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Auf den Punkt

Auch verhüllte Frauen können denken

Claudia Keller über Seyran Ates und den Kopftuchstreit
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Claudia Keller, Berlin-Redakteurin - Foto: Kai-Uwe Heinrich
Deutschland ist ein multireligiöses Land geworden. Diese Tatsache jagt Feministinnen wie der Berliner Islamkritikerin Seyran Ates Schauder über den Rücken. Denn an Gott zu glauben, ist für linke Frauenrechtlerinnen etwas zutiefst Rückständiges. Da Christen höchstens an einem schmucken Kreuz zu erkennen sind, richtet sich der antireligiöse Furor gegen muslimische Frauen mit Kopftuch. Seyran Ates hat jüngst erklärt, sie könne unmöglich die Grünen wählen, weil man dort „den meisten Kopftuchträgerinnen und VerteidigerInnen des Kopftuchs, den meisten Kulturrelativisten und Multikulturalisten“ begegne.

Ates ist Juristin und hat als Anwältin Frauen mit Kopftuch vor Gericht vertreten, denen von ihren Familien und Ehemännern Gewalt angetan wurde. Ates wurde von einem dieser Ehemänner fast ermordet. Dass für sie das Kopftuch ein Zeichen von religiös verbrämter Unterdrückung ist, kann man zwar nachvollziehen, wenn man ihre Lebensgeschichte kennt. Aber dadurch spricht sie den Musliminnen das Selbstbestimmungsrecht ab, die das Kopftuch aus eigenem Willen tragen.

Gelten Frauenrechte nur, wenn Alice Schwarzer sie absegnet? Dass sich Kopftuchträgerinnen in politischen Parteien engagieren, ist doch das beste Beispiel dafür, dass das Klischee mit der Unterdrückung nicht stimmt. Auch verhüllte Frauen können denken. Dass das eine Anwältin nicht sehen will, ist schon paradox. Dass die Grünen ihrerseits mit einem Offenen Brief Ates attackieren, zeugt allerdings auch nicht gerade von Selbstbewusstsein. Schade, dass über Integrationspolitik und Religiosität immer nur im Schlagabtausch diskutiert wird. Die Themen und ihr gesellschaftspolitisches Potenzial sind dafür eigentlich zu wichtig.
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Kommentare [ 69 ] Kommentar hinzufügen »

Comment
von B_H B_H ist gerade offline | 21.9.2009 15:02 Uhr
Wirklich wahr?
»Auch verhüllte Frauen können denken.«

Wäre Seyran Ates sicher nicht von alleine drauf gekommen.

Wenn Claudia Keller jetzt noch kapierte, worum es Seyran Ates geht, dann wäre die Welt in Ordnung, sicher nicht nur um das Kopftuch, wie das Zitat ja zeigt.

»den meisten Kopftuchträgerinnen und VerteidigerInnen des Kopftuchs, den meisten Kulturrelativisten und Multikulturalisten«

Wäre sicher interessant zu wissen, ob es einen Zusammenhang zwischen Kopftuchträgerinnen, Verteidigern des Kopftuchs, Kulturrelativismus und Multikulturalismus gibt.

Kulturrelativismus ist jedenfalls ein absurdes Konzept, genau wie Multikulturalismus und führt logisch zwingend zur absolutistischen, antirelativistischen Verteidigung des Kopftuchtragens, nicht unbedingt dazu, dass das Kopftuch getragen wird.
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von betrachter betrachter ist gerade offline | 21.9.2009 15:08 Uhr
Was soll dieser Frontalangriff
auf eine mutige und engagierte Anwältin und Frauenrechtlerin?!

Verehrte Frau Keller, ich finde Ihren Kommentar äußerst fragwürdig!

Das Kopftuch ist viel weniger ein Zeichen für eine Religion, sondern steht für Nicht-Emanzipation und Unterdrückung! Haben Sie schon einmal darüber nachgedacht, dass viele Frauen das Kopftuch nicht freiwillig tragen?

