Im WORT laut : Krieg oder nicht Krieg

03.08.2009 00:00 Uhr

Stimmen zur Debatte darüber, wie man aus deutscher Sicht den Einsatz in Afghanistan bezeichenn soll

In der „Süddeutschen Zeitung“ schreibt der ehemalige Generalinspekteur der Bundeswehr, General a.D. Klaus Naumann, zur Debatte darüber, ob der Einsatz in Afghanistan ein Krieg ist:

Hätte man früher zu klarer Sprache gefunden, dann hätte man diese die Truppe belastende Diskussion vermeiden können, nicht aber den innenpolitischen Streit. Er wird meist von den von utopischem Pazifismus geleiteten Gegnern aller militärischer Einsätze geschürt. Sie kennen nur ein Ziel: Andersdenkenden ihre Meinung aufzuzwingen. In ihrem eigenartigen Demokratieverständnis dulden sie nur ihre Meinung. Ihnen ist auch völlig egal, dass ihr Beharren auf dem Wort Krieg für die Menschen in Afghanistan noch mehr Leid und für unsere Soldaten zusätzliche Gefahr bedeuten.

In dieser Auseinandersetzung bringt ängstliches Vermeiden klarer Sprache nichts, nur eindeutiges Vertreten des eigenen Standpunkts hilft: Der Einsatz in Afghanistan ist kein Krieg, denn es gibt keinen von den Vereinten Nationen legitimierten Krieg. Die eigentlichen Nutznießer dieser Diskussion aber sind die Taliban, ihre terroristischen Verbündeten und die internationale Drogenmafia.

Im „Spiegel“ wendet sich der Philosoph und Bestsellerautor Richard David Precht „wider den verlogenen Menschenrechts-Bellizismus“:

Was ein Krieg ist, definiert der Verteidigungsminister. Dieser Satz steht zwar nicht in der Verfassung, aber er gilt trotzdem. Ein „Stabilisierungseinsatz“ und „kein Krieg“ sei das, was die Bundeswehr in Afghanistan treibe, erklärte Franz Josef Jung. Ergänzt um den verblüffenden Nachsatz, dass es schon deshalb kein Krieg sei, weil dies der Sprachgebrauch der Taliban sei. Diese wiederum seien keine Krieger, sondern Terroristen.

Drei Sätze benötigte der Verteidigungsminister, um die deutsche Sprache weit hinter die Gebrüder Grimm zurückzuwerfen. Hin zu einer Semantik, in der Krieger keine Terroristen und Terroristen folglich auch keine Krieger sein können. Hin auch zu einer Begriffswolke namens „Stabilisierungseinsatz“, die ihren Ehrenplatz im Wörterbuch der militärischen Verdummungsvokabeln findet. Worte wie diese signalisieren nur eins: Feigheit vor dem eigenen Volk.

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