nicht in Korea
Wir sind kein Entwicklungsland wie z.B. Korea.

Ich weiß nicht aber ich esse lieber dort wo es sauber ist.
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von henchan henchan ist gerade offline | 20.10.2009 18:44 Uhr
Entwicklungsland
@robert56
Korea ist kein Entwicklungsland (Samsung, Hyundai, Kia, Ulead, LG, Dawoo, Lotte etc.). Vielleicht hast du aber noch nicht über den Tellerrand geschaut. Das ist natürlich nicht schlimm, aber wenn man (du) nicht dort gewesen ist, kann man das nicht beurteilen.
P.S. Koreareisen sind gar ncht so teuer. Und ein nettes kleines Abenteuer in vielerlei Hinsicht ist es immer.
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von duke53 duke53 ist gerade offline | 20.10.2009 15:59 Uhr
Sauber ist relativ
Wer kennt sie nicht, die schwach frequentierten Imbisse, wo statt gebraten ständig nur gewischt wird und es immer leicht nach Desinfektionsmittel duftet. Aber wir wollen nicht die Tische ablecken. Sauber ist gut, besser noch ist die Reinheit und Gesundheit der angebotenen Lebensmittel !

Gegen Gammelfleisch hilft auch kein Putzen ...
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von epunion.de epunion.de ist gerade offline | 20.10.2009 16:44 Uhr
Schmierenkampagnen
Jede dritte Döner-Bude zu dreckig?!

Tatsache ist, dass in rund 24,1 % der kontrollierten Lebensmittelbetrieben in Deutschland Mängel festgestellt wurden - nämlich in 130.000 Betrieben.

"Bei der Überprüfung von 875 Imbissbetrieben, die Geflügelfleischdöner anbieten, wurden in 30 % der Betriebe Mängel festgestellt.", so das BVL. Also nicht 1/3 = 33,3% wie jetzt hinausposaunt wird.

Wichtig dabei zu wissen, dass Geflügelfleisch besonders anfällig und problematisch bei der Verarbeitung ist.

Wie bekömmlich die Currywurst ist - oder das halbe Hähnchen wird bewusst verschwiegen.

Zitat:


Die Länder konnten im Jahr 2008 bei der Lebensmittelüberwachung das Niveau des Vorjahres halten. Die amtlichen Lebensmittelkontrolleure haben fast eine Million Inspektionen in rund 540.000 Betrieben durchgeführt. Das ist mehr als die Hälfte aller Betriebe in der Bundesrepublik Deutschland, die Lebensmittel herstellen, bearbeiten oder verkaufen. Bei knapp 130.000 Betrieben wurden Verstöße festgestellt und entsprechende Maßnahmen eingeleitet. Die meisten Beanstandungen betrafen die Betriebshygiene, gefolgt von Mängeln im Hygienemanagement der Betriebe sowie bei der Kennzeichnung und Aufmachung der Lebensmittel. Außerdem haben die Überwachungsbehörden im vergangenen Jahr rund 407.000 Proben untersucht (plus 5.000 zu 2007). Davon wurden etwa 55.000 Proben (13,6 %) beanstandet.



Quelle :

http://www.bvl.bund.de/nn_495478/DE/08__PresseInfothek/01__Presse__und__Hintergrundinformationen/01__PI__und__HGI/Rueckstaende/2009/pi__mnkp__2008.html__nnn=true

Comment
von kaleu kaleu ist gerade offline | 20.10.2009 18:20 Uhr
Na ja, wo der Herr Oswald gern....
...sein Mahl einnimmt, geschenkt, der Genuss von gammligen Dönern sein ihm gegönnt.
Da seine Vorlieben beim Essen nicht die meinen sind und auch nicht werden, verzichte ich auf Döner & Co. seit Jahren, bin damit nicht unglücklich und doch genussvoll, gesättigt.
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von dini dini ist gerade offline | 20.10.2009 19:07 Uhr
Na,dem Herrn Oswald fehlt es halt noch an etwas Kultur
Ich glaube kaum ,dass bei im Zuhause das Bratfett
von gestern oder von sonstwann an der heimatlichen Küchenfliese klebt. Und wenn doch,
dann weiß er immernhin,welche Schicht davon welchen Braten als Ursache hatte.
Ich glaube ,dass die Mehrheit der Menschen schon
gern in einem Umfeld essen möchte,das auch dem Auge angenehm ist. Mit Steriltät hat das nichts zu tun.

Ich meine auch,dass der Herr Oswald bewusst zugespitzt formuliert hat.Etwas Aufmerksamkeit
kann nicht schaden.

