MEIN Blick : Wenn zwei sich nicht streiten ... ... ärgern sich die Dritten, vor allem die Medien

21.09.2009 00:00 UhrVon Alexander Gauland

Was Opposition und Medien ständig einfordern, den aggressiven und stimmungsvollen Wahlkampf, das ist den Wählern ein Graus.

Es stimmt, das große Duell war langweilig, ein Duett mehr als ein Duell. Doch schuld daran waren nicht die beiden Protagonisten, schuld daran waren falsche Erwartungen und ein Medienhype ohne Sinn und Verstand. Auf vier Kanälen wurde ein Drama inszeniert, das für zwei schon zu schmal gewesen wäre.

Die Sachlage jedenfalls hat es nicht verändert: Wenn Frau Merkel eine Mandatsmehrheit für Schwarz-Gelb erhält, wird sie eine sogenannte bürgerliche Koalition bilden, ganz gleich, ob die Debatte nun ein Hauch von großer Koalition umwehte und Herr Westerwelle unzufrieden war. Es kommt eben nicht darauf an, ob Frau Merkel das eine mehr will als das andere, sie würde von der Partei gesteinigt, ließe sie sich auf eine große Koalition ein, wenn es für das Wunschbündnis mit der FDP reicht.

Und auf dieses Ziel hin hat sie alles richtig gemacht. Oder hätte sie wirklich ihren Vizekanzler einen Ignoranten und Dummschwätzer nennen sollen und dieser seine Chefin eine neoliberale Megäre? Es ist doch einfach unsinnig zu glauben, zwei noch amtierende Koalitionspartner könnten mit der Beschimpfung des anderen Punkte machen und Wählerprozente gewinnen. Die für so eine Aufführung die beiden Kandidaten umarmt hätten, sind ihre eigenen Anhänger – also genau jene, die sie auf jeden Fall wählen, die anderen hätten sich mit Grausen abgewandt, und beide Parteien würden eher bei 20 als bei 30 plus Wählerprozenten verharren.

Schließlich hat die Kanzlerin Erfahrungen mit der mangelnden Akzeptanz vermeintlicher Reformbemühungen bei den Wählern. Nie wieder Kirchhoff! Denn was Opposition und Medien ununterbrochen einfordern, den aggressiven und stimmungsvollen Wahlkampf, die Auseinandersetzung um die Zukunft des Landes, ist den Wählern ein Graus. Nur kein Streit und keine Visionen, Konsens war und ist der Stimmungs- und Stimmenmagnet in der alten wie der neuen Bundesrepublik. Wer Visionen hat, sollte einen Arzt aufsuchen, wie es schon Altkanzler Helmut Schmidt empfahl. Auch wenn sich die deutsche Mentalität in vielem gewandelt hat, die leidenschaftliche Sehnsucht nach einem oder einer, die sagt, wo es langgeht, und zwar jenseits des elenden Parteiengezänks, ist den Deutschen nach wie vor ein Herzensanliegen. Wer dieses Bild vom guten Regenten, vom über den Parteien schwebenden demokratischen Monarchen zerstört, hat schon verloren.

Die Kanzlerin konnte diese Rolle qua Amt perfekt spielen und hat es mit einigen Schönheitsfehlern auch getan, ihr Herausforderer tat gut daran, nicht mit Majestätsbeleidigung zu antworten, sondern als der bessere Ersatzmonarch aufzutreten, auch wenn seine Pläne für mehr Arbeit in Deutschland so schnell vergessen sind, wie sie formuliert wurden. Manchmal sind die handelnden Politiker eben viel schlauer als die sie beobachtenden und über sie mäkelnden Journalisten.

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