Deutschland ist ein multireligiöses Land geworden. Diese Tatsache jagt Feministinnen wie der Berliner Islamkritikerin Seyran Ates Schauder über den Rücken. Denn an Gott zu glauben, ist für linke Frauenrechtlerinnen etwas zutiefst Rückständiges. Da Christen höchstens an einem schmucken Kreuz zu erkennen sind, richtet sich der antireligiöse Furor gegen muslimische Frauen mit Kopftuch. Seyran Ates hat jüngst erklärt, sie könne unmöglich die Grünen wählen, weil man dort „den meisten Kopftuchträgerinnen und VerteidigerInnen des Kopftuchs, den meisten Kulturrelativisten und Multikulturalisten“ begegne.
Ates ist Juristin und hat als Anwältin Frauen mit Kopftuch vor Gericht vertreten, denen von ihren Familien und Ehemännern Gewalt angetan wurde. Ates wurde von einem dieser Ehemänner fast ermordet. Dass für sie das Kopftuch ein Zeichen von religiös verbrämter Unterdrückung ist, kann man zwar nachvollziehen, wenn man ihre Lebensgeschichte kennt. Aber dadurch spricht sie den Musliminnen das Selbstbestimmungsrecht ab, die das Kopftuch aus eigenem Willen tragen.
Gelten Frauenrechte nur, wenn Alice Schwarzer sie absegnet? Dass sich Kopftuchträgerinnen in politischen Parteien engagieren, ist doch das beste Beispiel dafür, dass das Klischee mit der Unterdrückung nicht stimmt. Auch verhüllte Frauen können denken. Dass das eine Anwältin nicht sehen will, ist schon paradox. Dass die Grünen ihrerseits mit einem Offenen Brief Ates attackieren, zeugt allerdings auch nicht gerade von Selbstbewusstsein. Schade, dass über Integrationspolitik und Religiosität immer nur im Schlagabtausch diskutiert wird. Die Themen und ihr gesellschaftspolitisches Potenzial sind dafür eigentlich zu wichtig.
Kommentare [ 69 ] Kommentar hinzufügen »
Wäre Seyran Ates sicher nicht von alleine drauf gekommen.
Wenn Claudia Keller jetzt noch kapierte, worum es Seyran Ates geht, dann wäre die Welt in Ordnung, sicher nicht nur um das Kopftuch, wie das Zitat ja zeigt.
»den meisten Kopftuchträgerinnen und VerteidigerInnen des Kopftuchs, den meisten Kulturrelativisten und Multikulturalisten«
Wäre sicher interessant zu wissen, ob es einen Zusammenhang zwischen Kopftuchträgerinnen, Verteidigern des Kopftuchs, Kulturrelativismus und Multikulturalismus gibt.
Kulturrelativismus ist jedenfalls ein absurdes Konzept, genau wie Multikulturalismus und führt logisch zwingend zur absolutistischen, antirelativistischen Verteidigung des Kopftuchtragens, nicht unbedingt dazu, dass das Kopftuch getragen wird.
Verehrte Frau Keller, ich finde Ihren Kommentar äußerst fragwürdig!
Das Kopftuch ist viel weniger ein Zeichen für eine Religion, sondern steht für Nicht-Emanzipation und Unterdrückung! Haben Sie schon einmal darüber nachgedacht, dass viele Frauen das Kopftuch nicht freiwillig tragen?
Ich kann Ihnen ein Beispiel aus meiner eigenen Familie nennen. Eine stolze und selbstbewusste Tante wurde durch ihren zunehmend religiöseren Ehemann gezwungen, das Kopftuch zu tragen. Ich habe mich früher gerne mit ihr offen und frei unterhalten. Jetzt sehe ich sie nur noch, wenn sie das Essen aus der Küche hereinbringt. Es tut mir in der Seele weh, das zu erleben, aber ihr Mann ist seit seiner stärkeren Hinwendung zur Religion stur und engstirnig geworden.
Das hat nichts mit freier Religionsausübung zu tun, das ist Unterdrückung.
Und so etwas sollte im TSP nicht verteidigt werden!
Nein, paradox ist allein, dass einige Multikultis nicht einsehen wollen, dass das Kopftuch ein religiöses und das heißt beim Islam ein politisches Symbol ist. Das Kopftuch steht schlicht und ergreifend für den Sexismus dieser Weltreligion. Es steht für die Unterdrückung der Frau im Namen Allahs. Mit anderen Worten: Es ist kein wertfreies Modeaccessoire. Vielleicht wird das einmal so werden. Aber momentan sieht es nicht danach aus. Bei Ketten versteht das jeder. Punker können sie tragen. Würden aber Schwarze plötzlich mit Ketten durch die Gegend gehen, käme wohl auch keiner auf die Idee, das für irgendwie selbstverständlich zu halten. Es wäre paradox.
