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Auf den Punkt

Die gute Nachricht

Malte Lehming über die neue Frömmigkeit in der deutschen Politik
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Malte Lehming, Leitender Redakteur (Meinung) - Foto: Kai-Uwe Heinrich
Preisfrage: Von wem stammt dieser Satz? „Ohne die Religionen, ohne den Glauben, ohne die Kirchen gäbe es keine Grundlage für allgemein verbindliche Moralnormen gegenwärtig in unserer Gesellschaft.“ Ganz richtig, von Gregor Gysi, dem Vorsitzenden der Linksfraktion im Bundestag. Gesagt hat er ihn in einem Interview mit der katholischen Zeitschrift „Kompass“ (November-Ausgabe, Untertitel: „Soldat in Welt und Kirche“, herausgegeben vom katholischen Militärbischof). Die Überschrift des Gesprächs, das die Zeitschrift gemeinsam mit Gysi und Jörg Schönbohm geführt hat, lautet denn auch: „Religionen vermitteln verbindliche Moralregeln“. Am Schluss bekennt der Linkspolitiker: „Obwohl ich nicht religiös bin, fürchte ich also eine gottlose Gesellschaft nicht weniger als jene, die religiös gebunden sind.“ Da tut sich was bei den Sozialisten.

Auch bei den Liberalen tut sich was. Seit Mai gibt es die Gruppe „Christen in der FDP-Bundestagsfraktion“. Inzwischen zählt sie, wie der „Spiegel“ staunend berichtet, schon 40 Mitglieder, fast die Hälfte der Fraktion. Neulich soll es im Andachtsraum des Bundestages zum ersten Mal eine Andacht nur für FDP-Abgeordnete gegeben haben. So voll, erinnert sich ein Teilnehmer, sei es dort noch nie gewesen. Werden aus Neoliberalen plötzlich Neofromme? Parteichef Guido Westerwelle verkündete auf dem letzten Evangelischen Kirchentag in Bremen: „Ich bin aus Glauben und Überzeugung in der Kirche.“ Sein größtes Talent, Gesundheitsminister Philipp Rösler, sitzt im Zentralkomitee der Katholiken. Lediglich Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, die allerdings regelmäßig Einladungen in Evangelische Akademien annimmt, und Dirk Niebel folgen noch dem alten liberalen Motto: „Religion ist Privatsache.“

Doch was früher die Regel war, ist heute die Ausnahme. Deutschlands Spitzenpolitiker sind so fromm, gläubig und religionsaffin wie selten zuvor. Hermann Gröhe, der neue CDU-Generalsekretär, ist Mitherausgeber des evangelischen Wochenmagazins „Chrismon“, von 2003 bis 2009 war er Mitglied des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Karl-Theodor zu Guttenberg stammt aus einer urkatholischen Familie, sein Vater, Enoch zu Guttenberg, hält selbst die Liturgiereform von Papst Paul VI. für falsch („schlimmer Tausch einer bald tausendjährigen ehrwürdigen Liturgie gegen schlechte Klampfen-Veranstaltungen“). Ausgesprochen engagierte Christen sind auch Finanzminister Wolfgang Schäuble, Innenminister Thomas de Maiziere (Präsidiumsmitglied des Deutschen Evangelischen Kirchentages), Kanzleramtschef Ronald Pofalla (streitet für das Kreuz in öffentlichen Räumen), Familienministerin Ursula von der Leyen (pro christliche Erziehung) und Annette Schavan (Mitglied im Zentralkomitee der deutschen Katholiken).

Vorbei ist jedenfalls die Zeit, als Kabinettsmitglieder und auch ein Bundeskanzler bei ihrer Vereidigung auf den Zusatz verzichteten: „So wahr mir Gott helfe.“ Im neuen Kabinett von Pfarrerstochter Angela Merkel sprach ihn jeder. Und wem selbst das nicht reicht, kann seit dem vergangenen Sonntag dem neu gegründeten „Arbeitskreis Engagierter Katholiken in der CDU/CSU“ (EAK) beitreten. Dort sollen Katholiken ermutigt werden, sich innerhalb der C-Parteien noch profilierter politisch zu engagieren.

