[Kommentare: 59]

Auf den Punkt

Totgerüstet

Malte Lehming über Ronald Reagan und die deutsche Einheit
Bild vergrößern
Malte Lehming, Leitender Redakteur (Meinung) - Foto: Kai-Uwe Heinrich
Berlin -  Wenn man die Deutschen fragt, wem sie die Einheit zu verdanken haben, nennen sie drei Namen: Gorbi, Gorbi und Gorbi. Michail Sergejewitsch Gorbatschow, der ehemalige KP-Parteichef und Präsident der Sowjetunion, habe Glasnost (Offenheit) und Perestroika (Umbau) erfunden, den Kalten Krieg beendet, durch Distanzierung von der Breschnew-Doktrin den osteuropäischen Ländern die Freiheit geschenkt, dafür bekam er den Friedensnobelpreis und wurde vom Time-Magazin zum „Mann des Jahrzehnts“ gekürt. Ungefähr so hat Lieschen Müller die Ereignisse abgespeichert. In ihrem Narrativ ist Gorbi eine Art Barack Obama der Sowjetunion.

Dass aber Gorbatschow kein Treiber, sondern ein Getriebener war, wird darin ausgeblendet. Und wer wüsste das besser als dessen damaliger Außenminister, Eduard Schewardnadse? Der hat jetzt in einem „Focus“-Interview auf das materielle Sein hinter dem neuen Bewusstsein hingewiesen. Die US-Pläne für ein Raketensystem im Weltraum, so Schewardnadse, hätten geholfen, die deutsche Einheit möglich zu machen. Nanu? Genau! Durch das SDI-Projekt von Ronald Reagan sei die Sowjetunion sowohl auf einen Entspannungskurs gezwungen worden als auch zur Anerkennung der deutschen Einheit. Wohlgemerkt, nicht nur amerikanische Falken behaupten, die UdSSR sei totgerüstet worden, inzwischen schließen sich diesem Urteil auch die intimsten Kenner dieses Teils der Geschichte an.

Das wird, so viel ist gewiss, die deutsche Gorbi-Verehrung nicht mindern. Denn die ist seit jeher gegen Fakten gefeit. Dass da in Moskau ein purer Apparatschik an die Macht gekommen war, der schon als 25-Jähriger zur Nomenklatura gehört hatte, maßgeblich gefördert von den Politbüro-Mentoren Suslow und Andropow (Ex-Geheimdienstchef), dessen oberstes Ziel nicht die Förderung von Freiheit und Unabhängigkeit war, sondern die Rettung der Sowjetunion vor dem wirtschaftlichen Kollaps – all das wird in der Gorbimanie verdrängt. Rund ein Viertel des Bruttosozialprodukts flossen in der UdSSR damals in die Rüstung, seit 1982 stagnierten Wachstum und Pro-Kopf-Einkommen, Inflation, Mangelwirtschaft und Korruption waren weit verbreitet, in Afghanistan erlitt die Rote Armee eine herbe Niederlage (rollender Schrott). Der Konkurrenzkampf der Supermächte schien verloren. Das imperialistische kapitalistische System triumphierte über das sozialistische Weltsystem.

Darauf hatte Reagan mit seiner berühmten Juni-Rede von 1982 („Reich des Bösen“) zielstrebig hingearbeitet. Sein strategisches Ziel formulierte er klar und weitsichtig: „Die Sowjets wurden gezwungen, sich zu entscheiden: entweder ihre Politik der permanenten Konfrontation mit dem Westen zu beenden oder zunehmenden zerstörerischen Druck an der Heimatfront aushalten zu müssen.“ Massive Rüstungsinvestitionen plus der Ankündigung am 23. März 1983, eine Strategische Verteidigung (SDI) aufzubauen, brachten den ideologischen Gegner an den Rand des Ruins. Fußnote: Just in der Zeit publizierte ein SPD-Politiker namens Oskar Lafontaine ein Buch mit dem Titel „Angst vor den Freunden“. Er meinte die USA.

Als Gorbatschow schließlich am 11. März 1985 zum zweitjüngsten Generalsekretär in der Geschichte der Kommunistischen Partei gewählt wurde, geschah das vor allem in der Absicht, die sowjetische Wirtschaft durch eine Kursänderung vor dem Ruin zu retten. Dass seine Reformagenda dann begann, ein kaum noch beherrschbares Eigenleben zu führen, dass dann auch in der deutschen Einheit endete, gehört zur Ironie dieser Geschichte.

