Preisfrage: Von wem stammt dieser Satz? „Ohne die Religionen, ohne den Glauben, ohne die Kirchen gäbe es keine Grundlage für allgemein verbindliche Moralnormen gegenwärtig in unserer Gesellschaft.“ Ganz richtig, von Gregor Gysi, dem Vorsitzenden der Linksfraktion im Bundestag. Gesagt hat er ihn in einem Interview mit der katholischen Zeitschrift „Kompass“ (November-Ausgabe, Untertitel: „Soldat in Welt und Kirche“, herausgegeben vom katholischen Militärbischof). Die Überschrift des Gesprächs, das die Zeitschrift gemeinsam mit Gysi und Jörg Schönbohm geführt hat, lautet denn auch: „Religionen vermitteln verbindliche Moralregeln“. Am Schluss bekennt der Linkspolitiker: „Obwohl ich nicht religiös bin, fürchte ich also eine gottlose Gesellschaft nicht weniger als jene, die religiös gebunden sind.“ Da tut sich was bei den Sozialisten.
Auch bei den Liberalen tut sich was. Seit Mai gibt es die Gruppe „Christen in der FDP-Bundestagsfraktion“. Inzwischen zählt sie, wie der „Spiegel“ staunend berichtet, schon 40 Mitglieder, fast die Hälfte der Fraktion. Neulich soll es im Andachtsraum des Bundestages zum ersten Mal eine Andacht nur für FDP-Abgeordnete gegeben haben. So voll, erinnert sich ein Teilnehmer, sei es dort noch nie gewesen. Werden aus Neoliberalen plötzlich Neofromme? Parteichef Guido Westerwelle verkündete auf dem letzten Evangelischen Kirchentag in Bremen: „Ich bin aus Glauben und Überzeugung in der Kirche.“ Sein größtes Talent, Gesundheitsminister Philipp Rösler, sitzt im Zentralkomitee der Katholiken. Lediglich Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, die allerdings regelmäßig Einladungen in Evangelische Akademien annimmt, und Dirk Niebel folgen noch dem alten liberalen Motto: „Religion ist Privatsache.“
Doch was früher die Regel war, ist heute die Ausnahme. Deutschlands Spitzenpolitiker sind so fromm, gläubig und religionsaffin wie selten zuvor. Hermann Gröhe, der neue CDU-Generalsekretär, ist Mitherausgeber des evangelischen Wochenmagazins „Chrismon“, von 2003 bis 2009 war er Mitglied des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Karl-Theodor zu Guttenberg stammt aus einer urkatholischen Familie, sein Vater, Enoch zu Guttenberg, hält selbst die Liturgiereform von Papst Paul VI. für falsch („schlimmer Tausch einer bald tausendjährigen ehrwürdigen Liturgie gegen schlechte Klampfen-Veranstaltungen“). Ausgesprochen engagierte Christen sind auch Finanzminister Wolfgang Schäuble, Innenminister Thomas de Maiziere (Präsidiumsmitglied des Deutschen Evangelischen Kirchentages), Kanzleramtschef Ronald Pofalla (streitet für das Kreuz in öffentlichen Räumen), Familienministerin Ursula von der Leyen (pro christliche Erziehung) und Annette Schavan (Mitglied im Zentralkomitee der deutschen Katholiken).
Vorbei ist jedenfalls die Zeit, als Kabinettsmitglieder und auch ein Bundeskanzler bei ihrer Vereidigung auf den Zusatz verzichteten: „So wahr mir Gott helfe.“ Im neuen Kabinett von Pfarrerstochter Angela Merkel sprach ihn jeder. Und wem selbst das nicht reicht, kann seit dem vergangenen Sonntag dem neu gegründeten „Arbeitskreis Engagierter Katholiken in der CDU/CSU“ (EAK) beitreten. Dort sollen Katholiken ermutigt werden, sich innerhalb der C-Parteien noch profilierter politisch zu engagieren.
