Meinung : Kommt endlich in die Puschen

„Warum klappt nichts bei der S-Bahn?“ vom 10. Juni

Sicher zu Recht regen sich Wähler, Steuerzahler, Nutzer und damit auch Eigentümer der Berliner S-Bahn darüber auf, wie langsam die Politik die Problematik angeht. Wenn jedoch Christfried Tschepe nur die zukünftigen Krisen schwarz malt, ist uns dies zu wenig! Wir alle müssen konstruktiv die jetzt sehr bemühte S-Bahn-Leitung unter Peter Buchner, den Senat, aber auch die Bahnindustrie mit unserer Erfahrung aus vielen Jahrzehnten unterstützen und praktikable Lösungen einfordern! Nach wie vor wird die S-Bahn mit Denkschemata aus den Jahren 1956–1980 konfrontiert, als es noch wenig Autos und keinen Regionalverkehr gab. So sind heute noch viele Linien und Fahrtakte im Angebot, die – leider durch Kirchturmpolitiker verstärkt – eigentlich überhaupt nicht mehr gebraucht werden: Acht-Wagen-Züge auf den Außenästen nach 20 Uhr, 10-Minuten-Takt von Lichterfelde Süd nach Teltow Stadt, Blankenburg–Birkenwerder, die ganze S 46 und S 85 u. a. Hier sollten nach genauen Fahrgastzählungen Ausdünnungen vorgenommen werden. Dann müsste der Steuerzahler nicht mehr pro Jahr ca. 220 Millionen Euro zuschießen, sondern ein neuer Vertrag ab 2017 wäre bei verminderten Leistungen mit deutlich unter 200 Millionen Euro möglich, mit dem Riesenvorteil, dass vorerst keine neuen Züge für die S-Bahn gebraucht werden und die fachgerechte Entwicklung einer neuen Baureihe in Ruhe vorgenommen werden könnte.

Aber nun endlich muss die Berliner Politik der Realität ins Auge blicken: Der Regionalverkehr sollte schnellstmöglich verstärkt bestellt werden, denn er ist sicherer, schneller und komfortabler als die S-Bahn. Dafür wären die eingesparten Millionen sinnvoll für uns Fahrgäste einzusetzen, denn es gibt in Berlin diverse Strecken, die betriebsbereit sind bzw. mit geringem Aufwand herzurichten wären, um ähnlich günstig wie zwischen Spandau und Zoo (in acht statt zwanzig Minuten) befahren zu werden: Lichtenberg – Ostkreuz – Ostbahnhof, Gesundbrunnen – Lichtenberg, Basdorf – Gesundbrunnen, Dresdner Bahn von Südkreuz über Lichtenrade und Mahlower Kurve zum neuen Flughafen BER, Spandau – Falkenhegener Feld – Johannisstift – Hakenfelde u. a.

Für dieses Umdenken wäre bis 2017 noch Zeit – aber die Politik muss endlich „in die Puschen“ kommen und nicht die U5 oder den Parallel-Tunnel Wedding–Hauptbahnhof bejubeln und dafür Hunderte von Millionen Euro nutzlos in den Berliner Sand setzen.

Jürgen Czarnetzki, Vorsitzender Bürgerinitiative Spandauer Verkehrsbelange 73, Berlin-Spandau

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