Ist das nötig? Von der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt schlägt sich die geballte Frömmigkeit unserer Spitzenpolitiker bereits nieder. Im Koalitionsvertrag steht zum ersten Mal überhaupt, dass sich die Bundesregierung für Religionsfreiheit einsetzen und dabei ein besonderes Augenmerk auf die Lage christlicher Minderheiten legen will. Wer aus der Opposition wollte dem widersprechen? Andrea Nahles vielleicht, die starke Frau der SPD, tief gläubige Katholikin und seinerzeit Kämpferin für Pro-Reli in Berlin? Oder Bundestagsvizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt von den Grünen, Präses der EKD-Synode, Mitglied im Präsidium des Kirchentages und Präsidentin des 33. Kirchentages 2011 in Dresden?

Selbst in der Linkspartei – und nicht allein bei Gysi – wächst die Einsicht in die Kraft des Frommen und Faktischen. Bodo Ramelow, Ex-Spitzenkandidat bei der Thüringer Landtagswahl, der seinen Sozialismus gerne von Jesus Christus ableitet, sagte im „Spiegel“: „Ich warne meine Partei davor, antireligiös zu agieren. Wir haben Bündnispartner, die in Kirchen gebunden sind. Die dürfen wir nicht verlieren.“

Die einzige ökumenische Bibel im deutschen Sprachgebiet heißt „Die gute Nachricht“.
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Kommentare [ 31 ] Kommentar hinzufügen »

Comment
von s.theile s.theile ist gerade offline | 18.11.2009 14:41 Uhr
"Das Eiapopeia vom Himmel"
Es fragt sich nur, was diese Aufzählung belegen soll? Welchen Stellenwert besitzt ein vormittäglicher Kirchenbesuch, wenn nachmittags ganz frömmig und voller Nächstenliebe das Gesundheitssystem kaputt gemacht oder die Entwicklungshilfe zusammengestrichen wird? Oder der Bush, erst war er dem Alkohol zugeneigt, dann wurde er plötzlich fromm. Hätte er besser mal weiter gesoffen.

Gut zu sein, ist in erster Linie eine psychologische Leistung und sie gelingt um so besser, wenn man über gute Objektbeziehungen und -erfahrungen verfügt. Der liebe Gott oder meinetwegen der Sozialismus, das kommt später und mir persönlich ist es egal, was jeder für sich dabei als Maxime heranzieht. Aber ersteren benötigt man nicht unbedingt, denn gibt es ihn in Wirklichkeit überhaupt, mal ganz faktisch?
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von oliver111 oliver111 ist gerade offline | 18.11.2009 14:47 Uhr
Wenn
die Scheinheiligkeit nicht so groß wäre, dann könnte man den Politikern dieses glauben, aber im Namen der Kirche sind die größten Verbrechen begangen worden, somit sind mir menschliche Atheisten bedeutend lieber, die das tun was sie sagen und nicht was sagen und was anderes tun, Nächstenliebe, Moral, Werte, etc. gibt´s dort nicht, tut mir leid, aber jeden Sonntag in die Kirche rennen und den Teufel im Nacken, sind Wahrheiten, die tagtäglich geschehen. Im Namen der katholischen Kirche sind Waffen gesegnet worden, Frauen verbrannt, Heuchelei das passt zur Politik in diesem Sinne schönes weiterheucheln!!
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von s.theile s.theile ist gerade offline | 18.11.2009 14:55 Uhr
Ja, oliver111 (18.11.2009, 14:47 Uhr)
Und andersrum wird über die Sozialisten das gleiche gesagt. Sehen Sie mal.
Comment
von oliver111 oliver111 ist gerade offline | 18.11.2009 16:49 Uhr
S.Theile
ich habe mit Sozialismus nichts am Hut, also gehören die zur Scheinheiligkeit genauso, wenn sie soetwas sagen, dass ist mir egal wer das tut, es ist bei jedem ob Politiker, Bürger das gleiche nach Außen so tun und hintenrum anders handeln ist scheinheilig.
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von s.theile s.theile ist gerade offline | 18.11.2009 20:03 Uhr
@ oliver111 (18.11.2009, 16:49 Uhr)
Darum geht es mir auch nicht. Ich will Ihr Augenmerk darauf lenken, daß es mitunter zwei verschiedene Sachen sind, was eine Sache in sich ist und was Menschen zum Teil daraus machen.