Ist das nötig? Von der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt schlägt sich die geballte Frömmigkeit unserer Spitzenpolitiker bereits nieder. Im Koalitionsvertrag steht zum ersten Mal überhaupt, dass sich die Bundesregierung für Religionsfreiheit einsetzen und dabei ein besonderes Augenmerk auf die Lage christlicher Minderheiten legen will. Wer aus der Opposition wollte dem widersprechen? Andrea Nahles vielleicht, die starke Frau der SPD, tief gläubige Katholikin und seinerzeit Kämpferin für Pro-Reli in Berlin? Oder Bundestagsvizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt von den Grünen, Präses der EKD-Synode, Mitglied im Präsidium des Kirchentages und Präsidentin des 33. Kirchentages 2011 in Dresden?
Selbst in der Linkspartei – und nicht allein bei Gysi – wächst die Einsicht in die Kraft des Frommen und Faktischen. Bodo Ramelow, Ex-Spitzenkandidat bei der Thüringer Landtagswahl, der seinen Sozialismus gerne von Jesus Christus ableitet, sagte im „Spiegel“: „Ich warne meine Partei davor, antireligiös zu agieren. Wir haben Bündnispartner, die in Kirchen gebunden sind. Die dürfen wir nicht verlieren.“
Die einzige ökumenische Bibel im deutschen Sprachgebiet heißt „Die gute Nachricht“.
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Gut zu sein, ist in erster Linie eine psychologische Leistung und sie gelingt um so besser, wenn man über gute Objektbeziehungen und -erfahrungen verfügt. Der liebe Gott oder meinetwegen der Sozialismus, das kommt später und mir persönlich ist es egal, was jeder für sich dabei als Maxime heranzieht. Aber ersteren benötigt man nicht unbedingt, denn gibt es ihn in Wirklichkeit überhaupt, mal ganz faktisch?
Ich habe den Eindruck, daß Sie auf Ihre Art diese Unterscheidung nicht vornehmen. Ihre Kritik ist pauschal und der Verweis auf hunderte von Jahren zurückliegende Ereignisse unpassend. Was soll Ihre Feststellung sein, daß Menschen scheinheilig sein können? Das ist offen gesagt so belanglos wie die Erkenntnis, daß die Sonne morgens im Osten aufgeht.
Soweit Herr Gysi. Diese Art von Bemerkung ist nicht ganz neu. Die Kirche behauptet etwas ähnliches in regelmäßigen Abständen. Dabei wird jedoch vergessen die Opfer zu zählen. Also: Wieviele Menschen wurden und werden im Namen Gottes missbraucht, misshandelt, ermordet? Ich fürchte, diese Zahl ist in etwa so hoch, wie die Zahl der angeblich geretteten. Es ergäbe sich also eine Art doppelte Buchführung religiös begründeter Moral. Wer das vergisst, sollte zur Religion schweigen.
Genaugenommen befindet sich die Kirche in einer ähnlichen Lage wie die PDS von Herrn Gysi. Sie versuchen die nützliche Seite ihres Produkts (Katholizismus, Sozialismus) zu verkaufen und verschweigen die Nebenwirkungen. Und beide - PDS und katholische Kirche - kommen plötzlich wie Unschuldslämmer daher. Predigen ihre Wahrheiten so, als hätte es kein Morden im Namen eben dieser Religionen gegeben.
Im festen Vertrauen auf Gott lässt es sich leichter hoffen.
Vergessen wir nicht das "große" Herz einiger Kirchenvertreter :
Quelle :
http://www.welt.de/welt_print/article2450296/Misshandlungen-in-Kinderheimen-in-der-Nachkriegszeit.html
Offensichtlich bietet die Mitgliedschaft in der Kirche oder Engagement in der Kirche, ein Arbeitsverhältnis mit kirchlichen Betrieben keine Garantie dafür, immer mit serösen Menschen in Kontakt zu treten. Aber wie in vielen anderen Institution gibt es offensichtlich die Möglichkeit die eigene Karriere zu fördern, wenn man die erst einmal die Empathie abschaltet hat.