Gorbi, Gorbi, Gorbi? Nein: Ronald Reagan, Johannes Paul II. und erst am Schluss kommt Michail Gorbatschow. Ein Vierteljahrhundert später räumen das sogar die Besiegten ein. Nur die Deutschen haben es noch nicht kapiert.
Sie interessieren sich für dieses Thema und wollen keinen Artikel im Tagesspiegel dazu verpassen? » Informieren | » Login

Aus anderen Ressorts

Bundesregierung:

Bafögsätze sollen steigen
Die Bundesregierung will zum 1. Oktober 2010 das BAföG erhöhen. Gleichzeitig soll ein nationales Stipendiensystem für besonders leistungsstarke Studenten eingeführt werden.

Umweltschutz:

Entsorgungsfragen

Untersuchungsausschuss:

Spreedreieck-Affäre: Strieder rechnet mit Nachfolgern ab
Ex-Bausenator Strieder will beim Spreedreieck frühzeitig gewarnt haben. Nachbarn des Areals klagen erneut.

Kommentare [ 59 ] Kommentar hinzufügen »

Comment
von giselamittruecker giselamittruecker ist gerade offline | 19.10.2009 13:44 Uhr
Wir sollten auch noch ...
... den anderen amerikanischen Politikern danken, die sich in der Nachkriegszeit für die Teilung eingesetzt haben. Ohne die Teilung hätte es die Wiedervereinigung nie gegeben!
Comment
von gieslinder gieslinder ist gerade offline | 19.10.2009 14:10 Uhr
@gisela
...das haben wir den Russen - unseren "Befreiern" - zu verdanken.
Comment
von alterschwede alterschwede ist gerade offline | 20.10.2009 8:20 Uhr
@gieslinder Teilung
An Deutschlands Teilung waren viele interessiert, die meisten kleinen europäischen Staaten, besonders aber England und Frankreich!
Im Verhältnis dazu war die Teilung Deutschlands weder für die Russen noch für die Amerikaner Selbstzweck - es diente lediglich der Abgrenzung ihrer Interessesphären. Die Russen hätten auch ein grosses, vereintes, aber neutrales und militärisch abgerüstetes Deutschland akzeptieren können, den Westalliierten war dies zu unsicher.
Comment
von hebold hebold ist gerade offline | 19.10.2009 17:39 Uhr
Friedensnobelpreis
Ronald Reagan trägt maßgeblich Verantwortung für den Ende des russischen Imperiums und damit auch für die wiedergewonnene deutsche Einheit. Das ist eigentlich ein alter Hut - nur wills hierzulande keiner wahr haben. Der Groll gegen die USA ist eben doch zu groß. Gegen jene Großmacht, der die Deutschen so vieles, ja fast alles zu verdanken haben, was sie nach dem Krieg aus sich gemacht haben. Nicht einmal Lehming geht in seinem sonst guten Kommentar so weit, für Reagan postum den Friedensnobelpreis zu fordern. Das wäre denn auch ein starkes Stück gewesen, einen der Lieblingsfeinde deutscher Linker und Mediengockel für einen Friedenspreis vorzuschlagen. Die Herrschaften aus dieser Ecke haben ihm nie verziehen, dass er den sozialistischen Traumstaat UdSSR samit der Satrapie SBZ rsp. DDR in die Pleite getrieben hat.

Am Ende gibt die Geschichte jedoch Ronald Reagan Recht. Seine Kritiker sind lange vergessen. Das gilt sogar mehr als ein Nobelpreis.
Comment
von gieslinder gieslinder ist gerade offline | 19.10.2009 13:50 Uhr
Meine Rede...
...und gut, daß das hier noch einmal klar gestellt wird !
Comment
von s.theile s.theile ist gerade offline | 19.10.2009 14:18 Uhr
Lieschen Müller
Eben so stellt sie sich das vor mit der Friedenspolitik. Immer feste drauf ist noch stets die beste Friedensaktie. Egal, ob ich andere damit vor den Kopf stoße, man muß nur stark genug sein. Da helfen auch keine Fakten, wie etwa jene, daß ausgerechnet ein wahlfälschender Halbdemokrat aus Georgien jetzt erzählt, man könne den russischen Bären nur durch Gewaltandrohung zähmen. Aber manche kapieren's nie.
Comment
von soldier soldier ist gerade offline | 19.10.2009 14:58 Uhr
Glaube
Jeder glaubt halt, was (und wem) er glauben will.

Was eigentlich wäre die Folge gewesen, wäre links oder rechts der Elbe nur eine einzige jener Raketen (und sei es: irrtümlich) losgegangen, die 1983 als Nach- bzw. Nach-Nachrüstung aufgestellt wurden?