Ich habe den Eindruck, daß Sie auf Ihre Art diese Unterscheidung nicht vornehmen. Ihre Kritik ist pauschal und der Verweis auf hunderte von Jahren zurückliegende Ereignisse unpassend. Was soll Ihre Feststellung sein, daß Menschen scheinheilig sein können? Das ist offen gesagt so belanglos wie die Erkenntnis, daß die Sonne morgens im Osten aufgeht.
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von hebold hebold ist gerade offline | 18.11.2009 14:51 Uhr
Doppelte Buchführung
„Ohne die Religionen, ohne den Glauben, ohne die Kirchen gäbe es keine Grundlage für allgemein verbindliche Moralnormen gegenwärtig in unserer Gesellschaft.“

Soweit Herr Gysi. Diese Art von Bemerkung ist nicht ganz neu. Die Kirche behauptet etwas ähnliches in regelmäßigen Abständen. Dabei wird jedoch vergessen die Opfer zu zählen. Also: Wieviele Menschen wurden und werden im Namen Gottes missbraucht, misshandelt, ermordet? Ich fürchte, diese Zahl ist in etwa so hoch, wie die Zahl der angeblich geretteten. Es ergäbe sich also eine Art doppelte Buchführung religiös begründeter Moral. Wer das vergisst, sollte zur Religion schweigen.

Genaugenommen befindet sich die Kirche in einer ähnlichen Lage wie die PDS von Herrn Gysi. Sie versuchen die nützliche Seite ihres Produkts (Katholizismus, Sozialismus) zu verkaufen und verschweigen die Nebenwirkungen. Und beide - PDS und katholische Kirche - kommen plötzlich wie Unschuldslämmer daher. Predigen ihre Wahrheiten so, als hätte es kein Morden im Namen eben dieser Religionen gegeben.
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von eban eban ist gerade offline | 18.11.2009 15:03 Uhr
Da weiß man
endlich, warum diese Koalition das Land in die größte Schuldenarie seiner Geschichte stürzt.
Im festen Vertrauen auf Gott lässt es sich leichter hoffen.
Comment
von epunion.de epunion.de ist gerade offline | 18.11.2009 15:58 Uhr
@s.theile
Genau. Am Sonntag beten und am Montag die UN-Menschenrechte, den Gleichbehandlungsgrundsatz mit Füßen treten, indem man ein "equal payment" in der Leiharbeitsbranche ablehnt. Am nächsten Sonntag wieder beten und die "Kopfpauschale" auf die schwachen Lämmer abwälzen. Am Sonntag wieder beten und am Montag für einen "Diakoniebetrieb" eine eigene Zeitarbeitsfirma gründen, um an sich selbst Leiharbeitnehmer zu verleihen. Am nächsten Sonntag beichten und am Montag eine "christliche" Scheingewerkschaft CGZP gründen.

Vergessen wir nicht das "große" Herz einiger Kirchenvertreter :

Zitat:


In kirchlichen Erziehungsheimen Niedersachsens sind Jugendliche und Kinder in den 50er- und 60er-Jahren einer Untersuchung zufolge regelmäßig misshandelt und häufig auch sexuell missbraucht worden. "Prügelstrafen waren an der Tagesordnung", sagte der Leiter des Projekts "Gewalt und Unrecht in der Heimerziehung", Hans Bauer, am Montag in Hannover. Schwere Misshandlungen bis hin zu Vergewaltigungen seien zwar nicht von oben angeordnet, aber gängige Praxis gewesen.



Quelle :
http://www.welt.de/welt_print/article2450296/Misshandlungen-in-Kinderheimen-in-der-Nachkriegszeit.html


Offensichtlich bietet die Mitgliedschaft in der Kirche oder Engagement in der Kirche, ein Arbeitsverhältnis mit kirchlichen Betrieben keine Garantie dafür, immer mit serösen Menschen in Kontakt zu treten. Aber wie in vielen anderen Institution gibt es offensichtlich die Möglichkeit die eigene Karriere zu fördern, wenn man die erst einmal die Empathie abschaltet hat.

Da hilft nur noch beten.