Da hilft nur noch beten.
Wenn eban der erst wenige Wochen im Amt befindlichen schwarz-gelben Koalition schon den schwarzen Peter zuschieben möchte, dann weiß er anscheinend besser, wie man die Krise ohne Kredite, Schulden und Vertrauen in die Leistungskraft unserer arbeitenden Bevölkerung durchsteht. Heraus mit der Sprache: Wie geht's besser, wie ohne Schulden?
Ich habe den fürchterlichen Verdacht, daß eban an eine sozialistische Lösung denkt: alles verstaatlichen usw. Man darf daran erinnern, daß die DDR schon ohne Weltwirtschaftskrise bankrott ging. Die Wirtschaft des großen sowjetischen Bruders hat auch nicht überlebt - trotz immenser Resourcen. Beides atheistische Systeme!
Wie soll das gehen in einer multireligiösen Gesellschaft?
Wenn wir nur eine Religion hätten und diese definieren könnte, was Moral sei, dann ergäbe der Satz Sinn. So widerlegt er sich selbst, weil die Pluralität der Religionen keine Moralnormen erzeugen kann, die allgemeinverbindlich sind, sondern nur eine Pluralität von in den vielen Religionen verankerten Moralnormen generieren kann, also die Allgemeinverbindlichkeit von Moralnormen auflöst.
Ist seit dem 30jährigen Krieg bekannt, weshalb schon Hegel sich über die die Religionen versöhnende Kraft der bürgerlichen Gesellschaft freute, können diese doch in dieser tolerant ihre jeweiligen Moralnormen pflegen. Nur Atheisten waren seiner Zeit noch verboten, was viel Bigotterie erzeugte. Wer wollte schon geächtet werden und als Philosoph seinen Lehrstuhl verlieren.
Man mag das Faktum der religiösen Konkurrenz (das noch durch die vielen atheistischen Moralnormen verstärkt wird) in Moralfragen bedauern, aber es ist nun mal ein Faktum, das nicht dadurch verschwindet, dass man es nicht mag, zumal es in Wahrheit eine totale Sache gibt, dass es eine Konkurrenz der Religionen in unserer Gesellschaft gibt. Dadurch sind wir erst frei und demokratisch geworden.
Na ja, Gysi träumt wahrscheinlich immer noch von der Einheitsreligion, kein Wunder, wenn man im Sozialismus, in der DDR-Diktatur groß geworden ist.
Was bloß könnte es sein, dass für allgemeinverbindliche Moralnormen sorgt, wenn es die sich im Widerstreit befindenden Religionen nicht können?
Die Gesellschaft der Individuen selbst, so darf vermutet werden, die auch ohne Religion sehr gut zwischen gut und böse unterscheiden kann und die Moralnormen erzeugt, die sie braucht, um sich weiter als Gesellschaft der Individuen, als freiheitlich-demokratische Grundordnung tradieren zu können.
"Der Gottes Wahn"
von "Rchard Dawkins"
ISBN - 978-3-550-08688-5
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Da werden sie geholfen.
Religiös zu sein scheint unter Politikern schlicht und ergreifend wieder 'schick' zu werden, ohne dass das aber irgendwelche Implikationen hätte. Nicht für die Menschen in diesem Lande - und das ist im Sinne einer Trennung von Staat und Religion auch teilweise wünschenswert - aber vielfach auch nicht für das persönliche Leben.
Auf der anderen Seite scheint aber auch eine dezidierte Antireligiösität an Zulauf zu gewinnen, die möglicherweise die Greueltaten, die z.B. in der islamischen Welt begangen werden, verabscheut und mangels Handhabe gegen diese das in der letzten Zeit in diesem Lande doch relativ friedliche Christentum verwendet, um sich an ihm abzuarbeiten.