Wir hätten uns "Totgerüstet". Wortwörtlich.
Comment
von zepedeus zepedeus ist gerade offline | 19.10.2009 16:07 Uhr
@soldier
Dem wäre noch hinzuzufügen, dass - wie sich den Archiven der ehemaligen Ostblock-Staaten entnehmen läßt - ein Angriff des Warschauer Paktes auf Westeuropa mit 800 bis 1000 taktischen Atomwaffen bereits beschlossen war, der aber wegen der Nachrüstung des Westens mit Pershing-II-Raketen und Cruise Missiles den Machthabern im Kremel dann offenbar doch zu riskant erschien.
Comment
von soldier soldier ist gerade offline | 19.10.2009 19:46 Uhr
Haben Sie ...
... für ihre These auch eine etwas konkretere, wenn möglich verifizierbare Quelle?
Comment
von zepedeus zepedeus ist gerade offline | 19.10.2009 20:45 Uhr
Quelle
FAZ 12.08.2008

Präventiver Nuklearkrieg in Europa
Von Dr. Hans Rühle, Leiter des Planungsstabes im Bundesverteidigungsministerium und Michael Rühle, stellvertretender Leiter der Politischen Planungseinheit im Kabinett des NATO-Generalsekretärs.

Comment
von gieslinder gieslinder ist gerade offline | 19.10.2009 15:11 Uhr
@theile
...offensichtlich war das aber wirksam ! Oder meinen Sie, der Kniefall von Willy Brandt hat das russische Imperium zum Wanken gebracht ?
Comment
von s.theile s.theile ist gerade offline | 19.10.2009 16:04 Uhr
@ gieslinder (19.10.2009, 15:11 Uhr )
Sie setzen hier zwei Dinge miteinander in Verbindung und behaupten nur, daß eine habe das andere bewirkt. Im Fall der Reaganschen Friedens- und Menschenrechtspolitik sehen wir was weiterbringt. Destabilisierung in Lateinamerika, Paktieren mit Sadam Husein und Aufpäppeln der Taliban in Afghanistan ist ganz bestimmt nicht so hilfreich wie das Abrüsten eines Raketenschilds, welches sich in Wirklichkeit gegen Rußland richtete oder der Dialog mit mit den Moslems der Welt.

Überlegen Sie sich doch mal, wie die Russen auf so etwas reagieren und welche "Meinungsartikel" dort geschrieben werden, wenn man mit ihnen so umgeht, wie Ihnen das hier vorschwebt.
Comment
von gieslinder gieslinder ist gerade offline | 19.10.2009 17:27 Uhr
Sonne statt Reagen @theile
...sicherlich gibt's 'ne Menge zu kritisieren. Aber am Ende
war der Ostblock zusammengebrochen und das war bestimmt nicht
der Friedensbewegung in Westdeutschland zu verdanken, die ja
nur ihr weinerliches "ein bißchen Frieden" wollte und sich um
die Diktaturen im Ostblock nicht scherte.
Comment
von hebold hebold ist gerade offline | 19.10.2009 18:05 Uhr
@s.theile
Was soll das alles? Es geht lediglich darum, dass SDI das russische Imperium zum Einsturz und damit die Wiedervereingung Deutschlands brachte. Da können Sie sich alle Verweise auf Irakafghanistanirantaliban... verkneifen. Zumal es - soweit ich informiert bin - die Russen waren, die damals in Afghanistan standen. Und Hussein fuhr gegen Kuweit mit T-72 in den Krieg.
Comment
von giselamittruecker giselamittruecker ist gerade offline | 19.10.2009 19:03 Uhr
@hebold
("Zumal es - soweit ich informiert bin - die Russen waren, die damals in Afghanistan standen.")

Ja, stimmt, und wie sehr wurden deshlab von den USA und ihren Verbündeten die armen Afghanen bemitleidet: die frommen Mudschaheddin, die wacker ihr Heimatland gegen die bösen Invasoren verteidigten! Unter Reagan wurden die Islamisten dort hochgezüchtet, dafür sollen wir uns heute bedanken?
Comment
von commentator commentator ist gerade offline | 21.10.2009 13:12 Uhr
Witz


Zitat von hebold

Es geht lediglich darum, dass SDI das russische Imperium zum Einsturz und damit die Wiedervereingung Deutschlands brachte.



In Anbetracht der Tatsache, dass der Star-Wars-Quatsch SDI, von einem subalternen Cowboy-Mimen einmal abgesehen, weder von den Militärs der UdSSR noch denen in den USA jemals ernstgenommen wurde, ist ihre Imperiumseinsturzwiedervereinigungshypothese ein netter Witz.