Der Islam als Religion auf der ganzen Welt kennt keine Freiheit an.
Er lebt sich gut ein bei uns und verbreitet sich heimlich.
Sollte er die Mehrheit hier gewinnen,ist er so dogmatisch und unfrei wie in allen anderen Ländern.
Wer sehen will wohin das führt sollte sich in arabischen Ländern umschauen.
Keine Rechte und Freiheit mehr und Gesetze gelten nur noch was Imame vorschreiben.
Nicht der Koran!
Der wird wie bei manchen die Bibel völlig falsch ausgelegt.
Immer so wie es gerade nützt.
Das Kopftuch halte ich nicht für das Hauptübel,sondern was damit ausgedrückt werden soll.
Eine Religion nach rückwärts geschaut.
Ohne Liebe!
Liebe ist das Hauptthema des Christentums
und die schwerste Aufgabe.
Für den Islam ist nur das Gesetzt wichtig.
Ihnen wird auch nahe gelegt ein Kopftuch zu tragen. Selbst Sie werden dann ein Tuch über Ihren Kopf tragen - müssen.
Das blieb auch unserer Kanzlerin bei Ihren Staatsbesuchen in der arabischen Welt nicht erspart. Die hatte auch ein Tuch über. Vor allem galt das nicht nur für den Iran.
Man begründet dies im allgemeinen mit Respekt vor den Sitten dieses Landes. Leider ist Respekt im Islam immer nur einseitig.
Das hat mit Denken überhaupt nicht zu tun. Natürlich kann ein verschleierte Frau noch denken.
Wenn Ich aber heutzutage Burka tragende Frauen in Kreuzberg treffe, an denen man nur noch die Augen erkennt, frage ich mich schon wo hier der Unterschied zu Afganistan oder dem Iran liegt.
Das darf hier einfach nicht geduldet werden.
Buschkowsky hat mal erzählt, wie auf liberalere, moderne muslimische Familien in Neukölln mehr und mehr Druck in Sachen Kopftuch ausgeübt wird: nämlich indem der Imam bei der Familie erscheint und ihnen sagt, ihre Tochter würde ja ohne Kopftuch herumlaufen, ob sie etwa eine "Schlampe" wäre (damit ist gemeint: ein Mädchen ohne Ehre).
Einen Ruf als Schlampe angehängt zu bekommen, ist für muslimische Mädchen so ungefähr das Schlimmste was passieren kann, und schwupps ziehen sie - gaaaanz freiwillig natürlich - dann ein Kopftuch an.
Ich kenne auch Fälle, wo Mädchen, die kein Kopftuch trugen, von rabiaten Mitschülern "zur Strafe" an den Haaren durch den Klassenraum gezerrt wurden. Die trugen von da an dann auch gaaaanz freiwillig Kopftuch (sofern sie muslimisch waren, es gab allerdings auch katholische Polinnen und Deutsche, denen das passiert ist).
Grundsätzlich wird das Kopftuch getragen mit dem Vorwand, der Mann könne angesichts der Haare (Reize) der Frau seine Selbstkontrolle nicht behalten und womöglich über die Frau herfallen, wenn sie sich nicht verhüllt. Umgekehrt ist es so, dass nicht verhüllte Frauen demzufolge als schamlos gelten und "selbst schuld", wenn sich Männer ihnen gegenüber nicht beherrschen. Daher kommt auch das weitverbreitete Klischee in manchen Kreisen, nicht verhüllte Frauen hätten einen "Schlampen"-Status, also keine Ehre und ein lockeres Liebesleben.
Das Kopftuch ist daher eine Art "Wertungs-"Tool: selbst wenn man nichts geschafft haben sollte im Leben, so soll das Kopftuch signalisieren: "Ich bin besser/ehrenhafter/tugendhafter" etc. Das ist auch gleichzeitig immer eine massive Abwertung der anderen und eine gezielte Abgrenzung.
Dass die Autorin nun allen Ernstes tut, als ob das Kopftuch ein Zeichen für Frauenrechte sei, ist schon bizarr. Für mich ein Zeichen, wie man sich Selbstunterwerfung schönreden kann.
Eine Alice für Muslima, das wünsche ich mir
Aber es gibt ja auch kulturrelativistische Argumentationen, die Schläge in der Ehe oder Erziehung auf irgendwelchen verbogenen Wegen zu rechtfertigen wissen. Unsereins kann nur den Kopf schütteln...
Borax spitzt zwar zu, aber genau so und nicht anders ist das Kopftuch zu sehen.