Comment
von s.theile s.theile ist gerade offline | 18.11.2009 16:04 Uhr
Sehr schön, eban (18.11.2009, 15:03 Uhr)
Sehr treffend ausgedrückt.
Comment
von step step ist gerade offline | 19.11.2009 2:34 Uhr
Mumpitz
Auch wenn es nett klingt, es bleibt Unsinn. Die Koalition hat die Krise nicht verursacht, und Deutschland steht im Vergleich zu anderen Ländern noch relativ gut da.
Wenn eban der erst wenige Wochen im Amt befindlichen schwarz-gelben Koalition schon den schwarzen Peter zuschieben möchte, dann weiß er anscheinend besser, wie man die Krise ohne Kredite, Schulden und Vertrauen in die Leistungskraft unserer arbeitenden Bevölkerung durchsteht. Heraus mit der Sprache: Wie geht's besser, wie ohne Schulden?
Ich habe den fürchterlichen Verdacht, daß eban an eine sozialistische Lösung denkt: alles verstaatlichen usw. Man darf daran erinnern, daß die DDR schon ohne Weltwirtschaftskrise bankrott ging. Die Wirtschaft des großen sowjetischen Bruders hat auch nicht überlebt - trotz immenser Resourcen. Beides atheistische Systeme!

Comment
von unbekannt | 18.11.2009 16:14 Uhr
Welch unsinniger Satz
„Ohne die Religionen … gäbe es keine Grundlage für allgemein verbindliche Moralnormen gegenwärtig in unserer Gesellschaft.“

Wie soll das gehen in einer multireligiösen Gesellschaft?

Wenn wir nur eine Religion hätten und diese definieren könnte, was Moral sei, dann ergäbe der Satz Sinn. So widerlegt er sich selbst, weil die Pluralität der Religionen keine Moralnormen erzeugen kann, die allgemeinverbindlich sind, sondern nur eine Pluralität von in den vielen Religionen verankerten Moralnormen generieren kann, also die Allgemeinverbindlichkeit von Moralnormen auflöst.

Ist seit dem 30jährigen Krieg bekannt, weshalb schon Hegel sich über die die Religionen versöhnende Kraft der bürgerlichen Gesellschaft freute, können diese doch in dieser tolerant ihre jeweiligen Moralnormen pflegen. Nur Atheisten waren seiner Zeit noch verboten, was viel Bigotterie erzeugte. Wer wollte schon geächtet werden und als Philosoph seinen Lehrstuhl verlieren.

Man mag das Faktum der religiösen Konkurrenz (das noch durch die vielen atheistischen Moralnormen verstärkt wird) in Moralfragen bedauern, aber es ist nun mal ein Faktum, das nicht dadurch verschwindet, dass man es nicht mag, zumal es in Wahrheit eine totale Sache gibt, dass es eine Konkurrenz der Religionen in unserer Gesellschaft gibt. Dadurch sind wir erst frei und demokratisch geworden.

Na ja, Gysi träumt wahrscheinlich immer noch von der Einheitsreligion, kein Wunder, wenn man im Sozialismus, in der DDR-Diktatur groß geworden ist.

Was bloß könnte es sein, dass für allgemeinverbindliche Moralnormen sorgt, wenn es die sich im Widerstreit befindenden Religionen nicht können?

Die Gesellschaft der Individuen selbst, so darf vermutet werden, die auch ohne Religion sehr gut zwischen gut und böse unterscheiden kann und die Moralnormen erzeugt, die sie braucht, um sich weiter als Gesellschaft der Individuen, als freiheitlich-demokratische Grundordnung tradieren zu können.
Comment
von samuelrees samuelrees ist gerade offline | 18.11.2009 17:16 Uhr
Einwand
Das entscheidende ist nicht ob es Moralnormen gibt (denn die gibt es immer), sondern welche Moralnormen es gibt. Und da hinken die Kirchen der gesellschaftlichen Realität doch meistens hinterher.
Comment
von josef-anton josef-anton ist gerade offline | 18.11.2009 20:44 Uhr
Hier werden Sie geholfen...
Allen die meinen Hilfe zu brauchen um Glauben anders zu sehen, bepfehle ich folgende Lektüre.:

"Der Gottes Wahn"

von "Rchard Dawkins"
ISBN - 978-3-550-08688-5
..........................
Da werden sie geholfen.
Comment
von unbekannt | 19.11.2009 0:53 Uhr
Dogmatismus
Eines ist Herr Dawkins ganz bestimmt, was auf die Politiker mit dem christlichen Mäntelchen in den allermeisten Fällen nicht zutreffen dürfte: nämlich ein Dogmatiker.