Ich kann Ihnen ein Beispiel aus meiner eigenen Familie nennen. Eine stolze und selbstbewusste Tante wurde durch ihren zunehmend religiöseren Ehemann gezwungen, das Kopftuch zu tragen. Ich habe mich früher gerne mit ihr offen und frei unterhalten. Jetzt sehe ich sie nur noch, wenn sie das Essen aus der Küche hereinbringt. Es tut mir in der Seele weh, das zu erleben, aber ihr Mann ist seit seiner stärkeren Hinwendung zur Religion stur und engstirnig geworden.

Das hat nichts mit freier Religionsausübung zu tun, das ist Unterdrückung.

Und so etwas sollte im TSP nicht verteidigt werden!

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von hebold hebold ist gerade offline | 21.9.2009 15:11 Uhr
Paradox
Auch verhüllte Frauen können denken. Dass das eine Anwältin nicht sehen will, ist schon paradox.

Nein, paradox ist allein, dass einige Multikultis nicht einsehen wollen, dass das Kopftuch ein religiöses und das heißt beim Islam ein politisches Symbol ist. Das Kopftuch steht schlicht und ergreifend für den Sexismus dieser Weltreligion. Es steht für die Unterdrückung der Frau im Namen Allahs. Mit anderen Worten: Es ist kein wertfreies Modeaccessoire. Vielleicht wird das einmal so werden. Aber momentan sieht es nicht danach aus. Bei Ketten versteht das jeder. Punker können sie tragen. Würden aber Schwarze plötzlich mit Ketten durch die Gegend gehen, käme wohl auch keiner auf die Idee, das für irgendwie selbstverständlich zu halten. Es wäre paradox.
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von ganymed ganymed ist gerade online | 21.9.2009 15:29 Uhr
man sieht
kopftuchfrauen auch an der uni. wenn das unterdrückung ist...die wollen das oft selber. wenn man natürlich da von gehirnwäsche redet..es soll jeder rumlaufen, wie er lustig ist.wenn ich mir die hüte im westen angucke...pferderennhüte. die sind auch nicht besser. wenn da jemand ohne käme...
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von Gockeline Gockeline ist gerade offline | 21.9.2009 15:43 Uhr
Verhüllte Frauen dürfen nur frei denken bei uns!!
Dass verhüllte Frauen auch mitdenken können will ihnen niemand bestreiten. Aber es ist eingebettet und frei in unsere Dekomkratie.
Der Islam als Religion auf der ganzen Welt kennt keine Freiheit an.
Er lebt sich gut ein bei uns und verbreitet sich heimlich.
Sollte er die Mehrheit hier gewinnen,ist er so dogmatisch und unfrei wie in allen anderen Ländern.
Wer sehen will wohin das führt sollte sich in arabischen Ländern umschauen.
Keine Rechte und Freiheit mehr und Gesetze gelten nur noch was Imame vorschreiben.
Nicht der Koran!
Der wird wie bei manchen die Bibel völlig falsch ausgelegt.
Immer so wie es gerade nützt.
Das Kopftuch halte ich nicht für das Hauptübel,sondern was damit ausgedrückt werden soll.
Eine Religion nach rückwärts geschaut.
Ohne Liebe!
Liebe ist das Hauptthema des Christentums
und die schwerste Aufgabe.
Für den Islam ist nur das Gesetzt wichtig.
Comment
von robert56 robert56 ist gerade offline | 21.9.2009 16:33 Uhr
Sorry Frau Keller,
wenn Sie mal in den arabischen Ländern Urlaub machen, werden Sie erleben was es heißt tragen zu wollen was Sie möchten.

Ihnen wird auch nahe gelegt ein Kopftuch zu tragen. Selbst Sie werden dann ein Tuch über Ihren Kopf tragen - müssen.

Das blieb auch unserer Kanzlerin bei Ihren Staatsbesuchen in der arabischen Welt nicht erspart. Die hatte auch ein Tuch über. Vor allem galt das nicht nur für den Iran.
Man begründet dies im allgemeinen mit Respekt vor den Sitten dieses Landes. Leider ist Respekt im Islam immer nur einseitig.

Das hat mit Denken überhaupt nicht zu tun. Natürlich kann ein verschleierte Frau noch denken.

Wenn Ich aber heutzutage Burka tragende Frauen in Kreuzberg treffe, an denen man nur noch die Augen erkennt, frage ich mich schon wo hier der Unterschied zu Afganistan oder dem Iran liegt.
Das darf hier einfach nicht geduldet werden.
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von borax borax ist gerade offline | 21.9.2009 17:28 Uhr
Das ist inzwischen....
teilweise sogar schon in Deutschland so.

