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Auf den Punkt

Nähe verbindet

Malte Lehming über die Islamkonferenz und den Christopher Street Day
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Malte Lehming, Leitender Redakteur (Meinung) - Foto: Kai-Uwe Heinrich
Berlin -  Der normale Großstadtbewohner trennt seinen Müll, wählt die Grünen, geht zum Christopher Street Day, hat Freunde, die Vegetarier sind, befürwortet eine liberale Drogenpolitik, hat nichts gegen Sex vor der Ehe. Mit anderen Worten: Er ist so ziemlich das Gegenteil eines muslimischen Immigranten. Denn der ist kulturell in der Regel recht konservativ.

So titelte etwa die "Berliner Zeitung" im September 2007: "Bei Migranten sitzt der Schwulenhass tief". In der "tageszeitung" hieß es: "Feindbild Homosexuelle". Und im "Tagesspiegel: "Junge Migranten sind mehrheitlich homophob". Alle Artikel bezogen sich auf eine zwar nicht repräsentative, aber statistisch belastbare Studie, die vom Lesben- und Schwulenverband und vom Bundesfamilienministerium in Auftrag gegeben worden war. Demnach haben zwei Drittel der türkischstämmigen Jugendlichen und die Hälfte der russischstämmigen Jugendlichen in Berlin schwulen- und lesbenfeindliche Ansichten. Unter Jugendlichen ohne Migrationshintergrund ist ein Viertel homophob.

In den USA verhält es sich übrigens ähnlich. Schwarze und Latinos sind kulturell oft sehr viel konservativer als Weiße. Darum hat etwa die Legalisierung der Homo-Ehe in Bundesstaaten, in denen viele Schwarze und Latinos leben, wenig Chancen.

Auch auf anderen Gebieten - von der Ökologie bis zur Drogenpolitik - liegt der einheimische Kreuzberger schnell im Konflikt mit dem eingewanderten Anatolier. Und vielleicht ist das der wahre Grund, warum Innenminister Wolfgang Schäuble von Jahr zu Jahr größeren Gefallen an der Islamkonferenz zu haben schien. Womöglich atmet eine Mehrheit der muslimischen Immigranten in Deutschland mehr Geist von seinem Geist (von der Religion mal abgesehen) als vom Geist Hans-Christian Ströbeles. Die Junkies am Kottbusser Tor bringen den türkischen Gemüsehändler jedenfalls mehr in Rage als die Eröffnung eines McDonald's oder die Ansiedlung neuer Betriebe. Beim biodeutschen Kreuzberger ist es genau andersherum.

Was uns das lehrt? Nichts. Oder das: Nur ein Likud-Knochen wie Menachem Begin konnte den ersten großen Nahostfrieden (Camp David) schließen. Nur eine rot-grüne Bundesregierung konnte ohne völkerrechtliches Mandat in den Kosovokrieg ziehen und damit die pazifistische Traditionslinie bei den Grünen kappen. Vielleicht kann nur ein Unionspolitiker wie Schäuble mit seiner Islamkonferenz die entscheidenden Weichen für eine Integration der muslimischen Migranten stellen. Nähe verbindet eben mehr als ein noch so gut gemeinter Multikultiwille.
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Kommentare [ 11 ] Kommentar hinzufügen »

Comment
von samuelrees samuelrees ist gerade offline | 25.6.2009 13:54 Uhr
Kaukasier?
Den Begriff "Kaukasier" gibt es im Deutschen in diesem Zusammenhang nicht. Der in den USA verwendete Begriff "Caucasians" bezieht sich dort auf "Weiße". Alles andere als dieser Begriff verwirrt nur unnötig.
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von lehming lehming ist gerade offline | 25.6.2009 15:08 Uhr
@samuelrees
Besten Dank für den Hinweis, Sie haben recht, wir haben's geändert.
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von s.theile s.theile ist gerade offline | 25.6.2009 15:24 Uhr
Unzulässige Verbindung
Viertes Beispiel: Bei den Notstandsgesetzen von 1968 brauchte es schon die Radieschenpartei namens SPD, das hätten sich die Konservativen alleine nie getraut. Was uns all diese Beispiele im Zusammenhang mit dem Thema sagen? Meiner Meinung nach absolut nichts.

Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun. Die Leistung von Politikern wie Begin oder Stresemann sind in ihrer Persönlichkeit begründet. Vielleicht bringt ja einmal die Union wirklich so eine große Persönlichkeit hervor, die trotz konservativer Weltanschauung tolerant und kosmopolitisch denkt. Schäuble, der seine unbefugten Finger einfach nicht vom Grundgesetz lassen kann und der z.B. keine Häftlinge aus Guantanamo nach Deutschland lassen will, ist es jedenfalls nicht, der die Tür zu unseren islamischen Mitbürgern weit aufstoßen wird.
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von andrej andrej ist gerade online | 25.6.2009 17:39 Uhr
Ach ja, Guantanamo...
Vlt. kann Schäuble aber auch einfach nur besser rechnen als die meisten Gutmenschen. Nach Aussagen des Pentagon wurden ca. 14% der bisher aus Guantanamo entlassenen wieder "rückfällig", d.h., sie üben wieder -voll resozialisiert- ihren alten Beruf wieder aus - Terrorist.
Was heisst das in anschaulichen Zahlen? Wenn, sagen wir, in Ihrer Stadt nur 5 dieser Herrschaften aufgenommen würden, eine wohl durchaus realistische Zahl, wäre es bereits wahrscheinlicher, dass MINDESETENS EINER wieder terroristischen Aktivitäten nachgeht, als dass alle 5 friedlich bleiben. Soweit die graue statistische Theorie. Würden Sie das Experiment in der Realität, sagen wir mit 5 ehemaligen Guantanamo-Häftlingen in Ihrer Strasse, machen wollen?
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von nyarlat nyarlat ist gerade offline | 25.6.2009 20:29 Uhr
Wer vor Gitmo kein Terrorist war
ist es hinterher sicher! Das würde Ihnen auch so gehen.
Lassen Sie sich mal vom Nachbarn waterborden. Mal sehen ob Sie ihn danach noch mögen.
Mal ganz abgesehen davon das diese Statistik sicher nicht nachgeprüft und vom "Heimatkunde" Ministerium für Liebe herausgegeben wurde.
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von andrej andrej ist gerade online | 25.6.2009 23:00 Uhr
jaja...
Schon klar, dass das mit der statistik angezweifelt werden würde - Ideologie und Realitätssinn gingen noch nie gut zusammen. Bei normalen Kriminellen gibt es ja nach dem Verbüssen einer Haftstrafe ja auch ABSOLUT NIE Rückfälle in die Kriminalität.
Und natürlich sind ABSOLUT ALLE in Guantanamo unschuldig - die sind nur eingesperrt worden, weil die Army noch Steuergelder irgendwie verbraten musste, und deswegen mal eben ein Hochsicherheitsgefängnis gefüllt hat. Die waren auch alle nur aus rein touristischen Gründen dort, wo sie gefangengenommen worden. Afghanistan z.B. ist ja so eine Art Neuschwanstein oder Ballermann.
Nun im Ernst: Selbst wenn die Rückfallqoute halb so hoch sein sollte, sind Sie immer noch bei 10-Ex-Häftlingen bei einer Wahrscheinlichkeit von mehr als 50%, dass mindestens einer wieder Terrorist wird - sehr viel beruhigender ist das nun nicht.
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von pascalsneffe pascalsneffe ist gerade offline | 25.6.2009 17:25 Uhr
Kreuzberger und Anatolier
Vielleicht gerät der Kreuzberger mit dem Anatolier nicht gar so selten in Konflikt, weil sie beide Tür an Tür leben? Die größten Toleranzverfechter stammen meiner Erfahrung nach aus Vierteln, in denen man dem "Anatolier" eher am Schreibtisch denn beim Grillen begegnet.
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von shaboom shaboom ist gerade offline | 25.6.2009 19:18 Uhr
Lehming, da ist Ihnen ein Rassismus passiert
Was meinen sie eigentlich mit "In den USA verhält es sich übrigens ähnlich."
Was ist da ähnlich? Wollen sie sagen, Schwarze seien Amerikaner mit Migrationshintergrund? Nein sicher nicht. Ihnen ist da ein ganz bitterböser Rassismus passiert, Herr Lehming:
Sie setzen Ausländer mit Nicht-Weisser gleich.
Nur so können sie in die Idiotie verfallen, Parallelen zwischen Schwarzen und Migranten in Deutschland zu ziehen. Trösten Sie sich: Mit diesem Schwachsinn sind Sie nicht alleine.
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von -Migrant- -Migrant- ist gerade offline | 25.6.2009 21:42 Uhr
Keineswegs
Keineswegs,
als blonder und blauäugiger Russlanddeutscher gebe ich Herrn Lehming Recht.
Wobei ich persönlich zwischen den Zuwanderergruppen differenzieren würde.

Bei den Russlanddeutschen und sonstigen Migranten ist dies eher durch die Sozialisation im Elternhaus gegeben. Diese Einflüsse sind, wie wir aus eigener Erfahrung wissen, nur selten bis ans Lebensende dogmatisch. Bei einer zusätzlichen theologischen Untermauerung dieses Fundaments wird es dagegen schwer die eigenen Normen einem gesamtgesellschaftlichen Konsens unterzuordnen.

Und daher muss ich dem Herrn Lehming leider bei der These eines Erfolgs durch Dr. Wolfgang Schäuble widersprechen. Diese Hoffnung habe ich leider schon aufgegeben. Der einseitig mehrseitige Forderungskatalog des zu integrierenden Konferenzteilnehmers führte den strittigen Punkt leider nicht auf.
Comment
von lehming lehming ist gerade offline | 26.6.2009 8:38 Uhr
@ shaboom
Ach du meine Güte, ein Rassismus ist mir passiert (hübsche Formulierung), dafür möchte ich mich aufrichtig bei all jenen, die sich durch meinen Text verletzt fühlen, entschuldigen. Das Problem ist nur, ich weiß nicht, wer das sein könnte. Sind Afroamerikaner böse, weil sie in einem Text mit Deutschtürken vorkommen? Oder andersherum? Oder ziehen Latinos 'ne Schnute, weil sie partout keine Muslime sein wollen? Ich verspreche: Wenn ich's verstanden habe, bessere ich mich.
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von jungle jungle ist gerade offline | 26.6.2009 17:48 Uhr
Der Kommentar
...von Malte Lehming trifft ins schwarze- mal von dem letzten Abschnitt abgesehen, wo es um die politischen Schwarzen in Deutschland geht. Denn der Konservativismus eines Herrn Schäubles ist doch nicht mit dem von muslimischen Einwanderern zu vergleichen. Bei vielen von ihnen (natürlich nicht allen) geht es häufig um das starre Festhalten an Traditionen, die nicht reflektiert werden und die durchaus mit unserer Werteordnung kollidieren. So etwas kann man der CDU von heute nun weniger vorwerfen.

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