Religiös zu sein scheint unter Politikern schlicht und ergreifend wieder 'schick' zu werden, ohne dass das aber irgendwelche Implikationen hätte. Nicht für die Menschen in diesem Lande - und das ist im Sinne einer Trennung von Staat und Religion auch teilweise wünschenswert - aber vielfach auch nicht für das persönliche Leben.

Auf der anderen Seite scheint aber auch eine dezidierte Antireligiösität an Zulauf zu gewinnen, die möglicherweise die Greueltaten, die z.B. in der islamischen Welt begangen werden, verabscheut und mangels Handhabe gegen diese das in der letzten Zeit in diesem Lande doch relativ friedliche Christentum verwendet, um sich an ihm abzuarbeiten.

Mithin geht keinerlei Gefahr von all diesen Leuten aus, solange man proreligiöse Sonntagsreden nicht aufgrund seines antireligiösen Dogmas fürchtet oder verabscheut. Soweit man also nicht zu dieser Gruppe gehört, kann man ganz undogmatisch Zuschauer bleiben und sich an den Worten Jesu oder Lessings orientieren, denen zufolge die Taten zeigen sollen, was denn von den (vermeintlichen) Überzeugungen zu halten sei.

Den Dogmatikern ganz gleich welcher Fraktion sei hingegen geraten: Achten Sie auf Ihren Blutdruck, und sehen Sie's einfach mal ein bisschen lockerer.
Comment
von dali dali ist gerade online | 19.11.2009 9:11 Uhr
Ausgerechnet Dawkins, @josef
ein autodidaktischer Erbsenzähler mit philosophischen Ambitionen und einem Priesterheer, das bis in unser Forum reicht, hat den Durchblick.
Nee josef,
mit sowas holt man nicht mal 'ne olle Katze hinterm Ofen vor...
Comment
von longinus longinus ist gerade offline | 19.11.2009 1:03 Uhr
Enoch zu Guttenberg
Enoch zu Guttenberg hat sich in einem Interview mal als Atheist bezeichnet, der nicht an die Auferstehung der Toten glaube. Diese Position ist nicht "urkatholisch". Dass er ein Gegner der Liturgiereform ist, passt dazu. Ein Atheist ist wahrscheinlich kein regelmäßiger Messbesucher. Auch einem Martin Mosebach, ebenfalls Gegner der Liturgiereform, geht es doch wohl mehr um Ästhetik als um theologische Inhalte.
Comment
von thorsten.kettwig thorsten.kettwig ist gerade offline | 19.11.2009 11:00 Uhr
Was an dieser Nachricht gut sein soll ...
... weiß wohl nur der Autor.
Zu einem besseren und toleranterem Umgang in einer immer pluralistischeren Gesellschaft führt is i.a. nicht, wenn jeder möglichst offensiv seine privaten Glaubensvorstellungen hervorkehrt. Das hat man in der Vergangenheit nunmal oft genug erleben müssen, aber leider lernen nicht alle daraus.
Gysis Satz "Ohne die Religionen, ohne den Glauben, ohne die Kirchen gäbe es keine Grundlage für allgemein verbindliche Moralnormen gegenwärtig in unserer Gesellschaft." ist vollkommen unsinnig und seinem Intellekt unwürdig. Vielleicht ist es auch nur grob aus dem Zusammenhang gerissen worden und gibt bei kontextueller Betrachtung einen anderen Sinn (z.B. dass die Kirchen die gegenwärtigen Moralnormen in unserer Gesellschaft entscheidend beeinflusst haben). Ohne Kirchen gäbe es vermutlich sogar bessere ethische Normen als gegenwärtig oder in der jüngeren Vergangenheit (Gleichberechtigung von Homosexuellen, Frauen etc., sexuelle Selbstbestimmung - wie lange hat es gedauert, diese Freiheiten gegene die Kirchen zu erkämpfen ?), dass beweisen alleine schon die humanistischen Denkansätze der Aufklärung und die UN- und EU-Menschenrechtskonventionen.

