Meinung : Kongo: Hoffen auf eine neue Generation

Markus Hesselmann

Afrikanischen Herrschern ist es selten vergönnt, friedlich im Bett zu sterben. Nun hat es auch Laurent-Desiré Kabila erwischt. Fast genau vierzig Jahre nach dem gewaltsamen Tod Patrice Lumumbas - des ersten Premierministers der vom Joch der Kolonialmacht befreiten Republik Kongo - wurde Kongos Diktator von einem Angehörigen seiner Leibgarde umgebracht. Wer auch immer hinter dem Attentat steckt: Die offenbar bewusste, zynische Verknüpfung mit einer historischen Bluttat verweist umso deutlicher auf das ewige Dilemma Afrikas. Vierzig Jahre nach dem Rückzug der Kolonialmächte haben es nur ganz wenige afrikanische Staaten geschafft, einigermaßen stabile Verhältnisse oder auch nur den Ansatz von Wohlstand zu erreichen.

Der rohstoffreiche Kongo - zwischenzeitlich Zaire genannt - ist ein krasses Beispiel dafür, dass weder die alten Eliten aus der Kolonialzeit und den frühen Unabhängigkeitsjahren noch die alten, oft noch sozialistisch geprägten Widerstandskämpfer dazu taugen, den Kontinent zu führen und zu befrieden. Als Kabila den siechen Plünderer Mobutu aus dem Lande geworfen hatte, wurde sehr rasch klar, dass Demokratisierung keineswegs zu den Prioritäten des einstigen Kampfgenossen Che Guevaras gehörte. Ja, der lateinamerikanische Freiheitskämpfer selbst hatte einst schon an der Politiktauglichkeit Kabilas gezweifelt.

Im Kongo, wie im größten Teil Afrikas, ließen sich die alten Gegner stets nur von der Logik des Krieges leiten. Unter Rechtfertigungszwang wurde dann nur allzu gern auf die - sicherlich vorhandene, bei der Konfliktlösung aber heute nicht mehr helfende - historische Schuld der einstigen Kolonialmächte verwiesen. Afrika aber kann erst dann zur Ruhe kommen, wenn sich so etwas wie eine Bürgergesellschaft entwickelt.

Und es gibt auch Hoffnungszeichen: In Simbabwe etwa, wo der alte Revolutionär Robert Mugabe sich an die Macht klammert, ist mit Morgan Tsvangirai ein Gegner hervorgetreten, der sich eben nicht als Militär, sondern als Gewerkschafter einen Namen gemacht hat. In Ghana schlug ein Politiker ohne Militärlaufbahn den Kandidaten des einsichtigen Putschisten Jerry John Rawlings bei der Präsidentenwahl. In Ländern wie Sambia oder Nigeria entwickeln sich - unterstützt durch die digitale Revolution - mehr und mehr freie Medien. Nur solche Zivilisten im wahrsten Sinne des Wortes darf und muss der Westen unterstützen.

Im Kongo aber setzt sich der Kreislauf der Gewalt zunächst einmal fort. Statt für Ruhe zu sorgen und weiteres Blutvergießen zu verhindern, riefen die Herrscher in Kinshasa gestern dazu auf, den Tod Kabilas zu rächen.

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