Comment
von hebold hebold ist gerade offline | 19.10.2009 18:15 Uhr
Kniefall
Was die politische Einschätzung Ronald Reagans und auch der sogenannten Friedensbewegung betrifft, sind wir sicher einer Meinung. Letztere haben nichts - ersterer hat sehr viel zum Frieden in Freiheit beigetragen.

Aber Willy Brandt tun Sie Unrecht. Sein Kniefall galt ausdrücklich dem Ghetto-Denkmal. Es war zuerst an die Juden gerichtet. Und erst in zweiter Linie an die anderen Opfer deutschen Rassenwahns. Ich halte seine Geste nach wie vor für eine seiner großen und zugleich ergreifenden Handlungen. Einer der wenigen Fälle einer wirklichen symbolischen und zugleich bedeutsamen Geste. Mit ihr begann die Aussöhnung mit Polen, ohne dass damit die Machtapparate in Warschau oder Moskau anerkannt worden wären. Brandt war nicht Wehner.
Comment
von gieslinder gieslinder ist gerade offline | 20.10.2009 12:09 Uhr
@hebold
...nein, es spricht sehr viel für Willy Brandt. U.a, daß er sich
explizit für die deutsche Einheit eingesetzt hat und sich aufrichtig für die Deutschen gefreut hat. ( im Gegensatz zu seinen Enkeln ) Allerdings betrachte ich die Ostpolitik eher
skeptisch. ( Verzicht ist Verrat - seine Worte ) Zumal kurz vor
dem Ende der DDR noch einaml gemeinsame Papiere zwischen SED und
SPD ausgetauscht worden sind. ( Wettstreit der Ideologien )
Comment
von hebold hebold ist gerade offline | 20.10.2009 13:14 Uhr
@gieslinder
Allerdings betrachte ich die Ostpolitik eher skeptisch.

Schwierig, schwierig. Judt wird in seinem trotz seiner teils grotesken Fehler doch letztendlich grandiosen Postwar Europe dem ganzen Problemkreis wirklich gerecht. Es war wahrscheinlich die Kombination aus militärisch-wirtschaftlichem Druck und die Diskussionsbereitschaft, die den Sozialismus sein klägliches Ende bereitet haben. Die Bedeutung der Schlussakte von Helsinki kann kaum hoch genug angesetzt werden. Aber ohne Doppelbeschluss wären das alles nur Worthülsen geblieben.
Comment
von hebold hebold ist gerade offline | 19.10.2009 17:50 Uhr
@s.theile
Was stolpern Sie sich denn da zusammen? Irak, Afghanistan, Georgien... Die Einschätzung eines ehemaligen Außenministers plötzlich ein Faktum...