@Hermes8: Ein Dogmatiker ist nicht jemand, der seine Sache konsequent vertritt, sondern dies unabhängig von besserem Wissen tut. Der Unterschied: Werden auf wissenschaftliche Weise neue Erkenntnisse gewonnen, werden bestehende Hypothesen verworfen oder überarbeitet (dafür ist die Kirche weniger bekannt), sofern sie inkonsistent sind. Als renommierter Wissenschaftler ist Dawkins daher nichts weniger als ein Dogmatiker.
Comment
von dali dali ist gerade online | 19.11.2009 11:54 Uhr
Langsam langsam @thorsten
zwar kann ich thorstens Betrachtungen Dawkins betreffend teilen,
aber "Wissenschaftler" ist er bei Theologie/Philosophie nicht,
da ist er ein fröhlich dilettierender Autodidakt.
Der Mann ist und bleibt Zoologe,
und so sollte man ihn auch betrachten...
Comment
von Dabinichwieder Dabinichwieder ist gerade offline | 19.11.2009 11:20 Uhr
Traurig
In diesem Land stellen die Konfessionsfreien inzwischen die größte "Konfession", nämlich 35% gegenüber weniger als jeweils 30% bei Katholiken und Evangelen. Es ist ein Unding, dass dies von der Politik nicht in angemessener Weise reflektiert wird.

Laut EKD-Schätzungen wird der Anteil der Konfessionsfreien in Deutschland innerhalb der nächsten 10 Jahre auf über 50% steigen. Spätestens dann ist es an der Zeit, dass auch die Politiker eine gewisse Säkularität an den Tag legen.
Comment
von dali dali ist gerade online | 19.11.2009 11:38 Uhr
@da...
die absoluten Zahlen sind zunächst mal nicht relevant:
unter denen, die aus der Kirche ausgetreten sind und trotzdem christlichen Ideologien anhängen, ist die Zahl derer, die aus formalen oder vermeintlich fianziellen Gründen genauso groß, wie unter den Kirchensteuerzahlern, die nicht theistisch orientiert sind.
Typisch für viele A-Theisten hier ist allerdings,
dass sie sich selbst als Glaubensgemeinschaft begreifen,
denn wie anders könnte ein da... den Atheismus neben die Konfessionen stellen, wohl wissend,
dass,
wenn man stattdessen "christlich" formuliert,
eine klare Zweidrittel-Mehrheit sich noch immer als christlich versteht...
Comment
von capajork capajork ist gerade offline | 19.11.2009 13:48 Uhr
Tolle Christen
Das sind mir ja ganz feine Christen im schwarz-gelben Kabinett.

Die Reichen reicher machen.
Die Armen ärmer machen.