Buschkowsky hat mal erzählt, wie auf liberalere, moderne muslimische Familien in Neukölln mehr und mehr Druck in Sachen Kopftuch ausgeübt wird: nämlich indem der Imam bei der Familie erscheint und ihnen sagt, ihre Tochter würde ja ohne Kopftuch herumlaufen, ob sie etwa eine "Schlampe" wäre (damit ist gemeint: ein Mädchen ohne Ehre).

Einen Ruf als Schlampe angehängt zu bekommen, ist für muslimische Mädchen so ungefähr das Schlimmste was passieren kann, und schwupps ziehen sie - gaaaanz freiwillig natürlich - dann ein Kopftuch an.

Ich kenne auch Fälle, wo Mädchen, die kein Kopftuch trugen, von rabiaten Mitschülern "zur Strafe" an den Haaren durch den Klassenraum gezerrt wurden. Die trugen von da an dann auch gaaaanz freiwillig Kopftuch (sofern sie muslimisch waren, es gab allerdings auch katholische Polinnen und Deutsche, denen das passiert ist).

Grundsätzlich wird das Kopftuch getragen mit dem Vorwand, der Mann könne angesichts der Haare (Reize) der Frau seine Selbstkontrolle nicht behalten und womöglich über die Frau herfallen, wenn sie sich nicht verhüllt. Umgekehrt ist es so, dass nicht verhüllte Frauen demzufolge als schamlos gelten und "selbst schuld", wenn sich Männer ihnen gegenüber nicht beherrschen. Daher kommt auch das weitverbreitete Klischee in manchen Kreisen, nicht verhüllte Frauen hätten einen "Schlampen"-Status, also keine Ehre und ein lockeres Liebesleben.

Das Kopftuch ist daher eine Art "Wertungs-"Tool: selbst wenn man nichts geschafft haben sollte im Leben, so soll das Kopftuch signalisieren: "Ich bin besser/ehrenhafter/tugendhafter" etc. Das ist auch gleichzeitig immer eine massive Abwertung der anderen und eine gezielte Abgrenzung.

Dass die Autorin nun allen Ernstes tut, als ob das Kopftuch ein Zeichen für Frauenrechte sei, ist schon bizarr. Für mich ein Zeichen, wie man sich Selbstunterwerfung schönreden kann.
Comment
von sasel sasel ist gerade offline | 21.9.2009 22:38 Uhr
danke,
ohne Hilfe (Verhüllung) der Frauen können diese Männchen also ihre Triebe nicht kontrollieren? Bekopftuchte billigen demzufolge, dass ihre Männchen sich als solche darstellen? Was ließe sich durch das Verhüllen von kleien Mädchen ableiten?
Eine Alice für Muslima, das wünsche ich mir
Comment
von 10115er 10115er ist gerade offline | 30.9.2009 18:01 Uhr
@sasel
Lieber Sasel, Sie treffen ins Schwarze. Umso absurder, dass es immer noch Menschen - und vor allem Frauen - gibt, die das nicht verstehen können oder wollen.

Aber es gibt ja auch kulturrelativistische Argumentationen, die Schläge in der Ehe oder Erziehung auf irgendwelchen verbogenen Wegen zu rechtfertigen wissen. Unsereins kann nur den Kopf schütteln...

Borax spitzt zwar zu, aber genau so und nicht anders ist das Kopftuch zu sehen.
Comment
von unbekannt | 21.9.2009 16:35 Uhr
Denken, bitte!
noch mehr als "paradox" ist, dass Seyran Ates mit keinem Wort sagt, verhüllte Frauen könnten nicht denken.
Comment
von B_H B_H ist gerade offline | 21.9.2009 16:59 Uhr
@maiglöckchen
Sie sind also der Meinung, Claudia Keller wäre gut beraten, wenn sie sich entschiede, ab sofort ein Kopftuch zu tragen, so im Sinne von self-fulfilling-prophecy?
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von lindblom lindblom ist gerade offline | 21.9.2009 16:44 Uhr
Der Weg wird bereitet
"Auch verhüllte Frauen können denken"

Das wird wohl auch niemand bestreiten. Doch das was und wie sie denken spielt die entscheidende Rolle!