Dabei liegt die Wahrheit viel näher. Denn ein Ergebnis jener Machtpolitik können Sie jeden Tag bewundern: Das wiedervereinigte Deutschland! Und dass es eine Vereinigung unter westlicher Vorherrschaft wurde und nicht eine unter sowjetischer Willkürherrschaft mit Mauer, Stacheldraht und GULAG.
Comment
von Eyestar Eyestar ist gerade offline | 19.10.2009 20:22 Uhr
SDI und gps
Ja es ist eben schwer, seine gehegten und gepflegten Vorurteile sausen zu lassen. Ich habe zeitnah das friedliche SDI bewundert und vorausgesehen/gehofft, dass der "Teufel" Edward Teller mit seinem Plan Frieden schafft. Und heute dürfen wir gps kostenlos nutzen! Das europäische System Galileo soll GEGEN gps(!)in Stellung gebracht werden, hat aber nichts mit Frieden zu tun!
Es freut mich, dass Malte Lehming diese Zusammenhänge erneut diese Zusammenhänge in Bewusstsein bringt - Respekt!
Comment
von dali dali ist gerade online | 19.10.2009 15:47 Uhr
Ja, nein, Gumminbauch
die These Lehmings ist ja nicht falsch,
Reagan hat mit martialischen Worten und mit einem Projekt,
das bis heute noch nicht mal durchgeplant ist,
und dem einen Droh-Namen gegeben,
was sich durch die Erfindung des ICs und der damit verbundenen explosionsartigen Entwicklung der Computerindustrie abspielte.
Das, was damals die Computerindustrie an Investitionen tätigte, dürfte in etwa auf der Höhe des gesamten russischen Rüstungsetats gelegen haben und wurde mit jeder neuen Runde an CPUs potenziert.
Diese Entwicklung spiegelte sich natürlich auch in den Entwicklungen der Rüstungsindustrien wieder.
So haben denn wohl eher 2 auch damals schon nicht mehr ganz junge Herren in Mountain View und 4 jungsche Bengel,
von denen die einen in Redmond, die anderen in Cubertino rumbastelten, das (wirtschaftliche) Ende des Ostblocks herbeigeführt.
Dennoch hat Lehmings These einen Haken:
China brach damals nicht zusammen und hat einen anderen Weg gefunden, sich in die wirtschaftliche Entwicklung einzuklinken, ohne die ideologischen Gerüste abzulegen.
Dieser Weg hätte theoretisch auch der SU offen gestanden,
nur glaube ich,
dass dies in der Zeit Gorbis schon zu spät war...
Comment
von hdg hdg ist gerade offline | 19.10.2009 15:53 Uhr
@gieslinder
Sie scheinen's schlicht zu mögen und wollen den damals wie heute sehr verständlichen und notwendigen Kniefall von Willy Brandt vor dem Denkmal an das Jüdische Ghetto in Warschau immer noch nicht verstehen.
Und zum Kommentar von Malte Lehming schliesse ich mich dem von @s.theile an.
Die Erfolge eines Denkens, dass man mit wirtschaftlicher und militärischer Stärke "Siege und die Demokratie produzieren" kann, lassen sich besichtigen: z. B. im Iran, Afghanistan oder auch Pakistan. Allerdings auch in Tschetschenien.
Comment
von gieslinder gieslinder ist gerade offline | 19.10.2009 16:33 Uhr
@hdg
...was ja nur wenige wissen, aber ich verrate es Ihnen :
Brandt ist eigentlich nur gestolpert und hat es so getarnt, daß
es wie ein Kniefall aussieht.
Aber in der Tat, für den Kniefall gibt's mehrere Interpretationen. Als Kniefall vor dem Ostblock lehne ich ihn jedenfalls ab.
Comment
von hdg hdg ist gerade offline | 19.10.2009 16:35 Uhr
Entschudligung!
In der Eile habe ich einen kleinen, letztlich aber schwerwiegenden Tippfehler fabriziert: Irak muss es heißen.
Nicht Iran.
Im Iran könnte es aber - leider - noch so weit kommen.
Comment
von copenic copenic ist gerade offline | 19.10.2009 15:57 Uhr
Das war eigentlich nie ein Geheimnis
Herr Lehming verrät da kein Geheimnis, außer natürlich den Lieschen Müllers dieser Welt ;-))
Aber das war eigentlich schon klar, als nach der SDI-Rede die sowjetischen Generäle sich bei einschlägigen DDR-Betrieben die Klinke in die Hand gaben. Die wollten wieder mal brauchbare Technik zum Nulltarif. Doch das gab's nicht mehr.
Schade auch ... oder auch nicht :-))
Comment
von stachel stachel ist gerade offline | 19.10.2009 16:19 Uhr
Keine neue Erkenntnis
Falls Herr Lehming erst jetzt zu seiner Erkenntnis gekommen ist, dann halte ich ihn für einen "Spätzünder", - na ja, immer noch besser als ein Blindgänger. Die Ursache für die Wende der sowjetischen Politik war auch vielen Deutschen, die Herr Lehming offensichtlich für dümmer als sich selbst hält, bereits vor 20 Jahren klar. Leider habe ich vergessen, wann und wo ich Herrn Lehming getroffen habe, denn "totgerüstet" kann er nur vor langer Zeit von mir gehört haben, leider habe ich kein Copyright angemeldet.
Comment
von e.r. e.r. ist gerade offline | 19.10.2009 16:57 Uhr
Na ja..
...es wäre ja nicht das erste Mal gewesen daß ein Reich oder eine Macht im angesichts Ihres eigenen Niedergangs aus Verzweiflung einen Krieg anzettelt, wie's offenbar die Amerikaner angesichts des desolatem Zustand ihrer Wirtschaft gegen Irak und Afghanistan machen(Rüstungsausgaben über 500Mrd. Dollar pro Jahr kurbeln die Wirtschaft schon kurzfristig an).
Man kann ja Gorbatschow zugute halten daß er doch auf einen friedlichen Niedergang ohne großen Knall gesetzt hat.
Comment
von lankwitze lankwitze ist gerade offline | 19.10.2009 17:42 Uhr
Wahnsinn!!
Ich hoffe bis zum 9. November werden noch weitere Neuigkeiten herbeigezaubert. Zum Beispiel kann ich da meinen Nachbarn nennen, der ist 1988 Maler in Wolgast gewesen. Durch seine Ausreise vor der Wende wurde das gesamte Wirtschaftssystem des RGB torpediert! Auch dadurch wurde die Wiedervereinigung ermöglicht. Und als Honnecker 89 die Meldung ausgab, die Mauer werde noch 100 Jahre stehen, errechnete der Papst gleich die Kosten und betete sodann die Einheit herbei. Da kann man mal sehen wie im Abstand alles so deutlich wird. Vielleicht können auch weitere Leser erzählen, wie Sie zur Einheit beigetragen habe! Wir haben immer unsere Kerze zu Weihnachten ins Fenster gestellt.