Und das mit China,das lassen wir mal hier lieber.
Es ist gerade Essenszeit.....
Comment
von ganymed ganymed ist gerade offline | 20.10.2009 19:36 Uhr
komm, dini
wenn man uns nicht ständig eintrichtern würde, dass uraltes pommesfett krebserregend ist..würden wir es weiterhin genießen.gehirnwäsche nenn ich das. mmmmhhh. uuurrrrralt.
Comment
von boffi boffi ist gerade offline | 20.10.2009 19:26 Uhr
auf jeden fall ...
...ein etwas merkwürdiger gourmet, dieser verfasser. es schmeckt doch nicht da zwangsläufig besser, wo es dreckig ist ...
Comment
von ganymed ganymed ist gerade offline | 20.10.2009 19:37 Uhr
fragen sie mal meine hunde..
was die alles essen würden, wenn die dürften. alles erziehungssache. kinder essen sand.
Comment
von Nielsklim Nielsklim ist gerade offline | 22.10.2009 17:12 Uhr
Aua!
... ja, Sand soll ja sehr gesund und der kindlichen Entwicklung höchst förderlich sein, vor allem derjenige, der vorher ordentlich mit lecker Hundpipi und anderen Köstlichkeiten getränkt wurde ... (Immer fleißig weiter Wasser auf die Mühlen der Ernährungsbarbarei gießen - Wo bin ich hier eigentlich?)
Comment
von unbekannt | 20.10.2009 19:30 Uhr
Siehste @dali
da sind wir wieder in unserer unterschiedlichen Sprachwelt. Während Du die Intention des Herrn dahingehend beschreibst, daß er bewusst zugespitzt formuliert hat", würde ich es folgendermaßen beschreiben und ich gebe mir wirklich Mühe ;-)

Der Artikel ist dem Umstand gewidmet, daß es sich hier um Dönerbratereien handelt....und deshalb kann man auch schonmal Korea oder Vietnam als Gegenbeispiel auspacken

Comment
von unbekannt | 20.10.2009 19:39 Uhr
Übrigens....
wünsche ich dem Herrn Kommentator guten Appetit, denn hier muß es ja nach seiner Aussage besonders gut schmecken.
Diese Patina, gerade auf dem 1. Foto sieht einfach nur nach "Mmh, lecker" aus.....

;-)
Comment
von flapjack flapjack ist gerade offline | 20.10.2009 20:57 Uhr
Binsenweisheit
Wie heißt es doch so schön: "Dreck reinigt den Magen."

Nun ja, ganz unrecht hat Herr Oswald nicht, selbst dort wo man es mit der Sauberkeit nicht ganz so genau nimmt, kann es schmecken, beispielhaft seien hier mal höchst köstliche Fleischspieße an jeder zweiten brasilianischen Straßenecke erwähnt. Allerdings sollte eine gewisse Grundhygiene schon Standard sein.
Sauberkeit muss zumindest soweit gewährleistet sein, so dass kein Ungeziefer (Ratten, Fliegen, Kakerlaken) angelockt wird. Diese sind Überträger von mehr als fiesen Krankheiten und haben weder im edelsten Restaurant, noch beim Chinamann um die Ecke was zu suchen.
Wenn es beim Kochen spritzt und kleckert und die Arbeits- bzw. Kochplatten nicht astrein aussehen, geht das in Ordnung, ich meine, jeder hat schließlich ein in der Regel gut funktionierendes Immunsystem, aber Saubermachen sollte trotzdem Pflicht sein.
Comment
von Nielsklim Nielsklim ist gerade offline | 22.10.2009 14:27 Uhr
Igitt!
Dieser Text ist eine Zumutung. Ich bin versucht, ihm Fahrlässigkeit und Willfährigkeit gegenüber der teils skrupellosen Geschäftemacherei zu attestieren, um die es sich bei vielen (nicht nur) Dönerbuden bzw. -produzenten zweifellos auch handelt, wo minderwertige und/oder verdorbene (und damit nicht nur „geschmacks“- sondern vor allem gesundheitsgefährdende Lebensmittel) in „sozialromantisch“-versifftem Ambiente in Umlauf gebracht werden. In Zeiten allgegenwärtig erodierender Esskultur, wo immer mehr Leute zu jeder Zeit an jedem denkbaren Ort immer mehr, schneller und beiläufiger von Irgendwas teils Undefinierbarem in sich hineinstopfen – Hauptsache, schön fettig und vor allem billig – kommt es einem Offenbarungseid gleich, derlei Auswüchse auch noch als Lebensqualitäts- und Genußgewinn zu propagieren. Statt die sich auch hieran manifestierende, beschleunigte Abwärtsspirale aus Armut und Esskulturverlust zu bagatellisieren und in Form von Ethnokitsch zu glorifizieren (die ach so pittoresk-arme Vietnamesin), sollte sich ein in verantwortungsvoller (= multiplikatorischer) Position tätiger Journalist bspw. lieber der kritischen Aufklärung über den Zusammenhang von materieller und sozialer Verelendung und dem grassierenden, von Profitgier getriebenen Raubbau an Lebensmitteln (Bsp. „Analogkäse“) verpflichtet fühlen, statt uns seine eher bizarr anmutenden (schmutzfetischistischen?) Ernährungsbefindlichkeiten zuzumuten. Und die Frauen, die derlei Ekelgastronomie abstoßend finden, zum Shoppen schicken zu wollen ist, nebenbei bemerkt, ein ganz tiefer Griff in die Mottenkiste männlich-infantiler Selbsterfindungspraktiken. Mögen sie, Herr Oswald, sich ihren salmonellenverseuchten Gammeldöner o.ä. auf klebrigem Mobiliar unter triefenden Fettstalagtiten schmecken lassen, wohl bekomm´s! Und nachdem dann irgendwann nach den guten Lebensmitteln auch das BLV abgewickelt wurde, hören wir auf, uns über Atomkraft aufzuregen – das bisschen Strahlung macht das Leben ja erst lebenswert!

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