Das wird wohl auch niemand bestreiten. Doch das was und wie sie denken spielt die entscheidende Rolle!
Dass Religiösität linken Feministinnen einen Schauer den Rücken herunter laufen lässt (zumindest lt. Fr. Keller), darf angesichts des Rollenverständnises derer die zutiefst islamisch geprägt sind ja wohl nicht verwundern.
Was mich aber sehr verwundert, ist dass eine "aufgeklärte" Journalistin eher Fr.Ates (die ja integrierter kaum sein kann) kritisiert, als die zugewanderten Frauen die sich einem rückwärtsgewandten Weltbild ausliefern oder u.U. gar keine andere Wahl haben.
Oder wie wär es mal mit vorsichtiger Kritik an den "Herren der Schöpfung"?
Verlässt einen da der Mut wieder schneller, da diese Menschen vielleicht etwas "temperamentvoller" reagieren als das hierzulande in der Regel üblich ist?
Fr.Ates, die aufgrund ihrer individuellen Überzeugung schon heftigsten Gegenwind und sogar Gewalt erlebt hat - für Taten und Anschauungen die in unserem Land (noch) selbstverständlich sind, zu kritisieren oder ihr gar differenziertes Denken abzusprechen, das ist ja auch zu leicht.
Fr.Ates setzt sich für das Selbstbestimmungsrecht der Frauen ein! Das hat sie oft genug bewiesen. Das in Frage zu stellen... na ja...
"Dass sich Kopftuchträgerinnen in politischen Parteien engagieren, ist doch das beste Beispiel dafür, dass das Klischee mit der Unterdrückung nicht stimmt."
Wenn die Autorin das wirklich glaubt...
Fazit: Fr.Schwarzer und Fr.Ates kommen für mich, bei allen Zuspitzungen, wahrhaftiger und überzeugender zum Thema "Selbstbestimmungsrecht der Frau" rüber als das Plädoyer für Kopftuchträgerinnen von Fr.Keller. Eine Parteinahme die nicht ohne verbale "Schläge unter die Gürtellinie" auskommt...!
Ganz eindeutig ist dies der Redakteurin überhaupt nicht klar. Ich könnte jede Menge Beispiele dafür bringen, wie falsch sie liegt. Das würde allerdings die Schweigepflicht verletzen.
Alles andere haben die Kommentatoren vor mir schon gesagt. Auch ich bin im Übrigen entsetzt, wie sich der Tsp zum Spielball mal der einen, mal der andern Betracht dieser Art von migrantischer Wirklichkeit macht. Durch seine Beliebigkeit, die er wohl Liberalität nennen wird, macht er sich unglaubwürdig.
Beides ist sicherlich überzogen, aber früher hat man sich befreit und die Hüllen fallen lassen, heute ist verhüllen angesagt.
Auch das beides Extreme...!
"Schade, dass über Integrationspolitik und Religiosität immer nur im Schlagabtausch diskutiert wird."
Schlagabtausch - den Schuh kann sich die Autorin auch anziehen
Schlimm, dass es überhaupt notwendig ist über Integrationspolitik im Zusammenhang mit Religiosität zu diskutieren!
Daran kann man erkennen, dass bestimmte Einwanderergruppen ihre persönlichen Lebensanschauungen zu sehr in unseren Alltag einführen.
Ist eine Frau dann noch wirklich "frei" in der Wahl, das Kopftuch zu tragen?
In Deutschland ist der Druck sicher weniger sichtbar, in gläubigen Familien aber nicht weniger rigoros. Ich glaube, Frauen können nur dann halbwegs vor diesem Symbol weiblicher Unterdrückung geschützt werden, wenn das Kopftuch schlicht verboten wird.
Was ja, btw, auch nicht wirklich eine Glaubensvorschrift zu sein scheint, weil es im Koran nirgendwo explizit gefordert wird.
1. Dass alle oder viele verhüllte Frauen gezwungen werden ein Kopftuch zu tragen, ist schlichtweg falsch. Dies haben zahlreiche Studien bewiesen. Es gibt zahlreiche Beweggründe von Frauen, ein Kopftuch zu tragen.Das Kopftuch kann vieles bedeuten, je nach Kontext. Im algerischen Unabhängigkeitskrieg zum Beispiel war das Kopftuch Symbol des Aufstands gegen die französische Kolonialherrschaft. Deswegen wurde es in Frankreich nicht gerne gesehen. Wer aber immer von einer gezwungenen Minderheit auf die Mehrheit schließt, der ist nicht ehrlich und versucht vielleicht ja auch, so die eigene Ablehnung zu implizieren.