Der Tagesspiegel rutscht immer weiter ab!
Comment
von hebold hebold ist gerade offline | 19.10.2009 18:40 Uhr
@lanhwitz, s.theile et al
Hübsch, wie sich hier einige auch nach 20 Jahren immer noch nicht zu blöd sind, ihren Ärger über die Niederlage der Russen im Kalten Krieg wenigstens zu verbergen. Da haben die bösen Amis es doch tatsächlich geschafft, den Deutschen erst ihren Kaiser, dann ihren Adolf und schließlich ihren Sozialismus wegzunehmen - mit dem Ergebnis, dass sie in dem vielleicht nicht unbedingt schönsten, aber doch demokratischten Deutschland leben, das es bisher gab. Und wieder wird nur gestänkert. Fände sich wenigstens ein Texaner, der kaugummikauend über euch die Achseln zuckte. Sone Art John Wayne des Spotts über die arroganten germanischen Kulturmenschen. Es wäre eine Wonne.
Comment
von lankwitze lankwitze ist gerade offline | 19.10.2009 20:27 Uhr
Ich bin froh,
daß die Sowjets den kalten Krieg verloren haben. Ich finde die Darstellung von Herrn Lehming bloß ein wenig vereinfachend. Die Sowjetunion wäre auch ohne SDI Pleite gegangen. Und die Entwicklungen im gesamten Ostblock damals darf man wohl auch nicht vergessen. Ich kann Ihnen nicht folgen, daß uns die Amis den Kaiser und Adolf genommen haben. Die anderen drei Alliierten waren daran wohl völlig unbeteiligt. Aber das war vor meiner Zeit.
Comment
von hebold hebold ist gerade offline | 20.10.2009 7:55 Uhr
@lankwitze
Die Sowjetunion wäre auch ohne SDI Pleite gegangen.

Ok, darauf können wir uns einigen. So ging es nur erheblich schneller.

Zu den Amis: Klar haben die anderen Alliierten ihren Teil beigetragen. Aber kein anderer so kontinuierlich. Und kein anderer so zum guten für Deutschland. Was hierzulande gerne vergessen wird. Mehr wollte ich nicht sagen.
Comment
von s.theile s.theile ist gerade offline | 19.10.2009 22:40 Uhr
@ hebold (19.10.2009, 18:40 Uhr)
Sie lassen uns ja stets an bemerkenswerten Beiträgen teilhaben, aber Ihre heutige Bemerkung, daß z.B. ich die Niederlage der UdSSR im kalten Krieg nicht verwunden habe, übertrifft alles. Ich glaube nicht zu weit zu gehen, wenn ich unterstelle, daß Sie es sind, der im falschen Zeitalter hängen geblieben ist. Aber dieses Entwicklungsdefizit ist typisch für die ganze Position, wie sie von Ihnen vertreten und auch bei Lehming sichtbar wird.

Exemplarisch weist hier die Bezeichnung "Lieschen Müller" für diejenigen, die es nach einem Vierteljahrhundert "immer noch nicht kapiert haben", geradewegs auf ihre Verwender zurück. Hierbei handelt es sich um ein (auch latent sexistisches) Ressentiment und ich hebe es nur deshalb als solches hervor, um hierüber auf die Denkweise zu gelangen, die dahinter steht.

Lieschen ist nicht Liese und als solche eignet sie sich als passendes Sinnbild und Mittel zur Diffamierung für Friedensaktivisten und Aufrüstungsgegner. Das Einsetzen hierfür ist nämlich nach dieser Sichtweise etwas für "Mädchen", "Pussies" und dieser Einsatz sieht sich einem eigenen Leitbild gegenüber, das auf Stärke und Aggressivität fußt.
Es ist aber ein unreifes Leitbild mit einer unausgegorenen Vorstellung von Männlichkeit. Stark und unnachgiebig zu sein bedarf keiner besonderen Leistung, aber klug zu sein und auch einmal nachgeben zu können setzt Arbeit und Auseinandersetzung voraus - erst mit sich selbst und im nächsten Schritt mit anderen.
Comment
von hebold hebold ist gerade offline | 20.10.2009 8:00 Uhr
@s.theile
Sie lassen uns ja stets an bemerkenswerten Beiträgen teilhaben

