Berlin -
Linke greifen Rechte an, Rechte schlagen einen Linken fast tot, Linke randalieren vor einer Diskothek, in der die Rechten gezecht hatten - was sich derzeit in Berlin-Friedrichshain abspielt, klingt nach großem Aufruhr. Es ist auch nicht auszuschließen, dass weiter Gewalttat auf Gewalttat folgt, dass sich Rechtsextremisten und Antifa in Racheaktionen verkeilen und den Eindruck erwecken, sie wollten den Untergang der Weimarer Republik reproduzieren. Jedenfalls ist es beiden Spektren gelungen, reichlich Aufmerksamkeit zu erregen. Bei der für Sonnabend angekündigten Linken-Demo werden vermutlich mehr Medienmenschen auftauchen, als sonst bei einem Antifa-Event zu erwarten wären. Doch die großen Schlagzeilen produzieren auch eine gefährliche Halluzination.
Der Links-rechts-rechts-links-Konflikt erscheint zunehmend wie eine Auseinandersetzung politischer Schwergewichte. Das hätten die Teilnehmer auch gerne. Viele Rechtsextremisten sehen sich als wiedergeborene SA, bei der Antifa schwingt die als legitimierend empfundene Erinnerung an den kommunistischen Rotfrontkämpferbund, an die Kämpfer der internationalen Brigaden und der anarchistischen Milizen im spanischen Bürgerkrieg mit. Doch die Realität heute sieht anders aus, trotz aller Gewalt.
Die rechten Schläger und die linken Kontrahenten sind subkulturelle Phänomene und keineswegs Massenorganisationen. SA und Rotfront bleiben Relikte der Vergangenheit, glücklicherweise. Die Demokratie der Bundesrepublik hat ein so großes Eigengewicht, dass Neonazis und Antifa über ein Randgruppendasein in absehbarer Zeit nicht hinauskommen.
Die Konflikte zwischen Linksradikalen und Rechtsextremisten bewegen die Mehrheit der Bevölkerung weniger als ein Länderspiel zwischen Deutschland und Liechtenstein. Darüber könnten die Linken, deren intellektuelles Potenzial das der Nazi-Schläger überragt, ein wenig mehr nachdenken. Es gibt kein Naturgesetz, wonach der Antifaschismus sich dem Kreisklassenklopperniveau der rechten Szene anzupassen hat.
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Genau das wird schon am Samstag nicht passieren und so lange bleibt es im Kontext der üblichen Verlogenheit und des einseitigen Konsens, daß es doch so etwas wie gute Gewalt gibt.
im übrigen halte ich dieses ganze distanzierungsgerede im vorfeld der demo am samtag für höchst bedenklich. es geht hier gerade um die artikulation eines gesellschaftlichen konsens gegen rechts. alles andere spielt den nazis doch nur in die hände. die demo wird im übrigen friedlich werden, da kann man sich sicher sein. ob es nun sinnvoll ist, steine auf diskos zu werfen, kann gerne an anderer stelle in ruhe geklärt werden.
Und das alles unter der Überschrift "gegen rechts".
Da denkt sich der Bürger doch nur: Nazis, Antifa, alles dieselben Idioten.
Herzlichen Glückwunsch!
Wenn die Demo-Route am Samstag tatsächlich am "Jeton" vorbeiführen sollte - wetten, dass da wieder Steine fliegen?!
Und wenn man nicht nah genug rankommt, schmeißt man sie eben auf die Polizei. Ich könnte ......, dass diese hirnlosen Idioten sich selber "Antifaschisten" nennen.
auf den hauptteil meines kommentars wurde aber leider nicht eingegangen.
im übrigen mal wieder die frage nach den persönlichen erlebnissen der hier schreibenden. weil ich zumindest hatte schon mehrere pöbel/gewalt-erlebnisse auf der frankfurter allee und kenne auch viele freunde mit solchen. und achtung, es waren IMMER irgendwelche idioten von deutschprolls bis nazis.
Selbstjustiz gehört auf keinen Fall in eine zivilisierte Gesellschaft.