2. In meinem Bekanntenkreis kenne ich viele Frauen mit Kopfuch.In meiner Uni gibt es zahlreiche Kopftuchträgerinnen. Niemand wurde hierzu gezwungen.
3. Leider wird noch immer totgeschwiegen, dass vor allem gebildete und emanzipierte Kopftuchträgerinnen in der deutschen Gesellschaft, vor allem wegen der Ablehnung und Vorurteile, kaum Chancen haben, einen Arbeitsplatz zu finden. So haben diese Frauen nicht die Möglichkeit, die bereits gefestigten Vorurteile zu widerlegen.Letztendlich führt es dazu, dass solche Frauen aus der deutschen Gesellschaft verdrängt werden. Non multikulti und Toleranz keine Spur.Mittlerweile kenne ich sogar Frauen, die nicht möchten, dass ihre Kinder Kopftuch tragen, um ihnen Beleidigungen zu ersparen.
4. MAn sollte sich fragen, weshalb in den Medien nur Geschichten von unterdrückten und entrechteten Frauen erscheinen. Die Gesellschaft hört viel lieber solche Geschichten, als jene, in denen Muslime zu Opfern werden.Und diese negativen Geschichten prägen sich viel eher ein als Storys von erfolgreichen Kopftuchträgerinnen.
5.
Das Problem ist, dass alle Kopftuchträgerinnen in einen Topf geworfen werden, unabhängig davon, woher sie kommen, welche Bildung sie haben, wie sie zu ihrer REligion eingestellt sind...
Können Sie das näher erläutern?
Darf nicht jeder seinen Alltag so gestalten, wie er/sie möchte, so lange SIe dabei nicht in Ihren Rechten verletzt werden. Ist es nicht gerade das Wesen unserer Verfassung, dass jeder eine persönliche Lebensanschauung hat, nach der er/sie leben darf?
Mohamed hatte übrigens seine beträchtlich ältere Chefin, die eine wohlhabende Geschäftsfrau war und für die er als Kameltreiber tätig war, geheiratet.
Nur denken dürfen, dürfen Sie nicht!
Frau Keller hat an Seyran Ates lediglich kritisiert, dass sie alle Kopftuch tragenden Frauen in eine Schublade steckt und nicht berücksichtigt, dass es neben den zum Kopftuchtragen gezwungenen Frauen auch Frauen gibt, die ihr Kopftuch gerne, frei von Zwang und aus religiöser Überzeugung tragen.
Punkt und basta.
Schwach!
Was empfinden Sie beim Anblick der letzten unverschleierten Frauen in manchen Stadtteilen dieses Landes ? Freude ?
"Dass sich Kopftuchträgerinnen in politischen Parteien engagieren, ist doch das beste Beispiel dafür, dass das Klischee mit der Unterdrückung nicht stimmt."
Entschuldigung, Frau Keller, aber diese haltlosen Unterstellungen gegen Frau Ates oder andere kritische Frauenrechtlerinnen sind eingentlich schon nicht mehr als Ignoranz, sondern beinahe schon als Frechheit zu bezeichnen. Befassen Sie sich gelegentlich mit einer Materie, bevor sie über diese schreiben? Als ob es bei den Argumenten von Ates oder Alice Schwarzer schlicht und einfach um den "Glauben an Gott" ginge, den die Frauenrechtlerinnen angeblich verurteilen.
"Denn an Gott zu glauben, ist für linke Frauenrechtlerinnen etwas zutiefst Rückständiges. "
Seit wann ist das denn zwangsläufig so? Schon Khomeini hat seinerzeit bewusst und gerade Frauen im Tschador auf die Straße bzw. in die Öffentlichkeit geholt. Islamisten schicken doch gerne verhüllte Frauen als ideologisches Aushängeschild in die Öffentlichkeit, um dabei zugleich ein konservatives Islambild zu präsentieren, das von "ehrbaren Frauen" verlangt, ihre Reize vor dem Männern zu verbergen.
Immer wieder erfrischend, wenn so moderne und zugleich arglose Karrierefrauen wie Sie sich mit Laib und Seele für das Kopftuch stark machen und dabei Frauen wie Ates, die wissen, wovon sie reden, von ihrem gutbürgerlichen Elfenbeinturm aus belehren wollen.
Islamisten haben Sie dafür zwar bestimmt sehr lieb. Insbesondere weil diese ja ganz entspannt darauf vertrauen können, dass Frauen wie sie sich eben nicht mit dem gleichen Eifer in den islamischen Communities für das Recht junger Frauen auf Kopftuchfreiheit stark machen würden.
Aber irgenwann könnten Ihnen Ihre eigenen Zeilen zumindest mal peinlich sein.