:-)

Aus reiner Höflichkeit dies zu Ihrem Beitrag: Sie müssen noch lernen, zwischen Psychologie und Weltpolitik zu unterscheiden.
Comment
von s.theile s.theile ist gerade offline | 20.10.2009 13:04 Uhr
Ich denke nicht, hebold (20.10.2009, 8:00 Uhr)
Es wäre eine interessante Frage, ob z.B. Briand und Stresemann auch gute Psychologen waren, aber in jedem Fall erleben wir etwa bei Bush oder Reagan die Folgen unklugen psychologischen Verhaltens.

So läßt sich der heutige schrille Antiamerikanismus in Lateinamerika auch auf Reagans Wirken in Lateinamerika zurückführen ebenso wie die Reaktionen Rußlands auf den Raketenschild, welcher ihnen mit einer dreisten Lüge vor die Nase gesetzt wurde.

Und auch die Sichtweise Schewardnadses auf das abermalige Scheitern eines ambitionierten Luftabwehrprojekts der Amerikaner ist reine Psychologie. Sein Land hatte gerade einen Krieg verloren, welchen es selbst vom Zaun brach und der für die Russen eine willkommene Gelegenheit bot. Das ist doch der wirkliche Grund für Schewardnadses Stellungnahme zu SDI.

Ebenso sind die Befindlichkeiten der baltischen Staaten und von Ländern wie Polen, Tschechien und der Ukraine gegenüber Rußland Psychologie. Es ist reichlich unrealistisch, daß Rußland morgen in Polen einmarschiert, aber hier haben sich alte Erfahrungen und Denkmuster eingebrannt. Und zu allem Überfluß stoßen die Russen diese Länder auch noch teilweise mit einem rüden und rücksichtslosen Verhalten vor den Kopf.

Also wenn das keine Psychologie ist; hat Weltpolitik nichts mit Menschen zu tun? Nicht umsonst besitzt die Diplomatie ihre eigenen Umgangsformen, ihr Brauchtum, so daß man selbst in der Alltagssprache sagt, man verhalte sich "diplomatisch", wenn man meint, die Interessen und Belange anderer zu respektieren und zu berücksichtigen.
In diesem Sinne war Reagan bestimmt kein guter Weltpolitiker und anscheinend liegen die achtziger Jahre mit ihrem politischem Klima, den der Aufrüstungswahn hervorbrachte, schon zu weit zurück, wenn Lehming hier kaum widersprochen ein (zudem wages) militärisches Zukunftsprojekt zur friedensstiftenden Maßnahme erklären kann.

(Entschuldigung, ist wieder viel zu lang geworden, keine Zeit.)
Comment
von hebold hebold ist gerade offline | 20.10.2009 16:16 Uhr
@s.theile Psychok...
Noch einmal aus Höflichkeit:

Die Ressentiments der Balten und Polen haben Psychologie genau nichts zu tun. Es sind schlicht Erinnerungen an konkrete Fakten, die 20 Jahre zurückliegen: Besatzung durch die Russen, Massenmord. Dazu kommen ganz konkrete, aktuelle Drohgebärden aus Moskau.

Und einmal ehrlich: Aus einer Politik der Aufrüstung zur Eindämmung eines dikatorischen Regimes auf den Sexismus der Vertreter dieser Politik zu schließen, das ist - mit Verlaub gesagt - Psychokacke. Oder Rhetorik. Denn wahrscheinlich wollen Sie lediglich von den Inhalten ablenken. Die lauten: SDI hat die Russen in die Pleite getrieben. Nicht zufällig sagen Sie dazu kein Wort.
Comment
von s.theile s.theile ist gerade offline | 20.10.2009 13:13 Uhr
Nachtrag (hebold vom 20.10.2009, 8:00 Uhr)
Der Sinnzusammenhang im zweiten Absatz ist natürlich völlig falsch, aber ich denke, daß sich dennoch erschließt, was gemeint war.
Comment
von nielas.aran nielas.aran ist gerade offline | 20.10.2009 11:10 Uhr
@s.theile
Sehr amüsant, wie Du am Ende der eigenen Sachargumente versucht die Diskussion in Richtung Sexismus und Diskriminierung zu verschieben.
Das lässt sich ja in fast alles reininterpreteiren (grandioses Beispiel ist das Pixi-Kinderbuch) und idR. fühlt sich das Gegenüber zunächst genötigt zu beweiesen, dass er kein Sexist ist.
Du hättest dann natürlich dein Ziel erreicht, nämlich dass sich die Diskussion von dem Punkt, an dem Du mal wieder nicht mehr weiter wusstest.