Wenn die Zustände wirklich so sind, wie Sie sie beschreiben und die Behörden das ignorieren, wäre das ein Skandal. In dem Fall trüge der Staat eine erhebliche Mitverantwortung wenn die Situation ausser Kontrolle gerät.
Nun zu etwas völlig anderem:
Wenn Sie mit "Hauptteil ihres Kommentars" die Denkanweisung meinen, dass "die sog. mitte dieser gesellschaft" auf Distanz zu jeder form rechten gedankenguts gehen soll (als Voraussetzung wofür eigentlich?), so möchte ich Ihnen entschieden widersprechen. Sie wollen offenbar rechtes (noch nicht einmal rechtsextremes) Gedankengut, bzw. das was Sie dafür halten, pauschal als nicht-diskursfähig erklären. Das passt gut zum "Zeitgeist" mit zunehmender intellektueller Verflachung und Verblödung.
Ich für meinen Teil habe Freude daran meinen Kopf zu benutzen, mich mit anderen kontrovers auseinanderzusetzen ohne einschränkende Selbstzensur. Auch wenn bisweilen Gedanken entstehen, die Sie möglicherweise als "rechts" ablehnen, die vielleicht ungewohnt sind, manchmal sogar erschreckend, oder auch erhellend - es ist immer ein Genuss. Versuchen Sie es ruhig mal!
Die Schere im Kopf ist ein schlimmes Übel und schwer loszuwerden, wenn sie sich erstmal festgesetzt hat. Leider sind es oft die Linken, die im Namen des "Kampfs gegen Rechts" zum Vorreiter von Denkverboten geworden sind.
Das ist seit langem das Beste, was ich zu diesem Thema gelesen habe! Es spricht mir aus dem Herzen! Es nervt mich, daß sich wie auch immer geartete Randgruppen anmaßen, der Mehrheit der Bevölkerung vorzuschreiben, was sie zu denken, wo sie zu wohnen, welche Kleidung sie zu tragen, welche Autos sie zu fahren hat (...je nach Ideologie beliebig erweiterbar...).Und bei Nicht- Gefallen wird der Mehrheit der Bevölkerung regelmäßig offen oder versteckt mit Gewalt, Repression und Brandschatzung gedroht und oft auch angetan. Und wenn wir, die demokratische Mehrheit fragen "Warum?", bekommen wir unisono, egal aus welcher Ecke, zu hören, daß es für irgendeine gute Sache, für irgendetwas Höheres, Wichtigeres sei als unsere Demokratie. Für eine "gute Sache"- ah ha! Für eine "ganz wichtige gute Sache" sind im vergangenen Jahrhundert Millionen Menschen umgebracht worden, für eine "gute Sache und aus objektiven Gründen" war ich die ersten 30 Jahre Jahre meines Lebens wohnhaft. Wenn wir das ideologische Deck- Mäntelchen, der an diesen Auseinandersetzungen Beteiligten abreißen, die roten oder weißen Schnürsenkel aus den Springerstiefeln ziehen, sehen wir das, was ist: Ein kleiner Teil der Jugendkultur, Jugendgangs und Jugendgewalt, dies dann zum Teil unter erheblichem Einfluß von Alkohol. Ob die Gewalttäter vorher Bier oder Rotwein tranken, ein Tütchen oder eine Wasserpfeife rauchten, tröstet die Opfer selten. Apropos Opfer. Meine Gedanken sind bei den jungen Polizisten, die wieder einmal für uns alle am kommenden Wochenende ihre Gesundheit aufs Spiel setzen, um das Meinungs- und Demonstrationsrecht zu schützen. Und sie tun dies auch für den schwarzen Block, der uns dies und anderes gern nehmen würde.
»Ihre Meinung ist mir zwar widerlich,
aber ich werde mich dafür totschlagen lassen,
dass Sie sie sagen dürfen.« (Voltaire)
Das ist das Schlimme an den Aktionen dieser Idioten.
Wenn zwei das gleiche tun müssten eigentlich beide genau so intelligent sein? Oder wie differenzieren Sie?