Dass Religiösität linken Feministinnen einen Schauer den Rücken herunter laufen lässt (zumindest lt. Fr. Keller), darf angesichts des Rollenverständnises derer die zutiefst islamisch geprägt sind ja wohl nicht verwundern.

Was mich aber sehr verwundert, ist dass eine "aufgeklärte" Journalistin eher Fr.Ates (die ja integrierter kaum sein kann) kritisiert, als die zugewanderten Frauen die sich einem rückwärtsgewandten Weltbild ausliefern oder u.U. gar keine andere Wahl haben.

Oder wie wär es mal mit vorsichtiger Kritik an den "Herren der Schöpfung"?

Verlässt einen da der Mut wieder schneller, da diese Menschen vielleicht etwas "temperamentvoller" reagieren als das hierzulande in der Regel üblich ist?

Fr.Ates, die aufgrund ihrer individuellen Überzeugung schon heftigsten Gegenwind und sogar Gewalt erlebt hat - für Taten und Anschauungen die in unserem Land (noch) selbstverständlich sind, zu kritisieren oder ihr gar differenziertes Denken abzusprechen, das ist ja auch zu leicht.

Fr.Ates setzt sich für das Selbstbestimmungsrecht der Frauen ein! Das hat sie oft genug bewiesen. Das in Frage zu stellen... na ja...

"Dass sich Kopftuchträgerinnen in politischen Parteien engagieren, ist doch das beste Beispiel dafür, dass das Klischee mit der Unterdrückung nicht stimmt."

Wenn die Autorin das wirklich glaubt...

Fazit: Fr.Schwarzer und Fr.Ates kommen für mich, bei allen Zuspitzungen, wahrhaftiger und überzeugender zum Thema "Selbstbestimmungsrecht der Frau" rüber als das Plädoyer für Kopftuchträgerinnen von Fr.Keller. Eine Parteinahme die nicht ohne verbale "Schläge unter die Gürtellinie" auskommt...!



Comment
von burri19 burri19 ist gerade offline | 21.9.2009 16:50 Uhr
Claudia Keller versteht Frau Ates nicht,
weil sie nicht in den Umständen und nicht als Teil der Communitie leben muss, die sie so nett und politisch korrekt "versteht".

Ganz eindeutig ist dies der Redakteurin überhaupt nicht klar. Ich könnte jede Menge Beispiele dafür bringen, wie falsch sie liegt. Das würde allerdings die Schweigepflicht verletzen.

Alles andere haben die Kommentatoren vor mir schon gesagt. Auch ich bin im Übrigen entsetzt, wie sich der Tsp zum Spielball mal der einen, mal der andern Betracht dieser Art von migrantischer Wirklichkeit macht. Durch seine Beliebigkeit, die er wohl Liberalität nennen wird, macht er sich unglaubwürdig.
Comment
von lindblom lindblom ist gerade offline | 21.9.2009 17:01 Uhr
gesellschaftl. Rückentwicklungen
In den 1970er Jahren haben Feministinnen BH´s verbrannt, im Jahr 2009 diskutieren wir, dass auch Kopftuchträgerinnen selbstbestimmt sein können.

Beides ist sicherlich überzogen, aber früher hat man sich befreit und die Hüllen fallen lassen, heute ist verhüllen angesagt.

Auch das beides Extreme...!

"Schade, dass über Integrationspolitik und Religiosität immer nur im Schlagabtausch diskutiert wird."

Schlagabtausch - den Schuh kann sich die Autorin auch anziehen

Schlimm, dass es überhaupt notwendig ist über Integrationspolitik im Zusammenhang mit Religiosität zu diskutieren!