Solidarsystem Gesundtheit zerschlagen.
usw.
Wenn das praktiziertes Christentum ist, dann pfeif ich auf den lieben Gott.
Comment
von dali dali ist gerade online | 19.11.2009 15:00 Uhr
Siehste @capa,
da ist es vorteilhaft, Protestant zu sein,
den erkennt man nämlich nicht an seinen Riten oder Sprüchen,
sondern an seinen Taten,
da aber kommen die alle, angefangen bei unserer Kanzlerin, nicht durch das Nadelöhr...
Comment
von step step ist gerade offline | 19.11.2009 19:29 Uhr
Nadelöhre, wo man hinschaut
Lieber dali,
auf die dumpfen Plattheiten (Reichen reicher, Armen ärmer, etc.) einzugehen, hättest Du Dir in dieser Vorurteilsbörse Forum lieber erspart. Beim Stichwort Kirche, Religion, Christentum etc, kommen immer wieder die Hexenverbrennungen hoch, wird Aufklärung im Vulgärverständnis zur Waffe gegen Gläubigkeit, statt zur Besinnung auf realistische Selbsteinschätzung und -beschränkung angesichts unserer bescheidenen Erkenntnismöglichkeiten. Da war Sokrates bekanntlich schon weiter.
Hier erlebt man jedoch kimer wieder aufs neue das Wesen des Vorurteils: grobes Vereinfachen, Nichtdifferenzierenwollen, Nichtabrückenkönnen von gewohnten Vorstellungen, Festhalten am klaren Feindbild.
Ich gebe ja zu, daß der Kommentar von Malte mit seiner Summierung von christlich denkenden Verantwortungsträgern solche Reaktionen geradezu herausfordert. Aber Kommentare haben immer etwas Provokatives, wenn sie nicht langweilen wollen. Er hat's jedenfalls wieder mal geschafft, die Hexenverbrennungsfeinde in Frontstellung gegen die Christen zu bringen.
Was meinst Du, was hier erst los ist, wenn einer auf den Gedanken kommt, statt Macht mal Intelligenz und kulturelle Leistung in Beziehung zu Religion oder Glaubenshintergrund zu setzen?! Welches Volk hat die mit großem Abstand meisten und bedeutendsten Nobelpreisträger hervorgebracht, absolut und erst recht in Relation zu seiner geringen Bevölkerungzahl, etwa ein Promille der Weltbevölkerung? Von den kulturellen Leistungen ganz zu schweigen. Das religiöse Volk der Juden! Das Salz der Erde!
Wer nichts dazulernen will, den muß man wohl leider seiner Gedankenwelt überlassen. Vorteilgewinnung bei diesen Leuten durch Distanzierung von benachbarten Glaubensgemeinschaften, Protestanten contra Katholiken beispielsweise, bringt überhaupt nichts: Man will auch gar nicht differenzieren, wenn sich dadurch die Gefahr eines Einstellungswandels abzeichnet. Da gibt es auch ein Nadelöhr zu durchsteigen.
Comment
von justine justine ist gerade offline | 19.11.2009 22:08 Uhr
Knebelung von Atheisten durch eine Invasion religiöser Politiker?
Und sowas will nun über uns ALLE regieren. Das ist unfassbar. In Deutschland sind mehr als die Hälfte der Menschen nicht in der Kirche. Wo bleibt unsere politische Vertretung? Wo bleiben die Politiker, die sich für Religionsfreiheit, also FREIHEIT von Religion, ensetzen?

Ich will mich nicht von religiösen Fanatikern bevormunden lassen!!!!
Comment
von dali dali ist gerade online | 19.11.2009 23:05 Uhr
Und ich mich nicht @justine
von atheistischen Fanatikern,
von denen es gerade hier im Forum,
eine ganze Horde gibt...
Comment
von capajork capajork ist gerade offline | 20.11.2009 8:29 Uhr
Klotz und Keil
@ step

mein obiger Kommentar (arm, ärmer, reich, reicher ...) war zugegebenermaßen etwas plaktativ und wenig differenziert.
Das hat aber auch einen guten Grund:
Auf einen groben Klotz (Lehming:Die gute Nachricht) gehört ein grober Keil.

Und wenn dann die Enkel mal fragen: "Was, Opa?, das gab es wirklich? die haben damals an Götter geglaubt? Und was hast du dagegen getan?"
Dann kann ich antworten:
"Wenn der Frömmler kam, habe ich im TS dagegengehalten."
Besser als nichts, oder ?
Comment
von step step ist gerade offline | 20.11.2009 12:02 Uhr
Kann ich nachvollziehen!
@capajork
Bin als Waage-Geborener immer ein Freund von Dagegenhalten gewesen.
Trotzdem noch 'ne kleine Anmerkung, als Differenzierungshilfe, auch für Ihre Enkel:
Ich bin als Gottgläubiger, als Monotheist und Christ in der Fortsetzung des jüdischen Glaubens, aus dem Christus hervorgegangen ist, ein ebenso strikter Gegner des GÖTTER-Glaubens wie Sie. Ich glaube an einen einzigen Urgrund allen Seins, den wir eben Gott nennen.
Ich bin da aber genauso machtlos bei Erklärungs- und Beweisversuchen, wie diejenigen sein müßten (es merkwürdigerweise aber nicht sind, wie Dawkins z. B.), die die Gegenposition vertreten: die Nichtexistenz eines solchen Urgrunds "Gott".
An die Selbsterschaffung oder die Ewigkeit einer unerschaffbaren materiellen Bausteinwelt zu glauben, scheint mir viel schwerer zu sein, nicht nur weil es die physikalisch erwiesene Unmöglichkeit des Perpetuo Mobile außer acht läßt, was reinen Materialisten nicht passieren sollte, als an die Existenz eines Physik schöpfenden nichtphysikalischen Seins, einer unseren Sinnen also nicht á priori erschließbaren Welt zu glauben.
Eine philosophische Frage, die man nicht durch Leugnung des in Frage stehenden Problems beantwortet. Kurz: Nichts für Frömmler, mehr was für Philosophen.
Vielleicht sollten Sie das als Differenzierungsangebot Ihre Enkeln auch mitgeben.
Gruß, step
Comment
von capajork capajork ist gerade offline | 20.11.2009 13:06 Uhr
bin auch Waage :-)
@ step,