Hier gilt doch kein Gut und Böse Vergleich. Für mich persönlich sind beide gleich.
also bitte, verzerren wir doch nicht die realität und verharmlosen rechte gewalt, die in ihrer brutalität und menschenverachtung beispiellos ist.
Mal so arrogant nebenher mit flinker Feder einen Teil der Sport treibenden Bevölkerung mit der rechten Szene verknüpfen und danach im Schlafanzug und mit Bierdose und Kampfhund an den Fingern rüberdackeln in die Kurfürsten zum Alk-Treff. Das paßt!
Hinzu kommt noch, dass zu den größeren "Events" der Linken und Rechten gerne Polizeikräfte von außerhalb geordert werden, um ein gewisses Maß an Sicherheit zu gewährleisten. Das kann doch nur bedeuten, dass selbst der Berliner Senat sich des Themas bewusst ist und es nicht als Kreisliganiveau betrachtet. Schließlich ignorien die meisten von uns die Kreisliga, oder?
Klar, man kann die ganzen Vorkommnisse auch überbewerten, doch einfach weggucken und so tun, als ob es sich nur um tumbe SA-Horden handeln würde, die sich irgendwann selbst ins Aus befördern, nein, so einfach sollte man sich es auch nicht machen.
Wer hier links und rechts gleichsetzt, der hat, ich muss es leider so offen schreiben, den geistigen Horizont einer knienden Ameise. Damit werden all die Morde, die von Nazis begangen wurden, verharmlost. Mir erscheint es so, als ob Medien, Politik, Polizei und nicht zuletzt die ach so demokratischen Kräfte, die sich bürgerlich nennen, und gerne mal wegsehen, wenn in Folter, Hunger und Tod abgeschoben wird, ein Interesse an der Eskaltion haben. Erst die merkwürdigen Ereignisse am 1. Mai, dann die vielen willkürlichen Verhaftungen und Kontrollen, die "demokratischen" Schikanen während der antinationalen Parade, das militärische Verteidigen einer leeren Wiese gegen das Volk usw. In Hamburg ist es ja auch nicht viel anders.(Jolly Roger)
Bisher hat die autonome Szene mit einer Hand auf dem Rücken gekämpft und die alten, wie ich, die näher an der Knorr-Familie sind, als an der Barrikade und viel Kritik an bestimmten Aktionen geübt und sich bisher zurückgehalten haben, fühlen sich an 1993 erinnert. Als Silvio in F-Hain ermordet wurde. Von Nazis. Wer bekämpft die Naziplage denn? Die Polizisten in ihren braunen Thor-Steinar-Unterhosen? Der TSP? Die bürgerlichen und ach so demokratischen Kräfte, die hier jede rechte Mordtat gegen eine brennendes Auto aufrechnen? Nein, sicherlich nicht...
Danke dafür!
Es sind die typischen, zum großen Teil unbelegten Phrasen, die halt immer von linksganzweitaußen kommen. Dies gepaart mit hearbwürdigenden Bezeichnungen für alle Leute, die nicht seiner Meinung sind und wildes gespringe zwischen geschichtlichen Abläufen ohne jeglichen kausalen Zusammenhang.
Leute, habt ihr eigentlich gar keine Empathie?
Danke @altautonomer!
man darf mittlerweile nichteinmal mehr beides total unabhängig voneinander als schlimm bewerten, ohne jeden vergleich.
gewalt ist gewalt.
warum ist respekt vor mitmenschen und dingen für viele leute so schwierig? und in der folge auch verurteilung einer solchen respektsverletzung, egal von wem sie kommt.
und sie, @altautonomer, sind mir in einem anderen thread auch noch antworten schuldig geblieben.
was denn sachbeschädigungen genau bewirken sollen. wie sie sich eine anarchie in der umsetzung vorstellen. uvm!
ansonsten kann ich mich dem beitrag von buusami nur anschließen.
@ nielas.aran:
Dass Sie mehr als rechtsoffen sind, kann hier jede/r lesen. Lassen Sie mich es wissen, wenn Sie ihren Kampf gegen Realität endgültig verloren haben. ;-)