Immer wieder die gleiche Tricks, wie sie wohl im Diskussionsleitfaden der linken Gutmenschen stehen.
Comment
von wilhelm wilhelm ist gerade offline | 28.10.2009 14:47 Uhr
„Linke Gutmenschen“
Wenn einer des Denkens überdrüssig geworden, was bringt er dann? Genau: Den Gutmenschen. Der inflationäre Gebrauch dieses Begriffs hat schon etwa belustigendes, wird er doch bevorzugt von eben jenen gebraucht, für die er einmal erfunden worden war und auf die er auch heute noch zutrifft. Na, und die Kombination mit dem Begriff Links entzündet dann den allerhellsten Stern am Firmament der Intellektualität und Redlichkeit.
Comment
von ridgleylisp ridgleylisp ist gerade offline | 19.10.2009 20:13 Uhr
Nur neu für die deutschen Medien
Natürlich hat Herr Lehming Recht: Aber wie schon gesagt, diese Tatsache ist doch eigentlich schon alter Hut, hier in Amerika schon seit langem. Reagan war wie Eisenhower ein Typ des anständigen "Midwesterners", des leicht religiös angehauchten Durchschnittsamerikaners mit stark ausgeprägtem Unrechtsbewusstsein, dem die bolschewistisch-atheistische Zwangsgesellschaft schon rein persönlich extrem zuwider war.

Dass es die deutschen Medien es bisher noch nicht über sich gebracht haben das anzuerkennen bezeugt ja deren starren Linksdrall, mit dem sie meist realitätsfern und allgemein falsch liegen. Man sieht dies ja jetzt mit dem Rummel um Sarrazin und der Ausländerfrage. Da gebraucht es nur einer vorsichtigen Umfrage über die Ansichten des Durchschnittsdeutschen zur Sache, deren Resultat von diesen selben Medien am liebsten gleich unterschlagen worden wäre. Auch hier wird die Zukunft noch unheimlich viel richtig stellen!

Seite : 1 2 >> (2 Seiten)

Kommentar hinzufügen Neue Community-Funktionen Richtlinien


Sie können noch Zeichen schreiben.
Kommentare werden nicht sofort angezeigt. Beachten Sie hierzu unsere Richtlinien.

Um diesen Beitrag absenden zu können, müssen Sie eingeloggt sein.

Benutzername  
Passwort  
     
Sie haben noch keinen eigenen Account? Dann bitte
Geben Sie bitte folgende Daten ein, um sich zu registrieren und Ihren Kommentar zu speichern.
Wir garantieren Ihnen, dass alle persönlichen Daten nur beim Verlag intern verwendet, und nicht ohne Ihre Zustimmung an Dritte weitergegeben werden!

gewünschter Benutzername:
gewünschtes Passwort:
Wiederholung Passwort:
Email:


Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:
Wie viel ist 20 + 2 = 


Anzeige
Weitere Themen

Da kommt noch mehr, wetten? Lesezeichen hinzufügen

Von Friedhard Teuffel
Manipulation beim Fußball ist wie Doping. Beides verdirbt die Idee des Spiels. mehr...

Schicksalsbuch der Nation Lesezeichen hinzufügen

Von Stephan-Andreas Casdorff
Der Bundeshaushalt erst wird zeigen, welche Substanz die neue Koalition hat mehr...

Nachmittags, in einem Lichtspielhaus Lesezeichen hinzufügen

Pascale Hugues, Le Point
Man sollte das Kino verlassen, wenn man im falschen Film ist mehr...

Gleise in die Wüste Lesezeichen hinzufügen

Von Carsten Brönstrup
Die Bahn agiert erfolgreich im Ausland. Warum also gehört es immer noch dem ... mehr...

PORTRÄT ALOIS GLÜCK PRÄSIDENT KATHOLISCHER LAIEN Lesezeichen hinzufügen

Von Claudia Keller
Der 70-Jährige wollte endlich Zeit haben für seine Familie und den ... mehr...
Fotostrecken

Die Feier im neuen Haus (36 Bilder)

Gedenken an Robert Enke (7 Bilder)

Die neue Zentralbibliothek der HU (11 Bilder)

WM 2010 - Die Teilnehmer (33 Bilder)

15 Jahre Cookies-Club (7 Bilder)

Gasometer in Polaroid (30 Bilder)