Daran kann man erkennen, dass bestimmte Einwanderergruppen ihre persönlichen Lebensanschauungen zu sehr in unseren Alltag einführen.
Comment
von shiraz shiraz ist gerade offline | 21.9.2009 17:03 Uhr
Das mit der Freiwilligkeit...
ist so eine Sache, Frau Keller. Wenn sie einmal in einem muslimischen waren (ich war kürzlich in Syrien), werden sie vielleicht bemerkt haben, was für eine ungeheure Gehirnwäsche dort betrieben wird. Bis zu seinem 20. Lebensjahr wird jedes weibliche Wesen gut 30 000 mal vom nahe gelegenen Gebetsturm per Lautsprecher beschallt. Hinzu kommen Moscheebesuche, der Druck der Familie etc. Dagegen ist jede Psycho-Behandlung bei den Scientologen Pipifax.
Ist eine Frau dann noch wirklich "frei" in der Wahl, das Kopftuch zu tragen?
In Deutschland ist der Druck sicher weniger sichtbar, in gläubigen Familien aber nicht weniger rigoros. Ich glaube, Frauen können nur dann halbwegs vor diesem Symbol weiblicher Unterdrückung geschützt werden, wenn das Kopftuch schlicht verboten wird.
Was ja, btw, auch nicht wirklich eine Glaubensvorschrift zu sein scheint, weil es im Koran nirgendwo explizit gefordert wird.
Comment
von lale lale ist gerade offline | 21.9.2009 17:30 Uhr
Denken ist schwer
Schade, dass mal wieder eine ganze Diskussion nur auf das Kopftuch reduziert wird. Mir fällt vor allem Einseitigkeit auf.
1. Dass alle oder viele verhüllte Frauen gezwungen werden ein Kopftuch zu tragen, ist schlichtweg falsch. Dies haben zahlreiche Studien bewiesen. Es gibt zahlreiche Beweggründe von Frauen, ein Kopftuch zu tragen.Das Kopftuch kann vieles bedeuten, je nach Kontext. Im algerischen Unabhängigkeitskrieg zum Beispiel war das Kopftuch Symbol des Aufstands gegen die französische Kolonialherrschaft. Deswegen wurde es in Frankreich nicht gerne gesehen. Wer aber immer von einer gezwungenen Minderheit auf die Mehrheit schließt, der ist nicht ehrlich und versucht vielleicht ja auch, so die eigene Ablehnung zu implizieren.
2. In meinem Bekanntenkreis kenne ich viele Frauen mit Kopfuch.In meiner Uni gibt es zahlreiche Kopftuchträgerinnen. Niemand wurde hierzu gezwungen.
3. Leider wird noch immer totgeschwiegen, dass vor allem gebildete und emanzipierte Kopftuchträgerinnen in der deutschen Gesellschaft, vor allem wegen der Ablehnung und Vorurteile, kaum Chancen haben, einen Arbeitsplatz zu finden. So haben diese Frauen nicht die Möglichkeit, die bereits gefestigten Vorurteile zu widerlegen.Letztendlich führt es dazu, dass solche Frauen aus der deutschen Gesellschaft verdrängt werden. Non multikulti und Toleranz keine Spur.Mittlerweile kenne ich sogar Frauen, die nicht möchten, dass ihre Kinder Kopftuch tragen, um ihnen Beleidigungen zu ersparen.
4. MAn sollte sich fragen, weshalb in den Medien nur Geschichten von unterdrückten und entrechteten Frauen erscheinen. Die Gesellschaft hört viel lieber solche Geschichten, als jene, in denen Muslime zu Opfern werden.Und diese negativen Geschichten prägen sich viel eher ein als Storys von erfolgreichen Kopftuchträgerinnen.
5.
Das Problem ist, dass alle Kopftuchträgerinnen in einen Topf geworfen werden, unabhängig davon, woher sie kommen, welche Bildung sie haben, wie sie zu ihrer REligion eingestellt sind...
Comment
von ganymed ganymed ist gerade online | 21.9.2009 18:08 Uhr
@lale
sehr gut. als dächte unsereins unbeeinflußt.eine muslimin, die in deutschland freiwillig ein kopftuch trägt, bekommt keinen arbeitsplatz im öffentlichen dienst. als putzfrau ja.ich kenne mich im bereich forschung aus. hier laufen sie herum, die doktorandinnen, mit kopftuch und mit schleier. keiner sagt was, keiner merkt was. lass doch jeden machen was er will. in den 70 ern wurde uns auch von aussen gesagt, was normal ist. was alle machen. na bravo.moralapostel.
Comment
von lale lale ist gerade offline | 21.9.2009 17:36 Uhr
@ lindblom
Daran kann man erkennen, dass bestimmte Einwanderergruppen ihre persönlichen Lebensanschauungen zu sehr in unseren Alltag einführen.