Mithin geht keinerlei Gefahr von all diesen Leuten aus, solange man proreligiöse Sonntagsreden nicht aufgrund seines antireligiösen Dogmas fürchtet oder verabscheut. Soweit man also nicht zu dieser Gruppe gehört, kann man ganz undogmatisch Zuschauer bleiben und sich an den Worten Jesu oder Lessings orientieren, denen zufolge die Taten zeigen sollen, was denn von den (vermeintlichen) Überzeugungen zu halten sei.
Den Dogmatikern ganz gleich welcher Fraktion sei hingegen geraten: Achten Sie auf Ihren Blutdruck, und sehen Sie's einfach mal ein bisschen lockerer.
Nee josef,
mit sowas holt man nicht mal 'ne olle Katze hinterm Ofen vor...
Zu einem besseren und toleranterem Umgang in einer immer pluralistischeren Gesellschaft führt is i.a. nicht, wenn jeder möglichst offensiv seine privaten Glaubensvorstellungen hervorkehrt. Das hat man in der Vergangenheit nunmal oft genug erleben müssen, aber leider lernen nicht alle daraus.
Gysis Satz "Ohne die Religionen, ohne den Glauben, ohne die Kirchen gäbe es keine Grundlage für allgemein verbindliche Moralnormen gegenwärtig in unserer Gesellschaft." ist vollkommen unsinnig und seinem Intellekt unwürdig. Vielleicht ist es auch nur grob aus dem Zusammenhang gerissen worden und gibt bei kontextueller Betrachtung einen anderen Sinn (z.B. dass die Kirchen die gegenwärtigen Moralnormen in unserer Gesellschaft entscheidend beeinflusst haben). Ohne Kirchen gäbe es vermutlich sogar bessere ethische Normen als gegenwärtig oder in der jüngeren Vergangenheit (Gleichberechtigung von Homosexuellen, Frauen etc., sexuelle Selbstbestimmung - wie lange hat es gedauert, diese Freiheiten gegene die Kirchen zu erkämpfen ?), dass beweisen alleine schon die humanistischen Denkansätze der Aufklärung und die UN- und EU-Menschenrechtskonventionen.
@Hermes8: Ein Dogmatiker ist nicht jemand, der seine Sache konsequent vertritt, sondern dies unabhängig von besserem Wissen tut. Der Unterschied: Werden auf wissenschaftliche Weise neue Erkenntnisse gewonnen, werden bestehende Hypothesen verworfen oder überarbeitet (dafür ist die Kirche weniger bekannt), sofern sie inkonsistent sind. Als renommierter Wissenschaftler ist Dawkins daher nichts weniger als ein Dogmatiker.
aber "Wissenschaftler" ist er bei Theologie/Philosophie nicht,
da ist er ein fröhlich dilettierender Autodidakt.
Der Mann ist und bleibt Zoologe,
und so sollte man ihn auch betrachten...
Laut EKD-Schätzungen wird der Anteil der Konfessionsfreien in Deutschland innerhalb der nächsten 10 Jahre auf über 50% steigen. Spätestens dann ist es an der Zeit, dass auch die Politiker eine gewisse Säkularität an den Tag legen.
unter denen, die aus der Kirche ausgetreten sind und trotzdem christlichen Ideologien anhängen, ist die Zahl derer, die aus formalen oder vermeintlich fianziellen Gründen genauso groß, wie unter den Kirchensteuerzahlern, die nicht theistisch orientiert sind.
Typisch für viele A-Theisten hier ist allerdings,
dass sie sich selbst als Glaubensgemeinschaft begreifen,
denn wie anders könnte ein da... den Atheismus neben die Konfessionen stellen, wohl wissend,
dass,
wenn man stattdessen "christlich" formuliert,
eine klare Zweidrittel-Mehrheit sich noch immer als christlich versteht...