danke für die Ausführungen.
Ein Gott oder mehrere Götter, da ist tatsächlich ein kleiner Unterschied. Mit zunehmender Aufklärung werden es immer weniger Götter. Bin mal gespannt wo am Ende die Untergrenze sein wird.

Der Urgrund Gott macht mir wenig sorgen. Kann sein, kann nicht sein, und vor allem, er vernebelt nicht das Denken.

Der ganze Wunder-, Auferstehungs-, und Anbetungsbalast bleibt uns mit dem Urgrund-Gott erspart. Das ist doch schon mal ein guter Fortschritt.
Comment
von step step ist gerade offline | 20.11.2009 16:57 Uhr
"Warten auf die Untergrenze"@capajork
Ihre schnelle Antwort hat mich erfreut.
Daß es immer weniger Götter werden, wäre ja zu wünschen. Unsere Welt regiert der Mammon, der Besitz, die Macht über andere, alles was "angebetet", d. h. worum ein Kult getrieben wird, wem man dient, ohne daß es einem bewußt wird.
Das hatten wir in der griechisch-römisch-europäischen Kultur alles schon mal: den Kriegsgott, den Liebesgott, die Jagdgöttin usw. - Verkörperungen der Objekte der Sehnsüchte des Menschen. Aber es gab schon einen obersten Gott, einen Oberpatriarchen Zeus, Theos, Deus. Es gibt unterschiedliche Lehrmeinungen, was die Richtung betrifft: vom Monotheismus, Eingottglauben, zum Polytheismus, Zersplitterung in mehrere Götter, oder umgekehrt von primitiven Naturgeistern zum Monotheismus. Letztere Auffassung hat sich vor dem Hintergrund evolutionärer Entwicklungskonzepte vorerst bei vielen durchgesetzt. Aus philosophischer Sicht keineswegs schlüssig. Eine religionsgeschichtliche Variante des Henne-Ei-Problems. Weiterführend dagegen ist die persönliche Suche, das Aufmerksamwerden in dieser Richtung. Wenn es diesen Gott gibt, wäre er nur akzeptabel, wenn er sich in irgendeiner Weise seiner Schöpfung eingeprägt hat und erneut zu erkennen gibt, wenn er verloren ging. Nach unendlich vieler Menschen Meinung hat er das auch getan und nach christlichem Konzept sogar den Auftrag erteilt, das weiterzugeben. Nur so viel zu dem ganzen "Wunder-, Auferstehungs-, und Anbetungsballast".
Aber ich will hier nicht missionieren.
Comment
von cz284 cz284 ist gerade offline | 21.11.2009 15:13 Uhr
Nischengesellschaften?!
Das Hatten wir schon mindestens zweimal, die offizielle Meinung, mit der Geld verdient wurde und die Private, die Zuhause galt.
Sowohl im Nazismus als auch in der DDR-Diktatur konnten so
die Mitläufer ihren Weg gehen.
Auf die Dauer geht sowas nicht gut, zumindest nicht mit dem eigenen Gewissen, so man eines hat.
Comment
von achim_stoesser achim_stoesser ist gerade offline | 24.11.2009 21:03 Uhr
Psychosen
Anders gesagt: praktisch die gesamte Regierung und Opposition leidet objektiv gesehen an massiven Wahnvorstelugen ... http://tierrechtsforen.de/theismuspsychose

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