Können Sie das näher erläutern?

Darf nicht jeder seinen Alltag so gestalten, wie er/sie möchte, so lange SIe dabei nicht in Ihren Rechten verletzt werden. Ist es nicht gerade das Wesen unserer Verfassung, dass jeder eine persönliche Lebensanschauung hat, nach der er/sie leben darf?
Comment
von ganymed ganymed ist gerade online | 21.9.2009 18:25 Uhr
lale bekommt
einen sympathiepunkt von mir. was hat man uns frauen in den 70 ern alles männlicherseits aufgezwungen und dann emazipation genannt.wer anders dachte oder gar machte, war verklemmt. bis ins fühlen hinein waren wir fremdbestimmt. ich habe bis heut ein trauma weg. man bekommt immer was aufgezwungen. religiös darf man nicht sein, kirchlich nicht.wie schade, dass ich aus sämtlichen kirchen ausgetreten bin..auch das gab ärger. früher war verheiratet spießig, aber seit weddingplaner ihr unwesen treiben, ist es wieder in. einzelkind haben war nichts, drei kinder auch nicht. wann gibt es denn mal zeiten, wo jeder in ruhe..r u h e..seinem gusto entsprechend leben darf? natürlich nicht auf kosten anderer. aber das aussehen..ist geschmacksache. wußten schon die römer. und was man denkt und glaubt..ist nie unabhängig. ich mache das, was zu mir passt. heute das und nächstes jahr vielleicht was anderes.und ich spreche hier für alle muslimischen frauen, die kopftuch tragen wollen.und spießruten laufen müssen. laßt sie in ruhe!!!
Comment
von uvloff uvloff ist gerade offline | 21.9.2009 17:41 Uhr
Noch darf man in Europa frei denken
Aber leider wird das mit naiven Vorstellungen wie in diesem Kommentar nicht mehr allzu lange so sein. Erschreckend.
Comment
von w.p. w.p. ist gerade offline | 21.9.2009 17:43 Uhr
@Claudia Keller
Paradox finde ich, dass eine Frau so etwas von sich gibt. Sie scheinen sich mit der islamischen Welt in keinster Weise auseinanderzusetzen. Diesen Eindruck vermitteln Sie jedenfalls in Ihrem Artikel.
Comment
von ganymed ganymed ist gerade online | 21.9.2009 18:13 Uhr
vorbeugend
gerade weil ich mich so gut in der islamischen welt auskenne,seit meinem 12. lebensjahr, rede ich als nichtkirchliche frau f ü r die, die kopftuch tragen wollen.
Comment
von lindblom lindblom ist gerade offline | 21.9.2009 17:43 Uhr
Befreiung vom Kopftuchzwang
Letzlich würde ich einigen "selbstbestimmten Kopftuchträgerinnen aus Glaubensgründen" unterstellen, dass das Tragen des Kopftuches (nicht als modisches Accesoire) ein "zur Schau getragener Populismus" ist...
Comment
von samuelrees samuelrees ist gerade offline | 21.9.2009 18:06 Uhr
Mode von gestern
Wann immer ich Frauen sehe, die ein Kopftuch tragen, weiß ich nicht, ob ich diese bedauern, oder doch lieber zum Make-Over mitnehmen soll. Es sieht einfach lächerlich aus.
Comment
von kadiska kadiska ist gerade offline | 21.9.2009 17:44 Uhr
Kopftuch und Emanzipation sind nicht vereinbar
In strenggläubigen muslimischen Familien tragen die Frauen außerhalb ihrer Familie ein Kopftuch, um damit ihre Ehrbarkeit zu zeigen. Im Koran gibt es keine Anweisung zum Tragen eines Kopftuches. Aus machtpolitischen Gründen (Mohameds Tochter Fatima und somit auch ihr Mann Ali sollten diskreditiert werden) hat man währen der Kämpfe um die Nachfolge Mohameds einen Hadith (Überlieferung) hervorgekramt, nach dem Mohamed seinen Anhängern den Rat gab, ihre Frauen sollten abends auf der Straße ihr Haar verhüllen, um nicht mit Prostituierten verwechselt zu werden. Dies wurde dann so umgedeutet, dass Mohamed die Frauen aus dem öffentlichen Leben verbannen wollte.
Mohamed hatte übrigens seine beträchtlich ältere Chefin, die eine wohlhabende Geschäftsfrau war und für die er als Kameltreiber tätig war, geheiratet.
Comment
von Lund Lund ist gerade offline | 21.9.2009 17:45 Uhr
Der Mann als Sexobjekt
Es geht doch gar nicht darum, ob eine Frau mit Koptuch denken kann. Es geht darum, dass Frauen mit Kopftuch signalisieren, Männer aufs Sexuelle zu reduzieren. Welche Frau würde sich das andersrum gefallen lassen?
Comment
von ganymed ganymed ist gerade online | 21.9.2009 18:11 Uhr
@lund
was diese dinge angeht, da ist der unterschied zwischen männern und frauen riesig. man lese zeitung. sexualdelikte. ein mann, der hauptamtlich auf geist achtet bei einer frau, möge sich mir vorstellen.ich warte und bin offen.wieviele männlcihe prostituierte gibt es? und wenn, dann für wen?
Comment
von unbekannt | 22.9.2009 22:06 Uhr
@Lund
genau! Das islamische Kofptuch ist eine Versündigung gegen die Schöpfung. Allah gab der Frau das Haar nicht, damit sie es verbirgt.
Comment
von kaleu kaleu ist gerade offline | 21.9.2009 17:53 Uhr
Selbstverständlich können verhüllte....
...Frauen denken, wer hätte dies je bestritten?