Die Reichen reicher machen.
Die Armen ärmer machen.
Solidarsystem Gesundtheit zerschlagen.
usw.
Wenn das praktiziertes Christentum ist, dann pfeif ich auf den lieben Gott.
den erkennt man nämlich nicht an seinen Riten oder Sprüchen,
sondern an seinen Taten,
da aber kommen die alle, angefangen bei unserer Kanzlerin, nicht durch das Nadelöhr...
auf die dumpfen Plattheiten (Reichen reicher, Armen ärmer, etc.) einzugehen, hättest Du Dir in dieser Vorurteilsbörse Forum lieber erspart. Beim Stichwort Kirche, Religion, Christentum etc, kommen immer wieder die Hexenverbrennungen hoch, wird Aufklärung im Vulgärverständnis zur Waffe gegen Gläubigkeit, statt zur Besinnung auf realistische Selbsteinschätzung und -beschränkung angesichts unserer bescheidenen Erkenntnismöglichkeiten. Da war Sokrates bekanntlich schon weiter.
Hier erlebt man jedoch kimer wieder aufs neue das Wesen des Vorurteils: grobes Vereinfachen, Nichtdifferenzierenwollen, Nichtabrückenkönnen von gewohnten Vorstellungen, Festhalten am klaren Feindbild.
Ich gebe ja zu, daß der Kommentar von Malte mit seiner Summierung von christlich denkenden Verantwortungsträgern solche Reaktionen geradezu herausfordert. Aber Kommentare haben immer etwas Provokatives, wenn sie nicht langweilen wollen. Er hat's jedenfalls wieder mal geschafft, die Hexenverbrennungsfeinde in Frontstellung gegen die Christen zu bringen.
Was meinst Du, was hier erst los ist, wenn einer auf den Gedanken kommt, statt Macht mal Intelligenz und kulturelle Leistung in Beziehung zu Religion oder Glaubenshintergrund zu setzen?! Welches Volk hat die mit großem Abstand meisten und bedeutendsten Nobelpreisträger hervorgebracht, absolut und erst recht in Relation zu seiner geringen Bevölkerungzahl, etwa ein Promille der Weltbevölkerung? Von den kulturellen Leistungen ganz zu schweigen. Das religiöse Volk der Juden! Das Salz der Erde!
Wer nichts dazulernen will, den muß man wohl leider seiner Gedankenwelt überlassen. Vorteilgewinnung bei diesen Leuten durch Distanzierung von benachbarten Glaubensgemeinschaften, Protestanten contra Katholiken beispielsweise, bringt überhaupt nichts: Man will auch gar nicht differenzieren, wenn sich dadurch die Gefahr eines Einstellungswandels abzeichnet. Da gibt es auch ein Nadelöhr zu durchsteigen.
Ich will mich nicht von religiösen Fanatikern bevormunden lassen!!!!
von denen es gerade hier im Forum,
eine ganze Horde gibt...
mein obiger Kommentar (arm, ärmer, reich, reicher ...) war zugegebenermaßen etwas plaktativ und wenig differenziert.
Das hat aber auch einen guten Grund:
Auf einen groben Klotz (Lehming:Die gute Nachricht) gehört ein grober Keil.
Und wenn dann die Enkel mal fragen: "Was, Opa?, das gab es wirklich? die haben damals an Götter geglaubt? Und was hast du dagegen getan?"
Dann kann ich antworten:
"Wenn der Frömmler kam, habe ich im TS dagegengehalten."
Besser als nichts, oder ?
Bin als Waage-Geborener immer ein Freund von Dagegenhalten gewesen.
Trotzdem noch 'ne kleine Anmerkung, als Differenzierungshilfe, auch für Ihre Enkel:
Ich bin als Gottgläubiger, als Monotheist und Christ in der Fortsetzung des jüdischen Glaubens, aus dem Christus hervorgegangen ist, ein ebenso strikter Gegner des GÖTTER-Glaubens wie Sie. Ich glaube an einen einzigen Urgrund allen Seins, den wir eben Gott nennen.
