Konjunktur : Dicke Hose kann peinlich werden

Kein Zweifel, die deutsche Wirtschaft ist im Aufschwung. Damit das so bleibt, sind jedoch nicht allein schöne Worte des Wirtschaftsministers notwendig.

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Es ist ja manchmal schwierig mit Sprachbildern und Kurzformeln. Einen XL-Aufschwung rief der Wirtschaftsminister vor Wochen aus, und die Losung setzte sich durch. Jetzt läuft es angeblich noch besser als gedacht. Aber was ist dann die treffende Umschreibung? XXL? Und muss Deutschland den Gürtel weiterschnallen, also Geld ausgeben, dass es kracht? Nein, auch Rainer Brüderle hält am Sparkurs fest, vorerst. Mehr Geld sollen die Arbeitgeber und in der Folge die Arbeitnehmer ausgeben, aber nicht der Staat. Und so gut die Lage derzeit tatsächlich scheint, erklären sich seine Einlassungen zu einem Großteil aus der Absicht, gute Stimmung zu erzeugen. Sich selbst erfüllende gute Prognosen – das wäre am besten. Doch ob das klappt, hängt nicht nur an den deutschen Unternehmen und noch weniger an der Bundesregierung. Die schmucke XL-Hose besteht aus vielen bunten Stücken: Die europäischen Schuldenstaaten müssen ihre Probleme in den Griff bekommen, die US-Wirtschaft muss aus ihrem Loch herausfinden, und in China und anderen großen Schwellenländern darf nichts schiefgehen. Und obendrein muss Deutschland seine demografischen Probleme und Bildungsdefizite überwinden. Auf dicke Hose machen, ist nicht verboten. Aber es nutzt sich ab. Und es kann peinlich werden.

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