Nur denken dürfen, dürfen Sie nicht!
Comment
von henrykonfu henrykonfu ist gerade offline | 21.9.2009 18:15 Uhr
Warum so böse?
Und, hat es allen psychisch gut getan, Inhalte in Frau Kellers Kommentar hineinzuinterpretieren, die sie gar nicht geschrieben hat?
Frau Keller hat an Seyran Ates lediglich kritisiert, dass sie alle Kopftuch tragenden Frauen in eine Schublade steckt und nicht berücksichtigt, dass es neben den zum Kopftuchtragen gezwungenen Frauen auch Frauen gibt, die ihr Kopftuch gerne, frei von Zwang und aus religiöser Überzeugung tragen.
Punkt und basta.
Comment
von ganymed ganymed ist gerade online | 21.9.2009 18:26 Uhr
henrykorfu
besten dank.sympathiepunkt.
Comment
von indianway77 indianway77 ist gerade offline | 22.9.2009 1:22 Uhr
Danke ebenfalls
[b][/b]Schönen Dank, sehe ich auch so, Pauschalisierungen haben noch nie weitergeholfen.
Comment
von freidenker freidenker ist gerade offline | 21.9.2009 18:40 Uhr
@ keller
Sie leisten mit Artikeln wie diesem der Integration einen Bärendienst.

Schwach!
Comment
von wilhelm wilhelm ist gerade offline | 21.9.2009 19:42 Uhr
Kein Zwang?
Tja, wenn man unter Zwang eine vorgehaltene Waffe versteht, dann gibt es wohl tatsächlich keinen Zwang zum Kopftuchtragen. Aber subtiler Zwang, oder auch weniger subtiler, durch frühkindliche „Erziehung“, durch die Familie, die Gesellschaft, ist wohl meist im Spiel. Studien belegen das Gegenteil? So, so. Da betrachte man die Umstände der Befragung einmal genauer. Kinder: Klar sind die mit Begeisterung dabei, wenn man ihnen eingeredet hat, der LG liebe sie mit Kopftuch ganz besonders. Erwachsene: Welchem Interviewer kann man trauen? Und: Manche Frauen leugnen aus Scham Vergewaltigungen – um wie viel wahrscheinlicher ist das Leugnen aus Scham der Demütigung des Kopftuchtragens?
Comment
von kosmo22 kosmo22 ist gerade offline | 21.9.2009 19:53 Uhr
Frauen
können auch in Teheran zur Universität gehen, dürfen also ihr Gehirn gebrauchen. In den Augen von Frau Keller ist dort dann wahrscheinlich auch alles in Butter mit den Frauenrechten.
Comment
von Tolleranz Tolleranz ist gerade offline | 21.9.2009 20:07 Uhr
Grüne Träume
Na, Frau Keller, träumen Sie immer noch den Traum vom "moderaten Euro-Islam" und das Sie diesen und die demographische Entwicklung "im Griff haben", oder warum finden Sie Kopftücher und Burkas einfach nur "chic" ?

