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Auf den Punkt

Gemetzel ohne Gerechtigkeit

Gerd Appenzeller zu Urteilen wegen des Polizeieinsatzes beim G-8-Gipfel in Genua
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Gerd Appenzeller, Redaktionsdirektor - Foto: Mike Wolff
Berlin -  Sieben Jahre sind seit dem G-8-Gipfel in Genua vergangen. Für viele Menschen ist das noch nicht vergessen, sondern Gegenwart. Zum Beispiel für die Angehörigen des 23-jährigen italienischen Demonstranten, der damals von einer Polizeikugel tödlich in den Kopf getroffen wurde. Auch bei den hunderten Globalisierungskritikern, die im Juli 2001 von der Polizei willkürlich zusammengeprügelt worden waren, haften noch Erinnerungen.

Ihre Verletzungen werden jetzt noch einmal wehtun. Aber es ist kein Phantomschmerz, der sie wohl quält, sondern der Zorn über Urteile eines italienischen Gerichtes, das jetzt 16 der an den damaligen Übergriffen beteiligten Polizisten, darunter die drei für den Einsatz Hauptverantwortlichen, freisprach. Lediglich bei 13 der Angeklagten erkannte das Gericht auf schuldig.

Was war damals geschehen? Polizisten hatten die in einer Schule schlafenden Demonstranten, unter ihnen viele Deutsche, überfallen und zusammengeknüppelt. Beweise für die angebliche Gewaltbereitschaft der jungen Leute hatte die Polizei gleich mitgebracht: Einer der Uniformierten räumte später ein, er habe im Nachtlager eines Demonstranten zwei Molotowcocktails versteckt. Ein anderer beschrieb das Vorgehen gegen die Schlafenden später vor Gericht reumütig als Gemetzel.

Mit so viel Brutalität geht eine Polizei nur vor, wenn sie von der Führung aufgehetzt worden ist. So zu prügeln wagt nur jemand, der sich der Rückendeckung der Politik sicher ist. Und solche Manipulationen der Beweismittel sind nur denkbar, wenn die Täter darauf bauen können, dass die Justiz ihnen später keine Schwierigkeiten macht. Das hat ja dann wohl auch geklappt.

Ach ja: Der nächste G-8-Gipfel, 2009, ist wieder in Italien.
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Kommentare [ 5 ] Kommentar hinzufügen »

Comment
von michaelm michaelm ist gerade offline | 14.11.2008 16:19 Uhr
Danke
Danke Herr Appenzeller für diesen Kommentar über einen Skandal, der allen demokratischen und rechtsstaatlichen Prinzipien Hohn spricht.
Comment
von epunion.de epunion.de ist gerade offline | 14.11.2008 19:07 Uhr
Mehr Sicherheit
Dieser Fall sollte uns veranschaulichen, wie wenig Quantität von Polizeimacht etwas über deren Qualität aussagt.

Poilizisten/Einwohner/Land/Prozentanteil
---------------------------------------
250284__82.169.000__Deutschland_0,305
324339__59.619.290__Italien_0,544

Es ist um so wichtiger, dass die richtigen Persönlichkeiten an
den Schaltstellen sitzen, Verantwortliche mit wirklicher demokratischer Gesinnung.

Das schafft für Bürger mehr Sicherheit und nicht der Polizeiknüppel. Die Deutschen sollten sich mehr besinnen, wenn mehr Befugnisse und weniger Regeln für den Polzeiapparat gefordert werden.

Denn ´Genua´ ist auch in Deutschland möglich, wenn wir das Rad der Zeit zurückdrehen und wir sollten auch, angesichts dieser Urteile, uns an den Schahbesuch in Berlin und den getöteten Studenten ´Ohnesorg´ erinnern.
Comment
von armin_ulrich armin_ulrich ist gerade offline | 14.11.2008 19:55 Uhr
Bleibt noch die Frage.....
welchen Nerv die erwiesenermaßen (sonst braucht man keine Molotow-Cocktails bei den Demonstranten zu verstecken)harmlosen Demonstranten getroffen haben.
Comment
von fortis fortis ist gerade offline | 14.11.2008 23:20 Uhr
effetto Berlusconi
Das sind offfensichtlich nicht mehr die mutigeren Richter von mani pulite der 90er Jahre(Di Pietro u.a.), die den Korruptionssumpf rund um den seit vierzig Jahren auf Italien lastenden Regierungsklüngel von Democrazia Christiana und deren Koalitionären aufgedeckt und die italienische CDU zur Auflösung in Schande getrieben haben. Mittlerweile hat sich um Berlusconi wieder alles, was rechts ist, erfolgreich zusammengerottet, unter Einschluss der von ihm hoffähig gemachten neofaschistischen Alleanza Nazionale(Rom wird sogar von einem AN-Alemanno regiert!), und mit Hilfe seiner Verdummungsmedien(Mediaset-TV) die politische Macht von den Wählern erhalten, worauf er in jedem zweiten Satz hinweist. Wenn die Berichte über die bei ihrer Attacke gegen Linke von den Ordnungskräften unbehelligte Schlägerkolonne auf der Piazza Navona zutreffen, ist zu befürchten, dass es schon eine Art Neuauflage von Mussolinis Fasci di Combattimento geben könnte. Berlusconi ist gegenwärtig zudem mit Erfolg dabei, die öffentlich-rechtlichen Sender sehr trickreich unter seine Kontrolle zu bringen und kritische Stimmen kaltzustellen. Vielleicht ist die innenpolitische Situation Italiens wirklich schon zum Fürchten? Das übrige Europa sollte genau hingucken und deutlich Stellung beziehen und die demokratischen Kräfte Italiens nicht im Stich lassen.
Comment
von unbekannt | 15.11.2008 7:29 Uhr
Genau. Bis jetzt reguliert .............
............. die EU Dinge die sich messen lassen. Entweder die EU entwirft eine Norm anhand der Demokratie gemessen werden kann. Oder sie verurteilt Italien ohne messbar etwas nachweisen zu können. Aber es ist ja so: Wenn man nachmessen kann wie gut oder wie schlecht für ein Unternehmen - sei es nun profit oder non-profit - es betreffenden Zeitungsartikel sind, dann kann man auch messen, wie gut oder schlecht eine Demokratie ist.

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