Ich bin da aber genauso machtlos bei Erklärungs- und Beweisversuchen, wie diejenigen sein müßten (es merkwürdigerweise aber nicht sind, wie Dawkins z. B.), die die Gegenposition vertreten: die Nichtexistenz eines solchen Urgrunds "Gott".
An die Selbsterschaffung oder die Ewigkeit einer unerschaffbaren materiellen Bausteinwelt zu glauben, scheint mir viel schwerer zu sein, nicht nur weil es die physikalisch erwiesene Unmöglichkeit des Perpetuo Mobile außer acht läßt, was reinen Materialisten nicht passieren sollte, als an die Existenz eines Physik schöpfenden nichtphysikalischen Seins, einer unseren Sinnen also nicht á priori erschließbaren Welt zu glauben.
Eine philosophische Frage, die man nicht durch Leugnung des in Frage stehenden Problems beantwortet. Kurz: Nichts für Frömmler, mehr was für Philosophen.
Vielleicht sollten Sie das als Differenzierungsangebot Ihre Enkeln auch mitgeben.
Gruß, step
danke für die Ausführungen.
Ein Gott oder mehrere Götter, da ist tatsächlich ein kleiner Unterschied. Mit zunehmender Aufklärung werden es immer weniger Götter. Bin mal gespannt wo am Ende die Untergrenze sein wird.
Der Urgrund Gott macht mir wenig sorgen. Kann sein, kann nicht sein, und vor allem, er vernebelt nicht das Denken.
Der ganze Wunder-, Auferstehungs-, und Anbetungsbalast bleibt uns mit dem Urgrund-Gott erspart. Das ist doch schon mal ein guter Fortschritt.
Daß es immer weniger Götter werden, wäre ja zu wünschen. Unsere Welt regiert der Mammon, der Besitz, die Macht über andere, alles was "angebetet", d. h. worum ein Kult getrieben wird, wem man dient, ohne daß es einem bewußt wird.
Das hatten wir in der griechisch-römisch-europäischen Kultur alles schon mal: den Kriegsgott, den Liebesgott, die Jagdgöttin usw. - Verkörperungen der Objekte der Sehnsüchte des Menschen. Aber es gab schon einen obersten Gott, einen Oberpatriarchen Zeus, Theos, Deus. Es gibt unterschiedliche Lehrmeinungen, was die Richtung betrifft: vom Monotheismus, Eingottglauben, zum Polytheismus, Zersplitterung in mehrere Götter, oder umgekehrt von primitiven Naturgeistern zum Monotheismus. Letztere Auffassung hat sich vor dem Hintergrund evolutionärer Entwicklungskonzepte vorerst bei vielen durchgesetzt. Aus philosophischer Sicht keineswegs schlüssig. Eine religionsgeschichtliche Variante des Henne-Ei-Problems. Weiterführend dagegen ist die persönliche Suche, das Aufmerksamwerden in dieser Richtung. Wenn es diesen Gott gibt, wäre er nur akzeptabel, wenn er sich in irgendeiner Weise seiner Schöpfung eingeprägt hat und erneut zu erkennen gibt, wenn er verloren ging. Nach unendlich vieler Menschen Meinung hat er das auch getan und nach christlichem Konzept sogar den Auftrag erteilt, das weiterzugeben. Nur so viel zu dem ganzen "Wunder-, Auferstehungs-, und Anbetungsballast".
Aber ich will hier nicht missionieren.
Sowohl im Nazismus als auch in der DDR-Diktatur konnten so
die Mitläufer ihren Weg gehen.
Auf die Dauer geht sowas nicht gut, zumindest nicht mit dem eigenen Gewissen, so man eines hat.