Was empfinden Sie beim Anblick der letzten unverschleierten Frauen in manchen Stadtteilen dieses Landes ? Freude ?
Comment
von wilhelm wilhelm ist gerade offline | 21.9.2009 20:12 Uhr
„Deutschland ist ein multireligiöses Land geworden.“
Das kann man auch bedauern. Denn: Die Aufklärung hat auch das Christentum stark verändert: Nachdenken über Inhalt, Geschichte und Form der Religion, Kritik an Kirche und ihren Funktionären sind heute selbstverständlich. Und: Der Atheismus ist heute in Deutschland gesellschaftsfähig. Für den Islam gilt das nicht, oder doch nur sehr eingeschränkt und regionsabhängig. (Deshalb ist auch eine Diskussion über das Kopftuch nur möglich, sofern Veränderungen als Folge der Diskussion – praktisch - ausgeschlossen sind.)
Comment
von macska macska ist gerade offline | 21.9.2009 21:51 Uhr
was ist FREIWILLIG ?
Wenn eine Frau ein Kopftuch aufsetzt, weil sie glaubt, nach außen hin zeigen zu müssen, dass sie fromm und anständig ist - ist das etwa freiwillig, Frau Keller?
Comment
von byzanz byzanz ist gerade offline | 21.9.2009 22:42 Uhr
Keine Ahnung vom Islam,
Frau Keller. Bevor Sie einen solchen Kommentar schreiben, sollten Sie sich erstmal über den Koran und die Biographie des Propheten Mohammed informieren. Denn dann würden Ihnen Schauder über den Rücken jagen..
Comment
von msh msh ist gerade offline | 21.9.2009 23:31 Uhr
Entschuldigung, Frau Keller

"Dass sich Kopftuchträgerinnen in politischen Parteien engagieren, ist doch das beste Beispiel dafür, dass das Klischee mit der Unterdrückung nicht stimmt."

Entschuldigung, Frau Keller, aber diese haltlosen Unterstellungen gegen Frau Ates oder andere kritische Frauenrechtlerinnen sind eingentlich schon nicht mehr als Ignoranz, sondern beinahe schon als Frechheit zu bezeichnen. Befassen Sie sich gelegentlich mit einer Materie, bevor sie über diese schreiben? Als ob es bei den Argumenten von Ates oder Alice Schwarzer schlicht und einfach um den "Glauben an Gott" ginge, den die Frauenrechtlerinnen angeblich verurteilen.

"Denn an Gott zu glauben, ist für linke Frauenrechtlerinnen etwas zutiefst Rückständiges. "

Seit wann ist das denn zwangsläufig so? Schon Khomeini hat seinerzeit bewusst und gerade Frauen im Tschador auf die Straße bzw. in die Öffentlichkeit geholt. Islamisten schicken doch gerne verhüllte Frauen als ideologisches Aushängeschild in die Öffentlichkeit, um dabei zugleich ein konservatives Islambild zu präsentieren, das von "ehrbaren Frauen" verlangt, ihre Reize vor dem Männern zu verbergen.

Immer wieder erfrischend, wenn so moderne und zugleich arglose Karrierefrauen wie Sie sich mit Laib und Seele für das Kopftuch stark machen und dabei Frauen wie Ates, die wissen, wovon sie reden, von ihrem gutbürgerlichen Elfenbeinturm aus belehren wollen.
Islamisten haben Sie dafür zwar bestimmt sehr lieb. Insbesondere weil diese ja ganz entspannt darauf vertrauen können, dass Frauen wie sie sich eben nicht mit dem gleichen Eifer in den islamischen Communities für das Recht junger Frauen auf Kopftuchfreiheit stark machen würden.

Aber irgenwann könnten Ihnen Ihre eigenen Zeilen zumindest mal peinlich sein.

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